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Ketzerschwestern von Arnulf Zitelmann [Rezension]

„Alles ist so traurig!“, klage ich. „Nur deine Hände sind lieb zu mir, alles sonst ist mir versagt!“
Laurice küsst zögernd meine Lippen, und als ich ihn zurückküsse, schmecke ich das Salz von meinen oder seinen Tränen, ich weiß es nicht. Seine Hände suchen meine Brüste und liebkosen sie. In meinem Leib rollt und rüttelt es. Und plötzlich hebt es mich hoch, dass ich laut aufschreie. Mir ist, als falle ich endlos. Und das Gefühl ist so schön, dass es nie mehr aufhören soll. (Dann sinke ich zusammen, mir ist schwindelig und ich suche nach Luft.

S. 262

Inhalt:
Ina und Kathie sind Zwillingsschwestern und kennen nichts anderes als ihr frommes Leben mit den anderen Schwestern und ihr Dasein ihrem lieben Gott zu widmen. So glaubte Kathie zumindest, die immer gemeinsam mit Effelin im Garten die Ordnung hielt. Denn eines Tages erfährt sie von Ina, dass diese nicht an die kirchlichen Gesetze glaubt, so wie sie gepredigt werden. Sie hat lauter ketzerische Gedanken in ihrem Kopf und ist gemeinsam mit Leuten, die genauso denken wie sie, bereit dazu Taten folgen zu lassen. Während Kathie um das Leben ihrer Schwester bangt und fürchtet, diese könnte den Zorn Gottes auf sich ziehen oder gar im Fegefeuer landen, ist sie auf einmal verschwunden. Kathie begibt sich auf die Suche und gerät selbst in einen Glaubenskonflikt und in lebensbedrohliche Kreise…

Meine Meinung:
Wenn ich dieses Buch anblicke, erwarte ich darin eine spannende, ergreifende und lehrreiche Geschichte über zwei Schwestern vorzufinden, die wegen Anschuldigungen der Ketzerei irgendwie zu Tode kommen oder etwas ähnliches.
Die Thematik stimmte, doch das ergreifende und spannende kann ich getrost streichen.
Ich muss zugeben, dass „Ketzerschwestern“ durchaus schöne Seiten hat und man möge es nicht glauben, doch die letzten 50 Seiten, kamen mir beinahe wie ein Wunder vor, weil ich endlich richtig mitgerissen wurde und sogar mit der Protagonistin mitfieberte.
Doch die 250 Seiten davor kam es mir so vor, als läse ich in einem Geschichtsbuch und lernte für eine Klausur. Nun gut, dies ist ein wenig übertrieben, doch für mich war kein richtiger Plot erkennbar. Die beiden gegensätzlichen Zwillingsschwestern Kathie und Ina, die gemeinsam Katharina bilden, dümpeln vor sich hin und außer, dass ich Kathie ein wenig nervend und als sehr naiv empfand und Ina definitiv klüger ist und sich weiterbildet und sich somit in ketzerisches Klientel begibt, passiert nichts weiter. Ich hoffte dauernd, dass Dank Inas rebellischem Handeln und Wesenszug endlich der große Knall kommen würde, doch diese Linie blieb viel zu lange unklar und prägte sich erst am Ende der Geschichte aus und der Knall, der kam erst gar nicht.
Einerseits verdeutlicht Arnulf Zitelmann so, dass damals für Schwestern eines gemeinnützigen und kirchlichen Ordens tatsächlich nichts passierte, außer ihren täglichen Pflichten und Aufgaben, somit wäre „Ketzerschwestern“ als authentisch zu bezeichnen andererseits hätte das als Jugendbuch spannender verpackt werden müssen. Denn wenn ich etwas über die Bewegung der Beginen in Erfahrung bringen möchte, recherchiere ich im Internet oder schaue in mein Geschichtsbuch. Ein Buch wie Ketzerschwestern, welches eigentlich für Jugendliche als Zielgruppe gedacht ist, sollte mehr Emotionen vermitteln können und wenigstens ein wenig Spannung aufbauen, damit man einen Höhepunkt erlebt und eventuell auch noch einen Wendepunkt finden kann.

Wunderschöne Gestaltung

Auch da kann man sagen, dass die Protagonistin Kathie vielleicht einfach so einfältig war, dass die Geschichte ihr gleichzog, doch dies macht für mich kein gutes Buch aus.
Sehr anstrengend für mich war der recht trockene und zu sachlich gehaltene Schreibstil, sowie die langen Kapitel. Wenn ich die 300 Seiten durch die Anzahl der 8 Kapitel teile (das 9. zählte für mich nicht. Die fünf Seiten wirkten im Vergleich der anderen eher wie ein Epilog) haben wir cirka alle 35 Seiten ein neues Kapitel und das ist viel zu lang und ermüdend.
Dennoch habe ich einige löbliche Aspekte gefunden. Sehr spärlich zwar, erscheinen sie mir nur umso wertvoller.
So trocken der Schreibstil auch ist, die historischen Aspekte und das Leben damals im Hochmittelalter vermittelt Herr Zitelmann sehr gut und Jugendliche können nebenher somit einiges lernen, ohne dass es ihnen so recht bewusst ist. Dazu gehören auch die theologischen Elemente, die sehr Raumgreifend aufgebaut sind und nahezu die ganze Handlung bestimmen. Die Zwillinge als Charaktere sagten mir zwar in ihren Eigenschaften und ihrem Verhalten nicht zu, doch die Idee von diesem Autor hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, weil es etwas besonderes ist. Zum Einen mag ich Zwillingsgeschichten und zum Anderen griff er das Dasein von zwei Individuen, die ein Ganzes ergaben immer wieder auf, so dass dort zumindest etwas sinnvolles und rundes entstand.

Mein Fazit:
Ich habe mich nach dem Beenden dieses Buches intensiv mit seinen Nachteilen und Vorzügen beschäftigt, da mir trotz der langweiligen Passagen, irgendetwas an diesem ganzen Buch gefiel. Denn ich habe gemerkt, dass Arnulf Zitelmann eine Botschaft weitergeben wollte, die er nach Leibeskräften in seine Worte einhämmerte. Doch irgendwie war das zu gewollt und kam nicht ganz bei mir an und das ist schade. Denn dieses Buch ist nicht nebenher verfasst worden, dass las ich in den Worten von Herrn Zitelmann, allerdings konnte sie mich auch nicht begeistern und von einem Buch wünsche ich mir, selbst von einem ernsten und traurigen Thema, ein wenig Unterhaltung. Denn Unterhaltung muss nicht zwangsläufig bunt und froh sein. Auch zu Tränen rührende Werke sind Unterhaltung. Doch „Ketzerschwestern“ blieb mir viel zu lange „tot“ und die wenigen, lebendigen Momente, konnten das Ruder nicht mehr herumreißen.
Ich werde es weder empfehlen, noch ein „Finger weg!“ aussprechen, denn ob ihr es mögt oder nicht, solltet ihr in diesem Fall selbst herausfinden. Ich werde auch keine Wertung abgeben, da ich mich einfach nicht entscheiden kann, doch 4/5 oder 5/5 Sternen könnt ihr getrost ausschließen.

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag, mit Folienprägung
336 Seiten
ISBN: 978-3-522-30266-1
Preis: 14,95 €
Österreich: 15,40 €, Schweiz: 23,50 sFr
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!

