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Moritz & Feline

moritz_Feline„Bitte! Pack dein Zahnpasta-Lächeln ein“, denke ich.

„Bitte?“, ups, dachte ich wohl gesagt zu haben.

„Oh“, entgegne ich schlagfertig.

Merklich verunsichert und erneut mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, lässt Moritz die Angelegenheit auf sich beruhen und wendet seinen dunklen Haarschopf den Aufzeichnungen zu.

Wir sitzen in der Universitätsbibliothek und „lernen“ zusammen. Was eigentlich ziemlich widersinnig anmutet, wenn ich bedenke, dass er sich mit Penicillin, irgendwelchen Säurezyklen und den Zellwänden von Bakterien beschäftigt, während meine ruhmvolle Aufgabe sich darauf beschränkt, mittelhochdeutsche Wörter wie „vorhten“ zu suchen. Und natürlich nicht zu finden.

Wenn jemals jemand von uns beiden die Welt retten sollte, wäre er eindeutig kompetenter dafür.

es geht noch leselustig weiter…

Verlorene Vergangenheit

Verlorene Vergangenheit

Wir tanzten, auf einem Steg poliert von unbedarfter Erwartung.

Wir liebten, auf einer Silberstraße geschmirgelt von kratzenden Gefühlen.

Wir fielen, durch himmellose Wolken aus schwarzem Stein.

Wir sind ein Traum, lieblich seelenlos geplatzt wie überreifes Obst.

Wir sind die bunte Leere, die sich stürmisch aneinander klammert und um wahrhaftige Verzweiflung ringt.

Was einmal war sind nun lichtlose Erinnerungen an eine Ansammlung von gemeinsamen Tagen, die violett getrübt ins Unbestimmte tropfen. es geht noch leselustig weiter…

Orientierungslos

orientierungslos

Morgens, da weiß ich manchmal nicht mehr, wo ich bin.

Bin verwirrt, weil ich mal bei mir und mal bei dir schlafe.

Meistens bei dir. es geht noch leselustig weiter…

Mein Leben in deinen Händen

meinlebenindeinenHänden

Du hältst mein Leben in deinen Händen und fragst, weshalb ich mir einen anderen Ausgang wünsche. Du verlangst, dass ich dich um mein Leben anbettel‘. Das ist unwürdig, das ist utopisch, das ist verletzend. Mir ist zwar bewusst, dass unsere Situation eine besondere ist, nichtsdestotrotz bleibt ein Leben ein Leben.

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Was wir wollen

wollenIch wollte mehr als du.

Ich habe mich in meinem Wollen verloren. Du wolltest das, was ich wollte. Ich wollte das, was du wolltest. Oder wolltest du das wollen, von dem du glaubtest, ich würde es wollen?

Ich wünschte, ich hätte ebenfalls das gewollt, von dem ich glaubte, dass du es wollen würdest.

Mehr als nur ein ewiger Drehmoment. Es schien mir, als wären wir in unserer eigenen Dimension aus Wollen,Nicht-Wollen und Etwas-‚Anderes‘-Wollen gefangen.

Jetzt Wollen wir beide aus unserer Gegenseitig-Etwas-Unterschiedliches-Wollen-Situation möglichst heil wieder herauskommen.

Doch wenn wir jetzt beide ‚Wollen‘, heben sich die beiden mutmaßlich gegenseitig wieder auf und egal, was auch immer wir wollen…

was wir wollen, bekommen wir nicht.

Denn wir wollen und wollen und wollen etwas wollen.

Ich wollte, ich hätte mich zurückhalten können, als es darauf ankam und dich eingefangen, als es möglich war.

Ich wollte, wir hätten uns unter anderen Voraussetzungen getroffen.

So viel Wollen und Konjunktiv kann sich nicht vertragen; oder will sich nicht vertragen?

Nun, was wir wollen, also tatsächlich wollen ist meist etwas ganz anderes, als wir dann tun. Ist das dann wirklich das, das wir wollen?

Woher sollen wir eigentlich wissen, was wir wollen?

