Blog-Archive

Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues [Rezension]

zitat_du bist das gegenteil von allem

9783570161586_Cover»Inhalt«

Ellie ist tot. Jake, ihr großer Bruder, weiß, dass er für sie hätte da sein müssen und gibt sich selbst die Schuld. Sarah, Ellies beste Freundin, überlebt die Todesnacht ihrer Freundin selbst nur knapp. Sie haben mit Tabletten herumexperimentiert und es irgendwie zu weit getrieben. Jessie, Sarahs kleine Schwester, sieht nun dabei zu, wie Sarah nicht mehr ins Leben zurückfinden kann, während sie sich nicht traut, ihr dunkles Geheimnis mit Ellie jemandem anzuvertrauen.

Alle fühlen sie sich schuldig und alle wollen sie doch eigentlich nur eines. Dieses erdrückende Leben einfach nur irgendwie ertragen.

»Facetten von Kummer und Schmerz«

Du bist das Gegenteil von allem“ ist ein emotional sehr bewegender Jugendroman, der die verschiedensten Facetten von Kummer, Schmerz und stiller Gewalt vor den LeserInnen auffächert. es geht noch leselustig weiter…

Killing Butterflies von M. Anjelais [Rezension]

Sphinx, du solltest nicht weinen“, sagte er. Bevor er es sagte, hatte ich gar nicht gemerkt, dass ich es tat. „Nicht wenn du kurz davor bist, etwas Bedeutsames zu tun.“

Das Messer zitterte in meiner Hand. S. 350

killing butterflies»Der Inhalt«

Sphinx verbringt viel Zeit mit ihrem besten Freund Cadence, den sie bereits kannte, als sie noch im Mutterleib war. Doch Cadence ist irgendwie anders. Immer bestimmt er, was sie spielen, immer wieder drängt er Sphinx zu Sachen, bei denen sie sich unwohl fühlt.

Irgendwann eskaliert ihr Spiel und Sphinx wird verletzt. Daraufhin zieht er mit seiner Mutter weg, so dass Sphinx keinen Kontakt mehr zu ihm hat, bis sie Jahre später von ihm hört. Er ist schwer krank und hegt den letzten Wunsch, noch einmal Zeit mit ihr zu verbringen. Also muss Sphinx sich entscheiden, welchen Weg sie gehen wird. Wird sie sich wieder auf die dunklen Pfade von Cadence begeben oder in ihrem hellen zu Hause bleiben?

»Tief verstörend?«

Killing Butterflies“ von M. Anjelais hat mich tief verstört. Verstört zum einen, weil ich diese Geschichte nicht nur als krank empfinde, sondern weil sie tatsächlich krank ist und zum anderen, weil ich nicht glauben kann, dass die Autorin das wirklich getan hat.

Prinzipiell ist die Idee dieses Romans gut und ich kann nicht leugnen, dass ich beim Lesen mit ambivalenten Gefühlen zu kämpfen hatte. Ich war gleichzeitig fasziniert UND verstört und geekelt.

»“Naivität, die wehtut“?« es geht noch leselustig weiter…

Falling into you – Für immer wir von Jasinda Wilder [Rezension]

 

Aber wenn man sich nach jemandem so sehr sehnt, ihn so sehr braucht, dass es einen komplett ausfüllt, und wenn man für diesen Menschen alles tun würde, wirklich alles – das ist was anderes. Wenn einem jemand unter die Haut geht, man denjenigen in der Seele hat und mit der Luft einatmet und man irgendwann nicht mehr unterscheiden kann, wo man selbst aufhört und der andere anfängt – das ist Liebe. – S.223

es geht noch leselustig weiter…

Wenn die Hoffnung stirbt. [Privat]

Wenn die Hoffnung stirbtIch bin gerade ‚deprimiert‘.

Viele von euch werden schon Menschen verloren haben.

