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Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans von Mackenzie Lee [Rezension] + Blogparade #ichbineinKönigskind

Wenn Freunde unaufhörlich von Büchern eines gewissen Verlages schwärmen, dann setzt man sich unweigerlich zum Ziel, diese unbedingt einmal zu lesen. Die Geschichten sollen besonders sein, gemeinsam mit der Optik ein Meisterwerk formen, so lese ich bei anderen. Und habe mich bisher dennoch an kein Buch herangetraut. Denn wenn ich bin ehrlich: ich bin zu 70% ein Coverkäufer und die wenigsten Cover entsprechen bei diesem Label meinem persönlichen Geschmack. Ja, ihr habt die Überschrift gelesen und ahnt es sicherlich schon: es geht um die Bücher des Königskinderverlages.
Doch dann hat Kathrineverdeen gemeinsam mit dem Verlag die #ichbineinKönigskind Aktion ins Leben gerufen und ich dachte, wenn nicht jetzt, wann dann? Und soll ich euch etwas gestehen? Ich bin ihr unglaublich dankbar für diese Aktion. Nun kann ich nach nur einem Roman des Verlagsprogramms guten Gewissens sagen, dass auch ich ein Königskind bin. Und tatsächlich habt ihr Schwärmer, Fans und Genießer alle so recht: unter dem Schutzumschlag wissen diese Bücher wirklich zu punkten! Aber nicht nur außen sind diese Bücher damit dann doch „hui“ (keine Sorge, ich habe mir weitere angesehen! 😉 ) auch innen beweisen sie, und das ist noch viel wichtiger, dass sie eine Seele haben.

Leider habe ich von der Aktion erst letzte Woche erfahren. Weshalb ich es leider nicht mehr schaffe, ein Krönchen zu basteln. Das Buch, das mich aus dem aktuellen Programm am meisten gereizt hat, habe ich mir bereits gekauft und stelle ich euch gleich auch in meiner Liebeserklärung vor. Vorhang auf für meine erste Besprechung eines königlich guten Buches und nochmal vielen Dank an Kathrin für diese wunderbare Aktion!

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Was ich euch nicht erzählte von Celeste Ng [Rezension]

Wie hatte alles angefangen? Wie alles: mit Müttern und Vätern. Mit Lydias Mutter und Vater, mit deren Müttern und Vätern. Weil vor langer Zeit ihre Mutter verschwunden war und ihr Vater sie zurückgeholt hatte. Weil ihre Mutter sich sehnlichst gewünscht hatte, aus der Menge herauszuragen, und weil ihr Vater sich sehnlichst gewünscht hatte, ein Teil der Menge zu sein. Beides war nicht möglich gewesen. S. 33

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1977: Lydia, die Tochter einer chinesischen Einwandererfamilie ist verschwunden. Es stellt sich schnell heraus, dass sie tot ist. Warum? Das versuchen die Familienmitglieder jeder für sich nun herauszufinden und beginnen über die Vergangenheit zu reflektieren. Was lief schief in ihrer Familie, wie sind sie in die USA damals gekommen, könnte Lydia Geheimnisse gehabt haben oder traurig gewesen sein? Während sie nachdenken und trauern, drohen sie weitere Fehler zu begehen, die weitere Tribute fordern könnten.

»Ein kleines Meisterwerk?«

Der Roman „Was ich euch nicht erzählte“ kann für mich am besten mit dem Wort betörend charakterisiert werden. Der Erzählstil der Autorin ist überwältigend, sanft und dennoch irgendwie aufbrausend: betörend eben.

Die Geschichte gestaltet sich im Grunde genauso. Obwohl der Fokus auf einem Tod liegt, wirkt die Handlung ruhig. Doch dieser Eindruck täuscht. Celeste Ng entführt ihre Leserinnen in der personalen Erzählsituation in die tiefen Schichten einer Familie. Tiefer als man es sich vorstellen könnte, dringt sie in die Köpfe der einzelnen Familienmitglieder ein und spinnt dadurch ein dichtes Bild, von dem ich mich als Leserin fast erstickt fühlte. Das stetige Weiterlesen wurde für mich zum Ventil, um mich nicht unter den Schichten ihrer erschreckend eindringlichen Erzählung begraben zu fühlen. Ich kann nicht die richtigen Worte dafür finden, um zu beschreiben, wie Celeste Ng dieses kleine Meisterwerk aufgebaut hat.