Alles, was ich brauche

alles, was ich brauche

Ich habe mir gerade die Seele herausgerissen. Als ich mich gedanklich von dir trennte. Hoffend, dieses Mal die Finger von dir lassen zu können. Bei deinem Anblick nicht wieder rückfällig zu werden.

Sich die Seele herausreißen klingt brutal. Als ob man innerlich bluten, wenn nicht sogar sterben würde.

Folglich ist es brutal!

Tatsächlich überlebe ich es jedes Mal. Vielleicht auch nur, weil ich jedes Mal aufs Neue schwach werde, in deine heilenden Arme krieche und die Welt, mein Leben, meine Sorgen und Probleme komplett vergesse.

Wir sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Wir beide wissen das. Lange habe ich gegrübelt, was uns überhaupt in irgendeiner Form zusammenhält. Obwohl wir schwerlich tatsächlich irgendeine Form wären. Faktisch sind wir offiziell nichts und inoffiziell mehr als ich mir jemals vorstellte.

Wir sind wie Tag und Nacht. Dennoch bin ich nirgends lieber, als bei dir. Du inspirierst mich. Ich lerne mich selbst besser kennen, als bei irgendwem als bei irgendwas sonst. Meine schönen und liebenswerten, aber auch meine hässlichen und absolut unausstehlichen launischen Seiten.

Du bist wie Urlaub für mich. Ich brauche kein Meer, ich brauche keine Sonne, keinen Strand, keine andere Stadt, keine neue Umgebung. Ich öffne einfach nur meine Tür, gehe drei Schritte durch den Flur, stehle mich in dein Zimmer, bin bei dir und weiß: Jetzt, in diesem Moment, mit und bei dir, ist alles gut. Denn wenn wir zusammen sind, ist das JETZT, alles, was ich brauche, worüber ich mir den Kopf zerbrechen muss.

Doch dieses Mal habe ich mir wirklich die Seele herausgerissen und ich fürchte, es ist ein endgültiges Ende, von dem, was wir in der Nacht teilten, am Tag verheimlichten und das unsere Gegensätze in einer makaberen Form einrahmt.

Mein Geständnis

Präsentation1

Deine Worte haben mich verzaubert.

Da habe ich sie genommen, ohne dich zu fragen.

Habe sie etwas verdreht, verschönert, kaschiert und retuschiert, bis sie in mein Gebilde passten.

Denn deine Worte, die haben mich fasziniert.

Ich habe sie mir angeeignet, besaß nicht den Mut, dich zu fragen.

Sollte mich entschuldigen, denn mein Recht ist das nicht, oder?
Andererseits, würdest du es nie merken.

Habe sie schließlich verändert. Im Kern und in der Botschaft noch deine Handschrift, aber ich bin einmal durchgelaufen, habe meine Fußabdrücke hinterlassen. Unkenntlich? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Du weißt nicht, dass ich Wortsammlerin bin. Immer auf der Suche, wandere ich durchs Leben, pflücke mir die Teile zusammen, die sich mir in den Weg stellen, sich anbieten, die in meinen Ohren ihren unvergleichlichen Klang hinterlassen. Worte, die duften, beinahe greifbar sind.

Sind es dann deine oder meine Worte?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, ich habe mir deine Worte genommen.

Soll ich dir das gestehen oder schnell zum nächsten gehen?

Weiter suchen, weiter pflücken, weiter Fußabdrücke durch die Leben der anderen ziehen. Handschriften verfälschen. Oder ist es doch nur ein verändern, vielmehr eine Bereicherung?

Darf ich, was ich tue?

Der Drang bleibt. Ich muss mich entschuldigen. Habe dich deiner Worte beraubt.

Du hast es nur so dahingesagt. Seicht, leicht und flockig rollte es zart schmelzend von deiner Zunge, hinein in meine Fänge.

Ich pflücke sie nur. Das ist ganz leicht.

Ich gestehe, ich könnte selbst dann nicht aufhören, wenn du mich darum bätest.

Ich bin die Wortsammlerin und dies ist mein Geständnis.

