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GEWONNEN! – Gefühle, Yogamatten und Schreibwettbewerbe

© Hello_beautiful / photocase.com

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Weil ich gerne schreibe und schreibe und schreibe, habe ich mir letzten Herbst für einen (weiteren ;-)) Schreibwettbewerb auf LizzyNet.de etwas einfallen lassen. Vom 01.Oktober 2013 bis zum 15. Januar 2014 konnten Texte eingereicht werden.

Das übergeordnete Thema lautete KörperGEFÜHLE, das mich lange überlegen ließ.

Als ich am wenigsten damit rechnete, ereilte mich eine Idee, die sich während des Schreibens um rund 180° drehte und von der ich am Ende selbst fasziniert war, weil ich nicht mit dem Ausgang bzw. Verlauf gerechnet hatte. (Ja, so etwas ist möglich)

Auch wenn der folgende Satz möglicherweise so aufgefasst werden könnte, dass ich damit implizieren möchte, genau ich wäre dazu in der Lage, soll es das nicht heißen :). (nein, ich rede gerade NICHT wirr!)

Jedenfalls ist die Kunst des Schreibens, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, in ganz andere Richtungen zu denken, zu schreiben und zu formulieren. Bisher habe ich mich stark an einem dystopischen und pessimistischen Weltbild orientiert. Endlich ist es mir gelungen, ein Stück weit daraus auszubrechen!

Mein Wettbewerbsbeitrag ist zugegeben nicht gerade optimistisch, allerdings lässt er die große, böse und immer wieder zubeißende Welt mal außen vor und zoomt in die Nahaufnahme eines einzelnen Individuums! 😉

Ihr Name ist Mira und ihre Geschichte ist die eines Kleides.

Ihr Körper ist ein Kleid

KLICK zur Geschichte!

Worauf ich hinaus möchte….

ICH HABE(aus 129 Einsendungen)TATSÄCHLICH ETWAS GEWONNEN! 😀

Ich erhielt sogar meinen Wunschpreis (Yogamatte mit Tasche) !

 Yogamatte_Tasche

Jetzt muss ich sie bei der nächst möglichen Gelegenheit noch ausprobieren, um meinen eigenen KörperGEFÜHLEN vielleicht noch ein wenig näher zu kommen. 😉

Euch wünsche ich einen schönen und wunderbar sonnigen Sonntag. Ich werde vermutlich ins Spinnenmuseum gehen…

Charlousie

Mehr Texte von mir findet ihr in der

 Schreibecke_1

meine neueste Kurzgeschichte trägt diesen „klangvollen“ Titel und klingt arg nach aufgeben 🙂

Die Aussichtslosigkeit des Schreibens

Ihr Körper ist ein Kleid

Ihr Körper ist ein Kleid„Ich finde dich schön“ sind Worte, die bei ihr wie Regenwasser an eine Fensterscheibe klatschen und sich dann langsam einen Weg hinunterschlängeln.
Sie prallen ab und landen in ihrem Spam-Ordner.
„Dein Hintern hat eine tolle Form“ ist eine hohle Phrase, die jeder Junge zu einem Mädchen sagt, das er ins Bett bekommen will.
„Ich liebe deine kleinen Pölsterchen“ ist eine Aussage, die in etwa so wahr ist, wie dass die Welt eine Scheibe ist.

Mira nimmt ihren Körper hin wie ihre monatliche Blutung. Ein Übel, das jede junge Frau über sich ergehen lassen muss, denn das zeichnet sie unter anderem als Frau aus.
Mira fühlt sich nie zu Hause. Ihr Körper ist kein „Tempel“ oder „Palast“, den sie mit Genuss, Energie, Lust und Lebensfreude bewohnt, wie es in einem der Ratgeber heißt, die ihre Mutter gelegentlich liest.

Mira fühlt sich fremd in ihrem Körper. Da sind zwei blasse Arme, die zwar auf ihr Kommando reagieren und die auch richtig zu funktionieren scheinen, denn sie fühlen, wenn sie fühlen sollen, dennoch fühlt es sich für Mira abgetrennt an.

Dasselbe gilt für ihre Beine, ihren Busen, ihren Bauch, ihren Po, für all die Äußerlichkeiten, die Mira bei den skinny Models bewundert und bei sich selbst vergeblich sucht.

Sie fühlt sich gefangen in ihrem Körper, der an den falschen Stellen schwabbelt weder schlank noch mit den entsprechenden Kurven so richtig weiblich ist.
Durch alle geltenden Kategorien und Maßstäbe fällt ihr Körper irgendwie hindurch.

Dennoch bekommt sie Komplimente und Worte, die ihr beweisen sollten, dass ihr Körper mehr ist als ein sich abnutzendes Kleid, das sie eben trägt, weil sie ja irgendetwas tragen muss.

„Mira, dein Body macht mich so geil“, hat Max – ein entfernter Kumpel ihrer Freundin – bei dröhnendem Beat von Elektroswing gesagt und sie landeten im Bett.
Mira hört diese Worte gerne. Sehr gerne sogar. Ihr Verstand würde vorzugsweise aus der Schädeldecke preschen und einen heißen Tango aufs Parkett zaubern; doch ihr Herz folgt pulsierend seinem stetigen Takt und bringt damit zum Ausdruck, dass es solche Äußerungen in etwa so glaubwürdig findet wie die Vorstellung von geraden Krümmungen oder harten Weichteilen. 

„Deine Brüste sind perfekt geformt und schön weich“, meinte Martin – ein inzwischen guter Freund – dessen Bekanntschaft sie nach dem Schwimmtraining vertiefte.

Manchmal fragt sich Mira, was diese Sexualität überhaupt wert ist. Sie genießt ihren Sex. Sie ist freizügig, lebt ein wildes Leben mit wechselnden, jungen Männern und fühlt sich wohl dabei.
Nur ihr Körper, der scheint irgendwie nicht so richtig mit ihrem Kopf, ihrem Verstand, ihrem Herzen, ihren Gefühlen verbunden zu sein.

Kompliment um Kompliment registriert sie. Nüchtern und fast schon gelangweilt zuckt sie innerlich die Achseln, wird äußerlich feucht und bereit; empfängt, was man als junge Frau so empfängt, wenn sich ein Mann zwischen die einladend weit geöffneten Schenkel schiebt.

Ihr Körper ist wie ein Selbstbedienungsladen. Wer mit dem richtigen Geld bezahlt, kann sich nehmen, was er möchte.

Manchmal wünscht sich Mira, sie würde mehr spüren. Mehr von den Worten der Kerle, mehr von den Begehren ihres Körpers und mehr von den Zusammenhängen zwischen Psyche und Physis. 

Miras Körper ist ein Kleid, das sie unentwegt trägt, sich nie ausgesucht hat, nicht umtauschen kann und dennoch ununterbrochen tragen muss. Es nutzt sich tagtäglich ab und das einzige, das sie tatsächlich spürt, ist, dass es zunehmend in die Brüche geht. Mira spürt, es wird der Tag kommen, da wird sie nackt sein. Mira spürt, eines Tages wird ihr Körper in eine neue – für sie schwarz erscheinende – Welt eintreten. 
Mira spürt. Mira. Spürt. Spürt, Mira?