Da werde ich nicht die Einzige und auch nicht die Letzte sein und auch nicht die Einzige und Letzte, die deshalb immer mal wieder ‚Aussetzer‘ oder wehmütige Momente hat.

es geht leselustig weiter…

Obsidian – Schattendunkel von Jennifer L. Armentrout [Rezension]

Mein Blick flackerte, als ich in sein Gesicht sah und schließlich an seinen Augen hängenblieb. Sie waren riesig und leer. […] In diesen Augen erkannte ich, dass es noch etwas Schlimmeres gab, als ausgeraubt zu werden, etwas Schlimmeres, als erniedrigt und missbraucht zu werden. Ich sah den Tod darin – meinen Tod – ohne ein Fünkchen schlechten Gewissens. –S. 111

es geht leselustig weiter…

Es wird keine Helden geben von Anna Seidl [Rezension]

ZitatEswirdkeineHeldengeben

EswirdkeineHeldengeben_Cover»Der Inhalt«

Miriam hört die Schüsse und begreift, dass sie in einem Alptraum gefangen ist. Ein Amoklauf an ihrer Schule. Schlimmer noch, sie muss mit ansehen, wie der Amokläufer Menschen erschießt, nicht zuletzt ihren Freund Tobi und wie er seine Waffe auf sie richtet.

Doch sie überlebt.

In der Zeit danach schleicht sich öfters der Wunsch des Nicht-Überlebens ein, so intensiv und aufzehrend ist die Leere und der Schmerz, die sich in ihrem Körper und ihren Gedanken festgesetzt haben.

Aber Miriam kämpft und sucht einen Weg zurück ins Leben. Ob ihr das gelingen wird, wenn überall die Erinnerungen lauern?

»Tod und Logikfehler«

Es wird keine Helden geben” ist ein Roman, der viel Tod in sich trägt.

Obgleich der hoch lobenden Stimmen, hat mich Anna Seidls Buch weder richtig fesseln, noch berühren können.

Zu holprig erschien mir der Handlungsverlauf, die jugendliche Sprache, die für meinen Geschmack zu umgangssprachlich war und die zwar kleinen – aber immer wieder auftretenden Logikfehler.

Es wird keine Helden geben” ist ein Buch der großen Erkenntnisse, die von einem fünfzehnjährigen Mädchen stammen, das einen Amoklauf miterleben musste. Das Alter eines Charakters ist für mich nicht ausschlaggebend, ihm zu glauben oder für voll zu nehmen, allerdings habe ich dieser fünfzehnjährigen nur schwerlich glauben können.

ZitatEswirdkeineHeldengeben8

Große Gefühle machen sich in ihr breit, die sie im nächsten Moment wieder relativiert. Erst ist sie komplett leer, dann ist da jede Menge Schmerz und dann bemächtigen sich ihr trotz der Leere Wünsche und Sehnsüchte.

Ja, bitte, was denn nun? – Beides zusammen funktioniert kaum.

Oder auf der einen Seite kommt eine Weisheit auf der nächsten Seite die zweite, welche unglücklicherweise die erste total nichtig werden lässt.

Entschuldigung, aber da fällt es mir schwer, Miriam zu glauben und mich von ihren Gedanken gefangen nehmen zu lassen.

»Eine poröse Romanstimme und sich widersprechende Intentionen«

Ihre Stimme, die aufgrund des ernsten und sehr wichtigen Themas eindringlich sein sollte, wirkte in meinen Ohren porös und ich hatte Mühe, ihr zu folgen. Vielmehr habe ich mich teilweise ein wenig angegriffen gefühlt, da die Protagonistin Miriam das Wort direkt an ihre LeserInnen richtet und dabei anklagend mit dem Finger auf alle Welt zeigt, die nicht in ihrer Situation ist und deswegen nicht nachvollziehen könne, wie sie sich fühle oder wie das sei, Opfer eines Amoklaufs zu sein.

Gleichzeitig erzählt Miriam ihre Geschichte “Es wird keine Helden geben” und das in meinen Augen mit der Intention bzw. der Bitte, um ein wenig Verständnis. Dies sind zwei Gegensätze, die ich kaum miteinander in Einklang bringen kann.

Anna Seidl gliedert ihre Geschichte in kurzen Kapiteln, die regelmäßige Rückblicke enthalten, um das Gesamtbild entschlüsseln zu können und generell ein Spannungselement sind.