Wo ich gehe, wo ich stehe. Wo ich atme, wo ich lebe. Deine Worte sind nicht sicher vor mir. Ich kann sie nicht verklingen lassen, muss sie bewahren, muss ihnen neue Kleider nähen, ihnen Flügel geben, um andere zu beflügeln.

Ob nun der Weg das Ziel ist oder der Weg nur ein Mittel zum Zweck. Darüber dürfen sich Philosophen gerne noch weitere tausend Jahre den Kopf zerbrechen.

Ich habe (m)eine Glück und Leid Kalkulation aufgestellt und bin mir sicher:

Mein Verweben der Worte rechtfertigt es, dass ich dich beklaue. Immer und immer wieder.

Wenn du das weißt, tut es mir leid.

Doch ich kann nicht anders.

Verzeih mir, dies ist mein Geständnis, gewürfelt alleine aus meinen Worten.

Nur meine Fußabdrücke. Du könntest deine daneben setzen…

Das Risiko

Das Risiko lebte in meinen Fragen.Das Risiko

Meinem glühendem Drang nach Gewissheiten.

Das Risiko trieb mich an, alles auf eine Karte zu setzen.

Es ist dafür verantwortlich, dass ich alles verlor.

Die Feigheit war dein Begleiter, als du mir Antworten gabst.

Es hüllte dich in einen beruhigenden Nebel, der dir sagte, dass es okay sei, wenn du mir larifari Gewissheiten verschafftest.

Es lag alles in deinen Händen.

Dann hast du alles mit deinen Worten in schmerzende, klitzekleine Fetzen geschnitten und zwischen deinen Zähnen zerquetscht.

Harmlos fing es an. Drehte sich durcheinander, wirbelte umeinander herum.

Bis ich nicht mehr wusste, wo oben, wo unten, wo die Mitte war.

Was warst du, was war ich in diesem Ganzen?

Was ist so verkehrt, aus einem halben, etwas Ganzes erschaffen zu wollen?

Zusammen Luftschlösser träumen, Zärtlichkeiten austauschen, Gedanken teilen, Trauer, Glück, Hoch und Tief in der Zweisamkeit verbringen.

Erwartungen und Wünsche, die du nicht teilen konntest. Nicht wolltest. Angst, vor dem Risiko. Angst, zu lieben. Angst… zu leben?

Es war das Risiko, durch das ich alles verlor. In diesem Moment. Es ist das Risiko, das mich immer wieder antreibt zu lieben und letztlich … auch zu leben. 

Wer sie ist, weiß sie nicht

wer sie ist, weiß sie nicht

Sucht den Weg nach draußen.

Möchte ihre Persönlichkeit spüren.

Aufhören, sich poikilosozial den Stimmungen der anderen anzupassen.

Fröhlich sein, wenn sie es ist. Weinen, wenn sie weinen will.

Nicht gute Laune haben, wenn alle gut drauf sind, nicht betrübt dabei sitzen, wenn die anderen schweigen.

Sie hat sich in ihren Tiefen verloren.

Ist poikilotherm wie die Körpertemperatur der Eidechsen.

Sucht ihre Persönlichkeit. Möchte sich selbst spüren.

Sein, wer sie ist. Wer sie ist, weiß sie nicht.

Ihrem eigenen Ich zu gefallen, ist ihr Ziel, die anderen sind egal.

Dennoch kann sie sich kaum alleine orientieren.

Benimmt sich opportunistisch wie die Fahne im Wind. Ist genervt davon.

Kann sich selbst nicht leiden.

Denkt, es ist doch so einfach, man selbst zu sein.

Merkt, es ist furchtbar schwierig, ungeschminkt man selbst zu sein.

Demaskieren, nur riskieren, nichts verlieren.

Oder lieber nichts riskieren, nur verlieren?

Die Aussichtslosigkeit des Schreibens

Die Aussichtslosigkeit des SchreibensIch bin mein eigener Feind. Schreibe über das, was in meinem Kopf spukt. Was sich tagelang festsetzt, sich nicht verflüchtigt und trotzig einfordernd meint, ich möge ihm doch in einem größeren Rahmen Beachtung schenken.