Die dunkle Chronik der Vanderborgs 02 – Amanda deine Seele so wild von Bianka Minte-König [Rezension]

Inhalt:
Amanda fühlt sich von ihrer Mutter Estelle nicht geliebt. Ihr ganzes Leben lang verspürt sie einen riesigen Durst nach Blut und versucht ihn zu ignorieren. Gleichzeitig kann sie ihm nicht widerstehen und immer wieder bricht die Sehnsucht aus ihr hervor und sie fällt Tiere an. Doch noch hat niemand ihr Geheimnis bemerkt. Bis an ihrem vierzehnten Geburtstag Estelle spurlos verschwindet und Amanda sich nur noch bruchstückhaft an den ganzen Tag erinnern kann. Irgendetwas ist mit ihr passiert. Als sie sich in einer Irrenanstalt wiederfindet, fürchtet sie, dass man ihr blutiges Naturell entdeckt hat. Noch ahnt sie nicht, welch schlimmen und schmerzvollen Jahre vor ihr liegen werden. Denn sie befindet sich in einer Zeit, in der man davon überzeugt ist, die fehlgeleiteten Gehirne der Menschen mit Stromstößen wieder richtig zu rücken. Amanda kapselt sich von ihrem Verstand ab und liegt nur noch in der Ecke. Zwar am Leben, doch wie tot. Bis der junge Psychoanalytiker Conrad Lenz in ihr Leben tritt und aus dem hoffnungslosen Experiment Amanda wieder einen Menschen zu machen versucht. Wird er Erfolg haben? Und was wird aus der restlichen Familie Vanderborg, die während Hitlers Regime schweren Zeiten gegenüber steht?

Meine Meinung:
Makellos. So würde ich diese Geschichte bezeichnen. Zumindest im Vergleich zu seinem Vorgänger. Es gibt einfach Aspekte an dieser Geschichte, die mich nicht so mit sich reißen, doch dies ist Geschmackssache und hauptsächlich war ich begeistert. Das beweist der Sog des Buches um Amanda, die Estelles Geschichte nun in der zweiten Generation weitererzählt. So wurde aus meinem Vorhaben, nur einmal in das Buch reinzulesen nichts und ich las es stattdessen beinahe an einem Stück durch. Denn Bianka Minte-König verknüpfte die historischen Fakten, durchmischt mit fiktiven Erfindungen und ihren fantastischen Elementen, die vordergründig die Handlung bestimmen, perfekt und die Balance zwischen den unterschiedlichen Elementen verleitete mich beständig weiterzulesen.
Nicht zu vergessen sind die vielen Überraschungen, dir mir über den Weg liefen. Trotz der Vampire, kann sie sich von anderen Vampirbüchern abheben, indem sie ihrer Trilogie eine geschichtliche Hintergrundbasis verschafft, die alles untermauert.
Amanda als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Wesentlich besser, als Estelle. Ich konnte mich besser in sie hineinversetzen und litt mit ihr mit. Sie ist eine sehr starke Person und im ihre „wilde“ Seele könnte ich sie glatt beneiden, wenn ihr Schicksal nicht so schwer wäre und sie nicht unter dem vampirischen Fluch so dermaßen leiden müsste.
Die von Estelle begonnene Chronik der Familie Vanderborg hat auch im zweiten Teil öfters ihren Auftritt. Damit hat die Autorin eine wichtige Verbindung zwischen ihren Bänden hergestellt. So stehen sie für mich nicht mehr wie zwei Einzelbände da, sondern wie eine einheitliche Geschichte, die im dritten Band ihr Finale finden wird.
Romantisch, verspielt, teilweise sehr brutal und wirklich Erwachsen.
„Die dunkle Chronik der Vanderborgs – Amanda Deine Seele so wild“ wird wirklich dusterer und ist für mich sprachlich und inhaltlich eine Verbesserung. Ich bin froh, mich an die Fortsetzung herangewagt zu haben und bin gespannt, was sich diese Frau noch so einfallen lassen wird.

Mein Fazit:
Ein abwechslungsreiches Fantasy-Buch, mit vielfältigen Charakteren, tragischen Momenten und packenden Situationen. Auch die Gestaltung passt zu seinem Vorgänger und ich hoffe, dass Fans und Freunde dieser Bücher damit leben können, denn ich kann es allemal und bewundere diese mutige Figur namens Amanda und die Autorin als ihre Schöpferin.
Bei einigen Szenen gruselte es mich regelrecht und so wenig mir solche Parts etwas ausmachen, ich würde auf jeden Fall eine Altersgrenze aussprechen und entweder Teenagern mit Leseerfahrung in diesem Genre dazu raten, die kann das dann auch nicht mehr schocken oder man sollte mindestens 14-15 Jahre alt sein.
Alles in allem ist diese Vampirgeschichte, die in drei Generationen, drei Bänden und von drei starken Frauen erzählt wird, sehr empfehlenswert und ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Bewertung

Buchtrailer:

Allgemeine Buchinformationen:
Die dunkle Chronik der Vanderborgs
Amanda – Deine Seele so wild
Verfasserin: Bianka Minte-König
13,5 x 21,5 cm
472 Seiten
EUR: 16,95 CHF: 25,90
ISBN: 978-3-8000-9534-6
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Jolande – Der Sommer meines Lebens von Patricia Schröder [Rezension]

Hannah war ein Mädchen, das ich unter normalen Umständen niemals kennengelernt hätte, denn sie war mir zu verrückt und vor allem natürlich viel zu direkt. Hätte es Belindas Brief nicht gegeben, hätte ich sie ganz bestimmt nicht angesprochen. Sie wäre auf Händen an mir vorbeispaziert und wahrscheinlich für den Rest des Tages auf ihrer Überkopfwelt geblieben.

S. 136

Inhalt:
Die organisierte und durchgeplante Johanna Jolande Konrady wohnt bei ihrem Vater, denn mit ihrer quirligen und unberechenbaren Mutter kommt sie nicht so gut klar. Als die Ferien anstehen, muss sie wie jedes Jahr für eine Woche zu ihr ziehen und ist nicht sehr begeistert davon, zumal ihr Schwarm Mika verreist und sie ihn erst nach den langen Wochen wiedersehen wird.
Als plötzlich ein Brief für Jolande von einer Belinda auftaucht und sie zu einem Abenteuer auffordert, zögert sie nur kurz und folgt der Spur. Sie findet sich an der Ostsee wieder und versucht nun herauszufinden, wer ihr die anonymen Botschaften schickt, denn sie kennt keine Belinda. Schnell verliert sie ihr eigentliches Ziel aus den Augen, denn auf der kleinen Insel im Meer lernt sie endlich mal, wie es ist, die Kontrolle zu verlieren und das Leben so zu nehmen, wie es auf einen zukommt und am Ende, wird alles ganz anders als gedacht und Jolande wird das glücklichste Mädchen der ganzen Welt sein.

