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Der dunkle Kuss der Sterne von Nina Blazon [Rezension]

Die finstere Vergangenheit der Macht

Der dunkle Kuss der Sterne von Nina Blazon»Der Inhalt«

Canda freut sich auf ihre Vereinigung mit Tian. Dem Mann, mit dem sie aufwuchs und dem sie schon immer versprochen ist. Doch als sie am morgen der nächtlichen Zeremonie aufwacht, fühlt sie sich so, als sei sie gestorben, aber immer noch am Leben. Etwas an ihr stimmt nicht. Eine ihrer vier Gaben ist über Nacht irgendwie verschwunden. Ihr Glanz, der sie zu etwas Besonderem machte. Doch noch schlimmer: Tian soll angeblich geflohen sein. Canda kann das nicht glauben und spürt, dass er entführt worden sein muss, also folgt sie ihm im Auftrag der Mégana – die die Stadt regiert – und die ihr den Sklaven Amad zur Seite stellt.

»Die Spur aus Licht und Dunkelheit«

Ich habe mir wenig unter „Der dunkle Kuss der Sterne“ vorstellen können, dementsprechend wurde ich ins kalte Wasser geworfen, als Nina Blazon ihre Geschichte von der ersten Seite an aufblühen ließ.

Ich konnte mich dem funkelnden und strahlendem Kern der Protagonistin Canda nicht mehr entziehen.

Ständig schien etwas fast Greifbares zwischen den Zeilen zu liegen, das ich mir gerne gegriffen hätte. Also las ich beinahe ununterbrochen, weil ich hoffte, die richtige Spur aus Licht und Dunkelheit einfangen zu können.

»Hilfe! – Die Geschichte lebt!«

Der dunkle Kuss der Sterne“ vereint sowohl die Hitze der Wüste als auch die Kälte des Schnees in sich. Nina Blazon spielt gerne mit den Temperaturen, lässt einem beim Lesen die sandige Hitze auf der Zunge spüren, den Staub schmecken, die Hitze fühlen, das tanzende Flackern vor den Augen wahrnehmen. Wenn eine Geschichte aus den Seiten herauszukrabbeln scheint, finde ich das höchst faszinierend und schreibe: HUT AB!

»Zwischen Sehnsucht und Liebe«

Eine Geschichte, geboren aus Sehnsucht, Mut, Kraft, Stärke und der unabdingbaren Hoffnung an die Liebe. Die Geschichte von Canda, die mit jedem Umblättern tiefer in ein Kartenhaus aus Geschichten, wiederum verwoben in neuen Geschichten einzutauchen scheint. Ein Kartenhaus, auf dessen Zusammenbruch ich mit vor Spannung angehaltenem Atem wartete.

»Wenn die eigenen Gefühle explodieren«

Nina Blazon präsentiert in „Der dunkle Kuss der Sterne“ eine Palette der Vielfalt, die meine Fantasie zum Explodieren und Eskalieren brachte. Dabei folgten wir den Pfaden immer tiefer ins Kartenhaus hinein, erlebten Überraschung um Überraschung und erfuhren Hintergründe, die mich beinahe erzittern ließen.

»Mein Fazit«

„Der dunkle Kuss der Sterne“ ist eine anmutige, strahlend schöne und absolut magische Geschichte. Aus dem Stoff sind die Träume aus 1001 Nacht gewebt.
Ich kann gar nicht so recht greifen, wie diese Frau eine dermaßen ausgeweitete Geschichte so detailliert und intensiv beschreiben kann und dennoch immer wieder mit einem Ass im Ärmel zu überraschen weiß.
Ich müsste schon einen Krampf im Kiefer haben, weil der ständig vor ehrfürchtigem Staunen offen steht!

Eine starke Geschichte für mutige LeserInnen und entdeckerfreudige Geister!

WölkchenMond(Favourite)

BibliografischeDaten

NINA BLAZON
Der dunkle Kuss der Sterne
ORIGINALAUSGABE
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
528 Seiten,
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-16155-5
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 24,50
Verlag: cbt
Zu „Der dunkle Kuss der Sterne“ bei cbt

Fanny in der Hölle I von Wolfgang Bellaire [Rezension]

Du kannst sie mit Gestalten aus Angstträumen vergleichen, ich aber bin der Angsttraum. Ich bin die Urmacht des Chaos! […] Ich herrsche über alle Zeiten und Räume. S. 88, “Fanny in der Hölle I” – Wolfgang Bellaire © Nordfriesischer KBV

Fanny 01Der Inhalt:

Die 13-jährige Fanny wird von bösen Mächten verfolgt, sagt sie und denkt sich die obskursten Geschichten aus. Also landet sie zur Behandlung in einer New Yorker Psychiatrie. Dort möchte Dr. Steven Raczkiewicz sie hypnotisieren, um den Ursprung ihrer Halluzinationen herauszufinden. Doch die Hypnose endet katastrophal und für Fanny scheint es keine Hilfe zu geben. Ihre Wahnvorstellungen vom Bösen werden immer intensiver und stärker, bis es einen Krieg auszufechten gilt und Fanny sich endgültig verloren glaubt…

Himmel und Hölle, die anbrechende Apokalypse?

Fanny in der Hölle I” ist ein Buch für junge Erwachsene, das ein für mich sehr spannendes Thema aufgreift. Den Krieg zwischen Himmel und Hölle und die Mythen, die sich rund um die Apokalypse ranken. Im Zentrum dieses Konflikts steht die 13-jährige Fanny, die zum Zeitpunkt des Geschehens in einer New Yorker Psychiatrie behandelt wird.

Damit entsteht ein Kontrast zwischen der Fachmeinung des Arztes und den Wahnvorstellungen Fannys, die für sie real sind. Wobei ich bis zum Schluss nicht weiß, ob Fanny nun tatsächlich fantasiert oder Reales erlebt und mir noch immer nicht begreiflich geworden ist, was ausgerechnet ein 13-jähriges Mädchen mit all dem zu tun hat. Da es eine Fortsetzung gibt, vermute ich ganz stark, dass dies dort aufgeklärt wird.

Wolfgang Bellaire überzeugt streckenweise mit schauderhaften und detaillierten Beschreibungen von Ausgeburten der Hölle und übertrifft sich in seinen gruseligen Beschreibungen immer wieder selbst.

Die Grenzen der (eigenen) Fantasie

Meine Fantasie kam irgendwann an dem Punkt an, keine weiteren, albtraumhaften Gestalten mehr erschaffen zu können. Trotz der recht großen Schrift hatte ich somit zeitweise Konzentrationsprobleme, da ich mir vieles nicht mehr so richtig vorzustellen vermochte und Schwierigkeiten besaß, dem Handlungsverlauf zu folgen.

Zum Ausgleich dafür besitzt “Fanny in der Hölle I” zwei wunderschöne Illustrationen, die wiederum zwei Szenen unterstreichen und meiner Fantasie noch einmal einen hilfreichen Anstoß versetzten.

Fehlende Hintergrundinformationen bei den Charakteren

Die Figuren sind einerseits gut herausgearbeitet und andererseits nicht. So bin ich mir immer noch nicht darüber im Klaren, was die Charaktere im Einzelnen umtreibt, weshalb sie die Einstellung besitzen, die sie besitzen und dergleichen. Kurz: Mir fehlen die Hintergründe und die Substanzen mancher Figuren. Wie die Charaktere jedoch in den aktuellen Situationen handeln und reagieren ist solange nachvollziehbar und mit Interesse zu lesen, solange ich als Leserin auf etwaige Hintergründe verzichten konnte.

Historische Kontexte, die sich mir nicht recht erschließen wollten

Fanny in der Hölle I” ist hauptsächlich gruselig geschrieben, da ständig zwischen vermeintlichem Wahn und Realität geswitcht wird und Perspektivenwechsel stattfinden. Neben vielen Fachausdrücken im medizinischen Bereich, die eine intensive Recherche des Autors beweisen, wird die Handlung gelegentlich auch in historische Kontexte gesetzt. Der Dreißigjährige Krieg spielt eine Rolle als auch der Zweite Weltkrieg und die damit verbundenen Hintergründe.