Leider hat auch das bei mir nicht gefruchtet. Meine Sensoren haben bei diesem Roman so wenig gefühlt, wie es nur möglich ist und das ist für ein solch prinzipiell mitreißendes Thema ein trauriges Ergebnis.

»Mein Fazit«

Es wird keine Helden geben” bietet grundsätzlich ein solides Fundament, das wunderbar sein muss, sofern es einem gelingt, sich in dieses hineinfallen zu lassen.

ZitatEswirdkeineHeldengeben2

Mir gelang es nicht, so dass ich öfters mit dem Kopf schütteln musste und permanent Unverständnis verspürte. Das Lesen hat mich nicht gelangweilt und ich bin flott durch die Handlung geschritten, allerdings erwarte ich mehr glaubwürdige Emotionen und in sich schlüssige Ereignisse, wenn ich einen Roman über Amoklauf in den Händen halte.

Aus diesem Grund vergebe ich Anna Seidls Debüt solide 2 Wölkchen und kann nur sagen, dass jede/r selbst ausprobieren sollte, ob dieser Roman bei ihm/ihr funktioniert…

Wölkchen2

BibliografischeDaten


256 Seiten · gebunden
13.4 x 20.3 cm
ab 14 Jahren
EUR 14,95 · EUA 15,40
ISBN-13: 978-3-7891-4746-3
EAN: 9783789147463
Erscheinungstermin: Januar 2014
Zu “Es wird keine Helden geben” bei Oetinger

Es wird keine Helden geben“ – Leserunde auf Lovelybooks

Facebookgruppe „Jugendbücher vorab lesen“ – BloggerInnen planen eine gigantische Aktion

Weil ich Layken liebe von Colleen Hoover [Rezension]

Zitatwolke_WeilichLaykenLiebeBuchvoverWEILICHLAYKENLIEBE»Der Inhalt«

Der Vater der achtzehnjährigen Layken Cohen ist urplötzlich an einem Herzinfarkt verstorben, so dass Laykens Familie die finanziellen Mittel fehlen, um ihr Haus in Texas zu halten.

Sie ziehen nach Ypsilanti, Michigan und sofort verspürt Layken ein ungewohntes Kribbeln, wenn sie dem Nachbarsjungen Will begegnet. Auch ihr kleiner Bruder Kel freundet sich sofort mit Coulder, dem kleinen Bruder von Will an und so geschieht es, dass Layken und Will innerhalb von drei Tagen etwas verspüren, das manche ihr ganzes Leben lang suchen.

Eine heiße Liebe entbrennt, die nach drei Tagen schmerzhaft und abrupt gelöscht wird, als das Leben offenbart, dass es andere Pläne für sie hat und es scheinbar kein Entrinnen gibt…

»Ein bewundernswertes Gleichgewicht«

Weil ich Layken liebe” ist ein so unglaublich betörendes Buch, dass ich mich direkt in die Geschichte verliebt habe.

Colleen Hoover hat ein bedrückendes Netz an Verflechtungen gesponnen, das jedoch nie ausweglos erschien, sondern immer in Bewegung ist.

Eine traurige Geschichte zum Weinen, zum Vergehen und zum Sterben, die dennoch zum Lachen, zum Schmunzeln und zum Erheitert werden einlädt.

TColleen Hoover hat ein bewundernswertes Gleichgewicht gefunden, so dass ich nie das Gefühl hatte, ich würde irgendeine Geschichte lesen. Ich habe die Gefühle, Emotionen und Achterbahnfahrten von Layken und Will miterlebt und mich als Teil des Geschehens gefühlt. Als manchmal empörte, manchmal lachende, manchmal wütende und manchmal glückliche Beobachterin.

Weil ich Layken liebe” bietet tatsächlich ein dermaßen breites und buntes Spektrum an emotionalen Extremen und den verschiedensten Gefühlen, dass ich bei einer Aufzählung unmöglich alle erfassen könnte.

»Verliebt in ein Buch«

Vom ersten Satz an war ich im Sog gefangen und habe mich nach nur 69 Seiten ebenso tief in dieses Buch verliebt, wie die zwei Protagonisten ineinander.