Meine Meinung:
Nach den ersten Kapiteln war ich etwas traurig, dass sich hinter einem so schönen Cover eine langweilige und vorhersehbare Teeniegeschichte verbergen sollte. Dieser Eindruck verflüchtigte sich jedoch sehr schnell und am Ende bin ich total begeistert und hocherfreut, in den Genuss eines solch köstlichen Romans gekommen zu sein, der für heiße Sommertage und ferne Träumereien genau das richtige ist.
Ich habe schon das eine oder andere Buch von Patricia Schröder gelesen, doch „Jolande – Der Sommer meines Lebens“ gefällt mir mit Abstand am Besten.
Anfangs wird das Umfeld der Protagonistin Johanna geklärt und die verschiedenen Personen eingeführt.
Irgendwann erhält Johanna einen mysteriösen Brief von Belinda für Jolande, die sie auffordert, an die Ostsee zu fahren, wo sie in einer Pension erwartet wird.
Normalerweise plant Johanna alles durch, ist voller Kalkül und lässt sich niemals fallen und solchen spontanen Abenteuern geht sie aus dem Weg.
Doch dieser Brief macht sie neugierig und sie würde gerne wissen, wie es weitergeht, also folgt sie diesem Befehl, ohne zu ahnen, zu welch großem Abenteuer sie sich aufgemacht hat.
Dabei entwickelt sie sich ungemein weiter und auch ihr Zweitname Jolande, den sie eigentlich nicht mag, bekommt eine größere Bedeutung für sie.
Die Spannung darum, wer hinter diesen Briefen wohl steckte, brachte mich bald um, denn es kamen so viele Figuren dafür in Frage. Außerdem liefen nebenher noch einige interessante Sachen ab und in jeder einzelnen wollte ich unbedingt ganz schnell, alles wissen, weil es so schön zu lesen war.
Patricia Schröder entwickelte eine regelrechte Schnitzeljagd und der Titel: „Jolande – Der Sommer meines Lebens“ passt zu 100 % zu dieser Geschichte, diesen Figuren, dem aufheiternden Schreibstil und der Kulisse. Ein Roman, der mich dazu anhält, dass Leben mehr zu genießen und auch sich auch mal spontan in aufregende Momente zu stürzen.
Teenager werden ihre Freude finden, doch auch ältere Menschen werden mit Sicherheit den Zauber dieser Geschichte spüren und sich in „Jolande – Der Sommes meines Lebens“ verlieben.
Am Ende war das ganze Buch perfekt. Jede Kleinigkeit passte und zu keinem Moment konnte ich ahnen, wohin die vielen Stränge sich entwickeln würden.
Denn wie beim Backen oder Kochen, verändert eine einzige Zutat, das ganze Ergebnis und die Rezeptur ist anders. So nahm ich ganz zu Anfang noch an, eine mir nicht schmeckende Schwarzwälderkirschtorte zu erhalten und durfte mich dann über die feinste und tollste Schokoladentorte à la Mousse aus Chocolat freuen und bin irgendwie total glücklich über dieses schöne Schmuckstück von Buch!

Mein Fazit:
Das Cover hat mich davon überzeugt „Jolande – Der Sommer meines Lebens“ lesen zu wollen.
Es vermittelt sofort die richtige Stimmung und so wie der Schriftaufzug Jolande funkelt, funkelt auch der Inhalt dieser begeisternden Geschichte. Ich kann sie nur empfehlen, denn ich habe mich einmal so richtig fallengelassen und bin verblüfft, dass Patricia Schröder mich mit dieser aufregenden Schnitzeljagd dermaßen überraschen und für sich einnnehmen konnte.
Ein Buch, für den Sommer oder aber auch ein Buch für den Winter, wenn man verlernt hat, wie es ist, vom Sommer zu träumen.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Coppenrath-Verlag
Jolande
Der Sommer meines Lebens
von Patricia Schröder
ISBN: 978-3-8157-5527-3
Bestellnr.: 5527
272 Seiten
Format: 14,2 cm x 21 cm
ab 12 Jahre
Hardcover / Glimmer / innen 1-fbg. / Lesebändchen
€ 12,95
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Blutroter Kuss von Sharon Page [Rezension]

Ihr Retter sah sie an und grinste. Sein blondes Haar – es hatte einen erstaunlichen weißblonden Ton – flog lose und wild um sein Gesicht. Seine grünen Augen glänzten vor Erregung. Und dann ließ er seinen Blick über ihren Körper gleiten und zwinkerte ihr zu. Drake Swift. Drake Swift und Lord Sommersby waren zu ihrer Rettung herbeigeeilt.

S. 33

Inhalt:
London, 19. Jahrhundert:
Serena Larks ist eigentlich nur eine Gouvernante ohne Eltern. Doch als sie von wilden und leidenschaftlichen Träumen heimgesucht wird, hat sie die Vorahnung, dass hinter ihrer Herkunft ein Geheimnis lauern könnte, was ihr eigenes Leben verändern wird.
So versucht sie mit allen Mitteln herauszufinden, wer ihre Eltern wirklich waren, denn Lord Ashcroft, auf dessen Hilfe sie angewiesen ist und der ihr ein zu Hause gibt, glaubt sie schon lange nicht mehr. Gemeinsam mit dem verruchten Drake Swift und dem vornehmen Lord Jonathan Sommersby, beides Vampirjäger gerät sie in gefährliche Abenteuer, die nebenbei noch ihre Leidenschaft entfachen und am Ende steht sie ihrem Geheimnis gegenüber, was alles für immer verändern könnte und sie muss sich entscheiden. Nicht nur zwischen der Liebe zu zwei Männern, sondern auch zwischen der Zukunft ihres Daseins und wie sie es bestreiten möchte.

Meine Meinung:
Es gibt Romane und Geschichten, da mögen Vampire out geworden sein, doch in „Blutroter Kuss“ gehören sie einfach dazu. Zu spät habe ich gemerkt, dass es sich in diesem Buch um einen zweiten Teil handelt. In den ersten habe ich vor Jahren einmal hineingelesen, weswegen ich weiß, dass Sharon Page die Protagonisten aus ihrem ersten Band „Blutrot – Die Farbe der Lust“ auch in „Blutroter Kuss“ gelegentlich mit hineinflocht.
Leider ist ein großer Teil des Plots vorhersehbar und einige Stellen sind extrem kitschig, doch im Vergleich zu Sharon Pages „Samtschwarz“ kann ich nicht meckern.
Endlich habe ich mal eine brennende Leidenschaft, ein Feuer, Wärme und richtige Spannung empfunden. Die erotischen Parts waren nicht nur so dahingeschmiert, sondern mit Einfallsreichtum, Kreativität und prickelnder Lust auf Papier gebannt, so dass ich meine Freude hatte diese, aber auch das komplette Buch, zu lesen.
Mir gefiel, dass Sharon Page die Protagonisten alle zu Wort kommen ließ. So hatte ich einen besseren Zugang in ihre Gedankenwelten und die Ereignisse fügten sich harmonischer zusammen. Außerdem konnte sie durch verschiedene Typen Mann Kontraste erzielen, indem sie Drake Swift und Jonathan Sommersby aus unterschiedlichen Herkünften entstammen ließ und ihre Einstellung voneinander abweichen ließ.
„Blutroter Kuss“ ist ein erotischer Roman voller Action, voller Liebe, Rätsel, Geheimnisse und der Bedrohung um die Erfüllung eines Schicksals.
Mir hat das Lesen Spaß bereitet und ich bin gespannt, ob es noch eine Fortsetzung geben wird.

Mein Fazit
Sharon Page bot mir so einiges in „Blutroter Kuss“ und desöfteren staunte ich nicht schlecht. Doch neben Vampiren, Dämonen und uralten Geschichten über die Entstehung der Menschheit, habe ich mich vor allem in einem wiedergefunden:
In einem sengenden Abenteuer, was auch dich erobern könnte, wenn du es zulässt. Nun muss ich noch Band 1 lesen und hoffe, dass der mein Bild von diesem Buch nicht durcheinander bringt. Empfehlenswert!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
SHARON PAGE
Blutroter Kuss
ISBN 978-3-89941-880-4
9,50 EUR [D]9,80 EUR [AT]14,50 sFr [Ch]
448 Seiten
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!
Band 01: Blutrot – Die Farbe der Lust
Band 02: Blutroter Kuss
Band 03: ?