 

Traumstimmen von Jennifer Hauff [Rezension]

Zitatwolke_Traumstimmen

TRaumstimmen_Cover»Der Inhalt«

Hannas Träume zerstören ihre Realität. Ihre Träume sind so lebendig, dass sie regelmäßig schlafwandelt und mit einer fremden Stimme spricht. Niemandem kann sie sich so richtig nähern, niemandem ihr Herz ausschütten, denn sie weiß, dass man sich dann von ihr abwenden würde. Denn durch ihre Träume ist sie nicht normal, so steht es für Hanna fest. Das kann nur böse, verteufelt oder verhext sein.

Doch wie kann Hanna ihre selbst gewählte Isolation aufrechterhalten, wenn sich der süßeste Junge der Schule für sie zu interessieren scheint und nicht locker lässt?

Aber anvertrauen kann sie sich auch ihm nicht. Und so stehen ihre Träume mal wieder Hannas Realität im Wege und sie riskiert damit, ihr neues Liebesglück aufs Spiel zu setzen.

»Tolle Idee, hohle Umsetzung«

Traumstimmen“ von Jennifer Hauff behandelt ein spannendes und in meinen Augen sehr schönes Thema. Leider ist die Umsetzung ziemlich schief gelaufen. Abgesehen von dem Schreibstil, der viel mit standardisierten Sätzen arbeitet, größtenteils aus Formulierungen besteht, bei denen ich das Gefühl besaß, ich hätte sie so oder so ähnlich bereits in zig Büchern vorgefunden, mangelt es den Figuren unglücklicherweise an Tiefe.

»Platte Liebe?«

Da ist Hanna, die mit Joshua, dem Mädchenschwarm der Schule anbandelt, obwohl sie sich hinter einer Mauer aus Distanz verschanzt; aus Angst, jemand könne ihr Geheimnis herausfinden. Diese beginnende Liebe kommt ziemlich platt und recht gefühlskalt daher. Ich habe mich kein bisschen in Hannas sehr unverständliche Gefühlswelt hineinversetzen können. Da ist kein Prickeln, kein Zaubern und auch kein Herzklopfen. Nur ein Junge, der Hanna angeblich „alles“ bedeutet und den sie dennoch unglaublich mies behandelt.

Dass im Laufe der Handlung auch noch ein Nebenbuhler auftaucht, dessen Rolle ziemlich schnell sehr klar wird, macht es nicht unbedingt besser. Zumindest ist Hanna zu ihm auffallend netter und auch wesentlich gefühlvoller.

Diese Rezension soll nicht dazu dienen, dass ich analysiere, warum Hanna sich gegenüber Joshua so und gegenüber Tim anders verhält, allerdings könnte ich mit diesem Aspekt schon einige Zeilen füllen, weil ich die Umsetzung in „Traumstimmen“ was diesen Pfad angeht, wirklich enttäuschend finde.

Was im Folgeband in dieser Hinsicht/Beziehung passieren wird, ist mir schon jetzt klar. Zumindest ahne ich es und behaupte, dass ich zu mindestens siebzig Prozent richtig liege. Denn der Handlungsverlauf war auch in „Traumstimmen“ niederschmetternd oft voraussehbar.

»Traumwelten«

Äußerst gelungen ist der jungen Autorin Jennifer Hauff die Traumwelt. Diese beschreibt sie fantasievoll, detailliert und (endlich mal) nachvollziehbar. Wirklich logisch oder hieb- und stichfest bleibt es in dieser Welt zwar auch nicht, aber wenigstens habe ich mich in diese Parts mehr hineinfallen lassen können.

»Niemals langweilig«

Traumstimmen“ hat mich trotz seiner heftigen Mängel in keinem einzigen Moment gelangweilt. Ich bin ziemlich neutral dem seichten und oftmals nichtssagenden Handlungsverlauf gefolgt, neugierig, aber distanziert.

Vielleicht kann die Zielgruppe von 14 Jahren sich mit dieser Geschichte noch mehr identifizieren als ich es konnte. Sechs Jahre darüber mögen nicht viel sein, aber in diesem Fall sind es anscheinend sechs Jahre zu viel, die mich so viele negative Sachen in „Traumstimmen“ sehen lassen.

Ich hoffe, dass Jennifer Hauff mit ihrer Fortsetzung zu ihrer einstigen Form, welche sie mit ihrem Debütroman „Herzverwandt“, den sie noch gemeinsam mit ihrer Schwester geschrieben hat, zurückfinden wird. Denn dort habe ich all das vorgefunden, was ich mir von „Traumstimmen“ erträumt hätte.

»Mein Fazit«

Wer „Traumstimmen“ nicht liest, wird nichts oder nur wenig verpassen. Eine gute Idee, die durch die stümperhafte Umsetzung zu Fall gebracht wurde. Gelangweilt habe ich mich nie, doch Tolles bleibt mir von Jennifer Hauffs Roman auch nicht in Erinnerung.

Ein Buch der Träume, das sich durch die Umsetzung sehr schnell selbst ausgeträumt hat. Keine Empfehlung.

Wölkchen2BibliografischeDaten

Jennifer Hauff
TRAUMSTIMMEN
Fantasy-Roman
320 Seiten | Hardcover
ISBN 978-3-86265-250-1
Originalausgabe | 14,95 EUR (D)
Erscheint am 1. Dezember 2013
Zu „Traumstimmen“ bei Herzklopfen und so

Legend – Schwelender Sturm von Marie Lu [Rezension]

Wenn Liebe zur Legende wird

4690»Der Inhalt«

June Iparis ist das Wunderkind der Republik gewesen. Nun ist sie die Verräterin der Republik. Sie hat nicht nur Day – dem Verräter der Republik – das Leben gerettet, sondern macht ihm zuliebe auch noch gemeinsame Sache mit den Patrioten.

Die Republik steht kurz vor der Revolution. Als dann der Herrscher – der ehrwürdige Elektor – verstirbt und sein Sohn die Nachfolge antritt, droht die Hoffnung des Volkes in Krieg, Gewalt und Auflehnung zu entbrennen.

Nur wenige wissen, dass es Strippenzieher gibt, die das Geschehen nach ihren Bedürfnissen lenken wollen und nur noch einen Hauch von ihren Zielen entfernt stehen…

»Ein schwelender Sturm im Leserherz«

Legend – Schwelender Sturm” hat mich im Gegensatz zu seinem Vorgänger “Legend – Fallender Himmel” richtig begeistern können.

Der Anfang war für mich ein wenig zäh und dickflüssig, wie ich es vom ersten Teil bereits gewöhnt war, doch nach gut einem Drittel erwartete mich eine sich langsam steigernde Hochbrisanz.

Welch Überraschung die ganzen Entwicklungen, Wendungen und Charaktertiefen doch in mir auslösten.

