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Warum »Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind« perfekt ist [Filmrezension]

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. KinoticketsMit normalen Erwartungen begab ich mich direkt am 16.11.2016 in die 23.00 Uhr Vorstellung des lang ersehnten „Harry Potter“ Spin Offs. Auch mich beschlichen vorab die typischen Sorgen: kann dieser neue Film Joanne K. Rowlings Meisterwerk gerecht werden? Möchte ich ihn überhaupt sehen? Wird er mich enttäuschen? Ist diese Gelmacherei wirklich nötig? Erfolgreich habe ich diese Zweifel sehr schnell im Keim erstickt.

Ich sitze also im größten Saal des Mainzer Cinestars. Das erstaunlicherweise – aber auch erschreckenderweise – sehr leer war. Die Werbung beschränkte sich auf angenehm wenige Clips und es gab auch nur zwei Filmtrailer. Dann öffnete sich der Vorhang endlich noch ein bisschen weiter und wir wussten. JETZT beginnt endlich der lang ersehnte und gefürchtete neue „Harry Potter“.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die nächsten 133 Minuten wurde ich von vorne bis hinten verzaubert. Ich möchte im Einzelnen gar nicht so genau auf die Storyline eingehen, Details betonen oder euch vom Inhalt erzählen (denn je unbeleckter ihr den Film seht, desto besser vermutlich! ;)). Ich möchte euch lediglich nahebringen, was den Film für mich so perfekt gemacht hat.

(Achtung, vor rücksichtslosem Adjektivgebrauch wird gewarnt!)

Vor dem Film. Nach dem Film schwebte ich vor Glückseligkeit ;)

Vor dem Film. Nach dem Film schwebte ich vor Glückseligkeit 😉

Die Geschichte wird sehr stark von den Figuren und der schauspielerischen Leistung der einzelnen Akteure getragen. Sehr charmant und sehr überzeugend entspinnt sich mit ihnen eine faszinierende Geschichte, voller Wunder, schockierender, aber auch überraschender Momente. Ich hatte das Gefühl, ich wäre IM Film dabei. Habe mich durch nichts ablenken lassen, an nichts anderes, als an das Spektakel vor mir auf der Leinwand gedacht.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ versucht in keinem einzigen Moment auch nur einen Hauch so zu sein wie „Harry Potter“ und das ist vermutlich die größte Stärke des Films. Die einzige Parallele ist das gleiche Universum, das einige Jahrzehnte früher, nämlich 1926, auch für mich als „Zauberkundige“ noch Neuigkeiten und Ungewisses bereithält.

Und dennoch fühlte ich mich durch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ endlich wieder so, als käme ich nach langer Zeit nach Hause. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe die wundersamen und fabelhaften Tiere bestaunt, mehr als einmal eine Gänsehaut bekommen und gezittert, wie es wohl weitergehen wird.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ kreiert durch die harmonische Balance einer packenden Geschichte, toller schauspielerischer Leistung und fabelhafter Musik eine zauberhafte Atmosphäre. Ein Wunder, dass ich nicht an Verzückung ob so mitreißender Reizüberflutung gestorben bin.

Ja, jetzt habe ich sehr viel mit Adjektiven um mich geworfen (manche vermutlich sogar doppelt verwendet) und habe dennoch die Befürchtung, ich kann der Verfilmung nicht annähernd gerecht werden.

Eines muss ich aber noch erwähnen. Newt Scamander (Eddie Redmayne) hat es mir mehr als angetan und ein kleines bisschen habe ich mich wirklich in ihn verguckt. (Er trägt einen wunderschönen Mantel in meiner Lieblingsfarbe und transportiert einen Koffer mit den dollsten Tieren durch New York da kann ich als närrischer Tierliebhaber doch gar nicht anders, oder?) Mal ehrlich: Newt Scamander ist ein selbstloser, schrulliger, mutiger und facettenreicher Charakter, den ich gerne etwas angehimmelt habe.

Wen wird es da verwundern, dass ich für diesen perfekten und magischen Film ein zweites Mal ins Kino flitzen werde?! ❤

Für mich ist „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ DAS Kinohighlight 2016 und erhält von mir deshalb die Bestnote.

Wir haben inzwischen 3 Uhr nachts, deshalb seht es mir nach, wenn mein spontaner Eindruck über „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ nicht ganz so ausgereift sein mag. Ich kann nur einfach nicht mehr länger mit meiner Freude über den Film warten und möchte sie deshalb direkt morgen früh mit euch teilen!