Totentöchter – Die dritte Generation von Lauren DeStefano [Rezension]

Wenn der Mensch sich selbst zum größten Feind wird…

„Rhine?“ Zum zweiten Mal in unserer kurzen Ehe sagt er meinen Namen. Ich will ihn ignorieren, ich will vorgeben, noch zu schlafen, bin jedoch überzeugt, dass das panische Klopfen meines Herzens quer durch den Raum zu hören sein muss. Es ist absurd, aber für mich bedeutet eine knarrende Tür immer noch, dass Sammler eindringen, die mir in den Kopf schießen oder mich rauben wollen.

S.65

Inhalt:
Rhine lebt mit ihrem Zwillingsbruder Rowan zusammen in New York. Ihre Eltern sind schon seit einer Weile tot. Die Geschwister passen aufeinander auf und können sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten. Doch ständig müssen sie vor den Sammlern aufpassen und sich wie in einem Bunker verschanzen. Denn die Sammler suchen Mädchen, die sie an reiche Männer zum Heiraten verkaufen können. Denn die Menschen der dritten Generation leben nur noch 20, höchstens 25 Jahre. Die Ursache dafür ist ungeklärt und nach einem Heilmittel wird geforscht, bisher erfolglos. Da begeht Rhine einen folgenschweren Fehler und wird von Sammlern gefangen genommen.
Sie findet sich in der Obhut des Hauswalter Linden Ashby wieder, der sie und zwei andere Frauen heiratet. Schnell freunden sich die in diese Lage gezwungenen drei Mädchen an. Während die beiden anderen irgendwie mit ihrem Schicksal zurechtkommen, pocht in Rhines Herz die Freiheit und sie sucht nach einem Fluchtweg. Denn da ist außerdem der Diener Gabriel, der ihr einziger Freund zu werden scheint. Rhine weiß, dass sie nur noch vier Jahre zu leben hat und sie weiß ebenso gut, dass sie diese nicht auf diesem Anwesen mit dem sanften und rücksichtsvollen, sowie naiven Linden verbringen kann.

Meine Meinung:

Präimplantationsdiagnostik, besser bekannt als Babys aus dem Reagenzglas. Genforschung, Genmanipulation und daraus resultierende Genmutationen… Wie weit dürfen die Menschen gehen?
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, fragte ich mich, was genau mich so an Lauren DeStefanos Werk berührte. Ich meine, es gab vieles, was ich sofort benennen konnte, doch eines schwamm durchsichtig vor meinen Augen und ich probierte es zu erfassen. Was war an ihrem dystopischen Roman anders, als an all den anderen, die von einer zerstörten Welt sprachen, von Klimaerwärmung, Epidemien, Seuchen, CO2 Ausstößen…
Nach einigen Minuten habe ich meine Antwort gefunden.

Superschöne Innengestaltung

„Totentöchter – Die dritte Generation“ lenkt das Augenmerk auf einen weiteren Punkt. Unsere Forschungen, unseren unermüdlichen Wissensdurst und die Begierde, alles noch neuer, noch besser, noch effizienter und ausgefeilter zu gestalten. Doch zu welchem Preis?
In diesem Buch wird auf gefühlvolle Art und Weise aus der Ich-Perspektive eines intelligenten, 16-jährigen Mädchens namens Rhine geschildert, was der Fortschritt uns bringen kann, welches Resultat wir am Ende durch ihn erzielen.
Zunächst wird durch die Babys aus dem Reagenzglas selektiert. Ähnlich wie in dem Film „Gattaca“ haben wir irgendwann, wenn wir alle vorherigen Zweifel und ethisch-moralischen Bedenken hinter uns gelassen haben, die perfekten Menschen. Mit den besten Fähigkeiten und Supergenen. Die Krankheit Krebs ist besiegt und kann geheilt werden.
Doch plötzlich haben die Generationen nach dieser ersten, perfekten Generation unerklärliche „Fehler“. Rhine gehört zur dritten Generation und niemand weiß, warum, doch sie alle sterben jung. Die Mädchen mit 20 und die Jungen mit 25 und es gibt nichts, was man dagegen tun kann.
Abgesehen von der wirklich fesselnden und spannenden Geschichte, die ich das Glück bekam lesen zu dürfen, musste ich am Ende wirklich über die makabere und utopische Ironie lachen, die die Autorin mir aufzeigte. Ein Traum der Menschheit geht in Erfüllung, der Krebs ist besiegt und am Ende haben wir uns das Eigentor geschossen, weil unsere Gene einen undefinierbaren Defekt besitzen, der das unwiderrufliche Todesurteil bedeutet.
Einerseits ist „Totentöchter – Die dritte Generation“ als Jugendbuch recht einfach angelegt. Das beginnt bei der Sprache und wird im Handlungsverlauf fortgeführt. Irgendwann ließ ich eine unsichtbare Grenze hinter mir, an der ich mich plötzlich in einem verschlungenen Urwald befand und ich merkte, dass sämtliche Beziehungen der Personen zueinander ungleich komplexer,

Kapitelanfänge

vielfältiger und wichtiger waren, als ich zunächst erwartete.
So wuchs mir nicht nur Rhine ans Herz, die sich mit dem Verlauf ihres Schicksal nicht einverstanden zeigt und das Leben ablehnt, indem sie durch ihren Fehler nun steckt. Dabei stellt Lauren DeStefano innere Spannungen und Gefühlskonflikte her, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Es ist ziemlich schwer die Einzelheiten zu beschreiben und am Ende hoffe ich, dass viele diesen Roman mit derselben Begeisterung lesen können wie ich und zum Nachdenken angeregt werden.

Mein Fazit:
Dieser Roman war nichts zum Lachen. Es war ebenfalls keine Unterhaltungslektüre. Ein hochspannender Plot, der mich mit ernsten Zügen einer möglichen Zukunft konfrontierte, die mich unendlich traurig machte und von der ich hoffe, sie niemals miterleben zu müssen, falls es einmal soweit käme.
Die Gestaltung des Covers finde ich angemessen und außerdem wunderschön. Trotz einiger Stimmen, die den original Titel „The Last Chemical Garden 1- Wither“ bevorzugen, finde ich den Titel „Totentöchter – Die dritte Generation“ wesentlich treffender und zum Inhalt passender.
Die Charaktere kommen trotz der Ich-Perspektive gut zur Geltung und ich bin rasant, extrem begeistert. Ab und zu überkam mich sogar eine Gänsehaut. Eine runde Geschichte, die einen herrlichen Auftakt zu einer Trilogie bildet, von der ich noch großes erwarte, wobei wir niemals vergessen sollten, im Hier und Jetzt zu leben und nicht unermüdlich an eine mögliche Zukunft von vielen zu denken.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Lauren DeStefano
Totentöchter – Die dritte Generation
Originaltitel: The Last Chemical Garden 1- Wither
Originalverlag: Simon & Schuster
Aus dem Amerikanischen von Catrin Frischer
Deutsche Erstausgabe
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 400 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-16128-9
ca. € 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 26,90

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Sehnsucht nach Rinland 01 – Die weiße Möwe von Lena Klassen [Rezension]