Ein regelrecht (an)schwelender Sturm wuchs in meinem Leserherz heran. Dieser ließ mich Seite um Seite Marie Lus Fortsetzung im fieberhaftem Tempo verschlingen. Spätnachts, beim Arzt im Wartezimmer, überall, egal wo, einfach nur, weil da dieser Sturm war und ich unbedingt wissen musste, wie Junes und Days Geschichte weitergesponnen wird.

»Hochspannung«

Während im ersten Teil Marie Lus Umsetzung bei mir so gar nicht fruchten konnte, ich weder mit der Handlung noch mit den Charakteren warm wurde, gefiel mir ihr zweiter Teil außerordentlich gut.

Offenbar ist dies den gut platzierten Überraschungen zu verdanken, welche ich dieses Mal nicht sofort durchschauen konnte und dementsprechend “Spaß” – vielmehr noch – Hochspannung mit “Legend – Schwelender Sturm” genoss.

Plötzlich habe ich beispielsweise den regelmäßigen Perspektivenwechsel zwischen June und Day als weniger lächerlich, sondern mehr als großen Showdown mit Tempoeffekt empfunden.

»Der erste Band nun rehabilitiert?«

Dass “Legend – Fallender Himmel” bei mir durch “Legend – Schwelender Sturm” ein Stück weit rehabilitiert ist, liegt nicht zuletzt an den neuen Hintergrundinformationen, die Marie Lu uns LeserInnen hinwirft. Endlich ist dem Tiefe verliehen worden, was ich im ersten Teil schmerzlich schnell durchschaute und somit bemängelte.

Endlich fühlte ich mich in eine runde und spannende Story gezogen.

»Zwei gegen ein System«

June und Day sind ein wahrlich ungleiches Zweiergespann, das sich als Paar dennoch im Herzen gefunden hat und ein totalitäres System bekämpft.

Grundsätzlich ist das nichts Neues und die oft verwendete Tatsache, dass das meiste nicht so ist, wie es scheint, hat Marie Lu erfolgreich mit ihren unvorhersehbaren Wendungen wieder wett gemacht.

»Mein Fazit«

Marie Lus “Legend – Schwelender Sturm” ist kein typischer Brückenband, der oft als Durchhänger tituliert wird.

Im Gegenteil: Ich befand mich mitten im Auge eines fesselnden und pompösen Sturms, dessen Verwüstungen ich unbedingt weiterverfolgen muss.

Trotz schwierigem Einstieg in die Geschichte, bin ich froh, June und Day noch nicht aufgegeben zu haben und empfehle den zweiten Band ebenso denjenigen, die so wie ich planten, den zweiten Teil nicht mehr zu lesen!

Wölkchen4

BibliografischeDaten

Marie Lu
Legend – Schwelender Sturm
Legend, Band 2
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sandra Knuffinke, Jessika Komina
ab 14 Jahren, 1. Auflage 2013
448 Seiten, 15.0 x 22.0 cm
ISBN 978-3-7855-7395-2
mit Schutzumschlag, Prägung und Leseband
17,95 € (D)
18,50 € (A)
17.95 €
Zu „Legend – Schwelender Sturm“ bei Loewe

Operation Stork

Der Himmel ist blau, als die Großherren mich mit der Operation Taken erfolgreich einfangen und ich weiß, dass mein Leben damit beendet ist.
Ein strahlend blauer Himmel, der mich verspottet. Ein Blau, das so ungetrübt und wolkenlos blau ist, dass es mir in den Augen brennt. Es sind nicht meine Tränen, die da fließen, als sie meinen Körper sichern. Es ist das Blau, das mir in die Iris schneidet und die Tränen herauskitzelt.
„Lass dich nicht erwischen“, hat Suza, meine große Schwester, die Gutenachtgeschichten immer eingeleitet und von Taken erzählt. Taken, das waren wilde Verfolgungsjagden in dunklen Wäldern, unkontrolliert wummernde Herzen und kalte, wolkenverhangene Nächte.
Doch nun ist der Himmel blau, Vögel singen und das Feld wiegt sich sachte im Wind.
Ich habe sie von weitem gesehen und gezögert, die tödliche Kapsel zu schlucken, weil ich neugierig war, was sie wohl tun würden. Eine Sekunde später waren sie schon bei mir, nahmen mir die Kapsel weg und nun bin ich von ihnen eingeschirmt.
Ein kleiner Kreis aus weißen Ganzkörperanzügen, die mich schnellen Schrittes vom Feld treiben. Man sieht nie Körper oder Gesicht. Sie sind immer verhüllt, weil sie die Atmosphäre draußen nicht mehr ertragen. Sie, die Großherren, die unsere Welt zerstörten.
Mein Verstand sagt, dass ich fliehen sollte, doch mein Körper versagt den Dienst.
Ich falle.

„Die Operation Taken ist nur der erste Schritt, Johanna. Wir wissen nicht genau, was danach kommt. Aber es kann nichts Gutes sein. Nie ist jemand zurückgekehrt. Nicht einmal unsere Mom.“
Suzas Worte in meinem Kopf wecken mich.
Ich liege auf einem weichen Untergrund; wage nicht, auch nur einen Muskel zu rühren. Werde ich gefesselt sein? Mit verbundenen Augen und verschlossenem Mund daliegen?
Werde ich beobachtet?
Will ich das wirklich wissen?
Meine Hände verkrampfen sich kaum merklich bei dem Gedanken an Mom. Nein, nicht einmal Mom kam zurück. Sie, die jedes noch so kleine Versprechen gehalten hat, musste dieses eine brechen.
„Sie ist erstklassiges Genmaterial“, vernehme ich eine männliche, sonore Stimme irgendwo links von mir, wodurch sich mein Kopf automatisch in diese Richtung dreht und ich meine Augen öffne.
Weiß.
Weiß blendet mich und sofort presse ich die Handballen gegen meine zusammengekniffenen Augenlider.
„Ich würde Ihnen raten, sich getreu an meine Anweisungen zu halten, Miss Johanna“, durchdringt die leidenschaftslose Stimme nun den Raum. „Dann passiert das kleine Missgeschick nicht noch einmal. Wir sind im Whitetower. Alles ist weiß. Schmerzend weiß, wie Sie soeben festgestellt haben. Ohne unsere speziell angefertigten Glasses können Sie nichts sehen“, er räuspert sich und ein Lufthauch streift mein Ohr, während er verschärft flüstert: „Sie sind bei uns zwar in den besten Händen, doch Ungehorsam tolerieren wir nicht.“
Seine Stimme entfernt sich und Neutralität füllt erneut die Umgebung. „Miss Johanna, ich bin Sir Coldman, herzlich willkommen im Whitetower. Wir haben Sie durch die seit 199 Jahren bestehende Operation Taken glücklicherweise aus der Wildnis retten können. Nun haben wir weitere Pläne mit Ihnen oder vielmehr“, er lacht kurz und kalt. „Mit Ihrem Körper. Sie sichern damit den Fortbestand unserer Spezies. Ich präsentiere, die Operation Stork!“
Mein Herzschlag setzt für einen Moment aus, Rauschen erfüllt meinen Kopf, meine Sinne… Stork, Stork, Stork… ich habe davon schon einmal gehört, oder?