Zitatwolke_WeilIchLaykenLiebe_3

Colleen Hoover hat es wahrlich bestens verstanden, mich in jedem Kapitel, dem je eine Liedpassage der The Avett Brothers vorangestellt ist, zu überraschen und komplett ohne Klischees auszukommen.

Normalerweise bin ich kein großer Fan von Büchern, in denen entweder viele sterben oder in ihrem näherem Umfeld mit Todesfällen konfrontiert werden. Doch nach “Weil ich Layken liebe” weiß ich, dass es immer auf die Umsetzung ankommt. Trauriger und gleichzeitig glücklicher hätte die Autorin es nicht gestalten können.

»Eine Liebeserklärung an das Leben«

Ebenso faszinierend ist Colleen Hoovers Gabe, trotz des vielen Leids und der durchlittenen Tränen, dermaßen große Lebenslust zu vermitteln und dem Leben ins Gesicht zu lachen und zu sagen: “Ich nehme dich, so wie du kommst. Etwas anderes bleibt mir nicht übrig. Und ich werde lachen. Egal, ganz egal, was du mit mir machst.” – Denn vielmehr ist es nicht ‚das Leben‘, das etwas mit uns macht. Wir haben ‚es‘ in der Hand und ‚machen‘ etwas mit unserem Leben. Oder auch nicht…Zitatwolke_WeilichLaykenLiebe_4

»Mein Fazit«

Colleen Hoover hat nicht nur einfach einen Roman geschrieben. Sie hat Poesie auf höchstem Niveau verfasst, Poetry-Slam-Elemente eingewoben und eine dermaßen tiefgreifende und bildgewaltige Geschichte erschaffen, dass sie direkt unter die Haut geht, in Herz und Körper eindringt, sich festsetzt, den Atem raubt und beim Zuklappen das Gefühl hinterlässt, dass man gerade etwas Kostbares und Einzigartiges miterleben durfte.

Ein Buch, das ich nie vergessen werde und dessen Charaktere in meinen Gedanken weiterleben.

Wer “Weil ich Layken liebe” nicht ließt, wird vielleicht die Geschichte seines Lebens verpassen!

Einfach nur wunderbar. Einfach eines der besten Bücher aller Zeiten!

Zitatwolke_WeilichLaykenLiebe_2

Leseprobe!

WölkchenMond(Favourite)

WeilichWILLliebe

Weil ich Will liebe” – Die Geschichte aus Wills Perspektive! – Mai 2014

BibliografischeDaten
Euro 9,95 [D] 10,30 [A]
SFR 14,90
BRD, A, CH
Weil ich Layken liebe von Colleen Hoover
Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt
Deutsche Erstausgabe
352 Seiten
Ab 14
ISBN 978-3-423-71562-1
2. Auflage, Januar 2014
Zu “Weil ich Layken liebe” bei dtv

Webseite mit Specials zum Buch!


So nah und doch so fern von Ann Brashares [Rezension]

SonahunddochsofernBrashares

Zitatblau.

Aber ich werde dich nicht einmal kennen, nicht wahr? […]”

Du musst mich nicht erkennen, ich werde dich erkennen.”

Sie schluchzte an meiner Brust. “Ich werde mich selbst nicht kennen.”, S. 198

.

So nah und doch so fern von Ann Brashares»Der Inhalt«

Sein Name ist Daniel. Sein Gedächtnis ist außergewöhnlich. Es heißt immer, dass nur die Liebe keine Grenzen kennt und über den Tod hinaus besteht. Da haben sich wohl alle geirrt. Denn Daniels Gedächtnis überdauert Leben um Leben, Zeit um Zeit. Erstmals um 520 nach Christus kam er auf die Welt und durchlebt jedes seiner Leben mit gesenkten Kopf und tiefsitzender Verweiflung. Es ist ein Fluch, dass er nicht vergessen kann. All seine Vergehen und Fehler, die sich in sein Gehirn fressen, sind immer da, selbst wenn sein neuer Körper es noch nicht ist.

Dabei wünscht er sich nur eines: Dass sich das Mädchen, das er von seinem ersten Leben an kennt, endlich an ihn erinnert.

Der Mann, der sich an alles erinnert, möchte nur eines: In der Erinnerung eines anderen vorkommen und wird nicht müde, sie zu suchen und immer wieder zu verlieren.