„Ich bin nicht wie deine Männer“, sagte Blitz leise. „Du hast sie aus dem Gefängnis geholt und von der Straße. Sie waren wie eingesperrtes Geflügel auf dem Weg zum Schlachter, und nun sind sie dir dankbar und betrachten dich als ihren Herrn. Aber mich hast du aus der Luft gegriffen wie eine Möwe auf ihrem Flug. Ich werde nie im Dreck scharren wie deine Hähne. Ich werde nie im Staub zu deinen Füßen sitzen und auf deine Anweisungen warten wie auf Futter. In meinem Herzen ist das Meer und die Wellen, die gegen die Küste schlagen, und die Schiffe, die zum Horizont segeln. Ich spüre nicht die Erde unter mir, sondern das schwankende Deck eines Bootes auf seiner letzten, gefahrvollen Reise … In mir ist der wilde Schrei, der weithin zu hören ist … In mir ist der Traum von den Glücklichen Inseln.“ Er wusste nicht, ob Zukata ihn noch hörte. „In mir ist die Sehnsucht nach Rinland. Was du auch tust, um mich an dich zu binden, ich bin frei.“

S.164

Inhalt:
Mino und Blitz leben auf den Glücklichen Inseln. Sie sind die besten Freunde. Zumindest glaubt Blitz das. Er ahnt nicht, dass Mino ihn schon lange liebt. Seit Rin die Menschen für ihre Torheit aus dem perfekten Rinland verbannte, konnte er ihnen nichts weiter mitgeben, als die Riesen und die Sehnsucht. Eine Sehnsucht, die der Schlüssel zur Rückkehr sein sollte.
Wenn Mino Blitz nicht aufgehalten hätte nach Rinland zu suchen, wäre er nicht davon gelaufen. Dann wäre Mino nicht ins Meer gestürzt, bereit sich dem Wasser hinzugeben und als namenloses Mädchen ohne Erinnerungen an der Küste wiederaufzuwachen. Mino wäre niemals zu Möwe geworden. Einem furchtlosen, besonderen Mädchen, das selbst die Riesen bezwingt und Blitz wäre niemals der Held geworden, der er werden sollte. Doch das Schicksal verbietet den beiden zueinander zu finden, denn sie sind beide wie eine Möwe über dem Meer. Sie fliegen in einen blauen Himmel hinein; frei und ungebunden. Und genauso muss Rinland sich anfühlen, das Paradies.

Meine Meinung:
Die weiße Möwe fliegt hinauf in den Himmel, getrieben von einer Sehnsucht, die mit nichts gestillt werden kann. Vom Himmel aus kann sie beobachten, welche Abenteuer auf der Erde geschehen. Während sie frei ist und vor sich hin fliegt, wird sich die Welt verändern…
Doch mit einer weißen Möwe ist kein Vogel gemeint. Lena Klassen redet von so vielem, wenn sie auf die weiße Möwe zu sprechen kommt. Da ist Mino, die ihr Gedächtnis verlor und als Albinomädchen den Namen Möwe erhält. Und dann ist da Blitz, ihr bester Freund, der seine Heimat verließ, um die Welt zu sehen und sich gefangen in einer Räuberbande, geführt durch den Riesenprinzen Zukuta, wiederfindet, der ihn zwingt, grausame Taten zu begehen. Doch in seinem Herzen ist er frei, denn er ist wie eine weiße Möwe im Himmel.
Am Liebsten möchte ich weinen vor Glück, wenn ich an die poetische Kraft dieses Romans denke und ich bin so unglaublich dankbar, vom Baum der Erkenntnis gegessen zu haben. „Die weiße Möwe“ ist für mich nichts anderes, wo sie doch als Fantasy-Roman mit biblischen Gleichnissen angesehen wird. Mit der Erkenntnis, beginnen die Zweifel. Die Sehnsucht nach Rinland, welches in unserer Welt das Paradies symbolisiert, befällt nicht nur die Figuren in diesem herausragenden Kunstwerk. Die Sehnsucht lebt in uns allen. Dafür muss dieser Roman von Lena Klassen nicht gelesen werden. Doch um dies zu erkennen vielleicht schon. Die Brillanz, die ich in jeder Seite entdeckte, in jedem Wort spürte und nach jedem Kapitel schmeckte, wird von überaus vielen Faktoren bestimmt. Es beginnt bei den Figuren, die regelrecht lebendig wirkten. Mit ihren geheimen Wünschen, Sehnsüchten, Träumen und Taten in einer Welt, die zugleich so gütig und wunderbar, wie auch abstoßend und kalt sein kann, legte Lena Klassen ihnen Worte in den Mund, die sie atmen ließen.
Der nächste Aspekt betrifft den unvergleichbaren und unvergesslichen Handlungsverlauf.
So wie eine Sternschnuppe sich ihren Weg am dunklen Nachthorizont bahnt, folgen die Figuren scheinbar einem gleißend hellen Pfad. Doch genau wie bei einer Sternschnuppe, wird er nicht von jedem erkannt und gesehen. Manche schauen zufällig im richtigen Moment in den Himmel und sehen den schimmernden Schweif, während andere, blind für die Schönheit um sich herum, nicht einmal ahnen, was ihnen entgeht.
Das spannende an Lena Klassens überirdischem Werk ist, dass sich aus bloßen Zufällen, die tollsten Sachen entwickeln, die ich niemals für möglich gehalten hätte.
Während als dritter Punkt die Fantasie eingeflochten in dieser Geschichte Töne zu weben vermag, die die Welt vorher noch nie gehört hat, scheint sie gleichzeitig missratene Klänge hervorzubringen, denn noch weiß man nicht, wie dieses Abenteuer wohl endet. Noch könnte das feine Gebilde in sich einstürzen wie ein wackeliges Kartenhaus, denn erst am Ende wird sich offenbaren, ob alle Töne wirklich zusammenpassen.

Mein Fazit:
Mich verbindet mit „Die weiße Möwe“ eine ganz eigene Sehnsucht. Ein ungestilltes Verlangen nach den wunderwirkenden Worten dieser genialen Autorin, die mir niemals mehr genug sein könnten, weil ich einmal einem Rausch dieser wahren Meisterin verfallen bin und der Sehnsucht nach dem Sinn im eigenen Leben. Auch nach der Frage, ob es nicht noch viel mehr auf dieser Erde, in dieser Welt gibt, was wir zu sehen bekommen könnten bzw. sollten. Doch so viel ich auch über diese köstliche Geschichte nachdenke und mit meinen eigenen Fragen beschäftigt bin, eines habe ich am Ende mit der weißen Möwe gemein:
Ich bin frei!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Neufeld Verlag; Auflage: 1 (14. Januar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937896589
ISBN-13: 978-3937896588
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Band 1-3:

~Eine der Top 10 Rezensionen des Monats auf Lovelybooks~

Sternenschimmer von Kim Winter [Rezension]

Inhalt:
Die Zukunft:
Mia lebt auf der Erde, auf der sich die Lebensräume sehr stark eingeschränkt haben. Sie ist eine normale Teenagerin, die zur Schule fährt und langweilige Hausaufgaben zu erledigen hat. Doch als in Loduun Krieg ausbricht und einige Bewohner auf der Erde in Sicherheit gebracht werden sollen, engagiert sie sich für dieses Projekt und hilft ehrenamtlich den außerirdischen Kindern ein zu Hause zuzubereiten. Schnell freundet sie sich mit den loduunischen Kindern an, die viel mit den Menschen gemein haben, doch dann auch wieder nicht. Bis sie auf Iason trifft. Er ist nur wenig älter als sie selbst und passt auf seine kleine Schwester Hope auf. Irgendwie fühlt sie sich bei ihm unwohl, denn er scheint sie zu durchschauen und einen Groll gegen sie zu hegen. Als sie mit der Zeit mehr von den Gewohnheiten und Fähigkeiten ihrer heimatlosen Freunde kennenlernt, merkt sie, dass sie sich vielleicht geirrt haben könnte und sie mehr mit Iason verbindet, als sie zunächst wahrhaben wollte. Denn eigentlich findet sie sein Aussehen und sein ruhiges Wesen unwiderstehlich und fühlt sich von ihm angezogen, wie Motten vom Licht. Bis auf einmal der weit entfernt gewähnte Krieg auch auf der Erde erste Formen annimmt und sie und Iason vor die Wahl gestellt werden:
Iason und Mia. Oder Iason und Loduun. Doch eigentlich hat er keine Wahl, denn seine Heimat ist auch seine Bestimmung, sein Sinn, gegen den er nicht ankämpfen kann.