„Hör mal, Johanna“, wispert Suza und ich werde durch mein Rauschen hindurch in eine ferne Erinnerung katapultiert. Eine Erinnerung, zu deren Zeit ich noch sieben Jahre alt war.
Wir liegen abends in unserem kleinen Versteck unter den Klippen.
Eigentlich sind die Klippen zu weit entfernt vom Meer, doch heute tost ein Sturm und die wellenbrandende Umarmung von Wasser und Wind dringt bis an unsere Ohren. „Hör mal, Johanna. Das, mein Liebes, und nur das ist das wahre Leben. Die Großherren haben die Kontrolle an sich gerissen und erzählen uns etwas von Sicherheit und Regeln, die unsere Art aufrechterhalten sollen, aber das ist Bullshit. Ihr Versprechen von Freiheit ist eine Illusion.“ Ich schmiege meinen Bauch an ihren warmen Rücken, dränge mich näher an sie. „Du bist eines der letzten Kinder Johanna, das ist wahr und du bist unser kleines Wunder, doch die Sicherheit ist eine Lüge. Sonst wäre Mom schon lange zurückgekommen.“ Ihre klare Stimme vibriert durch unsere Körper, weil wir so dicht liegen und ich meine Arme um sie geschlungen halte. „Warum, Suza? Warum bin ich ein Wunder und warum gibt es keine neuen Babys mehr?“
„Ach, meine kleine Jo“, seufzt sie. „Es begann ganz langsam und schleichend. Zu viele Alte, zu wenig Neugeburten. Den Demografischen Wandel nannten sie das in den Anfängen. Unternommen haben sie nichts. Die Prognosen waren eindeutig, aber meinst du, es hat irgendjemand auf die Zeichen gehört und sich wirklich dafür interessiert?“ Ich schüttele heftig meinen Kopf. „Nein, Johanna. Sie haben weiterhin im Luxus gelebt und unsere Umwelt zerstört. Halbherzig so getan, als würden sie wenigstens die zu retten versuchen und dabei aus den Augen verloren, dass sie im Blut der folgenden Generationen lebten. Irgendwann geschah dann die Katastrophe.“
Ich kenne die Geschichte in und auswendig, Suza erzählt sie oft, deswegen ergänze ich stürmisch: „Die Katastrophe, die für unsere jetzige Weltordnung verantwortlich ist. Die Daddys konnten mit den Mommys keine Babys mehr machen!“, sie gluckst halb belustigt und dreht sich zu mir herum. „So ungefähr. Wenn du groß bist, dann erzähle ich dir die Details. Du hast aber schon Recht. Es braucht Mann und Frau, damit so ein kleiner, süßer Fratz wie du entsteht. Plötzlich waren viele Männer zeugungsunfähig und die meisten Frauen unfruchtbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Fruchtbare ein Kind zeugten, wurde sehr gering. Außerdem waren Kinder ja schon lange out.“
Ich male mit dem Finger Sonnen auf ihr Gesicht und sie lächelt traurig. „Johanna, es war wirklich schrecklich. Irgendwann begriffen sie die Ausmaße der Katastrophe, die Zweihundertjährigen und ersten Nutzer der Live Long and Healthy Machine rissen die Herrschaft an sich, nannten sich die Großherren – unsere Beschützer – teilten die wenig verbliebenen, bewohnbaren Flecken der Erde in Refugien ein und wiesen uns diesen zu.“ Abscheu trübt ihren Blick, der unstet in verborgene Fernen gerichtet ist.
„Und da sind unsere Vorfahren geflohen?“, versuche ich sie zu mir zurückzuholen.
„Ja“, stimmt sie mir zu. „Und da sind sie geflohen. Es gab böse Gerüchte darüber, was die Großherren praktizierten, um die Menschheit zu retten. Gerüchte, die so skrupellos und moralisch verwerflich waren, dass kaum jemand sich traute, sie auch nur zu denken. Es gab nur ein vages Wort, das mit so großem Entsetzen behaftet war, dass es noch heute nur in schwärzester Dunkelheit geflüstert wird.“
„Stork“, hauche ich ehrfürchtig. „Stork – wie Storch“, sie küsst sanft meinen Scheitel.
„Viele sind daraufhin geflohen, Johanna. Noch bevor die Stahlmauern der Refugien fertig gebaut waren. Dann kamen Operation wie Taken und wir wurden weniger. So wenige, dass die Rebellen sich auflösten und in alle Winde zerstreuten. Nun leben wir alleine jenseits der Refugien in der zerstörten Natur und kämpfen ums Überleben. Deshalb ist das Wichtigste: Lass dich nicht erwischen!“
Wir kuscheln uns noch enger zusammen und mir fallen die Augen zu, während die Worte Taken und Stork sich tiefer in mein Bewusstsein graben.

„Stork ist eine Aufbauoperation von Taken. Ich werde Ihnen das Verfahren erläutern“, reißt mich die gänsehautfördernde Stimme Sir Coldmans aus meiner Erinnerung.
„Durch die Operation Taken haben wir fortpflanzungsfähiges Spermium gesammelt. Aufgrund seiner Rarität und Kostbarkeit, bewahren wir es gut auf, um es dann ausschließlich in die weibliche Gebärmutter zu pflanzen.“ Ich ahne, nein, ich weiß, worauf seine Erläuterung hinauslaufen wird.
„Sie dürfen sich glücklich schätzen, Ihre Gebärmutter ist gebärfähig. Der Vorgang ist bereits abgeschlossen und Sie tragen somit Vierlinge in sich.“ Gelangweilt setzt er eine Kunstpause an und holt tief Luft, während mir der Schweiß ausbricht.
„Wir beginnen immer mit Vierlingen. Danach steigern wir je um ein Kind, bis Ihr Körper erst einmal zu erschöpft ist. Bei manchen ist dies schon nach drei Geburtszyklen der Fall, andere halten länger durch.“ Mir klingeln die Ohren, mein Atem geht stoßweise, ein brennender Schweißfilm bedeckt meine Haut und dann wohnt da noch ein Schrei in meinen Knochen, durchwandert meinen Körper und bringt mein Innerstes zum Kochen.
Lass dich nicht erwischen, schreit Suza in mir. Es gab böse Gerüchte darüber, was die Großherren praktizierten, um die Menschheit zu retten. Gerüchte, die so skrupellos und moralisch verwerflich waren, dass kaum jemand sich traute, sie auch nur zu denken. Stork. Vierlinge. Taken. Die Gedanken rasen in meinem Kopf.
Stork. Ihr Versprechen von Freiheit ist eine Illusion. Taken. Geburten. Stork. Taken. Stork. Taken.
Das Bilderkarussell wirbelt weiter, bis plötzlich eine messerscharf gestochene Szene vor meinem inneren Auge stoppt.
Suza, wie sie ihre langen Haare flicht, nachdem wir im Fluss gebadet haben. Wie ich mich zur Sicherheit noch im Dickicht versteckte. Wie sie mich heimlich anlächelt und das Licht leuchtende Schimmer auf sie wirft. Wie ihre Augen sich weiten, sie scheinbar ohne nachzudenken die blaue Kapsel in den Mund nimmt, mit den Fingern ein letztes Mal unser Zeichen für Ich liebe dich in eine unbestimmte Richtung formt und bereits tot umgesackt ist, als die weißen, gesichtslosen Ganzkörperanzüge bei ihr eintreffen.
Ich dachte, mein Mut wäre Suzas nicht gewachsen, doch das stimmt nicht. Ich bin in vielerlei Hinsicht mutiger, denn ich bin meiner Neugierde gefolgt. Meiner Neugierde, die mir die Wahrheit offenbart hat. Ich trage Leben in mir, das ich nicht haben will und sitze blind im Whitetower, dem Herzen ihres blutigen Pfades.