Solchen ‚liebevollen Bitten‘ komme ich selbstverständlich nach, lasse meine Finger blind in die Tastatur tippen. Beobachte, wie Buchstabe um Buchstabe die weiße Seite füllt.

Betätige DELETE, setze sorgfältig die Satzzeichen und stelle am Ende fest, dass dies alles nur eine einzige Farce ist.

Jedes Komma, jeder Punkt und jedes Ausrufezeichen dokumentieren den traurigen und verzweifelten Kampf meiner Gedanken, sich zu sortieren, neu zu ordnen, Lösungen für Probleme zu finden, die nicht zu lösen sind, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die ebenfalls nicht die meinen sind und Lösungen für Situationen zu finden, die mir unbekannt sein sollten, denn es sind nicht meine eigenen.

Ich dokumentiere mein trauriges Dasein, schreibe über Sehnsucht, Verzweiflung und Tod im Leben. Letzteres ein Widerspruch in sich, denn der Tod IM Leben ist zweifelsfrei ein schlechter Witz.

Manchmal lese ich diese Texte und erschrecke vor mir selbst. Über diesen komisch, trotzigen Kampf, den ich da führe, niemals führen wollte und dennoch unentwegt verliere.

Ich erschrecke über die Dinge, die ich vielleicht mal gehört, gedacht oder empfunden habe. Die die meinen gewesen sein könnten, die ich eventuell abgestreift habe, wie meine Kleidung vom Vortag, die ich möglicherweise aber doch noch mit mir herumschleppe.

NIch erschrecke und denke. Ich denke und erschrecke. Und dann denke ich weiter. Über das, was ich bereits so geschrieben habe, was ich noch schreiben könnte und stelle fest, dass es eine Teufelsspirale ist, die ich nicht durchbrechen kann. Denken und schreiben. Schreiben und denken.

Schon wieder drängen mich ebenjene Gedanken dazu, genau darüber zu schreiben.

Also packt mich eines nachts der verrückte Drang, meine verwirrenden Gedanken niederzuschreiben; obwohl ich drei Sekunden zuvor noch der festen Überzeugung gewesen bin, mich in weiteren drei Minuten in der Tiefschlafphase zu befinden.

Gedanken, die mit den Worten „Ich bin mein eigener Feind“ beginnen, ohne eine Ahnung zu haben, wohin mich dieser Satz treiben wird.

Dieses Mal erschrecke ich noch während des Schreibprozesses. Merke, dass ich mich mitten in einer Schlacht befinde und das nicht ändern kann. Ich kann lediglich hoffen, dass mich meine erschrockenen Gedanken am Ende halbwegs gut da stehen lassen und meine eifrigen Finger dem hinterherkommen; denn würde ich die Finger ruhen lassen, wäre das eine, mit einer Niederlage gleichzusetzenden, Kapitulation.

Ja, ich erschrecke mich vor meinen Gedanken. Denke, dass ich vielleicht auch nur einen schlechten Valentinstag hinter mir habe. Einen Tag, wie jeder andere, der auch ohne ein ‚Valentin‘ zu sein, möglicherweise schlecht gewesen wäre.

Ich denke, dass ich zu viel denke, wie mir mein Kumpel kürzlich mitgeteilt hat und sehe ein, dass ich alles zer- und tod- denke.

Denke, dass die Situation ausweglos ist, wenn sogar meine Freundin keinen Rat weiß, wie ich das übermäßige Denken einstellen kann.

Also beschließe ich, mich zur späten Stunde den Texten zuzuwenden, wegen derer ich meinen Laptop ursprünglich anstellte.

Kapitulation vor den eigenen Gedanken muss keine Niederlage bedeuten, sondern lediglich die gewonnene Erkenntnis, dass es schlechte und gute Tage gibt und es bereits ein Sieg ist, zu akzeptieren, dass der nächste Tag nur besser werden kann.

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