Meine Meinung:
Das in drei Teile unterteilte „Sternenschimmer“ von Kim Winter ist ein verteufelt schönes Werk. Manchmal plätscherte die Handlung beinahe zusammenhangslos vor sich hin, ohne große Dramen zu enthüllen oder von Mord und Totschlag zu erzählen. Dafür tat sie aber etwas viel besseres. Sie schilderte das Leben so wie es wirklich ist oder in unserer Zukunft aussehen könnte. Natürlich hat sich Kim Winter dabei ihrer Fantasie bedient und einige Elemente hinzugedichtet, um diesem Roman den nötigen glamourösen Sternenschimmer einzuhauchen.
Die Geschichte hat in mir viel bewegt, auch wenn sie nicht immer viel erzählte, so waren es eher die Zwischentöne und die menschlichen Beziehungszustände der Charaktere, die mich interessierten und anregten. So bin ich der Meinung, dass man dieses Werk gut und gerne um einiges hätte reduzieren können. Doch dann wäre eine Achterbahnfahrt daraus geworden, kaum genug Zeit die Einzelheiten zu genießen oder gar eine Landschaft zu bewundern. Auf die hier vor mir liegende ausführliche Ausgabe dieses Exemplars, habe ich den Charme von „Sternenschimmer“ voll und ganz genossen. Das fängt schon bei der Gestaltung an, die ein kleines Kunstwerk für sich darstellt. Ich habe mir das Buch wirklich genau angeguckt, weil es so gut aussieht und doch habe ich immer etwas neues entdeckt und nie alles wahrnehmen können, weil ganz viele Kleinigkeiten das Gesamtbild ergeben. Und erst ganz zum Schluss habe ich entdeckt, dass diesem Buch ein wahrer Sternenschimmer anhaftet, der sich auf meine Fingerspitzen übertrug und von dort aus direkt in mein Herz.
So gestaltet sich auch der ganze Plot: Kleinigkeiten verschmelzen miteinander, verweben sich, verheddern sich und irgendwie muss man beim Lesen gemeinsam mit der Protagonistin Mia alles wieder entwirren. Doch das ist gar nicht so leicht, denn Mia ist im gesellschaftlichen Leben stark integriert und ihr Herz schlägt verrückt, wenn sie dem Asylanten Iason aus Loduun gegenüber steht.
Denn die Zukunft kennt inzwischen mehr Leben auf der Welt, als den Menschen auf der Erde. Ebenso hat die Erde sich mit ihrem Leben arrangiert und verstanden, dass die Natur das Wichtigste ist. Doch um das zu begreifen, musste erst ein Großteil von Naturkatastrophen zerstört werden. Viele Menschen, ganze Völker sind ausgestorben und inzwischen teilen sich die Überlebenden einen kleinen Teil der Erde, denn Platz ist rar und kostbar geworden. Dieses von Kim Winter entworfene Zukunftsmodell gefiel mir extrem gut. Denn es propagiert keine böse Zukunft, in der wir uns vollkommen selbst vernichtet haben, sondern weist neue Möglichkeiten auf. So gibt es eine Kuppel über der Erde, die bei Bedarf aktiviert wird, wenn die UV-Strahlen zu stark sind.
Es gab für mich vieles in dieser Zukunft zu entdecken und während ich noch gefangen von den einzelnen, schönen Momenten, die mir „Sternenschimmer“ bescherte, gefangen war, entdeckte ich schon wieder neue Aspekte und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
So wusste Kim Winter beispielsweise ganz genau welche Formulierungen sie zu wählen hatte, um ein Gefühl des Soges in meiner Brust zu erzeugen, der mich beständig in die Geschichte ziehen wollte, denn die Spannungen, die zwischen Mia und Iason herrschten, zerrissen mich beinahe. Ich bin davon überzeugt, dass diese beiden das neue Traumpaar werden könnten!

Mein Fazit:
Fasziniert, gefesselt, aus der Bahn geworfen und verliebt. Das sind meine Gefühlszustände, die ich mit „Sternenschimmer“ verbinde.
Ich kann es nur weiterempfehlen und finde es grandios, wie Kim Winter sowohl eine ausgebaute und authentische Liebesgeschichte, die Werte von wahrer Freundschaft als auch ein wasserdichtes Zukunftsmodell und noch einige andere, überraschende Dinge miteinander verband und mir vermittelte. Gerade die Zukunft jagt vielen Angst ein, doch nach dieser Lektüre schöpfe ich Hoffnung, dass trotz Klimaerwärmung und anderem ein Leben auf der Erde möglich sein wird und nicht alles zwingend schwarz sein muss. Deswegen eignet es sich für jüngere, aber auch schon für „reiferes“ Publikum.
Lest diesen Roman und lasst euch von dem überraschen, was er euch zu erzählen vermag und vor allen Dingen, lasst euch darauf ein und wer weiß? – Vielleicht findet ihr dann auch ein wenig Sternenschimmer in ihm, der euch zu erleuchten scheint?
Ich bin begeistert und danke der Autorin für diese raffiniert zusammengesetzten Worte, die „Sternenschimmer“ ausmachen.

Bewertung

Trailer: (Der ist wunder, wunder, wunderschön!!)

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag, mit UV-Spotlackierung
576 Seiten
Ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-50278-8
Preis: 16,95
Österreich: 17,50 €, Schweiz: 25,90 sFr
Erscheinungstermin: 15.07.2011
Zum Buch: Klick!

Behemoth – Im Labyrinth der Macht von Scott Westerfeld [Rezension]

 

„Sehr erfreut, Mr … äh … Graf Volger. Ich bin Kadett Dylan Sharp.“
„Ich weiß, wer Sie sind.“
„Genau. Denn Alek und ich, wir haben ja gefochten.Wir sind Freunde.“
„Sie sind dieser Vollidiot, der Alek das Messer an die Kehle gesetzt hat.“

S. 65

Inhalt:
Alek ist vielleicht die letzte Hoffnung der Welt, ohne dass sie auch nur etwas davon ahnt. Der nahende Krieg wird von einer fernen Bedrohung zu realen Gefechten und ernst zu nehmenden Gefahren. Doch Alek, der totgeglaubte Prinz von Österreich, könnte noch einiges stoppen. Wenn er nicht gerade auf der Leviathan bei seinen Feinden an Bord wäre. Doch so verzwickt die Lage auch ist, er, Deryn und noch so einige andere Figuren ziehen ordentlich an den Strängen, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei ahnt Alek nicht, dass sein erster echter und richtiger, bester Freund, eigentlich ein Mädchen ist, das sich auch noch in ihn verliebt hat. Abgesehen von einigen Geheimnissen, die jeder im Geheimen vor den anderen zu verbergen versucht, arbeiten sie alle zusammen und bestimmen unter Einsatz ihres Lebens das Geschehen und die Entwicklungen des sich ausbreitenden Krieges mit. Denn ob nun Mechanisten oder Darwinisten, sie alle verbindet etwas…