Also werde ich sie zerstören.

:: Breaking News :: – Wie ich stundenlang unter Strom stand und meine Umgebung zusammenschrie

Ich bin ein emotionaler Mensch. Schon immer gewesen. Was passiert also mit mir und meinen Gefühlen, wenn ich seit Tagen auf eine Bekanntgabe der GewinnerInnen warte und diese dann endlich soweit ist?!

© lichtstark / photocase.com

© lichtstark / photocase.com

Ich schiebe mal kurz ein, worum es hier geht: Um einen Schreibwettbewerb(BLINGBLING!), (auf Lizzynet.de) für den ich etwas einreichte und dessen Hauptpreis für vier Geschichten ein Mentoring ist (WER das gewonnen hat, steht noch NICHT fest!!). Jedenfalls wurde das Ergebnis, wer unter den TOP 10 ist, heute verkündet und jetzt bin ich verrückt! (Okay, das war ich vorher auch schon. Jetzt bin ich ZERSPLITTERT!)

Achterbahnfahrten, emotionalen Zitterpartien passieren.

= EMOTIONALE ZERSPLITTERUNG!

Ich stelle mir gerne vor, dass „normale“ Menschen das wie folgt angehen:

Phase 1: Okay, am Montag werden die Sieger bekanntgeben, endlich!

Phase 2 (Montags): Super, da ist der Artikel, klick.

Phase 3: Runterscrollen. So ein MIST, ich bin nicht dabei! oder auch:

Yeah, ich BIN dabei. (Kurze Freude ;-))

Ende der Durchsage. (Ja, ein bisschen Herzklopfen und mehr Enthusiasmus mag dabei sein, aber bei mir… sieht das mal anders aus.)

Ich teile mir meine Gedanken dann mit einer großen (!) Portion Verrückheit! Und Explosionen.

Phase 1: Montag? Montag? Schon? Was, erst? Das Wochenende ÜBERLEBE ICH NICHT!

(Zur Info: Fett = Pessimist, Kursiv = Optimist ;-))

Phase 2 (Montags): Ich kam heute nach Hause, gucke auf meinen iPod und sehe: Ah, die Siegerehrung ist online gegangen. HILFE! Ich will das wissen. Nein, ich will das NICHT wissen. Doch, doch, wenn du unter den Top 10 bist, wirst du dich GRENZENLOS fühlen. Wenn aber nicht, wirst du tagelang nur noch kriechen… 😦

(Man kann sich das auch als Engelchen und Teufelchen auf den Schultern vorstellen!! 😉 ). Klingt nach Schizophrenie, ne? – Aber ich sage ja, ich bin da „etwas“ verrückt und Selbstgespräche machen Spaß, oder?! 😛

Phase 3: Okay, okay. Bevor du da reinguckst, erledigst du ALLES, was es noch zu erledigen gilt, weil du danach ja nur noch kriechen kannst. Hey, warum bist du dir so sicher, dass du es nicht geschafft hast?Haallooohooo? 123 Einsendungen?

Phase 4 (begleitet vom wilen Putzen, wütendem Aufräumen und schiefem, LAUTEM Gesinge!):


Alles erledigt und nun? – Da WAR doch noch was. Nein, nein (jammerjammer) ich will nicht. DOCH willst du. Jetzt!

[Dann war aber der Akku meines iPod’s fast leer und ich will ihn dafür in die Steckdose stecken. Stecke den Stecker hinein und BUM! Habe mir den Finger versengt und den Ladestecker VERSCHMORRT! -.- Meine Gedanken spielen sofort Chaos und Zerstörung]:

Siehst du? Schlechtes Omen, das ist nie im Leben was geworden… !

– Klappe.

Mit Herzrasen, Herzklopfen, mit unerträglichem Zerrissen-Sein zwischen freudiger Erwartung und GROSSER Hoffnung, mich aber innerlich auf die Enttäuschung einstellend, scrolle und scrolle und scrolle ich NAMEN für NAMEN hinunter und meiner kommt einfach nicht. 😥

Ich stand kurz vor dem Herzkasper.

Nach dem 9. Namen pausiere ich und weiß: Noch eine oder Keine Chance…

Versuche mich verzweifelt an den Titel meiner Einsendung zu erinnern. Er ist mir entfallen.

Sitze bereits wie ein Häufchen Elend auf einem Stuhl, den kleinen iPod umklammernd und fast wahnsinnig werden.

Atme durch, will schon mich selbst bemitleidende Tränchen verdrücken und erkenne nur daran, DASS ich unter den Top 10 bin, WEIL DA MEIN NAME steht!!!! o.O

Die Welt der Gerechten

Fassungslosigkeit, Blackout und dann:

EIN SCHREI.

Und dann noch einer.(Beide waren SEHR lang!!)

Dann: AUFSPRINGEN, in die Küche rennen, freudig auf meine Mitbewohnerin springen, die die Welt nicht mehr versteht und mich jetzt für noch verrückter hält.

Ich habe mich bis jetzt (und das Drama begann um 14 Uhr!) nicht so richtig beruhigen können 😉

Hui, bis nächsten Montag weiß man, wer das Mentoring gewonnen hat.

Ich spiele derweil dasselbe Spielchen: Hoffen und glauben zu wissen, dass es sowieso nichts geworden ist!

Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart (meinen kann niemand mehr toppen :D), ich kann glücklicherweise noch Energie beim Salsa-Tanzen herauslassen und ich hoffe, ihr haltet mich jetzt nicht WIRKLICH für verrückt :).

Charlousie

PS: Übrigens FREUE ich mich natürlich!! 😀 ← nach der emotionalen Zersplitterung ist MEHR Begeisterung einfach nicht mehr drin 😛 …

Und warum der Montag noch so gut ist, könnt ihr (klickt aufs Bild!) hier nachlesen!

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Fern wie Sommerwind von Patrycja Spychalski [Rezension]

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Fern wie Sommerwind»Der Inhalt«

Nora tut die Auszeit von zu Hause gut. Fern von der Großstadt, zur Untermiete im Haus der alten Irmgard, die Irmi genannt werden möchte, und den ganzen Tag am Strand Drachen verkaufen. Da wird Noras Kopf freier, obwohl ihre Gedanken immerzu rasen und sie oft üble Kopfschmerzen bekommt. Entgegen der Prognose ihrer Mutter, findet sie schnell Freunde, die wie sie den Sommer über am Strand Eis, Kaffee oder Popcorn verkaufen. Nur Martin, mit den schönen Händen und den blonden, sonnengelben Haaren, der wohnt am Meer und verfängt sich irgendwie in Noras Kopf. Dabei ist Nora sich nicht sicher, ob sie diese Gefühle wirklich zulassen will, ob sie echt sind und wie lange sie halten. Es verspricht ein Sommer zu werden, indem das Drachenmädchen Nora sich vielleicht in noch unbekannte Lüfte hinaufschwingen wird…

»Weit entfernte Sehnsüchte und im Nacken sitzende Ängste«

In “Fern wie Sommerwind” fängt die Autorin geschickt einzelne Momentaufnahmen ein und zeigt, wie flüchtig das Leben sein kann. Das aber gerade das gar nicht schlimm ist, solange man nur im Hier und Jetzt verweilt. Träumereien sind nicht verboten, doch den Bezug zur Realität sollte man nicht verlieren.

Patrycja Spychalski erzählt auch von Sehnsüchten, die weit entfernt und unerreichbar scheinen, von Ängsten, die immer präsent im Nacken sitzen und einem am Leben leben hindern können.

»Authentizität und das intensive Leseerlebnis eines Schwamms«

Hierfür hat die Autorin einen Schreibstil gewählt, der manchmal unglaublich intensiv daher kommt und mir das Gefühl vermittelte, die Autorin wüsste genau, wovon sie spricht und oder würde manche Seiten genau von mir kennen. Mit Nora, die aus der Ich-Perspektive berichtet, liegt also eine authentischeWs3 Protagonistin vor, die sich trotz einiger Abweichungen vom Herkömmlichen, als Identifikationsfigur eignet.

Patrycja Spychalski schafft es, einem unterschwellig eine warnende und zugleich lockere Botschaft zukommen zu lassen, die nicht den erhobenen Zeigefinger-Charakter besitzt, sondern ein zwangloses Nachdenken ermöglicht. Zeitgleich ist das Lesen unbeschreiblich intensiv und ich fühlte mich manchmal, als sei ich ein Schwamm, der jedes Wort und jeden Satz in sich aufsaugte.

Ein Rätsel birgt “Fern wie Sommerwind” noch dazu. Immer wieder eingeschobene Fragmente einer möglichen Zukunft von Nora, die am Anfang noch offen lassen, was sie sind oder was sie genau bezwecken…

»Und es ist doch überall Sommer?«

Der Roman über das Drachenmädchen beschreibt die Abenteuer während eines heißen Sommers am Meer, was beim momentanen Regenwetter und kalten Temperaturen nicht ferner erscheinen könnte und dennoch eignet sich “Fern wie Sommerwind” sogar an regnerischen Tagen. Denn Patrycja Spychalski hat die Hitze, den Flair des Strandes und die salzige Luft gekonnt gebannt und transportiert sie innerhalb der Geschichte kunstvoll an ihre LeserInnen weiter.

»Sanfte Töne und zarte Saiten«

Fern wie Sommerwind” lebt von Widersprüchen und eingängigen Gedankengängen der Protagonistin, in denen sich bestimmt viele wiederfinden können. Widersprüche, die reflektiert, gelebt, besprochen und gedacht werden.

Ansprechend werden in dieser Richtung vor allen Dingen die Probleme rund ums Erwachsenwerden sein, die Patrycja Spychalski den Figuren vor die Füße legt und in einem glaubwürdigen Entwicklungsprozess verarbeitet.

Obwohl dieser Roman keinen extrem großen Spannungsbogen besitzt und eher die sanften Töne und zarten Saiten anschlägt, ist er doch etwas ganz Besonderes. Eine subtile Schönheit, die man selten so liest.

Gestört haben mich einige Rechtschreibfehler im Roman, die der Handlung selbst aber nicht schaden.

»Mein Fazit«

Wer gerne philosophisch angehauchte Romane liest, die in heißen Sommern – untermalt von einer Meeresbrise – spielen, sollte mal einen Blick in “Fern wie Sommerwind” riskieren. Ein Roman, der sich durch seinen schönen Schreibstil, seine vielschichtigen Charaktere und den Hürden auf dem Weg zum Erwachsenwerden auszeichnet und das Feuer besitzt, auch in einem selbst den Funken zu entfachen.

Leseprobe!

Wölkchen5

BibliografischeDaten

Patrycja Spychalski
Fern wie Sommerwind
Originalausgabe
Ab 13 Jahren
Taschenbuch, Broschur, 256 Seiten, 12,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-570-30863-9
€ 7,99 [D] | € 8,30 [A] | CHF 11,90
Verlag: cbt
Zu „Fern wie Sommerwind“ bei cbt

Tibor und ich von Stefan Müller [Rezension]

zitatgrünIch erkannte, dass Tibor auch nur ein Junge war, ein ganz normaler Junge, der erwachsen werden musste. S. 54

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© Schwarzkopf & Schwarzkopf

© Schwarzkopf & Schwarzkopf

»Der Inhalt«

Jan ist fünfzehn, als er den gleichaltrigen Tibor kennenlernt. Den unnahbaren Nachbarsjungen, der mit seinen Eltern in die freistehende Wohnung ihres Hauses einzieht. Tibor lehrt Jan, einen Zugang zur Literatur zu finden. Sie fühlen sich nahe und durchleben einen durch und durch perfekten Sommer. Mit dem Winter bricht allmählich auch eine Wende in ihrem Leben an. Beide verlieben sich in dasselbe Mädchen und sie merken schnell, dass einer sie auch tatsächlich bekommt. Doch zu welchem Preis für ihre Freundschaft?

»Ein “totgeschriebenes” Buch?«

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dessen Idee so schön, die Umsetzung aber so formvollendet verhunzt war. Ein Roman über eine tiefgehende Freundschaft und die Liebe zum geschrieben Wort. Das müsste für jeden Bücherwurm ziemlich perfekt sein. Dieses müssen ist blöderweise keine Garantie. “Tibor und ich” wird aus der Ich-Perspektive Jans erzählt; ein Teenager und Außenseiter, ebenso wie der neue Nachbarsjunge Tibor.

Wie kann man nur so viele Worte verwenden und sich dabei dermaßen “totschreiben”?

Ihr wisst es nicht? – nun, ich auch nicht. Aber beispielsweise solche sinnlosen Fragen hat der Protagonist ständig gestellt. Nur begannen sie meistens so: “Kennt ihr das:”, S. 116. , es folgt eine lange Beschreibung. Nein, ich kenne das nicht!