Jetzt bin ich aber auch sehr neugierig auf eure Meinungen! Könnt ihr meine Liebe teilen, seid ihr bitterböse enttäuscht oder fandet ihr ihn ganz nett und habt etwas mehr erwartet? Jedweder Eindruck ist mehr als willkommen!

Details zum Film:

Regie David Yates
Drehbuch Joanne K. Rowling
Schauspieler u.a. Eddie Redmayne, Dan Fogler, Katherine Waterston, Colin Farrell, Ezra Miller <3, A Fine Frenzy, Johnny Depp
Musik James Newton Howard
Länge 133 Minuten
Filmstart 17.11.2016

 

Trix Solier – Odyssee im Orient von Sergej Lukianenko [Rezension]

Bei einer Erstbegegnung von Mensch und Drache geben sich beide Seiten gegenseitig Rätsel auf. Wenn ich die Antworten auf deine Fragen kenne, habe ich das Recht, dich zu töten. Wenn nicht, trennen wir uns in Frieden. […] Meine […] Frage: Hundert Mäntel und alle ohne Knöpfe – was ist das?“

S. 23

Der Inhalt:

Trix Solier ist etwas unzufrieden. Da hat er in seinen jungen Jahren schon zahlreiche Gefahren erfolgreich gemeistert und dem Königreich einen ehrenvollen Dienst erwiesen und trotzdem muss er sich nun als einfacher Zauberlehrling mit niederen Arbeiten abgeben. Dabei sind die Arbeiten an sich für Trix nicht einmal so schlimm, lediglich die Eintönigkeit zerrt an ihm, und wie sehr er doch seine Freunde vermisst, allen voran die schöne Tiana…

Doch eines Tages, als sein Meister Radion Sauerampfer ausgegangen ist, landet ein Drache auf dem Dach des Zauberturms und fordert von Trix‘ Meister die noch schuldige Gefälligkeit ein. Da Trix als Radion Sauerampfers Lehrling an dessen Stelle verpflichtet ist die Schuld zu begleichen, begleitet er gemeinsam mit der meistens munteren Annette den Drachen kurz darauf in seine Heimat. Doch der für Trix bereits überwältigende Ritt auf dem Rücken des Drachens ist erst der Anfang seiner Odyssee. Denn dieses Mal geht es um Leben und Tod. Schwieriger noch: Trix muss in einer fremden Kultur über seine Grenzen hinaus handeln, um den Untergang der Welt, wie er sie kennt, zu verhindern.

Eine beachtenswerte Fortsetzung

Sergej Lukianenko hat mit Trix Soliers Reise in den Orient schon das zweite und glorreiche Abenteuer eines jungen Zauberlehrlings verfasst, der sich nach Abenteuern sehnt und seinen Platz in der Welt zu finden sucht. Diese Fortsetzung steht dem ersten Band in nichts nach und kann auch problemlos ohne seinen Vorgänger genossen werden.

Sergej Lukianenko schafft ein weitschweifiges Abenteuer, das in drei Teile gegliedert ist.

TRIX NIMMT ÜBEL

TRIX SPINNT RÄNKE

TRIX ZIEHT IN DEN KAMPF

Angelegt auf knapp 600 Seiten stellt es einen dicken Wälzer dar, der aber auch einiges zu bieten hat.

So wird Trix zu Beginn von einem Drachen auf den Plan gerufen (und wo es einen Drachen gibt, gibt es sicherlich noch mehr), hat die Fee Annette an seiner Seite, bei der man nie so genau bestimmen kann, ob sie nun nach ihrem eigenen Interesse handelt oder für das Gemeinwohl aller und begegnet außerdem erneut seinen „Feinden“, den Vitamanten.

Lasst euch verführen vom heldenhaften Zauber des Orients

Mir gefiel besonders gut die orientalische Umsetzung, die einerseits gewährleistete, dass Sergej Lukianenko sich in seinen bombastischen Abenteuern nicht wiederholte und andererseits besitzt „Trix Solier – Odyssee im Orient“ so seinen ganz eigenen Charme, der von gänzlich anderen und atemberaubenderen Faktoren geprägt ist, als sein Vorgänger. Aus diesem Grunde eignet sich aus meiner Sicht dieser Band stärker zum Versinken in einer fremden Welt, da sie noch intriganter, die Situation noch unlösbarer, das Abenteuer noch größer und der Zusammenhalt der Freunde noch stärker scheint.