Meine Meinung:
Ist das ein tolles Buch! Band 1 „Leviathan“ war bereits großartig, doch in der Fortsetzung hat Scott Westerfeld sich selbst übertroffen. Ich bin vor allen Dingen von dem Einfallsreichtum dieses Mannes überrascht. Ich habe schon sehr viele Romane von ihm gelesen und jede Geschichte geht in eine komplett andere Richtung.
„Behemoth“ führt die Handlung an der Stelle fort, an der sie in „Leviathan“ endete. Der erste Weltkrieg nimmt ernstere Züge an und die Fronten verhärten sich. Diplomatie und strategische Geschicke sind gefragt, um sich entweder rechtzeitig gute Verbündete zu sichern oder Kriegspläne auszutüfteln. Dabei hatte ich das Gefühl, dass sämtliche Figuren ihr eigenes Spielchen treiben und sich alle gegenseitig veräppeln, während sie prinzipiell das gleiche Ziel verfolgen. Entweder den Krieg mit so wenig Verlusten wie möglich zu gewinnen oder ihn zu verhindern, bevor er so richtig angefangen hat.
Dabei hat Scott Westerfeld die Grenzen zwischen Fiktion und historischen Eckdaten aus dem 1. Weltkrieg bravourös in einer gefühlvollen Geschichte verflochten, die mich durch die tiefgründigen und abwechslungsreichen Charaktere, einem bildreichen und heiteren Schreibstil, total von den Socken haute.
Alleine die Idee die Welt grundlegend in die zwei Fronten Mechanisten und Darwinisten einzuteilen, ist genial, doch so gut umgesetzt, wie der Autor es tat, ist es ein wirkliches Highlight, was sich mit keinem anderen Fantasy-Buch auf dem derzeitigen Buchmarkt vergleichen lässt. In „Behemoth“ ist alles besonders und während sich die Ereignisse zuspitzen, zieht sich das Netz der Intrigen immer enger zusammen und ich erwarte zurzeit keine Fortsetzung eines Buches so sehr, wie bei diesem Exemplar.

Mein Fazit:
Scott Westerfeld hatte mich schon mit seiner „Ugly“, „Pretty“, „Special“ – Reihe für sich gewonnen. Daraufhin folgten weitere Bücher, die ich lieben lernte. Doch Menschen entwickeln sich weiter und in meinen Augen hat er sich extrem verbessert und eine Thematik, die immer wieder aktuell wird, in einer reizenden Geschichte aufbereitet. Neben der bestechenden Handlung, verliehen die Illustrationen von Keith Thompson diesem Werk den letzten Schliff, denn um sich einige Maschinen oder auch darwinistische Kreaturen vorzustellen, bedarf es schon einiges an Fantasie und so bekam ich da eine kleine „Starthilfe“. Außerdem passen die Zeichnungen super in die Geschichte  und sind richtig schön anzusehen. Wer den ersten Teil noch nicht kennt, hole dies bedingt unverzüglich nach, denn bei dieser Trilogie kann man nichts falsch machen. Sie ist so schön, dass es schon wieder grausam ist. „Brüllend gut“! 😉

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Originaltitel: Behemoth
Originalverlag: Simon & Schuster, US
Aus dem Englischen von Andreas Helweg
Mit Illustrationen von Keith Thompson
Deutsche Erstausgabe
Ab 12 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
Mit s/w Illustrationen
ISBN: 978-3-570-13993-6
€ 17,99 [D] | € 18,50 [A] | CHF 27,90

Direkt zum Buch auf das Emblem klicken!

Meine >>>Rezensionen<<<:

Band 01: Leviathan – Die geheime Mission
Band 02: Behemoth – Im Labyrinth der Macht
Band 03: ?

Ein paar beispielhafte Illustrationen von Keith Thompson in einer Diashow !:

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Flucht nach Faerie – Die Talisman-Kriege 1 von Jason N. Beil [Rezension]

Inhalt:
Alek ist Bäckerlehrling in einem verschlafenen Bauerndorf. Er erwartet nichts großes von seinem Leben. Vielleicht wird er eines Tages die Bäckerei übernehmen und seine wunderhübsche Freundin  Sarah aus Kindertagen zur Frau nehmen, wenn sie denn seine Gefühle erwidert.
Da hält das Böse Einzug in sein beschauliches Leben. Er, ausgerechnet er, findet einen Talisman mit mächtigen Kräften, die Salin, der oberste Hexenmeister des Bösen unbedingt haben will. Denn dieser Talisman könnte das entscheidende Artefakt im Krieg der beiden Fronten sein.
Schnell wird Alek in ein Abenteuer hineinkatapultiert, das seine Kräfte übersteigt. Nur gut, dass er Sarah, den Friedenstifter Kraig und den Einsiedler Michael an seiner Seite hat, sonst wäre er verloren. Ein Wettlauf beginnt darum, wer zuerst das Elfenland Faerie erreicht, denn nur dort sind sie vor Salin in Sicherheit. Womit niemand rechnet: Wesen und Menschen mischen sich ein, die vielleicht irgendwann das Zünglein an der Wage sein könnten, doch zunächst gilt es, zu überleben.

Meine Meinung:
Ein grandioses Fantasy-Buch!
Der Schreibstil zwang mich zwar, langsam zu lesen, da mir jedes Detail wichtig erschien und der Autor so eine Art sich auszudrücken besaß, in der man einfach langsam und sorgfältig lesen musste, doch das war sehr gut so, denn die Geschichte, die Jason N. Beil geschehen lässt, haute mich wahrlich um.
Einerseits meine ich, sie besitzt etwas von einem Märchen, dann wieder den Flair einer Abenteuerreise und dazu nach fantastische Elemente gepaart mit flüchtigen Augenblicken der Liebe. Die Guten fliehen vor dem Bösen, um etwas in Sicherheit zu bringen, damit die Welt nicht von dunklen Mächten unterjocht wird.
Sicherlich gibt es solche Geschichten nicht zum ersten Mal und es wird sie auch immer geben. Allerdings ist „Flucht nach Faerie“ in dieser Kategorie ein herausragendes Werk.
Erzählstränge, die abwechselnd berichten, so dass die Abenteuer der sympathischen Helden und weniger sympathischen Gegenspieler von allen Seiten beleuchtet werden, urkomische Passagen und spannende Momente. Mehr verlange ich von einem Buch nicht.
Die Protagonisten besitzen breit gefächerte Charaktereigenschaften und noch mehr, die sich jedoch erst im Laufe der Handlung offenbaren und noch immer bleiben einige Geheimnisse offen.
„Flucht nach Faerie“ ist keiner jener Romane, nach denen man verrückt und süchtig zu werden droht, in denen man atemlos wird und sich nicht mehr von den Seiten lösen kann und durch die man hindurch hetzt, aus Angst, die Buchstaben könnten sich plötzlich „umentscheiden“ und noch einmal anders zusammensetzen, wenn man nur zu lange bräuchte. Es gilt: „In der Ruhe liegt die Kraft“, denn „Flucht nach Faerie“ besticht durch seine unverwechselbare Einzigartigkeit, die noch lange nachklingt.
Das perfekte Buch für verregnete Tage, aber auch für Sonnenstrahlen. „Flucht nach Faerie“ passt sich perfekt jeder Stimmung an oder ich sollte vielmehr sagen: Egal in welcher Stimmung ich mich befand, sofort versank ich in Jason N. Beils Werk, weil es so schön, klug und witzig ist und am Ende war ich beseelt von guter Laune!
Ich liebe es und kann die Fortsetzung kaum erwarten.