Eine tragische Geschichte zwischen zwei Liebenden, von denen einer nicht einmal weiß, wie sehr sich sein Herz nach dem anderen verzehrt…

»Protagonisten, die aus ihren Lettern steigen«

So nah und doch so fern” ist ein Buch, das mir unglaublich nahe ging und Explosion um Explosion in mir auslöste.

Mal bekam ich Herzrasen, dann am ganzen Körper eine Gänsehaut oder eine ausgewachsene Krise im Kopf.

Die Protagonisten befreiten sich aus den Lettern, stiegen aus den Seiten und umtosten mich mit ihren Worten, die sich zu einer wellenbrandenden bildlichen Geschichte in meinen Kopf verdichtete.

Selten habe ich so mitfühlen können, wie bei Ann Brashares “So nah und doch so fern”.

»Liebe. In allen Formen!«

Das Leitmotiv der Geschichte ist die Liebe. Doch nicht das typische Schnullzenmodell zwischen Mann und Frau. Es geht um die tiefgreifendere, eine teilweise platonische Liebe. Die Liebe zwischen Freunden. Zwischen Eltern und Kindern. Ann Brashares greift in diesem Zusammenhang den Gedanken der Reinkarnation auf und verwebt geschickt diese essentiellen Dinge miteinander.

Ich wage zu behaupten, dass “So nah und doch so fern” eine gut durchdachte und in meinen Augen brillante Szene aus den Dingen entwirft, die im Leben wirklich wichtig sind.

»Was im Leben zählt…«

Am Ende mag jede/r andere Maßstäbe setzen und manchmal wird “das Wichtigste” auch nicht erkannt, doch genau das zeigt Ann Brashares. Dass es so banal und doch so schwer ist, zu begreifen, was uns ausmacht und wofür wir leben sollten.

Die Geschichte von Daniel und Lucy hat meine innere Stimme aufgedreht, so dass ich nun besser auf sie hören kann.

Zitatblau.

Und ich würde immer noch da sein, dumm und halbfertig, für alle Zeit. S. 156

»Das Leben mit dem Tod«

Reinkarnation und der Kreislauf von Vergänglichkeit und Neuem sind schon seit Jahrhunderten Themen, mit denen sich die Menschen, vornehmlich in der Literatur und Kunst, auseinandersetzen. Verwunderlich ist dies nicht, so liegt der Tod doch außerhalb unseres Einflussbereichs und dennoch ist er allgegenwärtig. Jede/r wird ihn am Ende durchleben und was Ann Brashares mit ihren schmerzlich süßen Worten in “So nah und doch so fern” angerichtet hat, ist ein Kunstwerk, das irgendwie alles übertrifft, das ich in dieser Richtung jemals gelesen habe.

Zitatblau

.

Mein wahres Leben fand zum großen Teil tief verborgen in meinem Geist statt […], S. 121

.

.

Tief philosophisch und mich sprachlich bis in meine Knochen erschütternd, hat dieses Werk von ihr nichts mehr mit ihren primär lockeren Jugendbüchern “Eine für Vier” gemein.

Trotz Philosophie ist alles in einer Art und Weise miteinander verwoben, die es jedem Laien (inklusive mir) ermöglichen sollte, alles zu verstehen, sich weiter zu erkundigen, sofern erwünscht oder in dem eingezäunten Gelände zu bleiben, das “So nah und doch so fern” vorgibt. Dabei möchte ich hinzufügen, dass diese Figuren durch ihre Lebendigkeit und Impulsivität schon die Grenzen all dessen sprengen, was ich bisher kannte.

»Wie ein Sturm«

Wenn ein Buch wie ein Sturm ist und es sich in einer schlichten Rezension nicht mehr einfangen lassen möchte, muss es etwas Besonderes sein. “So nah und doch so fern” trumpft auf beinahe jeder Seite mit poetischen und wunderschönen Sätzen auf, die in Gedanken beinahe wie Musik klangen und gut und gerne als eigenes Gedicht hätten stehen können.