Wie gewohnt weiht sich der Autor auch in dieser Geschichte einem heiteren Ton, der zum Schmunzeln einlädt, den Verstand fordert und lebhafte Bilder heraufbeschwört. Auf jeder einzelnen Seite schwingt Ironie mit, die mal mehr mal weniger unterschwellig den Ton der Erzählung angibt.

So zahlreich und unzählbar die Sandkörner der Wüste sind, genauso verstrickt und undurchschaubar gestaltet sich der temporeiche Handlungsverlauf, der nicht immer von schnellen Ereignissen und Taten lebt, dafür hin und wieder von flotten Unterhaltungen, vertrackten Wortspielen, weisen Sprüchen und oberschlauen (besserwisserischen) Kommentaren.

Über manche Langatmigkeiten kann großzügig hinweggesehen werden

Somit findet das Leserherz in „Trix Solier – Odyssee im Orient“ eine reichlich fantastische Geschichte, in deren Mittelpunkt ein Held steht, der genau das richtige Maß an Selbstbewusstsein und Unsicherheiten an den Tag legt, eine spektakuläre Reise in den Orient, die einige Überraschungen bereithält und nicht zuletzt eine wortgewandte Sprache, die Jung und Alt gleichermaßen begeistern dürfte.

Manches Mal erschienen mir manche Passagen zu lang, weil die Gespräche sich zogen oder die Figuren auf der Stelle zu treten schienen, was wiederum ein gewisses Maß an Authentizität beweist, da im richtigen Leben auch nie alles flutscht.- Obgleich diese Art der schon märchenhaft anmutenden Erzählung nicht ernsthaft mit der Realität verglichen werden kann.

Zum Teil hätte ich mir kürzere Kapitel gewünscht, da dies (bei mir) oft ein besseres Lesegefühl entstehen lässt.

Mein endgültiges Urteil:

Sergej Lukianenkos Werk ist für alle Abenteurer unter euch oder diejenigen, die schon lange davon träumen und es nie wagten, sich in die weite Welt zu begeben. An der Seite von Trix Solier und seinen schillernden Freunden ist vieles möglich und das Beste daran, man kann selbst entscheiden wie weit man gehen möchte. Denn am Ende bleibt auch diese Geschichte nur ein Buch, das mit dem Zuklappen beendet wird, doch vielleicht regt gerade dieses Abenteuerbuch den Einen oder Anderen übers Lesen hinaus zum Entdecken der Welt an.


Bewertung

Thematik:

(Orientalische) Reisen

Abenteurer

Zauberer

Fantastische Wesen (Bspw.: Feen, Drachen)

Intrigen

Machtspiele

Sultane

 

Allgemeine Buchinformationen:

Sergej Lukianenko
Trix Solier – Odysee im Orient
Roman
EUR 17,99
Übersetzt aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann
ISBN 978-3-407-74339-8
1. Auflage 2012
Zu „Trix Solier – Odyssee im Orient“ bei Beltz

Vielen Dank an Beltz & Gelberg + BdB für dieses erquickliche Leseexemplar

Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern [Rezension]

Der Inhalt:

Der Cirque des Rêves hat nur nachts geöffnet und reist von Ort zu Ort, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent. Er zieht die Menschen wie magisch an, so dass sich sogar eine Gemeinschaft namens „Rêveurs“ gründet, die sich gegenseitig über das Auftauchen des Zirkus‘ informieren und ihre Leidenschaft für diesen intensiven, sowie impulsiven Ort teilt.

Doch niemand ahnt, welche Illusion und Bedrohung unter diesem Schauspiel der Schönheit und Wunder verborgen liegt. Der Zirkus, einst geschaffen als Schauplatz eines Duells, kennt nur einen Sieger und kein Erbarmen. Zwei Zauberer haben sich unfreiwillig mit ihrem Leib daran gebunden und müssen ihn immer erweitern und immer die Oberhand gewinnen. Eine Zwickmühle, die niemand lösen kann. Irgendwann wird einer unterliegen und was passiert dann mit diesen Menschen anlockenden Faszinationen?- Möge der Bessere gewinnen!

Das gewisse ‚Etwas‘?

Wieso fühlen sich relativ viele LeserInnen von „Der Nachtzirkus“ bezaubert? Was beschreibt oder hat Erin Morgenstern, was anderen Autoren fehlt?