»Erschlagen von meist unverständlichen Metaphern und sinnlosen rhetorischen Fragen«

Rhetorische Fragen sind tödlich, weil sie andeuten, man wüsste etwas, ohne das man sagt, WAS man eigentlich weiß, predigt meine Englischlehrerin schon lange. Ich habe ihr nie geglaubt, doch “Tibor und ich” zeigte mir, dass es stimmt. Ständig werde ich als Leserin gefragt, ob ich dieses oder jenes Gefühl kenne und dieses und jenes schon gespürt hätte?

Nein, habe ich jedes Mal gedacht. Ich war noch nie männlich und ich finde die Vergleiche nicht ansprechend. Ich fühlte mich von – meistens – unverständlichen Metaphern und Allegorien erschlagen.

Der nächste Stolperstein ist die Erzählweise. Das Verhältnis aus Beschreibung und Erzählung versus direkte Rede sieht ca. 90 zu 10 Prozent aus. Zu dieser Verteilung muss ich wohl nichts mehr hinzufügen.

»GrundsteinE, Pathetik über die Schmerzgrenze hinaus und der Rat: Lauft!«

Endloses Sinnieren über Freundschaft, dem Erwachsenwerden, welches Ereignis der Grundstein für den nächsten “Grundstein” gewesen ist, welche (oh tiefen Facetten) jener Moment der Freundschaft besessen hätte, wie alles zum anderen führte und sich dann in Scherben zersplitterte, ist zu viel. Ich selbst neige zur Pathetik, doch Stefan Müller hat sogar meine Schmerzgrenze ausgereizt und gesprengt.

Tibor und ich” wirkt auf mich wie eine autobiografische Reflexion eines Erwachsenen mit seiner eigenen Jugendzeit, in der man selbstredend über Gott und die Welt nachdenkt. In diesem Stil würde ich höchstens in mein Tagebuch schreiben, da es ein Lesepublikum wohl kaum ansprechen wird. Eine beispielhafte Überleitung, die ich mir „antun“ musste:

zitatgrün

.So, Leute, und jetzt fällt mir auch wieder ein, was ich eigentlich gerade erzählen wollte:

-S.122

Eventuell mögen andere LeserInnen Zwischentöne oder feine Schwingungen beim Lesen wahrnehmen oder irgendwo eine Kostbarkeit registrieren, die mir komplett verschlossen blieben.

Tibor und ich” ist vielmehr ein Buch, das mir von nun an zuruft, so schnell wegzulaufen, wie es mir möglich ist, denn ich habe keinen Bedarf, es noch einmal zu lesen, weiter zu empfehlen oder noch irgendeinen Gedanken daran zu “verschwenden”.

»Mein Fazit«

Tibor und ich” ist eines der wenigen Bücher, das für mich ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Ich honoriere die Arbeit des Autors, doch wie er seine Gedanken umsetzte, empfinde ich als schlecht und sehr unzureichend. Die Spannung gleicht einer Wüste, Höhepunkte mögen einer Fata Morgana ähneln und die Figur Tibor stellt gelegentlich die letzten Wassertropfen in der Dürre dar, die allzu schnell verdunsten. (Ob es am Namen selbst liegt?)

Für mich keine Empfehlung. Ich hoffe, dass diejenigen, die es trotzdem wagen, für ihren Mut belohnt werden und glücklicher mit Stefan Müllers Roman werden.

Wölkchen1

 BibliografischeDaten

Stefan Müller
TIBOR UND ICH
Jugendroman
ca. 200 Seiten | Klappenbroschur
ISBN 978-3-86265-249-5
Originalausgabe | 12,95 EUR (D)
Erscheint am 1.3.2013
Zu “Tibor und ich” bei Schwarzkopf & Schwarzkopf

Schmetterling aus Staub von Anna Palm [Rezension]

Ein Fantasy-Thriller über einen Staat, in dem der Mensch nicht Individuum, sondern Instrument ist.

Nur ein Moment, nur eine Zündschnur, eine Entscheidung, vielleicht nur ein Wort oder ein Fingerschnipsen. Ein Moment, in dem dein Herz sich umdreht. Ein Moment, in dem du verstehst, wie die Welt wirklich ist. Ich war ein Harmoniemädchen, ich habe immer an das Gute geglaubt. Aber ich bin keines mehr. Die Welt ist grausam. Und ich werde nie wieder ein Harmoniemädchen sein. S. 229, “Schmetterling aus Staub” – Anna Palm © Herzklopfen und so

»Inhalt«

SCHMETTERLING AUS STAUB - Anna Palm - 2D-COVER - LowresAls die 8-jährige Mika zur Selektion Alemanias geht, spürt sie in sich den Abenteuerdrang. Den Traum vom wilden Galopp und der ungebändigten Freiheit des Meeres. Doch sie verhält sich so, wie ein Harmoniemädchen sich verhalten würde, um zu ihren Eltern zurückkehren zu können.
Doch 8 Jahre später ist die Sehnsucht immer noch tief in ihrem Herzen vergraben. Widerstand und Rebellion sind in ihr verankert. Sie ist genervt von ihrem rosaroten Leben und der Harmonie, der man nicht entgehen kann.
Eines Abends sitzt dann ein fremder Junge auf ihrer Mauer. Der Mauer, die das Reich der Harmonier vom Rest des Landes abgrenzt. Der Junge sitzt dort und bietet ihr einen Apfel an. Mika ergreift ihn und nur durch diesen Apfel wird etwas Unaufhaltsames in Bewegung gesetzt. Etwas, dass das Schicksal des ganzen Landes verändern soll.

»Ein aggressives, wahnwitziges, verrücktes und realistisches Buch«

Schmetterling aus Staub” hat exakt meinen Geschmack getroffen. Ein Buch, das von schockierenden Ungerechtigkeiten berichtet und diese in qualvollen Misstönen und überwältigenden Metaphern einfängt, verarbeitet und in einer einzigen Welle aus Gefühl an die LeserInnen – an mich – transportierte.

Schmetterling aus Staub” ist aggressiv, wahnwitzig, verrückt und auf der einen Seite so realistisch, dass ich Angst bekommen könnte, unsere Welt könnte tatsächlich einmal dort enden, wo Anna Palm sie hinführt. Bis zu diesem Buch ist mir nicht bewusst gewesen, dass man ein wahres literarisches Wunderwerk schaffen kann, das so realistisch wirkt und gleichzeitig auf einem teilweise unglaubwürdigen Fundament aufgebaut scheint – ein (überaus charismatischer ;-)) SaSZJunge sitzt auf der Mauer eines Mädchens und erzählt ihr, er habe den Plan, das System zu stürzen und sie schließt sich einfach an, weil schon immer etwas Rebellisches in ihr gewohnt hat. So etwas kann es nicht geben, habe ich gedacht. Anna Palm belehrte mich eines Besseren. Trotz dieses Minimakels hat sie eine wasserdichte Geschichte aufgebaut, die lebendigsten Figuren geschaffen, die man sich nur vorstellen kann und vielschichtige Botschaften transportiert, die mich glauben machen, die Autorin habe die Weisheit mit Löffeln gefressen.

»Eine außergewöhnliche dystopische Weltordnung«

Schmetterling aus Staub” hat mich mit der vollen Breitseite erwischt. Das Lesen gestaltete sich wie ein einziger Höhenflug.