»Mein Fazit«

So nah und doch so fern” ist eine Lektüre, um über den eigenen Tellerrand zu blicken. Sie ist süß und fruchtig wie Kirschen und an manchen Stellen genauso herb. Und ebenso, wie man sich an der Süße von Kirschen überfuttern kann, hat auch Ann Brashares es vollbracht, so viel, so gut, so prickelnd und so atemberaubend umzusetzen, dass ich manchmal glaubte, mein Gehirn könne unmöglich noch mehr davon fassen.

Ein Buch für alle, die den Tod fürchten. Ein Buch für alle, die sich des Lebens erfreuen. Ein Buch für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben und nicht loslassen können.

Ein Buch, das erfrischt, aufwühlt, nachdenklich zurücklässt und so etwas wie eine eigene Seele besitzt. (Wenn es so etwas überhaupt geben sollte! ;-))

Zitatblau.

Das alles ist kein Zufall. Du bist seit meinem ersten Leben bei mir. Jedes Mal bist du meine erste Erinnerung, der Leitfaden, der durch all meine Leben führt. Erst durch dich werde ich zu einem ganzen Menschen.”, S. 187

WölkchenMond(Favourite)BibliografischeDaten

Ann Brashares
So nah und doch so fern
Roman
Originaltitel: My Name is Memory
Originalverlag: Riverhead Books (Penguin Group USA), New York 2010
Aus dem Amerikanischen von Sylvia Spatz
Deutsche Erstausgabe
Paperback, Klappenbroschur,
368 Seiten,
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-58517-7
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,90
Verlag: carl’s books
Zu “So nah und doch so fern” bei Carl’s Books

 

Friedhofstinte

FriedhofstinteFriedhof

Plötzlich wird sie von einer heftigen und vollkommen irrationalen Wut über all die Toten gepackt, welche die Dreistigkeit besitzen, länger gelebt zu haben als ihre Mutter.

Es ist ihnen nicht vergönnt.

Während sie sich noch der Lächerlichkeit dieses Gedankengangs bewusst wird, kam sie nicht umhin, ihn dennoch auszubauen und all die Jahre zusammenzuzählen, die andere mit ihren geliebten Menschen verbringen konnten und die ihr nun fehlen.

Sie ist nicht verbittert.

Es ziehen sich lediglich dunkle, feine Fäden von ihren Gedanken über ihren Körper, die ihre Existenz in pechschwarze Tinte hüllen.

Manchmal wirkt sie dann wie eine Person, die sie im Grunde genommen nicht ist. Eine Person, die zufällig so aussieht wie sie und sich von ihr durch das rabenschwarze Tintenkleid unterscheidet, das sie, diese andere Person, trägt.

Manchmal.

So wie jetzt. Auf diesem Friedhof, umzingelt von Birken, Tannen, Eichen und Wachholderbüschen. Sie befindet sich sogar – abgesehen von den fröhlich tschilpenden Vögeln und des harmonisch fließenden Brunnens – in bester Gesellschaftslosigkeit.

Normalerweise sind Friedhöfe die besten Plätze, um Einsamkeit und Verzweiflung zu suchen, denn es gibt nicht viel zu sehen. Aus der Ferne sieht sie manchmal Menschen, die wie ferngesteuert in Bogen um die anderen gleiten, die bereits vor einem Grab kauern und dunkle, pulsschlagende Wellen in alle Richtungen aussenden.

Es herrscht keine heitere Stimmung. Es herrscht tatsächlich gar keine Stimmung. Wenn irgendwo die Stimmung festgewachsen steht, dann auf einem Friedhof.

Normalerweise.

Natürlich liegt ihre Mutter auf dem einzigen Friedhof, der genauso gut mit dem Paradies verwechselt werden könnte. Zumindest am Tag. Farbenfrohe Fliederbüsche, bunte Grabbepflanzungen, Windräder.

Farben, Leichtigkeit, Offenheit. Eine Atmosphäre, die so gar nicht zum Friedhof passen will. Nur nachts wird er unheimlich. Aber das trifft auf die meisten Dinge zu und wird somit zu keinem nennenswerten Fakt oder gar zu einer Besonderheit.

Damit ist es ein weiteres Mal erwiesen.