Als am Besten empfand ich das zweischneidige Doppelspiel von der Hölle, das mich immer wieder zweifeln ließ, ob nicht Satan am Ende doch der Erretter sei und Gott wirklich ein böser Tyrann. Hierbei bin ich dem Autor grandios in die Falle getappt und habe mich bestens an der Nase herumführen lassen.

Mein Fazit:

Insgesamt hat mir die Idee für “Fanny in der Hölle I” sehr gut gefallen. Das Potenzial ist nicht immer so großartig ausgeschöpft worden, wie ich es mir gewünscht hätte. Meine in diesem Fall begrenzte Vorstellungskraft mag dem Werk ein Unrecht antun, doch ich hatte immer wieder Mühen, mich im Geschehen einzufinden. Da einige Aspekte jedoch löblich gelungen sind und ich Passagen genoss – vor allen Dingen in der ersten Hälfte der Geschichte – pendelt sich mein Urteil auf knappe 3 Wölkchen ein.

Ein unerreichbares Ziel vor Augen stellen heißt, den Menschen zu unaufhörlichen Schuldgefühlen verdammen! S. 85, “Fanny in der Hölle I” – Wolfgang Bellaire © Nordfriesischer KBV

Wölkchen3

Allgemeine Buchinformationen:

eBook: 3,99€

Cover: Elif Nele Siebenpfeiffer fanny-in-der-hoelle1
Klick auf Cover, um es zu vergrößern
Frühjahr 2013, Nordfriesischer Kinderbuch Verlag, Rodenäs
Format: 248 Seiten, s/w-Innenillustrationen, 14.8 x 21.0 cm, gebunden (Fadenheftung)
ISBN: 978-3-944243-14-6
Preis: EUR 17.90 inkl. MwSt, versandkostenfrei
Zu “Fanny in der Hölle I” beim Nordfriesischen Kinderbuchverlag

Der 124. Jugendpressekongress in Kiel – die Journalisten von Morgen?

YL_Info

Am 21.September 2012, einem Freitagabend, folgte ich der Einladung der „young leaders“-Organisation und fand mich für den 124. Jugendpressekongress im Marinestützpunkt Kiel ein.

Auf dem abgesicherten und für Zivilisten normalerweise nicht zugänglichen Gelände der Marine bezogen wir rund 120 Jugendliche unsere Doppelzimmer, wagten noch am Abend erste vorsichtige Erkundungen und bekamen unsere jeweiligen Arbeitsbereiche Print, Film oder Webmag zugeteilt. Ich durfte in meinem Wunschgebiet, dem „Webmag“ arbeiten. Ziel des Kongresses stellte das Hineinschnuppern in unterschiedliche journalistische Tätigkeiten dar sowie das Kennenlernen verschiedener Berufsperspektiven bei der Marine.

Kiel_5Am nächsten Morgen ging es nach einem Frühstück um 08:45 Uhr direkt los. Unser Gruppenleiter, Christian Friedewald – ehemals beim MDR angestellt und inzwischen für BILD im Online-Bereich tätig – versorgte uns in einem Schnelldurchlauf mit Tipps und Tricks zum Recherchieren, Interviews-Führen, Artikel-Formulieren, Strukturieren, Präsentieren, Kurzclips-Drehen und verstand es dabei, die Aufmerksamkeit aller Beteiligten zu fesseln und uns dennoch kurz, knapp, knackig und prägnant zu „briefen“.

Um 11:00 Uhr referierte der Diplom-Psychologe Reinhard Werner über „Zukunftsstrategien des 21. Jahrhunderts“, die sich primär mit den Themen der Globalisierung, Beschleunigung der Entwicklung und Demografie auseinandersetzten.

Nach einem stärkenden Mittagessen ging es erstmals so richtig zur Sache. Die Marine wartete mit einer spektakulären Aufführung auf, während der aus einem Helikopter zwei Fallschirmspringer mit Deutschlandflagge sprangen, eine Roboterdrohne und Speedboote vorgeführt wurden und ein kleines Einsatzkommando ein Marineschiff per Helikopter stürmte und sicherte. Die Menge beobachtete fasziniert die vielseitige Einsatzsimulation. Längere Wartezeiten zwischen einzelnen Manövern und kalte Körperteile nahm man dafür gerne in Kauf. Kiel_3

Bevor die spannenden Impressionen verarbeitet werden konnten, mussten wir unsere Disziplin zusammennehmen und die Gehirnzellen anstrengen. Denn nun (um 14:30 Uhr) folgte die Medienbörse, auf der unser neu erworbenes Wissen von Christian Friedewald direkt Anwendung finden sollte. Unser Arbeitsteam führte fleißig Interviews mit Soldaten, redete sich den Mund fusselig (kämpfte mit Schreibkrämpfen ;-)) und bekam als Krönung schließlich die Gelegenheit, das Minenjagdboot DILLINGEN zu besichtigen und dort einen kleinen Clip zu drehen. Kiel_4Gesagt, getan, wenig später fand ich mich vor der Kamera wieder und berichtete in einigen Sätzen über die Einsatzgebiete des Bootes und seine Funktionen. Im Anschluss schrieben wir gemeinsam unseren begleitenden Artikel zum Clip, der als Aufhänger davon handelte, dass der kurioseste Fund der Dillingen einmal eine Bierkiste gewesen sei, die die Mannschaft tatsächlich noch getrunken hätte.

Das erste Ergebnis, einen Film über die Marine, bekamen wir noch am gleichen Abend präsentiert, der sich wahrlich sehen lassen konnte!

Zum Ausklang des Abends erwartete uns ein zweieinhalb-stündiger Presseabend auf der „MS Heikendorf“. Bei einem gemeinsamen Mahl tauschten wir Jungjournalisten unsere Eindrücke des Tages aus, knüpften Kontakte und genossen einfach nur den Abend im Kieler Hafen bei Wind und Wasser.

Am Sonntag bekamen wir nach der Präsentation der restlichen Ergebnisse noch die Gelegenheit, zwei erfahrenen Profijournalisten Fragen zu stellen, welche sich darum drehten, wie es in der Branche zugeht oder welche vielfältigen Berufsmöglichkeiten es generell gibt. Am interessantesten fand ich die Frage, ob eine Qualifizierung durch ein abgeschlossenes Journalismus-Studium oder eine Journalistenschule besser sei.Kiel_2

Einige Stimmen klagten in der Abschlussrunde zwar über den Zeitdruck beim Arbeiten, doch genau dies war einer der Hauptaspekte: Wir lernten am authentischsten unter den nur denkbar realsten möglichen Bedingungen, wie Journalisten meistens zeitlich unter Druck sind und souverän stressige Arbeitsphasen zu meistern haben!

Fazit des Tages:

Am Ende des Wochenendes waren wir alle um eine Teilnehmerurkunde, nützliche Erfahrungen, neue Kontakte, Details zur Marine und so manche journalistischen Fertigkeiten reicher.

Sicherlich sind nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Journalisten von morgen, doch ich habe engagierte und kompetente junge Menschen kennengelernt, die man in einigen Jahren in dieser Branche antreffen könnte. Denn wie wir während der „Infobörse Journalismus“ erfuhren, ist die Branche hart umkämpft und nur mit Herz, Durchhaltevermögen und Engagement zu erobern! Ich selbst habe durch den Kongress tiefere Einblicke in den Journalismusberuf bekommen und auch ein ganz neues Bild von der Marine.Kiel_1 Obgleich wir Werbung im Namen der Marine herstellten, haben wir dafür mit einigen Klischees aufräumen können und gelernt, dass die Bundeswehr weniger für den Kriegseinsatz, sondern vielmehr für die Friedenserhaltung gedacht ist. In diesem Sinne, „geht nicht gelassen in die gute Nacht“[1], sondern engagiert euch, dann seid ihr vielleicht die Journalisten, Bundeskanzler oder Chefärzte von morgen!