Es ist die Wortwahl Anna Palms, die mich berührt hat. Es ist ihr fingerspitzengefühl, das in jedem Moment die treffsicheren Worte fand und eine Welt in meinem Kopf entstehen ließ, die mich SaSZ2Trunken machte vor Berauschtheit, aber auch tief bestürzt über das, was ich da lesen musste. Die Weltordnung in Anna Palms Dystopie ist schlicht, aber mehr als effektiv. Die Menschen werden nach vier Grundlegenden Wesenszügen selektiert, so dass alle anderen Gefühle und Fähigkeiten verkümmern. Es gibt die Harmoniemenschen, die Risikomenschen, die Machtmenschen und die Ehrgeizmenschen. Sie leben isoliert voneinander, dafür aber in Frieden, als wären sie fremde Völker.

Die Figuren Anna Palms haben mich ständig aufs neue erstaunt. Durch ihre Ecken und Kanten habe ich sie lieben gelernt, mit ihnen gelacht, gelitten und sogar geweint.

»Ein allumfassendes Werk«

Anna Palm hat diese “friedvolle” Grundlage genutzt, um ins Wespennest zu stechen, es nebenher geschafft, eine der rührendsten Liebesgeschichten zu kredenzen, die ich bisher genießen durfte und dabei so unglaublich viele und weit in die Welt hinaus tragende Elemente mit einzubinden, die von etwas Großem zeugen. Es steht niemals nur die Rebellion der Figuren im Vordergrund oder die sich entfaltende Liebe zweier Figuren oder die Eifersüchteleien einer anderen. Es ist nie nur das eine. Zu jeder Zeit ist es alles. Das macht es so faszinierend. Anna Palm verliert nie den Überblick und führt zielsicher durch die dunkelsten Handlungsabgründe. Ich habe jede einzelne Sekunde davon genossen.SaSZ3

»Mein Fazit«

Anna Palms dritter Roman ist wunderschön, zart, eindrucksvoll und feingliedrig wie ein Schmetterling. Gleichzeitig beschäftigt er sich auch mit den Schattenseiten und legt über ebenjene Schönheit einen Schleier aus Staub, den man als Leserin durchwandern wird, um am Ende den Trick hinter der Illusion zu erfahren und zu wissen, dass Anna Palms Werk mehr als nur großartig ist. Es ist phänomenal, brillant, atemberaubend, beachtlich, außergewöhnlich, packend, fesselnd und der absolute Süchtigmacher. Nicht umsonst habe ich es die ganze Nacht lang durchgelesen und einfach nur v e r s c h l u n g e n !

(Es leben die Einzelbände!! :D)

Ich spüre die Hitze, die er aus jeder Pore ausstrahlt, heiß wie Wüstensand, getränkt mit salzigem Meer. Ich selbst fühle mich wie im Auge des Sturms und, oh mein Gott, was macht er dann da, seine Fingerkuppen, die jetzt über meine Arme streichen, sie brennen. Ich bin mir sicher, sie brennen wie Feuerzungen. S. 95, “Schmetterling aus Staub” – Anna Palm © Herzklopfen und so

 WölkchenMond(Favourite)

»Anna Palm über ihren Roman “Schmetterling aus Staub”«

Allgemeine Buchinformationen:

Anna Palm
SCHMETTERLING AUS STAUB
Fantasy-Roman
ca. 344 Seiten | Hardcover
ISBN 978-3-86265-251-8
Originalausgabe | 14,95 EUR (D)
Erscheint am 1.2.2013
Zu “Schmetterling aus Staub” bei Herzklopfen und so

„Liest du noch oder bloggst du schon …“ – „Blog-Oma“ im Eselsohr?

Wer die Buchlandschaft und Bloggerwelt ein bisschen verfolgt, wird vielleicht mitbekommen haben,Liest du noch dass Stefanie Leo – kürzlich nominiert für den avj medienpreis – eine Liste jugendlicher Buchblogger erstellt hat, die sie ca. einen Monat lang per RSS-Feed beobachtete. Ziel der Recherchezwecke war ein Artikel in der monatlich erscheinenden Fachzeitschrift „Eselsohr„. Thema war der Lesetrend unter Jugendlichen und wie sich gerade junge BloggerInnen darin „einfügen“ bzw. wie sie mit dem allgemein verbreiteten Bild, die Jugendlichen würden immer weniger lesen, zu vereinbaren sind.

Doch Stefanie Leo hat nicht nur fleißig beobachtet, sondern auch Mail-Interviews mit allen Beteiligten geführt. Am Freitag las ich dann über Facebook, dass nun ein PDF-Ausschnitt der betreffenden Seiten aus dem „Eselsohr“ abrufbar wären. Neugierig und gespannt habe ich das PDF zum Artikel „Liest du noch oder bloggst du schon? Jugendliche Buch-Bloger im WWW“ sofort gedownloadet und in einem tollen Artikel, der einen Bogen von der jüngsten jugendlichen Bloggerin zur ältesten schlägt, dabei auf verschiedene Aspekte eingeht, bspw. die Geschlechterverteilung beim Lesen und Bloggen, das hier entdeckt:

Eselsohr

Eselsohr2 © Stefanie Leo – Eselsohr

Naaaaa? Habe ich mich wohl gefreut oder gefreut? -Nein, ich habe mich für ein paar Minuten sogar in einen überfröhlichen Flummi verwandelt und las mit großer Begeisterung den ganzen >>>Artikel<<<, den ich für sehr, sehr gelungen halte und ganz stark empfehlen kann!

Aus dem Blickwinkel der jugendlichen Blogger bin ich dann wohl tatsächlich eine „Oma“ (ich komme mir manchmal zwar schon schrecklich alt vor, aber so alt dann ja doch wieder nicht ;-)) aber aus der Sichtweise der normalen Bloglandschaft dürfte ich noch lange nicht als Oma gelten. Mit meinem 20. Geburtstag dieses Jahr werde ich dann mutmaßlich zur Uroma oder was es ansonsten noch Schönes gibt…SixteenMoons

Schaut doch auch einmal rein auf die ebenso empfehlenswerte Website Bücherkinder.de und verpasst über Facebook auch keine News von ‚Ich mach was mit Kinderbüchern‚. 

Denn ebenfalls am 01. März gab es mal wieder eine (der berühmten) Wohnzimmerlesungen (dieses Mal mit Gerd Ruebenstrunk) bei Stefanie in Solingen, die zum 1. Mal sogar im Livestream zu verfolgen war. Irgendwann, da werde ich dort auch noch einmal aufschlagen… 🙂

Ich sag‘ ja nur, mehrere Blicke lohnen sich! 😉 Wer jetzt neugierig geworden ist, welchen Rezensionswettbewerb ich damals gewonnen habe, darf gerne auf dieser >>>Webseite<<< und in meiner Rezension vorbeigucken.

Ansonsten wünsche ich euch allen noch einen angenehmen Sonntag,
Charlousie

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