Die Antwort ist recht einfach. Sie mischt viele unbekannte Variablen, die sie sich wie zufällig immer wieder berühren lässt, und schafft mit zunehmender Handlung immer intensivere Verknüpfungspunkte, die LeserInnen hautnah eine Entwicklung spüren lassen. Versucht haben dies sicherlich schon viele Schriftsteller und einige sind gescheitert. Hingegen Erin Morgenstern überzeugt durch weitere Elemente: Sie kombiniert ihre vielen Charaktere, die in unregelmäßigen Zeitsprüngen aus verschiedensten Blickwinkeln wahrgenommen und durchleuchtet werden mit ihrem feingliedrigem Schreibstil, der dieser Erzählung das Leben einhaucht.

Es betreten nicht nur von Erin Morgenstern erschaffene Figuren den Zirkus. Die Autorin spricht ihre LeserInnen direkt an und das an sich wäre nicht einmal nötig gewesen, um sich dermaßen von der Atmosphäre verzaubert zu fühlen.

Gelegentlich wünschte auch ich mir mehr Klarheit und war diese vermeintliche „Hinhaltetaktik“ leid, doch am Ende ergibt alles einen Sinn und ordnet sich einer recht schlichten Lösung unter, die ich so niemals erwartete. Dieses subtile Finale stellt quasi den Gipfel der zuvor schon herrschenden Authentizität dar.

Der große Gewissenskonflikt

Welche Strategie verwendet diese talentierte Autorin außerdem?

Erin Morgenstern führt ihre LeserInnen in einen Gewissenskonflikt. Dieser äußert sich in den beiden Protagonisten Celia und Marco. Wie bereits erwähnt, werden sämtliche Charaktere aus allen nur erdenklichen Perspektiven gezeichnet und so fiebert man gleichermaßen mit Celia und Marco mit, obwohl das Wesen der Handlung darin liegt, dass die beiden in einem unvorstellbarem Rahmen ein Duell austragen und Feinde sind. Auf diese (manipulative) Art und Weise gibt es kein eindeutiges Abstecken/Eingrenzen von Gut und Böse.

Der Nachtzirkus“ lebt von seinen Nebenhandlungen mitunter stärker, als von seiner Haupthandlung. Wenngleich ich meistens das Gefühl hatte, dass die Haupthandlung noch peripher präsent wäre, sind es vor allen Dingen die einzelnen Geschichtchen, die verknüpft im größeren „Universum“ mein Leserherz höher schlagen ließen.

Die beste Zirkusgeschichte aller Zeiten?

Leider kann ich inhaltlich nicht „en detail“ schildern, was einen als LeserIn erwarten wird, denn die Wirkung dieses Romans muss sich Schicht für Schicht von selbst entblättern. Allerdings wird nichts Ihre Vorstellungen ausreichend ausfüllen können, was auch nur annähernd der realen Erzählung Erin Morgensterns nahe kommt. Ich erwartete Etwas komplett anderes und bin dennoch positiv überrascht. „Eine Zirkusgeschichte, so etwas langweiliges will mir jemand als spannend verkaufen?“- Ja, das will ich. Selbst Menschen mit Zirkusaversionen könnte dieses Buch gefallen. Denn solch einen Zirkus hat noch niemand betreten. Solch ein Zirkus passt in kein Fantasiereich hinein. Solch ein Zirkus ist einmalig und muss selbst erlebt werden, um das Wirken der gesamten Darbietung und ihre Wunder zu verstehen.

Mein endgültiges Urteil:

Viele autonome Nebenhandlungen, die wie kleine Geschichten ihrem eigenem Tempo folgen, eigenständige Pfade beschreiten und dennoch die Geschichte der Haupthandlung beständig weitertragen, unterfüttern, verzieren und verstehen helfen, bilden zusammen mit atmenden Figuren und einem zu Tränen rührendem Schreibstil einen Roman, der mich durchweg an den Seiten kleben ließ. Meisterhaft. Ich las im Rahmen einer Leserunde dieses Werk, durch die ich wiederum auf ein paar (eher unbedeutende) Logikfehler aufmerksam gemacht wurde. Mich störten sie kein Stück, doch es gibt immer LeserInnen, die so etwas gar nicht vertragen. Deswegen weiß ich auch, dass manche den Schreibstil und den Handlungsverlauf Erin Morgensterns eher als „speziell“ bezeichnen würden und nicht alle mit dieser Art des Geschichtenschreibens konform laufen. Doch eine Leseprobe sollte genügen, um dem Abhilfe zu schaffen.

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Magie

Liebe

Rêveurs

Zauberei

Duell

Sieger-Verlierer

Magiepraktiken

Erzählungen

Talente

Schwarz und Weiß

Uhren

19. und 20. Jahrhundert

Allgemeine Buchinformationen:

Erin Morgenstern
Der Nachtzirkus
Roman
464 Seiten, € 19,99 [D]
Erschienen: 15.03.12
Zu „Der Nachtzirkus“ bei ULLSTEIN

Vielen Dank an Lovelybooks und den Ullstein-Verlag für diese Leserunde und in diesem Rahmen dieses wundervolle Leseexemplar!!

Die Drachenjägerin 02 – Das geheime Bündnis von Maja Winter [Rezension]

Inhalt:
Linn ist nun die berühmteste und erfolgreichste Drachenjägerin des Landes. Sie hat den Namen ihres Vaters reingewaschen, dennoch verläuft ihr Leben so kompliziert wie nie. Sie und Nival gehen sich aus dem Weg, denn seinen Verrat kann sie ihm nicht so leicht verzeihen und das Schloss in Lanhannat ist den Einflüsterungen einer lockenden und versteckten Intrigantin hörig und droht, ein altes Erbe zu zerstören.
Auch Arian der Prinz schenkt mehr und mehr seiner Aufmerksamkeit Linn, die sich hüten muss, damit er ihr Geheimnis nicht enthüllt.
Doch letztlich geht es um die Drachen und Linn spürt, dass es da etwas gibt, was man ihr verschweigt, etwas, das auch ihren Vater dazu veranlasste einst mit einem Drachen zu paktieren…

Meine Meinung:
„Die Drachenjägerin 02“ ist eine jener Geschichten, die für immer im Kopf, vor allen Dingen aber im Herzen zurückbleibt.
Maja Winter kreierte bittersüße Worte, die einerseits Qual ausdrückten, voller unerträglich vollkommener Schönheit und andererseits ein großes Geschenk an alle LeserIn darstellt, die in den Genuss kommen, diese geniale Fantasy zu lesen!
Eine Geschichte so betörend, dass es mich in die Lüfte erhob und auf dem Rücken des Windes in ferne Abenteuer reiten ließ.
„Drachenjägerin 02“ besitzt so unendlich viele Seiten und dennoch sind es niemals genug. Obwohl die Wartezeit auf den finalen dritten Band lediglich einen Monat beträgt, fühle ich mich so unendlich verloren. Maja Winter webt magische Klänge und zauberhafte Wesen in ihre Worte ein, nur so kann ich mir dieses tiefe, aufwühlend und tosende Meer erklären, was während des Lesens unterschwellig in mir brodelte und auf seinen Ausbruch wartete.
Die Ereignisse im ersten Band überschlugen sich bereits, doch hier baut alles aufeinander auf und Maja Winter fügt dem Ganzen neue Komponenten, Elemente, ja ganze Symphonien hinzu.
Locker und leicht scheint ihr das Schreiben von der Hand zu gehen und noch nie erschien mir die Figur der Drachen so glaubwürdig und urgewaltig wie hier. Es sind keine Zahmen Kampftiere für Menschen, sie sind intelligent, besitzen einen eigenen Kopf und irgendwo sind sie den Menschen in ihren magischen und physischen Fähigkeiten überlegen.
In „Die Drachenjägerin 02“ treffen sich so einige Gestalten der Fantasy-Welt. Schillernd, spannend, atemberaubend und pompös, ein Festival, zudem wir Kraft unserer Gedanken alle Zutritt bekommen können.
Linn ist eine Protagonistin, mit der ich mich identifizieren konnte und wer Heldinnen der etwas anderen Art mag, sollte zugreifen. Denn letztlich wissen wir doch, wer im Endeffekt die Fäden spinnt: wir Frauen. Wir lassen die Männer nur glauben, es wären ihre Gedanken, ihre Taten und ihr Sieg, aber errungen haben wir ihn! 😉
Charaktere voller Farben, die diesen Geniestreich von Geschichte ausfüllen und eine Handlung, die niemals still steht. Ich liebe auch diesen Band und freue mich nun auf das Finale! Letztlich klingen alle Worte im Vergleich zu dieser Schönheit hohl. Dieses Buch ist für die Sinne und das muss man selbst erfahren!

Mein Fazit:
Die Fortsetzung steht seinem Vorgänger in nichts nach und wer eines der besten Bücher aller Zeiten lesen möchte, sollte diesen an Träume heranreichenden Roman sofort kaufen!
Ich bin immer noch wie verzaubert von der glorreichen Drachenjägerin und sogar die anfangs meine Abneigung erfahrende Gestaltung ergibt einen Sinn und gefällt mir nun wesentlich besser!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Maja Winter
Die Drachenjägerin 2
Das geheime Bündnis
Redaktion: Angela Troni
Originalausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 544 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-26818-4
€ 13,00 [D] | € 13,40 [A] | CHF 18,90
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!

Band 01:Die Drachenjägerin 01 – Das hohe Spiel
Band 02: Die Drachenjägerin 02 – Das geheime Bündnis
Band 03: Die Drachenjägerin 03 – Das unterirdische Reich

Fillory von Lev Grossman [Rezension]

Inhalt:
Quentin ist hochbegabt und vielen in seiner Altersklasse weit voraus. Ihm schwebt eine erfolgreiche Zukunft vor Augen, da er weiß, an einen der besten Universitäten der Welt studieren zu können. Dennoch ist er nicht glücklich, weil er das Gefühl hat, ihm würde etwas Entscheidendes fehlen, was er nicht zu definieren vermag. Doch dann passiert eines Tages Etwas völlig unvorhergesehenes. Quentin landet in einem verzauberten Gebiet, wo er einigen Prüfungen unterzogen wird, die er besteht. Die Professoren unterbreiten ihm das Angebot, ein Zauberer zu werden und am Brakebills College eine Ausbildung zu genießen. Lange überlegt Quentin nicht und kurz darauf nimmt er als Schüler am Brakebills College die ersten Unterrichtsstunden. Zunächst verläuft sein Leben dort gut, er konnte die alte Schwermütigkeit bis zu einem gewissen Grad abschütteln, doch dann muss er feststellen, dass auch diese Welt alles andere als freundlich ist und grausamer sein kann, als er zu denken wagte…
Quentins Abenteuer beginnt.

Meine Meinung:
Ich habe viel von „Fillory“ erwartet, trotz schlechter Kritiken, die ich dazu las. Deswegen tut es mir umso mehr leid, dass ich mich den anderen, schlechten Bewertungen anschließen muss, denn „Fillory“ war ein riesiger Kampf für mich und traurigerweise alles Andere als ein Vergnügen.
Ich muss dazu sagen, dass mir die ersten 50 Seiten noch richtig gut gefielen und ich mich über die schlechten Bewertungen wunderte, doch inzwischen kann ich das sehr gut nachvollziehen.
Es beginnt damit, dass die Handlung sehr stockend verläuft, durch viele, unwichtige und detailreiche Beschreibungen.
Einige Passagen waren so langatmig, dass sie auf mich wie „tot“ wirkten. Das kann ich zusätzlich mit fehlenden Dialogen begründen. Dialoge bringen in ein Buch Lebendigkeit, Abwechslung und auch Spannung hinein. Doch da hier sehr wenig gesprochen wurde und der Autor lieber seitenweise darüber schrieb, in welchen Winkel die Sonne stand, kam hier null Lebendigkeit herüber.
„Fillory“ erschien mir mehr wie eine schlecht abgekupferte Aufbereitung von „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“, die extrem fehlgeschlagen ist. Alleine schon die Aufteilung der Zaubererschüler am Brakebills College in verschieden benannten Gruppen, erinnerte doch sehr an die Aufteilung von Hogwarts und deren Häuser. Denn genauso wie dort, ist es Mitgliedern von anderen Gruppen nicht möglich oder ersichtlich, wo sich die Häuser oder auch Treffpunkte der anderen befinden und somit können sie diese auch nicht betreten.
In dem so genannten Kapitel „Lovelady“, cirka 20 Seiten lang, wird mindestens 10 mal das Gras beschrieben und 15 mal der Himmel. Ich habe mitgezählt, ehrlich, weil es mir irgendwann zu doof erschien.
Ich habe nicht einmal einen Zugang zu den Charakteren finden können. Denn sie werden kaum beschrieben. Lieber verzettelte sich der Autor (mal wieder) in Seitenlangen Beschreibungen über den Ort, an dem sie sich befanden, aber so konnte ich keine Beziehung zu den Figuren in „Fillory“ aufbauen. Das einzige, was mir als Leserin immer, beinahe sofort über eine weibliche Person offenbart wurde, war deren Busen. Wie: „Sie hatte einen recht üppigen Busen“, „Sie war recht flachbrüstig“ und so weiter und sofort. Mir kam es beinahe schon so vor, als ob der Autor einen leichten Busen Fetischismus hatte, denn die Busen von verschiedenen Frauen dermaßen oft zu erwähnen und auch andere Situationen damit zu assoziieren kam mir nicht mehr normal vor. Außerdem klassifizierte er die Frauen teilweise nach der Größe ihres Busens.
Nach 200 Seiten war ich echt verzweifelt noch weitere 400 Seiten von diesem Werk lesen zu müssen.
Zuletzt habe ich nicht einmal ganz genau verstanden, worum der Plot sich drehte, denn der ging in diesem ganzen Geschwafel leider unter. Ich weiß natürlich, wie sich die Geschichte entwickelte und was alles in allem passierte, doch an einigen Stellen fiel es mir echt schwer den Faden zu behalten und oft habe ich gedacht:

„Worum geht es jetzt eigentlich? Was soll das bitteschön sein, was die da machen?“

Das einzig positive war für mich noch die schöne und gelungene Gestaltung des Covers, das vielversprechendes erahnen ließ.

Mein Fazit:

Mir fehlten leider:
-Die Spannung,
-Das Tempo,
-Ein ersichtlicherer Plot,
-Mehr Tiefe, besonders bei den Charakteren,
-Und die Magie, die einen beim Lesen bezaubert.

Stattdessen bekam ich:
-Langatmigkeit,
-Flache Charaktere,
-Komplexe Satzkonstruktionen,
-Endlos lange Beschreibungen
-Und ein an den Nerven zehrender Plot.

Wenn ich dies nun alles miteinander vergleiche, bleibt da unterm Strich leider nicht mehr viel übrig. Das tut mir sehr leid, weil ich es nicht mag, Bücher zu verreißen, denn es ist wirklich schwer ein Buch zu schreiben und der Autor hat sich bestimmt viel Mühe gegeben und viel Zeit sowie Herzblut investiert, doch wenn mich dieses Buch nun einmal total kalt lässt und mir gar nicht gefällt, kann ich nicht anders, als es als einen Flop zu bewerten.
Wenn der Autor seine Beschreibungen um etwa die Hälfte reduziert hätte, so dass diese ganzen Detailverliebtheiten nicht mehr wären, hätten die Eckpfeiler der Handlung deutlicher werden können und wesentliche Dinge wären mir transparenter erschienen und „Fillory“ hätte zu einem schönen Zaubererbuch werden können, das mit fantastischen Elementen besticht. Leider hat Lev Grossman dies nicht geschafft, weswegen ich „Fillory“ nicht weiterempfehlen kann und auch nur einen Stern vergebe; denn ein schönes Cover reichte mir als Begründung nicht genug, um doch noch zwei Sterne zu erteilen. Wirklich schade um die investierte Lesezeit.

Bewertung

Vielen Dank an den Fischer-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

Rose und das Geheimnis des Alchemisten 01 von Holly Webb [Rezension]

„Sie erzählten kichernd, wie sie vom zweiten Lakaien verehrt würden, und hatten schicke Sachen an, die nicht von sechs anderen Mädchen getragen worden waren wie Roses schwarzes Sonntagskleid und ihr Mantel. Sie wusste das, weil die Namen ihrer Vorgängerinnen oben eingenäht waren. Zwei davon hatten sogar Nachnamen, was sehr beeindruckend war. Rose war einfach nur Rose, und das auch nur, weil die gelbe Rose in Miss Lockwoods winzigem Garten an dem Tag zu blühen begonnen hatte, als der Pfarrer Rose ins St Bridget’s gebracht hatte.                                                                         S. 9 und 10“

Inhalt:
Die 10-jährige Rose wächst in einem Waisenhaus in London auf. Dort bemerkt sie, dass sie ungewöhnliche Fähigkeiten besitzt.
Außergewöhnlich früh findet sie eine Anstellung, ausgerechnet im Hause eines Alchemisten. Man erklärt ihr, dass dieser zaubern könnte und die Fähigkeit besäße unedle Metalle in Gold zu verwandeln.
Rose ist von der Zauberei und im allgemeinen von diesem Haus sehr fasziniert, denn die Einrichtungsgegenstände scheinen eine gewisse Eigenständigkeit zu besitzen. Auch die Treppen verändern ihren Standort…
Die anderen Angestellten bekommen davon nichts mit, sie merken auch nicht, dass die Katze des Zauberers sprechen kann. Frederick, der Lehrling des Alchemisten, bemerkt ihr Talent und redet ihr zu, dieses zu offenbaren, damit sie eine Ausbildung erhalte.
Doch davon will die mutige, aber bescheidene Rose nichts wissen.
Doch dann verschwinden immer häufiger spurlos Kinder und Rose weiß, dass sie dem auf die Spur gehen muss.
Gemeinsam mit Frederick und dem ebenfalls magisch befähigten Kater begeben sie sich ans Werk und erleben grauenvolles.
Ein Abenteuer, dass ihr Leben verändern wird.

Meine Meinung:
„Rose und das Geheimnis des Alchemisten“ ist der erste Teil einer Serie, die schon im März 2011 fortgesetzt wird.
Vom ersten Moment an bin ich von dieser tollen Geschichte überzeugt worden. „Rose und das Geheimnis des Alchemisten“ ist eine wirklich niedliche und schöne Geschichte für jedes Alter. Sie hat es mir sehr angetan, denn mit einem magischen Erzählstil webt Holly Webb einen in die Handlung ein. Es ist so, als ob man selbst dort wäre und alles aus den neugierigen und klugen Augen Roses betrachtete.
Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn so viel Fantasie, so schön dargestellt und aus den Augen eines Kindes auf seine ganz spezielle Art und Weise niedergeschrieben, habe ich nicht erwartet.
Ich weiß gar nicht so recht, wo ich mit dem Lob anfangen soll. Zunächst einmal ist Rose ein Charakter, mit dem man sich gut identifizieren kann. Sie ist nicht eingebildet, auf den Kopf gefallen oder anderweitig von normalen Menschen abgehoben. Sie hat zwar die Gabe der Magie, doch damit geht sie nicht so um, als sei sie anderen in ihrem Handeln überlegen.
Oft habe ich schmunzeln müssen, weil die Gedankengänge Roses oder auch Beschreibungen der Anderen so ulkig und famos waren, auf die ich von alleine niemals gekommen wäre.
Schon alleine die Gestaltung dieses wunderschönen Werkes zeugt von der Mühe, die bei dieser Geschichte aufgewandt wurde.
Schöne Farben auf dem Cover mit einer angemessenen Illustrierung, die sich mit Illustrationen von Ornamenten im Buch fortsetzen, überzeugen einen auf den ersten Blick.
Ich habe selten ein so lockeres, erfrischendes und wortgewandtes Kinderbuch gelesen, dass auch für das Kind in uns Erwachsenen geeignet ist und uns zu verzaubern vermag.
Spannung ist in jedem Fall gegeben, denn man wird doch ganz tief in die Materie hineingesogen, wenn man, so wie Rose, wissen will, wer für das Verschwinden der Kinder verantwortlich ist. Da hier viel mit Zauberei gehandelt wird, ist eine äußerst gruselige Gestalt als Täterin nicht ausgeschlossen. Bis zum letzten Moment blieb das Mysterium um die Entführungen und noch einigen anderen Dingen eine atemlose Angelegenheit.
LeserInnen, die sich gerne in „die etwas andere Welt“ entführen lassen, sollten dieses begeisternde Kinderbuch in jedem Falle einmal lesen, denn ich habe es mit jedem Atemzug genossen und warte nun ungeduldig auf die Fortsetzung.

Mein Fazit:
Holly Webb hat eine Geschichte gezaubert, die außen wie innen von seiner Schönheit erzählt und für mich ein absolutes Highlight und wichtiger Bestandteil meiner Büchersammlung geworden ist. Die Handlung rund um Rose hat mir einige neue Eindrücke beschert und meinen Lesehorizont enorm bereichert.
Die Geschichte ist bestens zum Vorlesen geeignet und wenn ich einmal Kinder haben werde, ist dies ein Buch, dass ich ihnen definitiv vorlesen werde. Die volle Punktzahl und noch mehr für diesen grandiosen Auftakt einer tollen Geschichte über ein tapferes Mädchen namens Rose, in einer Welt, die aller Augen erstrahlen lässt.

Bewertung

Vielen Dank an den arsEdition-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars! Gesonderten Dank an Stefanie Rudloff für diese berechtigte Empfehlung, es hat mich wirklich sehr gefreut!

Ein kleiner Vorblick aufs nächste Cover, das mir erneut ausgesprochen gut gefällt:

Rose und die verschwundene Prinzessin

Rose und die verschwundene Prinzessin

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