»Der Wunsch nach Gleichheit und das Bestreben nach Individualität«

Oberflächlich gesehen beschäftigt sich „Was ich euch nicht erzählte“ mit einer Familie mit Migrationshintergrund, die alles unter den Wunsch der Anpassung stellt. Zumindest einige von ihnen. Andere wollen genau das Gegenteil. Anders sein und aus der Menge stechen. Zwei Wünsche, die sich gegenseitig abstoßen, dennoch meiden die Protagonisten Konflikte aller Art und implodieren stattdessen innerlich. Die Botschaft des Romans mag bekannt und simpel klingen: Kommunikation ist der Schlüssel für zwischenmenschliche Beziehungen; Doch Celeste Ng widerlegt dieses Credo durch „Was ich euch nicht erzählte“ meisterhaft.

»Das Puzzle eines traurigen Todes«

Das Porträt, das die Autorin von ihren Charakteren zeichnet, ist bestechend scharf und sehr intensiv. Inzwischen habe ich mich sehr an die Ich-Perspektive gewöhnt und war schon in meiner Meinung festgefahren, dass diese Emotionen viel besser transportieren könnte und dem Leser damit wesentlich näher ist. Celeste Ng hat mich eines besseren belehrt. Durch die personale Erzählsituation fächerte sich vor mir eine breite Illustration aller Protagonisten auf, das durch dreidimensionale Intensität besticht. Dabei entstammen die Charaktere aus unterschiedlichen Generationen und tragen entsprechend ganz andere Sehnsüchte und Wünsche.

Die Handlung verläuft nicht linear. „Was ich euch nicht erzählte“ beginnt in der Gegenwart, springt mal zurück mal vor und verliert dennoch nicht eine Sekunde das Ziel aus den Augen. Ein Roman, der aus verschiedenen Perspektiven und Zeiten das Puzzlebild eines traurigen Todes aufschlüsselt.

»Fazit«

Celeste Ng scheint mühelos die großen Themen des Lebens aus der Luft zu pflücken. Die Angst vor Verlusten. Der Wunsch, von anderen akzeptiert und geliebt zu werden. Nicht in Kategorien eingeteilt oder vorverurteilt zu werden. Mit einer unheimlichen Leichtigkeit verwebt die Autorin in den verschiedenen Figuren ihres Buches diese Sehnsüchte und schafft damit einen atemlosen Stoff, den ich innerhalb eines Nachmittags verschlungen habe. Darüber hinaus regt diese Lektüre an, ganz unkompliziert und ohne komplizierten Druck, über das eigene Leben und Personenkonstellationen zu reflektieren. Ein Roman, den ich alleine aufgrund seiner literarischen (Schreib)Größe jedem ans Herz legen würde.

–> Leseprobe!

WölkchenMond(Favourite)

BibliografischeDaten

EUR 19,90 € [DE], EUR 20,50 € [A]
dtv Literatur
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Deutsche Erstausgabe, 288 Seiten
ISBN 978-3-423-28075-4
27. Mai 2016
Zu „Was ich euch nicht erzählte“ bei dtv!

Was ist bloß mit Mama los? Wenn Eltern in seelische Krisen geraten. Mit Kindern über Angst, Depression, Stress und Trauma sprechen von Karen Glistrup [Rezension]

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Als ich ein Kind war, war das Thema psychische Krankheiten, insbesondere Depressionen und Angststörungen mehr als verpönt. Man hat nicht mit anderen darüber gesprochen. Warum auch? Damit die Lehrer und die anderen Kinder bemerken würden, dass man schlecht ist? So schlecht, dass die eigene Mutter schon depressiv geworden sei? Denn irgendwas muss man schließlich verbrochen haben, wenn man so bestraft wird. Nein, darüber spricht man nicht. Und schon gar nicht mit den Freunden und den Lehrern. Manchmal redet man mit seiner Mutter darüber. An Tagen, die mal gut sind. Aber meistens ist man traurig und hilflos und fragt sich im Rückblick, warum nie jemand geholfen hat. Denn obwohl man nicht darüber sprach, haben es doch alle mitbekommen. Eine Tatsache, die man als Kind ausgeblendet hat. Denn als Kind wollte man nicht, dass die Welt diesen Mangel bemerkt. Bemerkt, dass man irgendwie schlecht ist.