Sie ist ein Opfer. Ein Opfer des Schicksals. Und wenn es nicht das ist, dann ein Opfer der höheren Mächte. Und wenn auch diese sich nicht verantwortlich zeigen, dann ist sie notfalls eben auch ein Opfer ihrer selbst und für all den Mist eigenverantwortlich. Letztlich erscheinen ihr diese Spitzfindigkeiten belanglos. Das Resultat bleibt immer das gleiche.

Tot.

Auf einem Friedhof, den sie öfters aufsucht, als ihr lieb ist. Ein Friedhof, der sie verspottet, weil er ihre düstere Stimmung überhaupt nicht widerspiegelt und alles daran setzt, Heiterkeit freizusetzen.

Immer dann, wenn sich ihre Gedanken mit Tinte überziehen und anschließend in Selbstmitleid trocknen, muss sie an die Grabnachbarn denken, die vielmehr Zeit hatten.

Die Grabnachbarn ihrer Mutter sind am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts geboren worden. Ihre Mutter nach der Hälfte dieses Jahrhunderts. Aus und vorbei, was bringt das noch? Während sich die Tinte immer mehr um sie verdichtet und sie diesen abgründigen Gedanken nachhängt, tickt ihre eigene Uhr ebenso unaufhaltsam weiter.

Erscheint es dann so abwegig, dass sie den anderen – fremden und gesichtslosen Toten – ihre Zeit missgönnt und zu gerne auf das Konto ihrer Mutter gerechnet hätte?

Irgendwann erhebt sich das Mädchen schließlich vom Fliesenweg, der sich vor dem Grab ihrer Mutter entlangschlängelt, verneigt sich angedeutet, verlässst schlendernd den Friedhof, wirft ihr entgegenkommenden Besuchern vielleicht ein scheues und mutmachendes Lächeln zu, bis sie endlich am Ausgangstor angelangt ist.

Du fehlst mir, mag sie beim Hinausgehen noch flüstern, ihr melancholisches Kleid abstreifen und dem entgegensehen, was die Zukunft außerhalb dieses tintigen Friedhofs so zu bieten hat.

Soul Beach I – Frostiges Paradies von Kate Harrison [Rezension]

.ZWS
.
.
.
.
.
.
.
.

.

.

.

.

.

SoulBeach»Inhalt«

Alice hat ihre große Schwester Meggie immer geliebt. Obwohl Meggie immer die Schönere, die Begabtere und am Ende sogar ein berühmter Promi war. Doch wie wichtig ihre Schwester Alice gewesen ist, registriert sie erst, als es zu spät ist. Meggie wird tot aufgefunden. Ermordet. Erstickt.

Von diesem Moment an ist Alice‘ Welt zerstört. Ihre Eltern gehen auf zu verschiedene Art und Weisen mit ihrer Trauer um und geraten darüber ständig in Streit. Alice hat einfach nur Kummer und weiß nicht, wie sie ins Leben zurückfinden soll.

Dann erhält sie plötzlich komische E-Mails, die eine Einladung von Meggie versandte Einladung zum Strand beinhalten.

Alice betrachtet diese virtuellen Einladungen mit Skepsis. Doch irgendwie kann sie es auch nicht als totalen Unsinn abtun. Schließlich hat nur Meggie gewisse  Dinge gewusst und wer sonst hätte sie so einladen können? Also folgt Alice der Einladung und entdeckt eine Welt, von der sie nicht weiß, ob sie nicht lieber unentdeckt geblieben wäre.