 Charlene Sander

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[1] Zitat von © Thomas Dylan

 

 

Legend – Fallender Himmel von Marie Lu [Rezension]

Wenn Liebe zur Legende wird

Der Inhalt:

Day ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik. Er unternimmt vieles, um die Republik mit geschickten Sabotageakten zu schwächen. Doch eigentlich ist er nur ein Straßenjunge, der gemeinsam mit seiner Begleiterin jeden Tag auf der Straße um sein Überleben kämpft. Eines Tages rettet er während eines Straßenkampfes ein Mädchen. Obwohl er immer misstrauisch ist und auch ihr Gegenüber Vorsicht walten lässt, gestattet er dem Mädchen, sie zu begleiten. Was er nicht ahnt: hinter der Fassade des unschuldigen Mädchens steckt June. Eine Legende der Republik, die bestens ausgebildet, das Ziel verfolgt Day zu finden und an die Regierung auszuliefern. Doch noch weiß auch sie nicht, wer ihr Retter ist und so werden die Würfel neu gemischt, als sie sich auf gleicher Höhe begegnen und gemeinsam das Schicksal der gesamten Republik verändern könnten. Werden sie ihre Macht erkennen und zu nutzen wissen?

Ein leichter zu durchschauender Plot

Legend – Fallender Himmel“ hat mich nicht zu großen Begeisterungsstürmen veranlasst. Zum einen bekam ich keinen Zugang zu der dystopischen Welt, die Marie Lu kreiert. Diese mag einwandfrei und in sich schlüssig sein, mir fehlt jedoch der „Kick“ oder auch das Einfühlungsvermögen, mich in diese Welt hineinzuversetzen. „Legend – Fallender Himmel“ wird vielen LeserInnen gefallen und das aus guten Gründen. Ein Grund davon wird die Handlungsidee sein. Die Handlung selbst habe ich unglücklicherweise direkt durchschaut und sah in ihr deshalb eine große Hürde für mich. Marie Lu hat den Plot nicht etwa zu vereinfacht aufgebaut, allerdings ihre Hinweise dermaßen blinkend in den Weg gestellt, dass ich direkt wusste, was hinter dem Kernpunkt und somit den Motivationen einiger Figuren und in diesem Sinne auch hinter der gesamten Fassade steckte. Kurzum: Ich wurde sehr, sehr wenig überrascht und war hauptsächlich davon genervt, dass ich tatsächlich in jedem einzelnen Punkt Recht behalten sollte.

Puppentheater“?

Handwerklich kann ich der Autorin ebenso wenig vorwerfen. Sie beschreibt in nüchternem Tonfall abwechselnd aus Junes und Days Ich-Perspektive die Geschichte. Auch die Figuren haben nur schwerlich mein Gefühl oder gar Herz erreichen können. Dadurch, dass ich alles durchschaute, konnte ich ihnen ihr „Puppentheater“ so gar nicht abkaufen, obwohl ich es mir sehr gewünscht hätte. Denn ich weiß sehr wohl, dass Marie Lu eine neue Idee recht schön umgesetzt hat und für andere genau das Richtige sein könnte. Nur bei mir hat es so gar nicht gefunkt und neben der wunderschönen und schlichten Covergestaltung, habe ich bis auf das Finale von „Legend – Fallender Himmel“ wenig Positives zu berichten.

Kein schlechtes, aber auch kein überzeugendes Werk

Allerdings habe ich dieses Werk zu keinem Zeitpunkt für schlecht befunden. Ich habe es neutral betrachtet und gemerkt, dass es mir persönlich zu einfach herging und das von Marie Lu ersonnene Los Angeles nicht so überzeugend war, wie ich es mir von einem so hoch angepriesenen Buch versprochen hatte.

Auch die einzelnen Entwicklungen innerhalb des Romans sind in meinen Augen zu keiner Zeit miteinander verschmolzen. Man hat zu sehr das Gerüst und das Konzept dahinter gesehen und weniger die atmende und pulsierende Geschichte davor.

Mein endgültiges Urteil:

Marie Lu ist ein Debüt gelungen, dass ich unter der Kategorie „nett“ verbuche und als ebenso „netten“ Zeitvertreib empfehlen kann. Tiefe habe ich weniger gefunden, da einige Aspekte, die Interesse versprachen, ziemlich plötzlich mit der bereits existierenden Handlung verwoben wurden und spontan in den Fokus rückten, nur weil es gerade mal so passte.

Den Rest konnte ich nie so richtig ernst nehmen, auch wenn einige schöne Passagen dabei waren, besonders während des Endes.

3,5 Sterne bekommt Marie Lu mit „Legend – Fallender Himmel“ deswegen von mir und eine Leseempfehlung für Jüngere, die noch nicht solche Szenarien ausprobierten und leichter sowohl zu überraschen als auch zu begeistern sind.

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Leistung (des Individuums)

Straßenkinder

Überleben

Versuchskaninchen

Korruption

Intrigen

Macht

Krieg

Allgemeine Buchinformationen:
Marie Lu
Legend, Band 1
» Legend – Fallender Himmel «
Aus dem Amerikanischen von Sandra Knuffinke, Jessika Komina
ab 14, Erstmals erschienen 2012, 2. Auflage 2012
368 Seiten, 15.0 x 22.0 cm
ISBN 978-3-7855-7394-5
Hardcover
17,95 € (D)
18,50 € (A)
Zu „Legend – Fallender Himmel“ bei Loewe

Sternensturm von Kim Winter [Rezension]

WENN NUR DAS BÖSE DICH RETTEN KANN, WÜRDEST DU IHM FOLGEN?

Das Einzige, was ich mir von dir wünsche, ist, dass du dir vertraust, nur dass du dir vertraust. Mia, jeder von uns muss das Leben führen, das ihm gegeben ist. Du hast die Wahl, du bist ein Mensch und bestimmst dein Leben. Also lebe es.“ S. 190

Der Inhalt:

Mia ist glücklich, dass Iason auf der Erde bleiben möchte. Doch schnell werden die Probleme Loduuns auch die der Erde. Denn Lokandra scheint doch noch nicht aufgehalten. Immer mehr Entführungsopfer gehen durch die Medien, Mia hört eine unheimliche Stimme in ihrem Kopf und zusätzlich zu allem Übel, entfremden sie und Iason sich zusehends. Dabei ist doch gerade ihr Zusammenhalt der, der die Erde und Loduun gemeinsam in friedliche Zeiten führen soll. Aber wenn das Böse alles und jeden um einen herum manipuliert, wird der Kreis der Vertrauten immer kleiner und die Gefahren immer größer. Dann kündigen sich die Wächter Loduuns an und Iason muss sich genauso entscheiden wie Mia. Für wen oder was werden sie sich entscheiden? Für die Liebe oder ihre Heimat und in Iasons Fall seinem Sinn?

Eine „Delikatesse“ auf dem Buchmarkt

Sternensturm“ ist eine furiose Fortsetzung von „Sternenschimmer“ und wird nicht umsonst so hoch gefeiert. Ich kann mir dieses unschlagbare Konzept Kim Winters nicht erklären, aber es funktioniert. „Sternensturm“ ist ein dicker Schinken, der sich nicht mal eben so schnell weglesen lässt. Wer den ersten Band kennt, weiß, dass das auch gar nicht gewollt ist. Denn diese Geschichte ist eine Delikatesse auf dem derzeitigen Buchmarkt und da solche bekanntlich selten und kostbar sind, möchten sie mit großem Genuss „konsumiert“ werden.

Kim Winter gibt unserer zukünftigen Welt immer mehr Tiefe und Facetten, wodurch ein realistisches und durchaus mögliches Bild einer Zukunft gezeichnet wird. Diese Zukunft wird wohl ohne (Außerirdische) Loduuner voranschreiten – doch weiß man es mit Bestimmtheit? – Zumindest wird den LeserInnen auch der Planet Loduun zunehmend ein Begriff, da sich die Konflikte immer detaillierter sowohl auf Loduun als auch auf die Erde beziehen. Diese Details und auch Schattierungen der Zukunft, sind auf geniale und unterschwellige Art und Weise der Haupthandlung untergeordnet. Denn die Haupthandlung hat einen beinahe von den Socken, wenn man die Beziehungsprobleme Mias und Iasons im Gesamtzusammenhang des Konstrukts sieht, die gleichzeitig aber auch ‚mehr‘ sind, als nur „Beziehungsprobleme“.

Ein Sturm der Gefühle

Abwechslungsreich wird die Geschichte von Mia und Iason weitergeknüpft und die beiden kommen an Punkte, die jedes Leserherz rasen lassen dürften und mit vielen Seufzern, viel Schmachten und vielen Befürchtungen verbunden sind. Passend zum Titel, finden sich in diesem Buch viele Stürme: Ein Sturm an Gefühlen, ein Sturm an Entwicklungen, denn in den knapp 600 Seiten wird es keinen Augenblick langweilig und sogar ein wahrer Gewittersturm während des Höhepunkts.

Knallhart und gnadenlos fesselt Kim Winter die Aufmerksamkeit ihrer LeserInnen und haucht ihren Charakteren dermaßen glaubwürdig, unverwechselbar einmalig Leben ein, dass es Gänsehautreif ist. Lebendig und spritzig leitet der heitere Erzählungston, der gen Ende hin auch mal die Perspektive von Mia aus der Ich-Form wechselt, einen sicher durch diesen „Sturm“!

Farbexplosionen im Kopf

Der Kopf fährt gemeinsam mit der Handlung Karussel, denn das Auf und Ab der Geschichte, die neuen Erkenntnisse, viele Überraschungen und plötzliche Wendungen machen es den LeserInnen nicht leicht, immer den Überblick zu behalten. Dadurch gelingt es, sich fallen zu lassen und Kim Winter als Autorin zu vertrauen, dass der Pfad, den die Figuren einschlagen, schon der richtige sein wird.

Die fantastischen Elemente dieses Buches sind akzentuiert gesetzt und erzielen eine unfassbare starke Wirkung. „Sternensturm“ ist nämlich eines der wenigen Werke, was ich nie verfilmt sehen wollte, weil Bilder niemals mit den Farbexplosionen im Kopf mithalten können, die dieser Roman erzeugt.

 Mein endgültiges Urteil:

Sternensturm“ ist meine uneingeschränkte Empfehlung, für die das Wissen der Vorgängers „Sternenschimmer“ allerdings anzuraten wäre.

Kim Winters Folgeband ist ein Buch für all diejenigen, die nach großartigen Geschichten suchen, die das gewisse Etwas besitzen und noch lange von sich reden machen. Dabei ist dieser Roman nicht ausschließlich leichte Kost, sondern mit einer Sinnhaftigkeit verbunden, die viele Botschaften vermitteln kann, sofern sich darauf eingelassen werden möchte. Eine Bereicherung für jedes Buchregal und das zählt für die Optik genauso wie für den Verstand.

Die Fortsetzung kann für mich gar nicht schnell genug erscheinen, denn es bleibt spannend in der von Kim Winter erdachten, innovativen Zukunft!

Bewertung

Wer von uns trug denn nun Hoffnung in sich?“ S. 190

Die „sternigen“-Bücher im Buchregal:

Von vorne

Von hinten

Nebeneinander

Trailer:


Thematik:

Zukunft

Welt unter der Kuppel

Sturm

Krieg

Außerirdische Beziehungen

Loduun

Erde

Umwelt(Schutz)

Beziehung(s Probleme)

Außerirdische

Sinn

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag
592 Seiten
Ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-50309-9
Preis: 16,95 €
Österreich: 17,50 €, Schweiz: 24,90 sFr
Erscheinungstermin: 18.05.2012
Zu „Sternensturm“ bei Thienemann

Leseprobe!

Interview über das Buch mit Kim Winter

Aus dunkler Gnade 05 von Melissa Marr [Rezension]

Du hast dich also wirklich entschieden, das Wagnis einzugehen?“

Sie schaute ihn direkt an. „Ja, das will ich. Das wollte ich schon immer.„

Du weißt, wenn du nicht die Richtige bist, wirst du die Kälte der Winterkönigin in dir tragen – so lange, bis die nächste Sterbliche denselben Mut aufbringt wie du. Versprichst du, sie dann davor zu warnen, mir zu vertrauen?“ Er hielt inne und hoffte, dass sie Nein sagte, bevor es zu spät war. Sie nickte.

Und wenn sie mich abweist, warnst du das nächste Mädchen und das danach?“ Er kam näher. „Und erst wenn eine von ihnen trotzdem einwilligt, wirst du von der Kälte erlöst.“

Ich weiß.“ Sie lächelte beruhigend und ging zu dem Weißdornbusch. Die Blätter streiften ihre Arme, als sie sich bückte und unter den Buch griff.

Es tut mir so leid“, flüsterte er.

S. 12

Der Inhalt:

Die Elfenhöfe sind geschwächt und dennoch steht der Krieg bevor. Die Kriegselfe Bananach gibt keine Ruhe und fordert über das ihr zustehende Maß hinaus, Macht. Das bringt die Ordnung durcheinander und bedroht die Existenz aller.

Die Gefühle der Höfe untereinander sind ebenso verschachtelt wie kompliziert und scheinbar unlösbar. Der Sommerhof ist gespalten, weil Ashlyn, die Königin und Keenan, der König, jeweils einen anderen lieben, wodurch der Sommer geschwächt ist. Donia, die Winterkönigin, kann nicht verzeihen und Niall steht vor einem Abgrund, in den ihn der Tod eines nahestehenden Elfs geführt hat.

Eine vernichtende Ausgangssituation und dennoch bauen alle auf ihre Hoffnung und wer weiß, ob die Liebe nicht erneut alle Grenzen brechen kann?

Die Sommerlicht-Serie, ein Begleiter zum Erwachsenwerden?

Das Lesen dieses Werks ist so, als ob man reines Sonnenlicht trinken würde, mit den Fingerspitzen Schneeflocken in die Luft zeichnen könnte und in einer farbenfrohen, von Magie behafteten Welt leben würde. „Aus dunkler Gnade“ ist der finale Band der Sommerlicht-Serie von Melissa Marr. Ich bin mit den verschiedenen Elfenhöfen aufgewachsen, weswegen sie mir so vertraut wie kein anderer Buchinhalt erscheinen. So wie ich mit Keenan & Donia, Seth & Ashlyn, Iral, Niall & Leslie groß geworden bin, so sind auch diese Helden erwachsen geworden und haben sich gemeinsam mit der Handlung auf Höhenflüge hinein in die Wolken begeben.

Aus dunkler Gnade“ ist eine sommerleichte Lektüre, die dennoch eine tiefgehende Ader besitzt, die sich bei den LeserInnen in Form von Herzklopfen, Gänsehaut oder durch unerklärlich intensives Mitfiebern bemerkbar machen kann. Allerdings auch nur, wenn die hitzige und poetische Schreibweise von Melissa Marr es schafft, einen in die Welt der Elfen zu entführen.

Eine ausbalancierte Geschichte zwischen den Extremen

Die Autorin zeichnet eine Balance zwischen den gegensätzlichen Extremen der Elfenhöfe und verbindet die Fäden, die sie bereits im ersten Band zärtlich gewoben hat. Nichts verläuft im Sand oder wird dem Zufall überlassen. Als LeserIn ist immer klar ersichtlich, wo welche Figur gerade steht und wie es um das Gefühlschaos bestellt ist.

Die wechselnden Perspektiven ermöglichen einen allumfassenden Überblick, so dass es manchmal schwer fallen dürfte, für nur eine Fraktion Partei zu ergreifen, da für einen alle Interessen und Konflikte nachvollziehbar sind. Somit ist „Aus dunkler Gnade“ das krönende Juwel dieser Serie und bietet einen mehr als würdigen Abschluss, der an manchen Stellen zwar traurig und tragisch, dennoch unheimlich fantastisch anmutet.

Diese eine, wahre ‚Leseliebe‘ wird nie zu Ende gehen!

Adjektive wie ‚Wunderschön‘, ‚Atemberaubend‘, ‚Fulminant‘ und ‚Einzigartig‘ können potenziellen LeserInnen zwar eine Ahnung von der Fabelhaftigkeit dieses Romans vermitteln, jedoch nie ausdrücken, wie abwechslungsreich, komplex und toll dieses Buch tatsächlich ist. Denn erst, wenn man selbst beim Lesen beinahe zu zerfließen scheint, glitzernden und zu Boden rieselnden Schnee zu beobachten glaubt, und dermaßen intensiv mit den schon so vertrauten Figuren mitleidet, ist es eine wahre „Leseliebe“

Ein „begnadet“ dunkler Sog

Aus dunkler Gnade“ ist ein elektrisierender Lesehöhepunkt in meinem Leben, den ich nie, niemals vergessen werde, weil ich mir jeden Satz wie geschmolzene Schokolade auf der Zunge zergehen lassen konnte. Elektrisierende Gegenpole werden durch die verschiedenen Elfenhöfe geschaffen, die in der Handlung selbst zwar aus dem Gleichgewicht geraten sind, weswegen ein Krieg kurz bevor steht, Melissa Marr jedoch, beherrscht die Balance zwischen den einzelnen Elementen spielend. So werden die LeserInnen berauscht von den schwankenden Gefühlen zwischen Düsternis, Finsternis, Glückseligkeit, Grausamkeit, Logik, Chaos, Leidenschaft und Zwietracht in einen unwiderstehlichen Sog gezogen. Dieser Sog wirkt schon seit dem ersten Band und wurde von Fortsetzung zu Fortsetzung stärker, pulsierender, intensiver und erquickender, bis er in diesem Abschlussband nun seinen explodierenden Höhepunkt findet.

Mein endgültiges Urteil:

Wer Melissa Marrs Sommerlicht-Serie nicht gelesen hat, verpasst mit das schönste, modernste Märchen, das es in den letzten Jahren gab und die ich das Glück hatte, mitverfolgen zu dürfen.

Ihr werdet schwerlich eine Serie finden, die auf einem dermaßen hohen Niveau beginnt und sich beständig steigert, so dass ihr die Realität um euch herum vollkommen vergesst. Ich wünschte, Melissa Marr würde die Reihe fortsetzen, auch wenn schon alle Konflikte gelöst sind und es im Prinzip nichts mehr zu berichten gibt. Haltet euch bereit, in das größte Abenteuer eures Lebens einzutauchen, beachtet aber unbedingt die Reihenfolge!

Dies ist meine Liebeserklärung an dieses Buch.

Bewertung

So be- und verzaubernd sieht die Reihe im Buchregal aus:

Von vorne

Von hinten

Thematik:

Elfen (Höfe)

Intrigen

Krieg

Macht(Verhältnisse)

Liebe

Gefühle

Überleben

Allgemeine Buchinformationen:

übersetzt von Birgit Schmitz
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
336 Seiten
ab 16 Jahren
ISBN 978-3-551-58263-8
€ (D) 17,90
€ (A) 18,40 / sFr 25,90
Zu „Aus dunkler Gnade“ bei CARLSEN

Meine >>>Rezensionen<<<:

Band 01: Gegen das Sommerlicht
Band 02: Gegen die Finsternis
Band 03: Für alle Ewigkeit
Band 04: Zwischen Schatten und Licht
Band 05: Aus dunkler Gnade

Als die Liebe zu Elise kam von Natasha Solomons [Rezension]

Du kannst mehr als nur ein Leben leben

WIENER JÜDIN, 19, SUCHT Stelle als Hausmädchen. Spricht fließend Englisch. Ich werde Ihre Gans braten. Elise Landau.[…]

 S. 13

Jene Elise, das Mädchen, das ich damals war, würde mich als alt bezeichnen, aber sie irrt sich. Ich bin immer noch sie. Ich stehe immer noch in der Küche und habe den Brief in der Hand und beobachte die anderen – und warte – und weiß, dass sich alles verändern wird.

 S. 19

Der Inhalt:

Als die 19-Jährige, jüdische Elise Landau mit mangelndem Selbstbewusstsein, dafür aber einem vorlauten Mundwerk ausgestattet, kurz vorm Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach England flieht und fortan als Dienstmädchen schuften muss, ist es ein schmerzhafter Abschied von ihrer Heimat Wien. Angekommen in ihrem neuen zu Hause namens Tyneford, muss sie sich erst mit den merkwürdigen Sitten dieses so konservativen Landes vertraut machen. Während ihrerseits ihre Schwester Margot mit ihrem Ehemann nach Amerika flüchtet, warten Elises und Margots Eltern Anna und Julian weiterhin auf ihr Visum zum Ausreisen. Elise fühlt sich in dem fernen Land mit den fremden Leuten furchtbar alleine und ist von einer stillen Sehnsucht erfüllt. Gleichzeitig bangt sie noch um das Leben ihrer Eltern, denn die Zeiten in Wien werden für Juden immer bedrohlicher.

Doch als sie Kit, den Sohn des Hausherrn Mr. Rivers besser kennen lernt, hat sie endlich so etwas wie einen Freund gefunden und vielleicht sogar ein wenig mehr.

Ein unter die Haut gehender Schreibstil

Stellt euch ein Violinenspiel vor. Ein Musikstück, das beim Augenschließen die Sinne aufblühen lässt, das Blut zum Pulsieren bringt und die Gedanken in zauberhafte Gefilde führt. Gefilde, die in Farbenpracht glänzen, von melancholischen Gewässern getragen werden und einen Ort bilden, indem alles möglich ist, weil der Regenbogen auf Erden herrscht. Ein Ort, der eigentlich nur in Träumen existiert und so unbeschreiblich und einmalig ist, dass man beim Aufwachen nur noch eine stumpfe Kopie in den Gedanken davon finden kann.

Klingt sehr bildhaft, oder? – In diesem bildhaften Stil, nur noch viel besser, kann man sich „Als die Liebe zu Elise kam“ vorstellen. Mit nur einem Blick hatte ich mich in die illustre und romantisch verspielte Covergestaltung, in den Titel und die Figur Elises selbst, verliebt.

Natasha Solomons erzählt in einem Schreibstil, der mir regelmäßig unter die Haut ging. Manchmal zeugte dieser von einem lockeren Ton, manövrierte sich geschickt durch tiefe, melancholische Gewässer, versank in einer Flut aus Schmerz und tauchte in einer hoffnungsvollen Brandung, die sich am Strand bricht, wieder auf. Selten habe ich solch eine kostbare Geschichte lesen dürfen, die mir einen magischen Moment nach dem nächsten bescherte, so dass mir die Worte fehlen, um der Schönheit von Natasha Solomons‘ Werk gerecht zu werden.

Die liebe, äußerst liebe Elise

Elise ist ein Charakter, den man lieben lernt und die dem sonst so feingliedrig und zerbrechlich wirkenden Roman Stabilität verleiht. Letztlich lernt man Elise nicht nur lieben, man ist Elise, von der ersten, bis zur letzten Seite und vielleicht sogar darüber hinaus.

Wenn ich den Blick von den Seiten löste, fürchtete ich manchmal, die Wörter würden von den Seiten rutschen und unauffindbar in den Weiten dieser Welt verloren gehen.

Sprache, die soziale Schichten, Authentizität, Intensität und eine brillierende Atmosphäre webt

Abwechslung erfährt die Handlung durch gelegentliche Briefwechsel zwischen Elise und ihren auf die Welt verstreuten Familienmitgliedern. Dadurch bleibt das Weltgeschehen peripher im Gedächtnis und der Roman wirkt durch dieses Mittel tiefer und räumlich uneingeschränkter. Eine weitere Abwechslung bildet Elises Art des Erzählens. Aus der Ich-Perspektive im allwissenden (auktorialen) Erzählstil, bindet sie unkonventionell vergangene Erinnerungen, mögliche Ausblicke und reflektierende Rückblicke ein. Überhaupt ist die Sprache in Natasha Solomons Handlung ein Stilmittel, das sowohl die verschiedenen, zu dieser Zeit in England so wichtigen Standeszugehörigkeiten klärt/ordnet, als auch die Authentizität, Intensität und so brillierende Atmosphäre erzeugt.

Ein Schuss Glück mitten ins Herz

Als die Liebe zu Elise kam“ ist ein Zeitzeugnis, das die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges einmal aus einer anderen Sicht beleuchtet. Als Deutsche befasste ich mich automatisch mit den deutschen Details dieses Weltkrieges und war dieser Fakten beinahe schon überdrüssig. Natasha Solomons hat mir eine weitere Perspektive in diese Zeit gewährt und somit meinen Geist bereichert. Doch ist dieser Roman mehr als „nur“ ein Zeitzeugnis. Er ist Musik, Liebe und Leben, das ein Glück bei mir hervorrief, in dessen Angesicht ich durch ebenjenes Glück platzen könnte, weil es mich so unerwartet und zielsicher mitten ins Herz traf.

Eine Ewigkeit Elise

Wie alle guten und schlechten Romane, hat man auch in „Als die Liebe zu Elise kam“ irgendwann die letzte Seite erreicht, die für meine einzige Kritik an diesem Roman verantwortlich ist: Obgleich Natasha Solomon alles in diesem rührendem Werk sagte, was es zu sagen gab, war es für mich viel zu schnell vorbei und wenn ich könnte, würde ich Elise bis in die Ewigkeit lesen.

Mein endgültiges Urteil:

Wer eine magische Reise in die Zeit des zweiten Weltkriegs wagen möchte, sollte keine Zeit vergeuden und „Als die Liebe zu Elise kam“ lesen. Ein zauberhafter Funken entzündet sich in dieser Erzählung, der niemals nachlässt und ein unterschwelliges Sehnen hervorruft.

Wer jedoch lediglich einen Unterhaltungsroman sucht, sollte erst einmal von der lieben Elise ablassen; denn der Zeitpunkt der Handlung – der zweite Weltkrieg – impliziert traurige Momente, die neben den glückseligen, leider nicht ausbleiben. Doch diese Traurigkeit gehört dazu und formt „Als die Liebe zu Elise kam“ zu dem Meisterwerk, das es geworden ist.

Dieses Buch hat mich bewegt, wie keines zuvor und wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Denn eigentlich ist dieser Roman wie ein betörendes Violinenspiel. Einmal gehört, bleibt es immer im Gedächtnis und nun muss ich nur noch meine Augen schließen und höre es. Ich schließe meine Augen und bin dort. In Tyneford und erlebe ein Abenteuer, das von einer „verlorenen Welt“ spricht und all die süßen Verlockungen, kummervollen Erinnerungen und verbotenen Sehnsüchte und Facetten des Lebens umspannt.

Liebe Elise, ich glaube, ich liebe dich!

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Zweiter Weltkrieg,

England,

Liebe | Selbstfindung

Verbundenheit zur Natur

Fischerei

Lehnstum | -Verhältnis

Englands Klassengesellschaft

Der Umbruch eines neuen Zeitalters

ELISE

Allgemeine Buchinformationen:

Belletristik
/ Literatur + Unterhaltung
/ Unterhaltung
Kindler
Hardcover, 512 S.
09.03.2012
19,95 €
978-3-463-40579-7
Zu „Als die Liebe zu Elise kam“ bei Kindler

[Anmerkung:] Mein verbindlichster Dank gilt in diesem Fall Lovelybooks und dem Verlag, durch das ich die Chance erhielt im Rahmen einer Leserunde dieses Leseexemplar zu ergattern. Ohne diesen (glücklichen) Gewinn, hätte ich den Ausflug in dieses Genre wohl nie gewagt und dadurch eine der größten Geschichten meines Lebens verpasst. Liebe LeserInnen und Leser, das wollt ihr euch nicht antun, also appelliere ich an euch, dieses Buch zu kosten, zu genießen und genauso lieben zu lernen, wie ich es tat.

Die Tyrannin von Karen Miller [Rezension]

Der Inhalt:

Die Zeichen in Ethrea stehen auf Krieg. Hekat und Dmitrak haben die Welt überrannt und nur noch die Passatwinde hindern sie daran, bis nach Ethrea zu segeln, auch dort Blut zu vergießen und die Menschen zu versklaven.

Doch Rhian ist nicht umsonst von Gott zur Königin beauftragt worden. Sie ist die Einzige, die an die Bedrohung Mijaks glaubt und muss nun all ihre Kraft aufwenden, die anderen Handelsnationen von der Gefahr zu überzeugen und ein neues Kriegsbündnis gegen den Feind einzugehen. Doch selbst Zandakar, Sohn von Hekat, der Beweis genug sein sollte, überzeugt die Herren nicht und so greift Rhian zu den etwas anderen Mitteln…

Sind Worte wichtiger als Taten?

Politik, Macht und Intrigen. Darum dreht es sich in Karen Millers Trilogie hauptsächlich und natürlich ist es in „Die Tyrannin“ nicht anders. Allerdings bestehen cirka 75% der Handlung aus politischen Besprechungen, flammenden Reden, lodernden Worten und viel taktischem Kalkül. Es wäre eine Lüge, wenn ich behauptete, ich hätte mich nicht gelangweilt. Obgleich Karen Millers Schreibstil nach wie vor unsagbar gut und fesselnd war und ich immer noch bewunderte, wie galant sie die Fäden in der Hand behielt, während man so manches Mal die Übersicht zu verlieren glaubte, ist dies bisher das schlechteste Werk, was ich von ihr las.

Figuren, deren Geschichte man bis zum Ende mitverfolgen muss, egal wie uninteressant die Rahmenbedingungen sind

Ich konnte den trockenen Gesprächen nichts abgewinnen, die doch sowieso alle nur demselben Ziel dienten (Eine Kriegsflotte zusammenzustellen) und das auf 400 Seiten auszudehnen, ist bisweilen sehr mühsam. Wäre das der erste Band der Trilogie gewesen, ich hätte abgebrochen.

Doch ich habe Hekat, Vortka, Rhian, Zandakar und Dmitrak nun schon so lange begleitet, dass ich unbedingt wissen musste, wie es ausgeht und es ist nicht so, dass es nicht auch helle Momente gegeben hätte.

So führte Karen Miller einen weiteren, überaus attraktiven Akteur ins Spiel ein. Attraktiv im Sinne von verführerisch provokativ und spannungsschürend.

Ein kleiner „Durchhaltekampf“

Die Gefühle der Personen wurden in all ihren Facetten durchleuchtet, bis man quasi auf den Grund ihrer Seele blickte. Hätte man ihre Gehirne entfernt und gescannt, mehr hätte man auch nicht erfahren können als das, was Karen Miller präsentierte. Und das ist wiederum die Kunst: Während ellenlanger Dialogführungen und auch inneren Monologen die Gefühlswelt der Charaktere dennoch so getreu herauszuarbeiten, dass man ihretwegen bis zum Schluss durchhält. Denn das war es leider. Ein kleiner Durchhaltekampf, dieses Werk zu beenden. Ständig schielte ich auf die Seitenzahl und hoffte, endlich einen schönen Abschluss lesen zu dürfen.

Einige Gesprächsentwicklungen gab es zuweilen, die mich vergessen ließen, dass ich gerade nur „las“ und dafür Sorge trugen, dass ich mich erneut „wie zu Hause“ fühlte.

Ein flammendes Finale

Das Finale hingegen enttäuschte so gar nicht und Karen Miller ließ ihre Figuren auf den letzten Metern in einem Krieg ordentlich handeln und hat doch noch einen grandiosen Abschluss gefunden, der zwar nicht besonders glücklich, aber realistisch und annehmbar ist.

Positiv erwähnenswert ist, dass Karen Miller strikt ihrer Linie, die sie in „Die Herrscherin“ beginnt und mit „Die Thronerbin“ fortführt, auch in diesem Band folgt. So ist für die LeserInnen ein erkennbares Muster deutlich und die Trilogie als Ganzes ist eine abgerundete Geschichte.

Mein endgültiges Urteil:

Nichts desto Trotz zählt „Die Tyrannin“ immer noch zu einem der größten Fantasy-Werke, die ich kenne. Gerade deshalb fallen die enormen Schwächen so sehr ins Gewicht. Ein eher unwürdiger Abschluss einer ansonsten begeisternden Trilogie.

Wenn einem Buch aber ein göttlicher Funke innewohnt, dann diesem Werk. Denn das Grundgerüst ist gewaltiger, als ich es jemals fassen könnte und die vielen, z.T. verschrobenen Ebenen führen hoch in den Himmel hinein, bis man sich darin verliert.

Für Menschen, die gerne lange Bücher lesen, in denen hauptsächlich über politische Belange debattiert/beraten/geredet/gestritten/gezweifelt/gekämpft wird, die sollten mit „Die Herrscherin“ beginnen, um in „Die Tyrannin“ einen tollen Abschluss vorzufinden. Wer damit so gar nichts anfangen kann, sollte diese 800 Seiten am Besten einfach meiden.

Bewertung

Thematik:

Krieg| Kriegskunst| Grausamkeiten

Taktische Besprechungen (und alle Rede/Besprechungsformen, die man sich nur so vorstellen kann)

Religion| Gottlosigkeit| Heidnische Kults| Im Auge des Gottes|

Gottlosigkeit| Dämonen
Magie| Hexer

Skorpion

Im Auge des Gottes

Sklaven

Hekat (kostbar)

Politik| Macht| Intrigen| Stärken und Schwächen

Allgemeine Buchinformationen:

Karen Miller
Die Tyrannin
Roman
Originaltitel: Godspeaker 03. Hammer of God
Originalverlag: HarperVoyager, Sydney 2008
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
Deutsche Erstausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 800 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-26855-9
€ 15,00 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,90
Zu „Die Tyrannin“ bei blanvalet

Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten von Laini Taylor [Rezension]

Eine Liebe, die älter ist als die Zeit. Und ein Kampf, bei dem ALLES auf dem Spiel steht. Der erste Band der Serie, die die Welt erobert.

[…]und Karou und Akiva waren wie zwei Streichhölzer, die sich aneinander entzündeten. Mit einem tiefen Seufzen entspannte sie sich und schmiegte sich an ihn, es war, als käme sie nach Hause. Sie spürte die raue Haut seiner unrasierten Kehle an ihrer Wange, und er berührte mit seiner eigenen behutsam ihre wasserweichen Haare. So standen sie eine lange Zeit, ganz still, obgleich ihre Herzen pochten, ihre Nerven kribbelten und die Schmetterlinge in ihnen eine wilde, übermütige Melodie anstimmten.

S. 353

Der Inhalt:

Nur in Bildern kann Karou von wahren Leben erzählen, was niemand kennt oder ihr gar glauben würde. In Prag studiert sie an der Kunsthochschule, aber niemand ahnt, dass ihre blauen Haare tatsächlich blau sind, keine Färbung und dass sie von Chimären großgezogen wurde. Schon immer lebt sie mit den zu Teilen tierischen und monströs anmutenden Gestalten zusammen und ist involviert in ihre Magie, ohne die Hintergründe zu kennen. Denn ihre Aufgabe ist es, Zähne in der Menschenwelt zu beschaffen. Durch Türen gelangt sie überall in die Welt, während all die Türen wiederum zurück zu Brimstones Laden führen. Ihrem zu Hause. In letzter Zeit jedoch mehren sich die gefährlichen Situationen und unglücklichen Zufälle. Engel werden staunend gesichtet, die magischen Türen tragen plötzlich gebrandmarkte Handabdrücke und Karou blickt in die schönsten Augen, die sie jemals gesehen hat.

So nimmt der Anfang vom Ende seinen Lauf und Karou wird durch das Geheimnis ihrer eigenen Identität einen Preis bezahlen, den sie niemals freiwillig geleistet hätte. So sehr sie sich die Wahrheit auch gewünscht hat, so erdrückend und grausam ist sie: Denn es herrscht Krieg. Immer.

Empfehlungen und Verlangen

Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten“ ist die Empfehlung überhaupt. Dieser Roman ist sogar so empfehlenswert und vielschichtig, dass mir die Worte fehlen und ich diesem glorreichen Inhalt gar nicht gerecht werden kann. Er zeichnet sich durch Witz aus und drängt seine LeserInnen fortwährend weiterzulesen. Laini Taylor gibt wenig Anhaltspunkte und doch sind es immer genug, um die Asche zu schüren und ein gesteigertes Verlangen nach mehr hervorzurufen.

Mysteriöse Geheimnisse und starke Figuren

Der Nebel über allem und jedem hält sich ziemlich lange, ist allerdings auch die treibende Spannungskraft. Gelegentlich meint man kurze Blicke auf wichtige Hintergründe geworfen zu haben, aber Laini Taylor ist so gewieft vorgegangen, dass man sich niemals sicher sein kann und oft eines besseren belehrt wurde.

Die Protagonistin Karou zeichnet sich durch auffällige Merkmale von der Masse ab und bietet einen guten Ausgleich zu der ansonsten eher traurig‘ und melancholisch anmutenden Geschichte. Karou ist sich selbst genauso fremd wie den LeserInnen, wodurch die Suche nach ihrer Identität und dem großen Rätsel ihrer Persönlichkeit wesentlich authentischer wirkt und auf Einen selbst emotionaler abfärbt.

Verzaubernde Worte und betörende Inhalte

Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten“ ist äußerlich schon eine „Wucht“ aber inhaltlich scheint es erst so richtig zu strahlen und sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Gegliedert ist dieser Roman in verschiedene Teile, die mich jedes Mal berührten und beispielsweise so lauteten:

Es war einmal ein Mädchen, das wurde von Monstern aufgezogen. Doch Engel verbrannten alle Türen in ihrer Welt und sie blieb mutterseelenallein zurück.“

S. 173

Echte Herausforderungen und ungewöhnliche Sprache

Die Autorin behandelt eine uralte Thematik und schafft einen zentralen Konflikt, der geschickt hinter kleineren versteckt ist, so dass das Große und Ganze ziemlich spät ersichtlich wird.

Somit war die Erzählung eine echte Herausforderung und ich habe jeden Satz hemmungslos genossen. Neben ausdrucksstarken Charakteren, die glaubwürdig ihre Interessen gleichzeitig in ihren Handlungen repräsentieren, einer ungewöhnlichen wie wunderschönen Sprache und einem mordsmäßig zunächst kryptischen Aufbau, schuf Laini Taylor eine Perle, die mehr als nur einer Erwartung und einem Wunsch ihrer LeserInnen gerecht wird.