Mein Fazit:
Tolle Fantasy, mit gut durchdachten Elementen. Dieses Buch entfaltet auf vielen Ebenen seine Wirkung und wird viele Fans finden, denn schon nach dem ersten Kapitel fühlte ich mich durch diesen bestechenden Schreibstil gefangen und hätte ewig weiterlesen können.
Ein Buch zum langsamen Genießen und Nachdenken.
Ich kann es empfehlen, denn auch die Helden sind mal gewieft anders und nicht die sonnengebräunten, gut aussehenden und durchtrainierten „Sunny Boy“ Typen.
Hier kommt es noch auf die inneren Werte und eine tolle Geschichte an! 😉
Lesen, lesen, lesen!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Flucht nach Faerie
Die Talisman-Kriege, Bd. 1
Verfasser: Jason N. Beil
13,5 x 21,5 cm
448 Seiten
EUR: 14,95 CHF: 23,50
ISBN: 978-3-8000-9516-2
Zum Buch: Klick!

Vielen Dank an den Ueberreuter-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

Vision – Das Zeichen der Liebenden, vom Autorenduo Ana Alonso und Javier Pelegrin [Rezension]

Inhalt:
Alex liebt Jana. Daran gibt es für ihn keinen Zweifel. Als er nach einer Party von Jana zu sich eingeladen wird, zögert er nicht lange und begleitet sie. Doch plötzlich muss sie gehen und ihr jüngerer Bruder David erzählt Alex ein paar Geheimnisse. Diese beinhalten, angeblich magische Tattoos. Spontan lässt Alex sich eines von David stechen, der ihm sagt, dass dieses Tattoo ihn gleichzeitig mit Jana verbinden, ihn aber auch von ihr trennen wird. Alex glaubt ihm nicht ganz und ahnt nicht, dass der Selbstmord seines Vaters vor einigen Jahren gar keiner war, sondern ein Mord, den sein Vater hinnahm, um ihn, Alex in der Zukunft zu retten und die freie Wahl zu lassen. Dass Tattoo war kein Teil dieses Plans und Alex hat damit mehr aufs Spiel gesetzt, als er begreifen kann und vielleicht sogar das Überleben der Menschen oder dem Volk, dem Jana und David entspringen, gefährdet. Schnell findet Alex sich in einer Welt voller Mythen, fremden Wesen, Visionen und Zauberkräften wieder, in der ein Fehler das Leben kosten könnte. Doch niemand kann ihn leiten und so beginnt sein Abenteuer, im Zeichen der Liebenden, denn Jana ist die die Kraft, die ihn antreibt.

Meine Meinung:
Ich habe wirklich lange hin und her überlegt, wie ich diese Rezension formulieren könnte und welche Vor- und Nachteile „Vision – Das Zeichen der Liebenden“ besitzt.
Der größte Pluspunkt ist definitiv die Idee, die dieser Geschichte zugrunde liegt. Alles rangt sich scheinbar um Tattoos und mit der Zeit findet man heraus, dass es jedoch noch um viel mehr, als das geht! Eine Welt entsteht, in der alles möglich zu sein scheint und die von magischen Wesen bewohnt wird. So gab es Passagen, die ich wunderbar fand und in denen ich vergaß, dass ich eigentlich gerade las und ich konnte mir nicht mehr vorstellen, dieses Buch aus der Hand legen zu wollen.
Doch viel zu oft driftete die Handlung in erzählende Parts ab. Manche dieser von den Figuren erzählten Sagen, Visionen, etc. waren hilfreich und lockerten die Atmosphäre auf, doch teilweise hielt ich es für überflüssig. So gab es generell auch immer wieder Elemente, bei denen ich mir dachte: „Was bitte soll das sein?“. Ich habe den Zusammenhang einfach nicht nachvollziehen können.
Dieses ganze Buch ließ mich sehr stutzig zurück. Einerseits war es großartig, bis auf die bizarren, unerklärbaren Momente, die gar nicht zum restlichen Inhalt zu passen schien.
Mir kam es so vor, als lägen in „Vision – Das Zeichen der Liebenden“ zwei verschiedene Puzzles vor. Einmal schwarz und einmal weiß und die versuche man zu einem Puzzle zusammenzufügen, was natürlich Quatsch ist, da die einzelnen Puzzleteilchen ihren festgelegten Platz haben, den man nicht vermischen kann.
Was ich mich jedoch hauptsächlich frage ist folgendes: Die beiden Autoren Ana Alonso und Javier Pelegrin stammen aus Spanien, indem dieses Buch seinen großen Erfolg feierte. Doch die Hauptakteure dieser Geschichte besaßen alle typische, deutsche Standardnamen. Entweder die Autoren benutzten im Original tatsächlich diese Namen oder sie wurden einfach in der Übersetzung geändert? Falls dies der Fall sein sollte, frage ich mich, ob nicht generell in der Übersetzung etwas kleines schief ging, weswegen der besondere Charme in „Vision – Das Zeichen der Liebenden“ einfach ausblieb.
Der Titel impliziert direkt eine Liebesgeschichte und leider kann ich nicht im Detail sagen, was mich daran störte, denn so verrate ich zu viel, aber was ich da las, kam mir nicht wie eine Liebesgeschichte vor. Eher wie die Schwärmerei eines überkanditelten Jünglings, der sich mehr einbildet, als irgendetwas anderes.
Die gesamten Charaktere sagten mir nicht zu. Nicht etwa, weil sie nicht gut beschrieben gewesen wären, doch ihre Taten passten nie so richtig ins Bild oder für das, was sie ursprünglich standen. Wie Aprilwetter entschieden sie sich ständig aus heiterem Himmel um und wechselten abrupt die Seiten.
Loben muss ich wiederum wirklich die Fantasie der beiden Autoren. Am Ende kam alles ganz anders, als ich erwartete. Und wie gesagt, es gab Seiten, da blieb ich atemlos zurück und war begeistert. Doch Begeisterung hin oder her. Wenn die schönen Sachen nicht richtig zur Geltung kommen, da der Rest nicht so richtig passt, kann dies diesen Urbanfantasy-Roman auch nicht mehr retten.

Mein Fazit:
Ich war ziemlich ratlos, wie ich „Vision – Das Zeichen der Liebenden“ bewerten sollte. Noch immer schwanke ich zwischen 3 und 4 Sternen. Bei allem Respekt, ich kann einfach kein klares Urteil fällen, weswegen ich 3,5 Sterne vergebe. Die ich wegen meiner Darstellung der Sternchen wieder auf 4 aufrunden muss, doch eigentlich bleiben es 3,5. Mehr geht einfach nicht. So schön ich das Cover und einige Augenblicke dieses Buches auch schätzen mag, im Großen und Ganzen bin ich eher enttäuscht, als freudig. Dennoch glaube ich, dass in dieser Geschichte noch sehr viel Potential steckt, das in der Fortsetzung „Illusion – Das Zeichen der Nacht„ hoffentlich vollkommen ausgeschöpft wird, denn das Ende diesen Bandes fand ich überraschenderweise richtig toll, obwohl mehr offen und spannend blieb, als mir lieb ist!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Ana Alonso / Javier Pelegrín
464 Seiten
Gebunden
17,99 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06655-4
Zum Buch: Klick!

Vielen Dank an den Arena-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

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