»Ein idyllisches Strandparadies mit einigen Frostbeulen«

Endlich mal wieder ein Buch, bei dem der Einstieg auf Anhieb passte. Kurze Kapitel, spannende Gedankengänge und ein Inhalt, der sowohl ernst zu nehmen ist als auch Entwicklungspotenzial besitzt. Ich verspürte sofort einen Sog, dem ich mich bis zum Ende nicht widersetzen konnte. Kate Harrison überzeugt mit einer jungen Protagonistin, die zwischen Trauer und Gefühlschaos in etwas sehr Ungewöhnliches eingeführt wird. Ein virtuelles Strandparadies, an dem sie ihre ermordete Schwester Meggie wiedertreffen und sehen kann. Ein idyllisches und äußerst angenehmes Strandflair, das nach einigen Seiten die ersten Frostschauer garantiert, wird auf ca. 300 Seiten langsam entblättert. Dabei wird den LeserInnen so einiges Spanisch vorkommen, während sie auf mysteriösen Pfaden tiefer und tiefer geführt werden. Kate Harrison hat diese Idee prickelnd umgesetzt und einen guten Mix aus Fiktion in der virtuellen Strandwelt geschaffen und zugleich genug Realität hineingenommen, um den Strand nicht zu lächerlich wirken zu lassen. Beide “Welten” komplementieren das Gesamtbild der Protagonistin und steuern auf ein Ass im Ärmel zu, das uns hoffentlich spätestens im dritten Teil beglückt.

»Absichtliche Grenzverwischungen«

Soul Beach I – Frostiges Paradies” ist außerdem ein recht freakiges und abgefahrenes Buch. Alleine die ZWS2Idee dieses virtuellen Strandes, der in all seiner Farbenpracht und Schönheit beschrieben und ausgeführt wird. Da vergaß ich manchmal, dass er doch eigentlich ziemlich unrealistisch sein müsste. Genauso erging es auch der Protagonistin Alice, die sich immer wieder in Erinnerung rief, dass sie den Strand über den Bildschirm ihres Laptops sieht und dort jede ihrer Bewegungen mit der Maus steuert. Das hat Grenzverwischungen zur Folge, die sicherlich beabsichtigt sind und mich ebenfalls noch Großes hoffen lassen!

»Das i-Tüpfelchen«

Quasi aus dem “Off” ist immer wieder eine (noch) unbekannte Perspektive eingeschoben, die definitiv Meggies Mörder ist und kleine Motivationen für seinen Mord preisgibt, dabei jedoch genauso viele Fragen aufwirft, wie er durch seine Sichtweise soeben geklärt hat. Eine delikate, pikante und geniale Methode, die mich drängte, immerfort weiterzulesen. 

»Zu wenig Auswahlmöglichkeiten, zu wenig geklärte Hintergründe«

Weniger rund fand ich die Entwicklungen rund um den Mordfall dieses Buches. Bisher sind zu wenig Personen eingeführt worden, die in Frage kommen.

Schwarzer Buchschnitt!

Schwarzer Buchschnitt!

Das hat meine Neugierde verringert und meine aktiven Grübeleien rund um das Geschehen gedämpft. Bisher gibt es kaum Optionen und ich fürchte, dass der Mörder noch nicht einmal eingeführt wurde.

Auch die Hintergründe des Strandes hätte ich gerne schon etwas genauer erläutert bekommen. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint mir das Grundgerüst von “Soul Beach I – Frostiges Paradies” ziemlich suspekt. Obwohl Kate Harrison das Meiste bestens umsetzte, sind Enttäuschungen über die Hintergründe nicht auszuschließen.

»Mein Fazit«

Kate Harrison legt mit ihrem Auftakt zur “Soul Beach”-Trilogie einen gut Start hin, indem sie mit einem temporeichen Aufbau überzeugt und beständig das Gefühl sät, da würde später einmal DAS ganz Große folgen.

Ich habe die eher schwermütige Grundstimmung genossen, die von gelegentlichen Lichtstrahlen am Strand durchbrochen wird und dann direkt einem überaus frostigen Klima weicht.ZWS3

Mysterien, Spannung und Gruselheiten geben sich in einem ständigen Wechsel die Hand und werden viele LeserInnen einfangen, die Reihe fortzusetzen.

Keine schlechte Idee, denn auch ich bin begeistert!

Leseprobe

WölkchenMond

BibliografischeDaten

Kate Harrison
Soul Beach, Band 1
» Frostiges Paradies «
Sandra Knuffinke, Jessika Komina
ab 13, erscheint am 17. Juni 2013
352 Seiten, 15.0 x 22.0 cm
ISBN 978-3-7855-7386-0
Hardcover
17,95 € (D)
18,50 € (A)
Zu “Soul Beach I – Frostiges Paradies” bei Loewe

%d Bloggern gefällt das: