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Die Fälscherin von Julia Freidank [Rezension]

Stark wie der Tod ist die Liebe. Ihre Strahlen sind von Feuer, mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen, und Ströme schwemmen sie nicht fort.

S. 176

Der Inhalt:

Blanka ist ein kleines Mädchen, als sie vom Aussatz für ihr ganzes Leben gezeichnet wird. Eine Narbe verunstaltet ihre Wange. Manche flüstern, sie sei vom Teufel berührt, während ihr Herr, der Bischof Otto von Freising, eine Heilige in ihr sieht. Da kommt es ihm gerade recht, dass Blanka ein großes Talent beim Kopieren von Schriften besitzt. Denn Otto von Freising führt einen Kampf gegen die weltlichen Herrscher, die der Kirche immer mehr Macht zu entreißen versuchen. So kann er Blanka ausgerüstet mit Wort und Feder in diesen Kampf ziehen lassen. Sie fälscht für ihn im Verborgenen Urkunden. Was Otto nicht ahnt, dass jemand Blanka auf die Spur gekommen ist, der Geliebter und Feind zugleich ist. Am Ende wird Blanka sich entscheiden müssen, wem ihre Loyalität gilt und sie sollte weise wählen, denn ihr Leben hängt davon ab.

Die Welt des 16. Jahrhunderts mit gänzlich anderen Moralvorstellungen

Der historische Roman „Die Fälscherin“ zeichnet sich durch besonders dreierlei aus:

Julia Freidanks Werk schildert unverschleiert sowie brillierend die mittelalterlichen und aus heutiger Sicht grausamen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts, die ganz andere Moralvorstellungen beinhalten, in welchen Frauen wie Besitzgüter behandelt werden. Deutlich werden diese Verhältnisse durch wechselnde Perspektiven, in denen glaubwürdige Haupt- und Randfiguren gleichermaßen in verschiedenen Richtungen interagieren und letztlich doch in dieser starren Weltordnung gelähmt wie determiniert sind.

Historische Ereignisse sind geschickt in einer fiktiven Handlung eingebunden

Als zweiter Punkt hat mich die unglaubliche Genauigkeit und Vielfältigkeit der historischen Fakten in diesem Roman beeindruckt. Viele Bücher schwächeln gerade in diesem Punkt, weil es scheinbar schwer ist, reale Fakten in eine fiktive Handlung einzubinden, so dass bei den LeserInnen zum Schluss immer noch eine Balance zwischen den verschiedenen Komponenten ankommt.  Die Autorin hat sich für mein Empfinden geradezu darin überschlagen auf eine realistische und spannungsfördernde Art und Weise eine temporeiche Geschichte zu kreieren, die als Hauptmerkmal durch schlaues Wissen zu überzeugen weiß. Julia Freidank verband ihren Erfindungsreichtum mit deutscher Geschichte, die unbedingt gelesen werden will.

Ein authentischer Roman, der eine große Zeitspanne umfasst und dadurch tiefer blickt

So spielt der dritte lobenswerte Hauptfaktor von „Die Fälscherin“ in den zweiten mit hinein, insofern er durch seine Figuren wie lebendig wirkte, eine realistische Atmosphäre vermittelte, die bewirkte, dass ich mich bei einigen Grausamkeiten ekelte oder das Gesicht verzog und daraus resultierend (und insoweit ich es mir überhaupt anmaßen kann, dies zu beurteilen) ein authentischer historischer Roman vorliegt!

Die Fälscherin“ ist gegliedert in vier Abschnitte, die in der Kapitelzählung jeweils von vorne beginnen und durch diese z.T abrupten Enden, eine große Zeitspanne umfassen und beleuchten können. So wirkt die Geschichte tiefer, weil sie sich nicht nur auf wenige Jahre beschränkt, sondern mit den Hauptfiguren Blanka, Ortolf und Bischof Otto von Freising weit gefächerte Lebensphasen dieser Charaktere durchläuft.

Die Figuren durchwandern große und nachvollziehbare Entwicklungen

Dabei ist die Entwicklungskurve der einzelnen Charaktere wie ein roter Faden gut mit dem Ende des jeweils letzten Abschnitts verbunden, so dass trotz der Brüche ein flüssiger Inhalt entstanden ist, der durch seinen eindringlichen Schreibstil nach nur wenigen Seiten zu fesseln weiß.

Julia Freidank hat für mich einen wahren historischen Pageturner ins Leben gerufen, der vielseitig besticht und dermaßen viele Vorzüge besitzt, dass ich niemals alle aufzählen könnte.

Ein attraktiver Handlungskern

Man könnte meinen, die Liebesgeschichte würde die Geschichte dominieren, doch ist dies nicht zwangsläufig der Fall, da Julia Freidank die Liebe zwar oft als Motivation ihrer Figuren einsetzt, damit sie in einer bestimmten Richtung handeln, aber nie den Handlungskern aus den Augen verliert.

Diesen gilt es selbst zu entdecken. Um ihn grob zu umreißen, würde ich als Handlungskern das möglichst getreue Widerspiegeln der damaligen Machtverhältnisse und Entwicklungen, sowie nähere Einblicke in historische Figuren, definieren. Das und noch viel mehr sickert bis zu den LeserInnen durch, die spüren werden, welch ein kombinatorisches Genie hinter diesen Seiten steckt.

Mein Fazit:

Wer eine anspruchsvollere Lektüre sucht und mit detaillierten, zum Teil blutigen oder lediglich grausamen Beschreibungen zurechtkommt, wird in „Die Fälscherin“ ein Werk finden, was hohen Ansprüchen mehr als nur gewachsen ist.

Ein historischer Roman zum Abtauchen, der nicht nur fordert, sondern viel zu geben hat und in seinen bildreichen Beschreibungen ein einmaliges Werk für mich bleiben wird!

Bewertung

Thematik:

Ritter

Lehnsverhältnisse

Machtverhältnisse –und Streitereien

Entwicklungen zwischen Kirche (Ministerialen) und weltlichen Herrschern

Ständegesellschaft

Unterdrückte Frauen

Krankheitsbilder (wie Aussatz)

Verbotene Liebe

Affären

Fälschungen

Allgemeine Buchinformationen:

Julia Freidank
Die Fälscherin
Historischer Roman
432 Seiten, € 14,99 [D]
Erschienen: 09.03.12
Zu „Die Fälscherin“ bei Marion von Schröder

Vielen Dank an den Verlag, Lovelybooks und die Autorin Julia Freidank für diese Leserunde und das dafür gesponserte Leseexemplar!

Wolfszeit von Nina Blazon [Rezension]

In den dunklen Wäldern Frankreichs lauert die Bestie.


Der Inhalt:

Ende des 18. Jahrhunderts:

Thomas Auvry ist als Sohn eines Bürgerlichen wenig ambitioniert sich am Hof einen Namen zu machen. Sein Vater hingegen wünscht für ihn eine vorteilhafte Verbindung, die sie sich auch leisten können. Thomas aber hat nur seine Studien unter de Buffon im Kopf und zeichnet für sein Leben gerne. Doch als in der fernen Provinz eine Bestie monatelang ihr Unwesen treibt, und unschuldige Menschen tötet, stürzt sich Thomas in die Arbeit und auf alles, was mit diesen Vorkommnissen in Verbindung steht. Er stellt Recherchen an, vergleicht verschiedene Tiermerkmale und legt eigene Zeichnungen zu möglichen Tierarten, die „die Bestie“ sein könnten, an. Irgendwann wird es ernst, denn eine Jagd-Delegation soll vor Ort dem Morden ein Ende bereiten. Thomas darf sie als Sekretär begleiten und wird vor Ort nicht nur von den Geheimnissen der verschiedenen Dorfbewohner in seinen Bann gezogen. Auch die junge Gräfin Isabelle d’Apacher wirkt ihre ganz eigenen Reize auf ihn aus…

Eine ernste und ausgefeilt, historische Geschichte mit dem französischen Flair

In Nina Blazons neuem Werk „Wolfszeit“ handelt es sich entgegen meiner Erwartungen nicht um die Fantasy-Geschichte einer Bestie, sondern vielmehr um historische Geschehnisse, die Nina Blazon galant in ihrem Werk zu einer spannenden und ausgetüftelten Geschichte verwob.

Romane über Frankreich aus den vergangenen Jahrhunderten reizen mich seit jeher. Trotz meiner Leseerfahrungen auf diesem Gebiet, hat Nina Blazon mir eine neue Seite und düstere Komponente des französischen Lebens präsentiert, fern des Versailler oder auch Pariser Königshof, obwohl dieser ständig im Hintergrund wie ein Damoklesschwert schwebt. Ebenfalls genoss ich schon immer mehr ihre realen Werke ohne Fantasy und „Wolfszeit“ bildet da keine Ausnahme. Es besticht durch seine Ernsthaftigkeit, raue Natur und dem Aberglauben der Menschen, der normale Tatsachen als wunderliche Phänomene erscheinen lässt.

Zwischen Wahn und Realität

Diese Erzählung ist ein perfides Spiel auf Leben und Tod, das von den verschiedenen Sichtweisen der Charaktere lebt und es einem als Leserin ermöglicht, den Handlungsverlauf zwischen Wahn und Realität mitzuverfolgen. Es ist nie gewiss, ob es sich gerade um Obsession, Aberglaube, Traum, Schein, Sein, Märchen oder eben die Realität handelt.

Das Cover und der dazugehörige Titel „Wolfszeit“ unterstreichen die Stimmung des Romans, geben gleichzeitig aber nicht zu viel preis. Denn neben den historisch eingearbeiteten Fakten, ist eine Liebesgeschichte eingeflochten, die nicht zu kitschig wirkt und im Verhältnis zu den anderen Komponenten stets ausgewogen ist.

Einmal mehr stellt Nina Blazon damit ihr schriftstellerisches Talent und ihr facettenreiches Können unter Beweis.

Wie ein Schachspiel, Zug um Zug…

Das Ende war das reinste Pokerspiel, Höhepunkt und Finale in Einem. Obwohl mir im Vorfeld manche Szenen etwas zu langatmig erschienen, gaben diese Ausführlichkeiten rückwirkend wesentlich mehr Sinn und setzen dieser Geschichte die Spannungskrone auf.

Nie im Leben hätte ich mit dem Ausgang gerechnet, den die Autorin anvisierte, so hatte sie vorher doch einer Meisterin gleich Fallen gestellt, die selbst echte Wölfe in ihre Fallen gelockt hätten.

Versteckte Hinweise, ein falsch gesätes Wort hier, eine falsch aufgenommene Information dort, verzerrte Halbwahrheiten und schon findet man sich in einem Schachspiel wieder.

Mein endgültiges Urteil:

Wolfszeit“ lebt seinen ganz eigenen Charme aus, der von den Gefühlen der Figuren und den Geschehnissen der damaligen Zeit getragen wird. Eine geniale Umsetzung wichtiger Ereignisse, die zwar wenig heiter, aber nervenaufreibend und dunkel, seinen ganz eigenen Sog weben.

Eine Empfehlung, an der ich lediglich die selten, aber dennoch z.T etwas langatmigen Passagen kritisieren kann.

Bewertung

Thematik:

Wölfe

Frankreich

Provinz

Adelsgeflecht

Leben

Tod

Bestie

Familiengeheimnisse

Allgemeine Buchinformationen:

Preis 17,99 € (D), 18,49 € (A)
Alter: Junge Erwachsene
Größe: 14,3 x 21,5 cm
Einband: Gebunden
Autor: Nina Blazon
Seitenzahl: 576
Zu „Wolfszeit“ bei Ravensburger

Die Poison Diaries – Liebe ist stärker als der Tod von Maryrose Wood und J. Northumberland [Rezension]

Es gibt eine Kraft des Wachsens und eine Kraft des Vergehens, miteinander verbunden in ewigem Tanz. Die Kraft des Wachsens nennt man Eros; sie ist die Liebe. Und die Kraft des Vergehens ist jene, die von den Griechen Thanatos genannt wird, der Tod, der Heiler, der die Lebenden von ihren Qualen erlöst.

S. 183

Der Inhalt:

Cirka 18. Jahrhundert:

Jessamine hat die Vergiftungen ihres Vaters überlebt. Aber ihr einziger Lebensgrund ist verschwunden. Weed. Doch ihr Vater verschweigt ihr die Wahrheit. Möchte ihr weismachen, er sei davon gelaufen, als sie ihn am dringendsten benötigte. Oleander nutzt die Distanz zwischen Jessamine und Weed sofort aus. Er flüstert ihr seine Gedanken zu, lullt sie ein, vergiftet Jessamines Verstand, bis sie ihm hörig ist und eine grausame Tat begeht, die sie sich von den Menschen abwenden lässt. Mit dieser Abwendung ist scheinbar alle Hoffnung verloren und Oleander triumphiert im Sieg, doch Weed ist fest entschlossen Jessamine zu retten.

Alles ist miteinander verbunden, so wie Eros und Thanatos

Dieses Buch ist das reinste Wunderwerk. So bildlich und poetisch, dass es einem die Tränen in die Augen treiben möchte.

Durch die Natur, einer anrührenden und brillant scharfen Geschichte unternimmt die Autorin einen Versuch das Gleichgewicht in der Welt und den Sinn des Lebens zu erklären.

Wo Licht ist, fällt auch Schatten, eine unbestreitbare Balance liegt in allen Dingen auf der Welt. Es gibt Heilpflanzen und es gibt Giftpflanzen. „Die Poison Diaries“ sind mehr als nur ein Buch, was man liest und dann wieder vergisst. Es ist beinahe schon ein historisches Zeugnis, denn es führt ebenfalls vor Augen, wie die Menschen sich in einem längst vergangenem Jahrhundert dem wissenschaftlich fundierten Wissen annäherten, was wir heute besitzen. Beispielsweise, dass Pflanzen den Sauerstoff herstellen, den wir zum Atmen brauchen und dergleichen Erkenntnisse.

Nicht immer war dieses Macht bergende Wissen so frei zugänglich.

So funktioniert die Welt: Aus der Perspektive von Menschen und Pflanzen

Fesselnd wird diese Geschichte durch die übernatürlich wirkende Komponente, die Maryrose Wood und J. Northumberland in den Inhalt hineinflochten. Pflanzen, die zu Wort kommen und die ihre obskure Verderbtheit über die Welt bringen wollen. Eine sich im Gleichgewicht befindende Geschichte, die aus der Perspektive des Pflanzenreichs und der Menschen erzählt. Aus der Sichtweise von Weed und von Jessamine. Aus den Blickwinkeln von Gut und Böse, um zu begreifen, wie die Welt funktioniert.

Ein rares Buchjuwel

Die Protagonisten Jessamine und Weed erleben beide eine fundamentale Weiterentwicklung, die sich einem Setzling gleich der Sonne entgegenreckt. Gemeinsam mit diesen beiden Charakteren und Setzlingen, entfaltet sich auch die ganze Pracht, Verästelung und Tragweite von „Die Poison Diaries“. Erneut war ich gebannt von diesem ungewöhnlichen Stil des Erzählens, der, wie der Titel dieses Buches bereits suggeriert, teilweise in Tagebuchform verfasst ist.

Ich bin tief berührt und hätte mir gewünscht, diese magische Erzählung würde niemals enden. Solch eine kostbare Schönheit hat man nur selten das Glück lesen zu dürfen und dennoch gibt es sie, diese raren Buchjuwelen.

Mein endgültiges Urteil:

Sicherlich wird nicht jede/r mit dieser feinen Art der Poesie und zarten Zwischentönen, die ihr eigenes Lied summen und ihre eigene Sprache verbergen, etwas anfangen können. Doch wer den ersten Band von „Die Poison Diaries“ mochte, wird in diesem Werk noch reicher belohnt werden.

Ich hoffe, dass viele ihre Augen öffnen und erkennen können, wie allumfassend das ist, was Maryrose Wood aus der Idee J. Northumberlands formte und dafür weniger Worte bedurfte, als manch andere quälende und nie enden wollenden Bücher.

Eine Liebesgeschichte ohne Grenzen, ein Reich, das die ganze Welt umschließt und ein Hauch von Gift und Eros fördernder Magie zugleich. „Die Poison Diaries“ muss man gelesen haben, denn es eröffnet eine vollkommen neue Sicht auf uns und die Welt.

Steh auf, Hexe!“, brüllt er, so dass alle ihn hören können. Er reißt mich auf die Füße und dreht mein Antlitz meinen Anklägern zu. Ich will mich mit den Armen bedecken, mit den Haaren. Dann, mit einem rauen Schrei, packt Rye den Bund meines Rocks und reißt ihn mir vom Leib. Wieder schreie ich auf. Er tritt hinter mich und packt mich um die Taille.

S. 125

Bewertung

Trailer:

Thematik:

Pflanzenreich

Gleichgewicht

Leben & Tod

Liebe

Eros Thanatos

Historik

Reisen

Gift

Heilmittel

Bestechung

Allgemeine Buchinformationen:

Maryrose Wood
Die Poison Diaries
Roman
Hardcover
Preis € (D) 14,99 | € (A) 15,40 | SFR 21,90
ISBN: 978-3-8414-2125-8
Zu „Die Poison Diaries – Liebe ist stärker als der Tod“ bei FJB

Der Duft von Lavendel von Martina Sahler [Rezension]

Nicht mehr reden, nur noch spüren.

S. 193

Der Inhalt:

Köln, 1811:

Fina möchte von den Männern nichts wissen, die ihr Vater ihr immer vorstellt. Denn es sind hässliche, dicke, alte Lustmolche. Aber Fina wird irgendwann keine Wahl mehr bleiben, was sie auch versucht, denn ihr Vater ist nur ein Schmuggler, der dafür sorgen will, dass es seiner Tochter besser ergeht als ihm, damit sie niemals auf der Straße landet. Aber Finas Entschluss steht fest. Lieber bettelt sie auf den Pflastern Kölns, als das Bett mit einem dieser Widerlinge zu teilen. Doch am Liebsten würde sie ihrem Märchenprinzen nahe kommen, den sie beobachtet, wenn sie heimlich unter dem Fenster der Knabenschule lauscht, um das Lesen und Schreiben zu lernen. Es sind nur Träume, aber sie sind das Einzige, was ihr geblieben ist. Aber es kommt der Tag, da wird aus Finas Traum Realität und sie steht ihrem Märchenprinzen in Fleisch und Blut gegenüber, was soll sie ihm in so einem Moment nur sagen?

Eine gelungene Verknüpfung zwischen „Wie ein Kuss von Rosenblüten und „Der Duft von Lavendel“

Der Duft von Lavendel“ zeichnet sich durch eine ernstere Atmosphäre aus. Die Protagonistin Fina wird in einem jungen Alter mit schwierigen Problemen konfrontiert und in eine kriminelle Seite des Lebens eingeführt. Dadurch schien dieses Buch in diesen Punkten realistischer. Der von Martina Sahler gewählte Zeitpunkt der Handlung ermöglichte es der Autorin einerseits an historische Aspekte anzuknüpfen und andererseits einen roten Faden zwischen „Wie ein Kuss von Rosenblüten“ und „Der Duft von Lavendel“ zu spinnen. Somit erfährt man zunächst die Stimmung und Euphorie der Menschen, als die Franzosen nach Köln kommen und wie sich dieser Frohsinn in Unzufriedenheit gewandelt hat. Unzufriedenheit deswegen, da Napoleon – verrückt wie er nun einmal war – England durch eine Kontinentalsperre bezwingen wollte, letztlich besonders die unteren Bevölkerungsschichten hart um ihr Überleben kämpfen mussten und das Schmuggeln begannen, weil sie sich nicht anders zu helfen wussten.

Mein persönliches Highlight war Finas individuelles Schicksal, gekoppelt an das von Billa, Toni, Sophie und ihren Jean (Schäng ;-)). Natürlich war es des Zufalls zuviel, dass diese Menschen sich auf den Straßen Kölns fanden, dennoch war es enorm schön zu lesen, wie es den vier Figuren ergangen ist und wie nun Fina dort hinein passt. Wie es des Zufalls zuviel war, gestaltete sich auch die Auflösung des Konflikts ein wenig zu märchenhaft, doch darüber kann ich gut hinwegsehen, wenn ich bedenke, welche Freude mir „Der Duft von Lavendel“ beim Lesen bescherte!

Diese Freude rührte von den wunderschönen Gedankengängen Finas her, die sich bestens eignete, um ein mögliches Schicksal der damaligen Zeit zu portraitieren.

Die Epoche der Romantik bringt die Seiten zum Schwingen und Klingen

Die aufkommende Epoche der Romantik war den Charakteren Alexandre und Fina wie auf den Leib geschnitten. Obwohl jene Epoche damals noch nicht als solche angesehen und auch der Begriff selbst erst später geprägt wurde, wie Martina Sahler extra noch einmal in kurzen Worten anführt, integrierte sich diese Facette glänzend in die Gesamthandlung und half mir, mich mit einzelnen Passagen zu identifizieren, bzw. etwas wiederzuerkennen und eigene Assoziationen herzustellen.

So konnte ich selbst bei Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ zwar keine Leidenschaft ausmachen, die Empfindungen der Personen aus „Der Duft der Lavendel“ aber zumindest nachvollziehen, als „Werther“ von ihnen thematisiert wurde. Das gilt für weitere poetische Anspielungen, die der Geschichte Martina Sahlers eine tiefere Note verliehen.

Als einziger Kritikpunkt wäre für mich vielleicht die Verliebtheit eines Charakters, den ich nicht weiter benennen möchte. Denn die verliebten Gefühle kamen wie aus dem Nichts und wirkten dadurch unausgereift.

Mein endgültiges Urteil:

Wie ein Kuss von Rosenblüten“ und „Der Duft von Lavendel“ muss man zusammen betrachten, weil sie zusammen gehören wie Pech und Schwefel. Letzteres ist zwar ohne Ersteres verständlich, es fehlt dann aber an Tiefe und Bezugspunkten.

Ich habe mich erneut vollkommen in der Geschichte versinken lassen können, mit der Protagonistin gelitten und eine Reise auf den Flügeln deutsch-französischer Geschichte erlebt.

Der Duft von Lavendel“ ist ein weiteres Werk aus der Reihe „Liebe in allen Zeiten“, was ich empfehlen möchte und von der ersten, bis zur letzten Seite genoss.

Bewertung

Thematik:

Weiterentwicklung zum 19. Jahrhundert

Frankreichs Einfluss auf Deutschland

Napoleon

Schmuggelgeschäfte

Armut

Träumereien

Liebe

Selbstfindung

Poetik

Literatur (Bsp: Goethe)

Romantik Epoche

Allgemeine Buchinformationen:

Aus der Reihe: Liebe in allen Zeiten
Klappenbroschur, mit Flocking
240 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-522-50144-6
Preis: 12,95 €
Österreich: 13,40 €, Schweiz: 20,50 sFr

Zu „Der Duft von Lavendel“ beim Planet-Girl-Verlag

Wie ein Kuss von Rosenblüten von Martina Sahler [Rezension]

[…] unsere Hände wanderten streichelnd über unsere Körper, sodass alle wunderschönen Empfindungen miteinander zu einer großen süßen Wolke verschmolzen. […]

Er und ich. Ich und er. Wir beide.

S. 228

Der Inhalt:

Köln, 1794:

Billa kann sich eigentlich nicht beklagen. Obwohl ihr Vater nun schon seit Jahren tot ist und sie gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Sophie und ihrer Mutter gut über die Runden kommt, macht der Gedanke an die Zukunft sie oft sehr unglücklich. Ihr ist es in der Nähstube ihrer Mutter zwar erlaubt beim Ausbessern der Kleidung und beim Flicken zu helfen, doch die Realisierung ihrer wahren Kreationen von wunderschön fallenden Stoffen und filigranen Kleidern bleiben ihr verwehrt. Abgesehen davon, dass ihre Familie diese kostbaren Stoffe gar nicht besitzt, wünscht sie sich dennoch mehr vom Leben. Und während sie noch vor sich hin träumt, bemerkt sie gar nicht, was ihr bester Freund von Kindertagen plant. Denn ihm geht es zu Hause weniger gut als ihr. Als Billa seine Pläne erfährt, findet sie die Zeit gekommen, das Träumen aufzugeben und in der Realität zu leben. Also folgt sie dem spontanen Gedanken und reißt als Junge verkleidet mit Toni aus. Doch vor seinen Ängsten kann man nicht fliehen, auch nicht Toni. Wenn das also mal gut geht…

Historik, Verträumtheit, Selbstverwirklichung, Liebe und die Auswirkungen der französischen Revolution

Wie ein Kuss von Rosenblüten“ ist erneut ein Roman, den ich verschlungen habe. Obgleich er mir weniger Herzklopfen bescherte, als so manch andere Geschichte aus der Reihe „Liebe in allen Zeiten“, habe ich ihn dennoch in vollsten Zügen genossen und seine inhaltliche, sprachliche sowie historische Seite bestaunt. Dies ist mein erster Roman von Martina Sahler, dem durchaus noch weitere folgen könnten, beispielsweise als nächstes „Der Duft von Lavendel“.

Wie ein Kuss von Rosenblüten“ passt erneut perfekt in das Schema dieser verspielten, verträumten und geschichtlich angereicherten Serie.

Es wird aus der Sicht eines jungen Mädchens ein guter Einblick in die damaligen Verhältnisse gegeben. In diesem Fall zu der Zeit direkt nach der französischen Revolution in Frankreich. In ganz Deutschland marschierten die Franzosen in die Städte ein, nicht immer so friedlich, wie Martina Sahler es in diesem Roman in der Stadt Köln darstellt, aber dennoch entfernt vergleichbar.

Die Schwierigkeiten auf dem Weg eine erwachsene Persönlichkeit auszubilden bleiben in allen Zeiten dieselben

Die Protagonistin Billa ist eine sehr verträumte Figur, die sich mit viel Fantasie in andere Welten flüchtet, um dem tristen Alltag in der Nähstube ihrer Mutter zu entfliehen. Sie weiß dennoch nicht so genau, was sie vom Leben zu erwarten hat und ist auf dem Weg zu ihrer persönlichen Reife ziemlich verwirrt von verschiedenen „Erwachsenen“-Affären.

Diese Verwirrtheit und Unsicherheit spiegelt bei einigen LeserInnen bestimmt genau das wider, was sie selbst erleben und sich schon einmal gefragt haben.

Letztlich ist es unerheblich in welcher Zeit wir leben, die Grundprobleme und der Versuch sich selbst zu finden, um Erwachsen zu werden, ist immer dieselbe.

Wie am Anfang bereits angedeutet hat mich dieser Band aus der Reihe „Liebe in allen Zeiten“ am wenigsten Euphorie empfinden lassen, dies allerdings nur, weil sich die männliche Konkurrenz in Liebesdingen sehr zurückhielt.

Es gibt also eine Figur, die für Billa sehr wichtig ist und für die sie im Laufe der Handlung stärker greifende Gefühle entwickelt. Dafür gingen die historischen Aspekte in dieser Geschichte tiefer, so dass sich das eine mit dem anderen wieder ausgleicht und ich das Gefühl habe, einen rundum perfekten Roman genossen zu haben.

Durch den flüssigen Schreibstil liest sich „Wie ein Kuss von Rosenblüten“ äußerst schnell und darum bin ich froh, denn so konnte ich mir diesen herrlichen Inhalt an nur einem einzigen Abend auf der Zunge zergehen lassen.

 Mein endgültiges Urteil:

Martina Sahler hat mit „Wie ein Kuss von Rosenblüten“ einen in der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts sehr gut nachempfundenen Roman kreiert, der mich thematisch extrem interessierte und meinen Erwartungen gerecht wurde.

Die Interaktionen unter den Figuren sind glaubwürdig und mit viel Gefühl gemeinsam mit einer berauschenden Geschichte verbunden.

Ich kann diese Reihe, speziell auch diesen Roman, jede/r Romantikerin ans Herz legen. Ebenso jede/r „Hobby-Historikerin“, denn wir waren alle einmal jung und es tut gut, manchmal daran erinnert zu werden!

Bewertung

Thematik:

Historik

Liebe

Erwachsenwerden

Selbstfindung

Realisierung der Träume

Männerwelt

Neuer Zeitgeist nach der französischen Revolution

Entwicklung von Städten

Allgemeine Buchinformationen:

Aus der Reihe: Liebe in allen Zeiten
Klappenbroschur, mit Flocking
240 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-522-50195-8
Preis: 12,95 €
Österreich: 13,40 €, Schweiz: 18,90 sFr

Zu „Wie ein Kuss von Rosenblüten“ beim Planet-Girl-Verlag!

Das leise Lied der Liebe von Helen Abele [Rezension]

Aber ich wollte dir nicht wehtun. Nie.“

S.208

Der Inhalt:

Magdalena liebt ihre Schwester sehr, dennoch ist es manchmal schwer immer hinter ihr zurückzustehen. Aber Maria hat sich auch nicht ausgesucht schöner zu sein, mutiger, schlagfertiger und alles in allem einfach lebenstüchtiger.
Also folgt Magdalena ihrer Schwester in allem, sogar an die Ballettschule. Obgleich sie das Tanzen liebt, fühlt sie sich in den starren Bewegungsabläufen gefangen und sucht ständig nach einem Weg, auszubrechen.
Als sie und Maria dann eine Anstellung in einem Café-Haus erhalten und dadurch einige neue Bekanntschaften schließen, lassen auch die männlichen Verehrer nicht lange auf sich warten. Doch wie immer steht Magdalena daneben. Allerdings starrt der beste Freund von Leo, Marias glühendster Verehrer, manchmal zu ihr herüber und wenn er nicht so arrogant wäre, könnte Magdalena beinahe annehmen…

Aber das ist nur Wunschdenken und eigentlich findet Magdalena den Grafen Leo viel zu schade für ihre Schwester, wo doch der Musiker Franz viel geeigneter scheint.

Die feinen Künste des Tanzes und der Kunst spiegeln sich in den Träumen der Protagonistin wider

Das leise Lied der Liebe“ ist ein einziges Abenteuer. Bereits das Cover und der Titel deuten Versprechen an, die in der Geschichte meine Erwartungen übertrafen.

Dieses Buch hat mich durch seine vielen Nuancen bestochen und komplett um den kleinen Finger gewickelt.

Von Anfang an baut die Autorin Helen Abele eine schier unerträgliche Spannung auf, die hauptsächlich von den liebenswerten Charakteren getragen wird.

Die Thematik, nämlich die feinen Künste des 18. und 19. Jahrhunderts, präziser: Das Ballett und die Musik, interessieren mich schon immer. Was die Autorin jedoch daraus in dieser Geschichte zauberte, übersteigt meine kühnsten Träume.

Teilweise könnte es schwerfallen sich Tanzszenen vorzustellen, wenn man keine grobe Ahnung von deren Aussehen in der Realität oder gar ihrem Gefühl beim Tanzen selbst hat. Doch da diese lediglich einige Male am Rand gestreut sind, dürfte das Neulingen in diesem Metier den Spaß an dieser formvollendeten Geschichte nicht nehmen. Mir zumindest boten sie eine gelungene Möglichkeit der Identifikation mit der Geschichte und ihren Figuren.

Die Reihe „Liebe in allen Zeiten“ bringt einem sowohl historische Facetten, individuelle Schicksale und ein Stück Kultur aus den jeweiligen Zeiten und Orten nahe.

Deswegen bin ich überzeugt, dass man von diesen Büchern sehr viel lernen kann, ohne sich diesem unbedingt bewusst zu sein.

Mein Favorit aus der Reihe: „Liebe in allen Zeiten“

Das leise Lied der Liebe“ ist bisher mein Highlight aus dieser Reihe. Denn die Autorin schafft es, eine gefühlsangereicherte Atmosphäre zu kreieren, die beständig einer rasenden Handlung Höhenflüge angedeihen lässt, dieses wiederum mit schillernden und tragenden Charakteren auszustatten und als letzten Diamantschliff das ganze mit dem ultimativen Kick beim Lesen zu verzieren.

Realistisch gesehen gingen die Geschicke der Menschen damals in den seltensten Fällen so glücklich aus, wie in „Das leise Lied der Liebe“, doch hoffnungslose RomantikerInnen wird das nicht stören.

Das Verhältnis der beiden Schwestern birgt eine gute Balance in sich, so dass sowohl eine ruhigere als auch aufbrausendere Kraft am Wirken ist und das Geschehen beeinflusst.

Einer perfekten musischen Komposition gleich, stimmte in diesem Roman jede nur erdenkliche Facette und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich mich nach dem ersten Satz in diese so haarsträubend gute Geschichte verliebte.

Das beständige Glücksgefühl hielt bis zum letzten Satz an und ich hoffe sehr, dass Helen Abele uns mit einem weiteren Roman für diese Reihe beglücken wird.

Mein endgültiges Urteil:

Ballett, Kunst, Musik und Pferde, das sind Bereiche, die Anfang des 20. Jahrhunderts einige Veränderungen durchgemacht haben, genauso wie die Schwestern Maria und Magdalena. Ich habe mit den beiden Schwestern gelitten und unglaublich gebannt nicht ein einziges Mal den Blick von diesem kunstvollen Buch wenden können.

Das leise Lied der Liebe“ ist Verführung pur und ich kann es jedem dringend ans Herz legen, der sich einmal komplett in einer anderen Welt verlieren will.

Ein entzückender Roman über die Irrungen und Wirrungen der Liebe und davon, wie sehr die Magie eines Augenblickes, eines Tanzes, eines Musikstückes oder auch nur eines Blickes das ganze Leben verändern kann.

Bewertung

Thematik:

Kunst und Musik (Ballett, Geige)

Standesgesellschaft

Selbstverwirklichung

Die Suche nach dem ‚Ich‘

Armut und Reichtum

Natur

Historik

Allgemeine Buchinformationen:

Aus der Reihe: Liebe in allen Zeiten
Klappenbroschur
Flocking auf dem Cover
240 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-522-50259-7
Preis: 12,95 €
Österreich: 13,40 €, Schweiz: 18,90 sFr

Zu „Das leise Lied der Liebe“ beim Planet-Girl-Verlag

Die Gespielin von Fanny Lasalle [Rezension]

Ich verspreche dir, dass du nie allein sein wirst, Kätzchen. Wenn du Hilfe brauchst, werde ich da sein. Wenn du traurig bist, werde ich da sein. Wenn du dich einsam fühlst oder dich langweilst, oder auf jemanden wütend sein willst, werde ich da sein.“

S. 224

Der Inhalt:

Frankreich 1733:

Suzanne d’Aubry hat das Leben im Kloster satt. Als sie ein kleines Mädchen war, wurde ihr Vater als Verräter in die Bastille geworfen und starb und sie hat seitdem einen neuen Vormund, der ihr im Kloster eine Erziehung angedeihen ließ. Jetzt ist sie Volljährig und sehnt sich nach Heirat. Also fädelt sie etwas ein, um dem Kloster zu entkommen und wird wenig später von ihrem Vormund abgeholt.

Was sie zunächst nicht wahrhaben will, er hat weniger ehrenhafte Pläne für sie vorgesehen. Héctor de Gouzon versinkt in Schulden und kann ihr keine angemessene Mitgift für ihre erwünschte Heirat ermöglichen. Also muss sie für das finanzielle Sorgen, indem sie sich in Paris einem reichen Adeligen an den Hals wirft und als Mätresse das Geld einbringt. Sie willigt ein, denn so bekommt sie möglicherweise die Gelegenheit Details über den Verrat ihres Vaters herauszufinden. Wie kann Suzanne ahnen, dass sie auf diesem Weg die dunkelsten Leidenschaften und Begehrlichkeiten der Menschheit kennenlernen wird?

Sie schafft es sogar bis nach ganz oben und plötzlich hat König Louis selbst ein Auge auf sie geworfen und sie könnte die offizielle Favoritin am Versailler Hof werden. Doch wer mächtige Freunde hat, hat umso mächtigere Feinde und die Neider und Intriganten, die sie gestürzt sehen wollen, lassen nicht lange auf sich warten…

Das Reizvolle am Historischen, kombiniert mit Erotischem

Seit jeher habe ich gerne jedwede Lektüre verschlungen, die im 18. Jahrhundert Frankreichs spielt. Ist es der glamouröse Flair, der da aus den Buchseiten herauszuschwappen scheint? Die uns heute fremden Sitten und Gebräuche, das einengende Hochzeremoniell? Oder wirken Liebesgeschichten hinter dieser strengen Kulisse einfach eleganter und dramatischer?

Deswegen dachte ich mir, warum nicht einmal einen erotische Roman in dieser Materie ausprobieren?

So kam ich zu Fanny Lasalles „Die Gespielin“ und wurde nicht enttäuscht. Neben historischen Elementen, die eine untergeordnetere Rolle spielen, versteht die Autorin das Leidenschaftliche mit einer glaubwürdigen und fesselnden Handlung zu verbinden.

Anfangs gab es vielleicht einige Schwierigkeiten, die mich jedoch nicht störten und der Mittelteil war einfach nur atemberaubend.

Fanny Lasalles Roman beginnt schleichend und schwingt sich dann in unermessliche Höhen hinauf

Die Gespielin“ fängt auf einem normalen bis niedrigerem Level an und steigert sich dann in extreme Höhen. Ich vermute, dass diese Höhen durch Perspektivenwechsel entstehen; außerdem durch ein Intrigennetz, das sich immer enger um die Protagonistin Suzanne zieht. Natürlich ist es auch hilfreich, dass es im Mittelteil am französischen Hof sehr viele neue Figuren gibt, die für Fallstricke und unaufgeklärte Fragen verantwortlich sein könnten.

Für mich zeichnet sich der Mittelteil hauptsächlich darin aus, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen und unglaublich gebannt vom Geschehen war.

Fabulöse Figuren in „Die Gespielin“ und ein überzeugender Handlungsaufbau

Die Charaktere besitzen ihren Charme und Fanny Lasalle schafft es selbst der unsympathischsten Person eine Glaubhaftigkeit in ihrem Handeln und ihren Gefühlen anzuhängen.

Auch König Louis erschien mir gut dargestellt. Die Protagonistin Suzanne erfährt eine enorme Entwicklung und vereint die schwachen Wesenszüge, die damals den Frauen angedichtet wurden mit denen, die uns Frauen heute so zu eigen sind. Das heißt, sie lässt sich nicht alles gefallen und hat ihren eigenen Kopf.

Ebenso gelungen waren die Zeitpunkte, in denen Schlüsselfiguren in den Plot eingeführt wurden, was ebenfalls für den Aufbau der Handlung gilt. Denn auf diese Art und Weise entstanden parallel laufende Geschichten, die zum großen und ganzen zu Suzanne passten, aber auch einzeln eine gute Unterhaltung waren.

Der Ausgang trübt den insgesamt positiven Gesamteindruck wieder etwas

Leider sackte das Ende wieder ein wenig ab, weil sich manche Komplikationen zu leicht fügten oder plötzlich für mich etwas unverständlich, bzw. zu rasant abgehandelt wurde.

Nichts desto Trotz hatte ich meinen Spaß beim Lesen und der Aussage Fanny Lasalles, es handele sich bei „Die Gespielin“ um eine niveauvolle erotische Lektüre, kann ich komplett zustimmen.

Zum Schluss muss ich noch auf den wohl wichtigsten Aspekt bei erotischen Romanen eingehen, nämlich die erotischen Passagen selbst. Manche (wenige) entsprachen nicht meinem persönlichen Geschmack, was nicht die Schuld der Autorin ist. Insgesamt fügten sich die Szenen voller Feuer und Herzblut wunderbar in den Rest der Handlung und es wurde nicht wie wild und wie es gerade mal so passte „herumgehurt“. Leidenschaftliche und intensive Gefühle kamen auch bei mir auf und auch in Liebesdingen wusste „Die Gespielin“ mich zu überzeugen.

Mein endgültiges Urteil:

Eine leidenschaftliche Lektüre, die dem erotischen Genre viel Ehre einbringt, mit tollen Charakteren zu überzeugen weiß (Ich habe mich in Alexandre de Bournonville verliebt), einen rasanten Plot besitzt und bis auf einige Anfangsschwierigkeiten und einem etwas unausgereiftem Ende meine vollste Zustimmung genießt.

Wer mal einen kleinen Ausflug in ein anderes Genre wagen möchte oder wirklich gute Unterhaltung sucht, kann mit „Die Gespielin“ wenig falsch machen!

Bewertung

Thematik:

Erotik

Passion

Leidenschaften

Französisches Hofzeremoniell

18. Jahrhundert

Frankreich (Paris, Versailles)

Historik

Adel

Selbstfindung

Allgemeine Buchinformationen:

Fanny Lasalle

Die Gespielin

Erotischer Roman

Deutsche Erstausgabe

Taschenbuch, Broschur,

416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-47580-3

8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50

Verlag: Goldmann

Zu „Die Gespielin“ bei Goldmann

Herzlichen Dank an die Autorin Fanny Lasalle für diese schöne (noch nicht abgeschlossene) Leserunde!

Wer das Buch gerade liest oder bei dem es subbt, der fühle sich eingeladen mitzulesen!

Das Diamantenmädchen von Ewald Arenz [Rezension]

Der Mann ohne Gesicht. Lilli hatte schon Kriegsversehrte auf den Straßen gesehen, aber dieser Mann war grauenhaft entstellt. Sie hatte ihn zuerst nur im Profil gesehen, und es war, als hätte man aus dem Gesicht etwas wegradiert; auf entsetzliche Weise hatte an dem Profil etwas nicht gestimmt. Dort, wo die Nase hätte sein sollen, war gar nichts. Es sah aus, als hätte man ein Gesicht nach innen gestülpt. Und als er sie angesehen hatte, da war sie vor Entsetzen gestolpert. Man hatte dem Mann die Nase weggeschossen und dort, zwischen Mund und Augen war nur ein Loch, umgeben von rotem, halb verheiltem Fleisch […]
Und dann war der Mann auf sie zugekommen, hatte angefangen zu grinsen, mit diesen Lippen, die so entsetzlich falsch aussahen, weil sie aus irgendeinem anderen Fleisch seines Körpers hinoperiert worden waren […]

S. 112-113

Inhalt:
Lilli hat im Krieg viel verloren. Ihren Bruder Wilhelm und den besten Freund ihres Bruders: Paul, den sie geliebt hat. Obwohl Paul nicht tot ist, haben sie sich scheinbar nichts mehr zu sagen. Doch dann tritt der Staatssekretär Von Schubert verdeckt an sie heran und bittet Lilli, Paul für einen geheimen Auftrag zu gewinnen. Denn Paul ist Diamantenschleifer und Deutschland ertrinkt in den Schulden der Reparationsleistungen. Als die Leiche eines Schwarzen gefunden wird, ist das erst der Anfang, der mit dem wertvollsten aller Edelsteine zusammenhängt. Der Anfang, der auf ein katastrophales und grausam enthüllendes Ende zusteuert, während sich die Kreise immer enger und enger ziehen. Dabei stellt sich heraus, dass nicht alles schön ist, was glänzt, funkelt und wertvoll erscheint…

Meine Meinung:
Wie üblich hat Ewald Arenz so seine ganz besondere Art einzelne Wörter zu Sätzen zu verbinden, diese Sätze zu Kapiteln und wundersamen Geschichten zusammenzufügen, welche wiederum ein wunderschönes Buch formen. Wie er das vollbringt, weiß ich nicht, doch am Ende zählt das Resultat und wie bei seinen bisherigen Romanen, die ich las, konnte es mich mal wieder komplett faszinieren.
Der Autor hat mir das Berlin der 20er Jahre im 20. Jahrhundert nahegebracht, die Stimmung authentisch eingefangen und verwoben mit spannenden, manchmal elektrisierenden oder auch mal normalen Erlebnissen und Begebenheiten mein Leserherz angefacht. Während ich „Das Diamantenmädchen“ las, wurde mir bewusst, wie wenig ich genau genommen über diese Zeit weiß. Die politischen Ereignisse haben wir in der Schule durchgenommen, doch was das für einzelne Schicksale bedeutet, ist etwas Anderes.
Manchmal war „Das Diamantenmädchen“ deswegen für mich wie ein Rausch. Ich las und las und las und war so voller Freude, was dieser Autor mit seinen bloßen Worten ausdrückte und in welche Stimmungen er mich dadurch versetzen konnte.
„Das Diamantenmädchen“ zeichnet sich durch viel mehr als eine bloße Kriminalgeschichte aus. Im Mittelpunkt stehen vier Individuen, die durch die Geschehnisse und Schrecken des Krieges entweder direkt oder indirekt gezeichnet sind. Die Gedanken und Taten dieser Figuren ziehen kleine und große Wellen nach sich und am Ende sind sie unabänderlich miteinander verbunden.
Doch immer wieder kehrt alles zu den Diamanten zurück. Den Diamanten, die verschwunden sind, dem Diamant, der bei einem Toten gefunden wurde und den Diamanten, um die sich historische Geschichten und Flüche ranken.
Es ist unmöglich die Brillanz solch eines Romanes wiederzugeben, denn solch einen funkelnden Schatz muss von selbst entdeckt oder zumindest gesehen haben.
Die fundierte Recherchearbeit des Autors zu historischen Zusammenhängen und sein Einfühlungsvermögen für andere Menschen, habe ich beim Lesen gespürt und ich bin mir sicher, dass auch dies zu dieser Glorie des „Diamantenmädchens“ mit beiträgt. Ein packender Roman, der viel vermittelt, seine witzigen Momente aufbringt und dann doch wieder auf einer Woge der fesselnden Spannung und schockierenden Enthüllungen reitet.

Mein Fazit:
Brillierend, fesselnd, dicht und einmalig zu lesen. „Das Diamantenmädchen“ kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen, denn selbst ich, die normalerweise niemals freiwillig einen Krimi liest, konnte bedingungslosen Gefallen an Ewald Arenz Werk finden. Allerdings ist dies nicht mein Lieblingswerk des Autors, was wohl letztlich doch am Genre liegt. Dem Lesevergnügen tat das zwar keinen Abbruch, doch von Schokolade und Tee habe ich einfach lieber gelesen.

Bewertung

 

Vielen Dank an Lovelybooks und den Ars-Vivendi Verlag für diese Leserunde und auch DANKESCHÖN an Ewald Arenz, dass er während der Leserunde so präsent war und sich die Zeit nahm, alle Fragen so ausführlich zu beantworten! (Wer also mehr über dieses Werk erfahren möchte, folge bitte dem –> Link!)

Allgemeine Buchinformationen:
Ewald Arenz
Das Diamantenmädchen
Ars Vivendi
€ 17,90
Roman
Hardcover mit Schutzumschlag
ca. 320 Seiten
€ 17,90 [D/A]
sFr 25,90
ISBNnr.:978-3-86913-095
Zum Buch: Klick!

Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness [Rezension]

Vergesst alle Fantasy-Geschöpfe, die ihr bisher gekannt habt. Lasst die Feen, Elfen, Drachen, Gnome, Zwerge, Medusen, Zyklopen und anderen Wesen hinter euch, denn jetzt kommt Diana Bishop und sie ist eine einmalige Hexe…

Inhalt:
Alles beginnt mit Dr. Diana Bishops Fund. In der Bodleian Bibliothek in Oxford recherchiert sie für eine Rede, die sie in einigen Wochen zu halten hat, als ihr dieses alte Buch unterkommt. Eigentlich setzt sie ihre Magie ja nicht ein, die sie normalerweise unterdrückt und nicht kontrollieren kann, doch als sie die Urquelle dieser Macht vor sich hat, kann sie nicht widerstehen und öffnet es. Später am Abend gibt sie es zurück und seitdem bleibt das Buch verschwunden. Ungünstig, äußerst ungünstig für Diana, denn die magische, gefährliche Welt, von der die Menschen nichts ahnen, hat ihren Fund mitbekommen und sowohl die Hexen als auch Vampire und Dämonen wollen es für sich beanspruchen. Wie gesagt, sehr ungünstig für Diana, denn ohne ihre Kräfte, kann sie sich nicht zur Wehr setzen. Da wiederum ist es gut, dass sie den Vampir Matthew Clairmont kennenlernt, der hartnäckig an ihrer Seite bleibt und sich mehr und mehr in ihr Herz schleicht. Doch welche Absichten stecken hinter seinem Verhalten?

Meine Meinung:
Jede und ich meine wirklich jede der 800 Seiten besaß auf mich eine absolut fesselnde Wirkung. Deborah Harkness hat einerseits einen unglaublich intelligenten Roman verfasst, den sie mit historischen, biologischen und nicht zuletzt fantastischen Elementen anreicherte und zu einem gesamten Meisterwerk zusammensetze und andererseits eine romantische Ader mitschwingen lassen, die wohl jedes Herz berühren wird. Einmal durch die Intelligenz und einmal durch die besagte Liebe. Die Welt, in der Diana Bishop ihre Fähigkeiten entdeckt ist genauso wie unsere, nur dass sie von drei zusätzlichen Fabelwesen bewohnt wird. Den, Hexen, Vampiren und Dämonen. Es ist schwer, durch eine Rezension den Witz und Charme, den diese Figuren, vor allen Dingen Diana versprühten, wiederzugeben oder nahezubringen, mit welch Schalk im Nacken manche Szenen vor meinem inneren Auge aufblitzten. Die Handlung spielt hauptsächlich in Oxford, England, doch zu meinem Glück blieb es nicht nur dabei und wohin Deborah Harkness die Protagonisten und ihre LeserInnen noch so alles verschlug…? – Findet es heraus! Im Zentrum steht die Liebe von Diana zu einem Vampir. Doch diese Liebe ist verboten, denn die verschiedenen „Gattungen“ sollen sich nicht mischen, dadurch könnte etwas Unvorhersehbares geschehen. Während Diana also ihre Liebe entdeckt, holt ihre Vergangenheit sie ein, in der die Ermordung ihrer Eltern dazu führte, dass sie ihre Hexenkräfte unterdrückte und weitestgehend ignorierte. Doch das ist noch nicht alles, denn dieses ganze Drama umfasst noch unzählig, viele mehr Komponenten, die es sich beim Lesen dieses Romanes einfach zu entdecken lohnt. Deborah Harkness zog mich in einen magischen Strudel aus Hexereien, dämonischen Kräften und blasierten, arroganten, unglaublich schönen Vampiren und die Atmosphäre, die mir in jedem Satz entgegenschlug, ließ mich in Begeisterungsstürme ausbrechen! Endlich einmal erlebte ich einen Vampir, der über das Stadium der Pubertät weit hinausgeschritten war und sich gebahrte wie ein Mann mit Prinzipien, der glaubwürdig einen Vampir verkörperte, das einerseits einem Jagdtier gleicht und andererseits seine Triebe zu beherrschen vermag und seine übermenschlichen Fähigkeiten sinnvoll einsetzt. So wurde Diana teilweise von ihrem Vampir herumkommandiert, weil es seine Natur ist, obwohl sie sich dennoch immer wieder zu behaupten versucht, hauptsächlich war es jedoch das Köstlichste diese beiden Figuren auf ihren Abenteuern zu begleiten. Ich habe so vieles in dieser Geschichte entdecken können, die sich anmutig und rasant weiterentwickelt, viele mysteriöse Geheimnisse versteckt und ein Geheimtipp ist, den viele lesen sollten und an den ich tief in meinem Herzen glaube!

Mein Fazit:
Spannung pur. Deborah Harkness entführt ihre LeserInnen in eine Welt voller betörender Reize, gefahrvollen Mächten und sinnlichen Beziehungen, die für ihre Betrachter nicht immer ein gutes Ende nehmen. Historik, Romantik, Fantasy, Alchemie, Wissenschaft und viele, allgemeine Kenntnisse verhalfen „Die Seelen der Nacht“ zu diesem Wunderwerk, was es am Ende wurde und wer weiß, vielleicht ist die Autorin nicht sogar selbst eine Hexe und teilt in dieser Geschichte ihre Geheimnisse mit uns und für jeden präsentiert sich dieses Werk anders? 😉 – Findet es heraus und wandle mit Diana Bishop, einer sehr verqueren Hexe, auf den Spuren der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Bewertung

Trailer:

Allgemeine Buchinformationen:
Deborah Harkness
Die Seelen der Nacht
Roman
Originaltitel: A Discovery of Witches
Originalverlag: Penguin Viking, New York 2011
Aus dem Amerikanischen von Christoph Göhler
Deutsche Erstausgabe
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
800 Seiten,
15,0 x 22,7 cm
ISBN: 978-3-7645-0391-8
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!
Autorenwebsite!

Anmerkung: Ich glaube und hoffe, dass es eien Fortsetzung geben wird!!

Im Land des Voodoo-Mondes von Kathleen Weise [Rezension]

Tam-tam-tam. Tam-tam-tam.

Die Trommeln raubten Éloise den Verstand. Das dumpfe Schlagen drang bis ins Innere und übertrug sich auf ihre Eingeweide, als bestünde die Oberfläche ihres Herzens selbst aus Trommelhaut. Flimmernde Luft, schwarze Leiber und der schwere Duft von Orchideen bildeten einen Kokon, der sie einhüllte und aus dem es kein Entrinnen gab.
Tam-tam-tam.

S. 15

Inhalt:
1789:
Die Trommeln, hörst du sie nicht?
Als Éloise de Bouillé Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrem Vater zur Plantage ihres Onkels in Le Cap übersiedelt, ist sie die Einzige, die von schweren Trommelschlägen und fieberhaften Träumen verfolgt wird.
Nach einiger Zeit findet sie heraus, dass das, was sie wahrnimmt von den Einheimischen Voodoo genannt wird. Eine Kraft, die die Loa, die Geister dieser Menschen anruft und große Macht besitzt. Die französische und auf den Boden der Tatsachen stehende Éloise glaubt nicht daran. Doch dann erkrankt ihr Vater schwer und sie begegnet Gabriel, der dieselbe Münze als Kettenanhänger um den Hals trägt, die sie von ihrer Mutter als Talisman erhielt, als diese starb. Plötzlich erkennt Éloise die Parallelen zwischen ihrer Mutter und den gegenwärtigen Ereignissen und weiß, dass sie schnell handeln muss, denn die Trommeln rufen sie immer lauter und eindringlicher.
Ein Wettlauf gegen einflussreiche und unsichtbare Mächte hat begonnen, denen Éloise nichts entgegenzusetzen hat.

Meine Meinung:
Alles in allem ist „Im Land des Voodoo-Mondes“ ein sehr schöner Roman. Als Leserin erhielt ich einige Einblicke in die Kunst des Voodoo-Zaubers und seine Wirkungsmechanismen. Wie tief diese Einblicke tatsächlich reichten kann ich nicht beurteilen, da ich mich mit diesem Thema nicht weiter auskenne.
Die Figuren dieses Buches sind größtenteils sehr gut ausgearbeitet, doch nicht immer gefiel mir das, was ich über sie las. So erschienen mir einige Handlungen zu schwammig und die Hintergründe ihrer Taten blieben mir manchmal ein Rätsel. Obwohl Kathleen Weise diese erklärte, wirkten sie wie ein nicht passendes Puzzle-Stück.
Die Geschichte selbst verläuft auf mehreren Ebenen. Einmal in so einer Art Traumwelt, die die Protagonistin Éloise warnt. Diese Perspektive birgt einerseits Spannung und andererseits Abwechslung. Die nächste Ebene ist die gesamte Welt des Voodoo-Kultes, wie dieser von den Ureinwohnern in Le Cap ausgelebt wird, wie die Weißen davon denken und so weiter und sofort.
Die letzte Ebene ist die Art und Weise wie Éloise diese ihr völlig fremde Kultur entdeckt.
Sie hat bisher nichts anderes als ihre Heimat Frankreich gekannt und wird trotz ihrer recht konservativen Haltung mit so gar nicht sittlichem Verhalten und dem Ernst des Lebens konfrontiert.
Dabei gefiel mir, wie Kathleen Weise die Authentizität ihrer Figur wahrte. Sie erklärt dies nochmals im Nachwort, was für mich ein wenig überflüssig, jedoch nicht störend war. Éloise hat eine Meinung von den Sklaven, die der Zeit einfach angemessen war. Die ich keineswegs gutheiße und mit der Zeit entwickelt sie ihre Ansichten weiter und ändert sie auch, doch es wäre unglaubwürdig und absolut zerstörerisch für die Atmosphäre dieses Romans gewesen, wenn Éloise sofort heftig gegen die harten Bestrafungen der Sklaven und die schlechten Verhältnisse, in denen diese Leben mussten, aufbegehrt hätte.
Des Weiteren würfelt Kathleen Weise die „Voodoo-Komponente“ zusammen mit einer kleineren bis größeren Liebelei, neuen Lebenserfahrungen und reichlich Spannung zu diesem Jugendbuch der etwas anderen Art.
Ich denke, dass viele diese angedeutete Liebesgeschichte sehr ansprechen wird, da sie mehr auf Zwischentöne und kleinere Feinheiten sowie Akzente setzt. Oft gefällt mir das auch, doch in diesem Roman konnte mich die Autorin mit dieser Methode nicht erreichen.
So ergeht es mir leider auch mit anderen Punkten. Manchmal kam bei mir richtiges Desinteresse auf und ich hätte mir mehr Klarheiten gewünscht, vielleicht auch mehr Atemlosigkeit, die mich alles andere vergessen lässt.
Anfangs war ich noch vom Schreibstil gefesselt, der bis zum Schluss gut bleibt, doch die Handlung und das Feuer in Beidem ließen irgendwie nach.

Mein Fazit:
Somit gebe ich für das immer noch gelungene „Im Land des Voodoo-Mondes“ sehr gerne meine vier Sterne, da ich trotz meiner Kritik-Punkte sehr viel Spaß beim Lesen hatte und einiges wirklich außergewöhnlich gut umgesetzt wurde.
Ich freue mich schon auf weitere Werke von Kathleen Weise, denn nach „Blutrote Lilien“ weiß ich, dass diese Autorin wahre Wunderwerke vollbringen kann und wenn für mich „Im Land des Voodoo-Mondes“ nicht dazu zählt, bedeutet das nicht, dass es anderen zwangsläufig auch so gehen muss. Deswegen empfehle ich es weiter und träume mir die Geschichte von Éloise und Gabriel einfach so zu Ende wie ich sie gerne haben würde, denn die Auflösung war inhaltlich kein Drama, deckte jedoch nicht ganz meine Erwartungen. Ob es euch gefallen könnte? Findet es heraus! 😉

Doch in ihrem Kopf hörte sie noch immer das dröhnende Tam-tam-tam der Trommeln.

S. 23

Bewertung

 Trailer:

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag, mit UV-Spotlackierung
288 Seiten
Ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-50263-4
Preis: 14,95 €
Österreich: 15,40 €, Schweiz: 23,50 sFr
Zum Buch: Klick!

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