Mein endgültiges Urteil:

Kurzum: Laini Taylor hat Elemente verbunden, die ich niemals verbunden hätte, denn leicht verrennt man sich mit diesen Gegensätzen. Doch dieser Frau ist damit nahezu ein Wunder gelungen und ich kann nur jedem raten in dieses herrliche Fantasy-Reich hineinzuschnuppern. Denn es hält Einen sofort gefangen, raubt den Atem, bringt das Herz zum Klopfen und wird schneller, als man es für möglich hält, zu einem wahren Highlight!

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Monster

Chimären | Engel

Zwei Welten

Wünsche | Ketten | Magie

Magische Türen

Liebe

Geheimnisse | Herkunft

Seelen

Selbst-, Identitäts-, Persönlichkeitsfindung

Krieg

Allgemeine Buchinformationen:
Laini Taylor
Daughter of Smoke and Bone
Roman
Hardcover
Preis € (D) 16,99 | € (A) 17,50 | SFR 24,50
ISBN: 978-3-8414-2136-4
Zu „Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten“ bei FJB


Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards von Ivo Pala [Rezension]

Der Inhalt:

Svenya ist ständig auf der Flucht und das Leben als junges Mädchen auf der Straße ist hart. Sie muss knochenschwere Jobs bewältigen, oft hungern und unter kalten Brücken schlafen. Aber alles ist besser, als wieder in das Waisenhaus zu gehen, aus dem sie geflohen ist, denn dort wartet nur der perverse Charlie.

Aber in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages, soll Svenyas Schicksal eine unerwartete Wendung nehmen. Sie wird von Elben heimgesucht. Dunkelelben und Lichtelben. Beide wollen sie für ihre Seite gewinnen, aber auf welche gehört sie? Svenya bleibt skeptisch, denn als Straßenkind kann zu viel Vertrauen einem das Leben kosten. Doch als die Elben Svenya ihre Bestimmung offenbaren und sie so etwas wie eine Zuflucht findet, scheint sie endlich ein zu Hause gefunden zu haben. Aber die Gefahr ist nach wie vor ungebrochen, denn es wartet nach Svenyas Ausbildung eine schwierige Prüfung auf sie und nicht allen in ihrem neu entstehenden Freundeskreis ist zu trauen…

Willkommen im Reich der Elben!

Die Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards“ ist keine Durchschnittslektüre, sondern eine fantastische Geschichte, in der man unbedingt für einige Stunden abtauchen möchte.

Während sich die Handlung, die Charaktere und die Spannung meistens auf einem hohen Niveau befinden, entführt Ivo Pala seine LeserInnen in ein schon überirdisch anmutendes Reich, was sich direkt unter Dresden befindet.

Dabei ist der Hauptschauplatz gerade mal das provisorische Heim der Elben, denn eigentlich streben die verschiedenen Mächte – Dunkelelben und Lichtelben – dem Ziel entgegen, wieder in ihre richtige, noch paradiesischere Heimat zurückkehren zu können. Aus den verschiedensten Motiven hindern sie sich gegenseitig darin und sind in einem kleinen, schon Jahrtausende andauernden Kampf verstrickt, der auch das Schicksal der Menschheit beinhaltet; die natürlich mal wieder nichts davon ahnen.

Ein aus vielen Schichten bestehendes Elben-Abenteuer, das durch seine Schwächen Sympathie sammelt

Ich muss dem Autor zu Gute halten, dass er mit einem strategisch cleveren Aufbau seiner Handlung so einige fesselnde Momente und kleine Höhepunkte kreieren konnte. Der zentrale Konflikt, von dem ausgehend sich weitere Ränke, Intrigen und Krisenherde entwickeln, passt perfekt zu allen anderen Gegebenheiten des Romans. Ivo Pala schafft mehrere Ebenen, auf denen parallel wichtige Szenarien ihre Geschichte erzählen und verleiht einzelnen Momenten Tiefe, indem immer mal wieder fremde Kulturen, wie die nordische Mythologie, einbindet; gegenwärtige Momente auf 2000 zurückliegende Jahren aufbaut, und zu guter letzt: Einblicke in beide Lager der Elben gibt. Leider hielt die kribbelnde Spannung bei mir nicht ununterbrochen an und obgleich mir auch die weniger fiebrigen Lesemomente zusagten, sackte die Atmosphäre immer mal wieder etwas ab. Es wird, nebenbei bemerkt, unglaublich viel und für meinen Geschmack z.T zu ausführlich gekämpft.

Altmodische Elben sind im HighTech- Zeitalter des 21. Jahrhunderts angekommen

Ansonsten hat Ivo Pala einen starken Kontrast gezeichnet. Er vereint die bekannten Verhaltensweisen und Charakterzüge der Elben mit dem modernen Zeitalter des 21. Jahrhunderts. So musste ich oft schmunzeln, wenn in der Höhle der Elben plötzlich ein elektrischer Alarm losgeht und sowieso alles mit den technischen Komforts unserer Zeit ausgestattet ist. Diese Kombination ist eine der treibenden Kräfte, die diesen Plot so unwiderstehlich gestalten, trotz der Makel.

Auch in den Charakteren selbst meine ich wenige Male Widersprüche entdeckt zu haben. Hauptsächlich in der Protagonistin Svenya, die ansonsten wunderbar ausgearbeitet kein einzige Klischee erfüllt und eine steile Kurve nach oben bestreitet, dadurch dass sie Fehler macht, dazu lernt und sich erkennbar und nachvollziehbar weiterentwickelt.

Insgesamt leider ein Makel zu viel, die am Schluss das Gesamtbild etwas trüben

Zum Ende stieß ich auf vermehrte Rechtschreib- oder Druckfehler und in der gesamten Geschichte stolperte ich gelegentlich über Sätze, die ich mehrmals lesen musste, weil sie dermaßen unglücklich formuliert, im ersten Moment keinen Sinn ergeben oder dem Zuwiderliefen, was die Figuren in „Die Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards“ eigentlich anstreben.

Alles in allem sollte man sich von diesen Kleinigkeiten aber nicht vom Lesen abhalten lassen. Denn Ivo Pala hält ein großartiges Abenteuer bereit, was man sich nicht entgehen lassen möchte. Dieser Auftakt zu einer großartigen Saga hat die Macht zu verzaubern und durch tolle Komponenten zu bestechen.

Mein endgültiges Urteil:

Ich habe lange nicht all die Überraschungen enthüllt, die ihr in „Die Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards“ entdecken könntet.

Ich vergebe zwar ’nur‘ 4 Sterne, weil ich überzeugt bin, dass die Fortsetzung das hier noch nicht voll ausgeschöpfte Potenzial toppen kann, doch die Tendenz geht stark nach oben.

Für Fantasy-LeserInnen ist dieses Werk ein absolutes Lesemuss.

Eine Mischung aus (abstrusen und abwechslungsreichen) fantastischen Elementen, die eine starke Verbindung zur Realität besitzen und nicht ein einziges Klischee bedienen. „Die Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards“ ist endlich einmal etwas Anderes, was man nicht verpassen darf und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Elben

Traditionen

Mythologien

Innere Stärken, Selbstbewusstsein

Krieg

Widerstandsgeist

Realität und Fiktion verschmolzen

Zwei Welten

Pflichtbewusstsein

Flucht

Magie

Freundschaft | (Liebe? ;-))

Allgemeine Buchinformationen:
Ivo Pala
Elbenthal-Saga
Die Hüterin Midgards
Sauerländer
ISBN: 9783411809226
Gebunden
384 Seiten
Format: 220 x 153 x 48 mm
März 2012
19,99 € (D), 32,90 SFr (CH), 20,60 € (A)

Zur „Elbenthal-Saga 01 – Die Hüterin Midgards“ bei Sauerländer

Merci Beaucoup an den Sauerländer-Verlag für dieses Leseexemplar und die so schön begleitete Leserunde auf Lovelybooks!
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