»Fühlen Kinder sich schuldig?«

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Dschihad Calling von Christian Linker [Rezension]

Kennst du die Matrix?, hatte Adil mich neulich gefragt. Genau so sei es hier in dieser Gesellschaft, meinte er. Du hältst das alles für real, dabei ist es nur Schein und Verblendung. Narkose. Irgendwann kommt Allah und zieht den Stecker. Plötzlich siehst du alles klar. – S. 135

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Jakob ist seit Neuestem Student. Eigentlich auch nur, weil Plan A scheiterte. Nun wohnt er zusammen mit seiner Freundin in einer fremden Stadt und fühlt sich auch sich selbst gegenüber fremd. Ziellos lebt er vor sich hin, bis er einer jungen, verschleierten Frau in einer Unterführung zu Hilfe eilen will, die von Rechtsradikalen bedrängt wird. Doch sie befreit sich auch ohne seine Hilfe und prompt ist Jakob von ihr fasziniert. Zumindest von ihren Augen, denn die sind das Einzige, das er von ihr sehen kann. Er beginnt zu recherchieren und kann kurz darauf ihre Identität ausfindig machen. Ihr Name ist Samira und sie leitet die Frauenhotline in ihrer islamischen Gemeinde. Jakob weiß nicht genau warum, aber er kann nicht anders, als dorthin zu fahren und sie noch einmal zu sprechen. Jakob ahnt nicht, dass er damit den ersten Schritt für eine neue Zukunft und ein neues Leben geht…

»Der Wunsch nach einer freieren und friedlicheren Welt«

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Dich tanzen zu sehen von Maggie Shipstead [Rezension]

Ihre Knöchel zittern. Sie hat gemeint, das Hübsche, Wohlbedachte abstreifen zu können und etwas übrig zu behalten, das sich instinktiv leicht anfühlte, aber sie ist die Freiheit im Tanz nicht mehr gewohnt. Ihre Ellbogen und Knie sind eckig. Alles wird auf der Spitze getanzt kleine Trippelschritte und Hüpfer, die Füße sind immerzu in Bewegung, unentwegt stoßen und stechen sie auf die Bühne. […] sie hat das Gefühl, sie mitzuschleppen. Sie stolpert und landet flach auf den Füßen, streckt die Arme aus, um ihr Gleichgewicht zu halten. […] Ihr wird schwindelig, aber sie fällt nicht. Die Coda muss noch getanzt werden. S. 316-317

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Joan Joyce tanzt. Leider nicht gut genug, um die Welt wirklich zu bewegen oder den Atem anhalten zu lassen. Dann bekommt sie ein Kind von ihrem Jugendfreund, der immer ein wenig in sie verknallt war und die beiden heiraten. Harry, ihr Sohn, ist ihr ganzer stolz und dass sie ihn ebenfalls zum Ballett führt, ist mehr Zufall als wirkliche Absicht. Damit hat Joan Fallstricke geschaffen, die sie alle irgendwann in der Zukunft einholen werden. Dabei wird sich ihrer aller Leben wie eine Bühne präsentieren und die Welt wird dabei zusehen, wie das Ballett Menschen in die Luft erhebt, aber auch zum Fallen bringt.

»In jeder einzelnen Facette«

Dich tanzen zu sehen“ ist ein atemberaubendes Buch, das die verschiedensten Gefühlsfacetten beleuchtet und sich sowohl sprachlich als auch tänzerisch vor einem auffächert. es geht noch leselustig weiter…

Atemnot von Ilsa J. Bick [Rezension]

Und dann haben wir uns geküsst. Oder ich habe ihn geküsst. Oder er hat mich geküsst. Ich weiß es nicht. Aber ich hab ihn geküsst, und er hat mich geküsst, fest, sehr fest, so fest, als würde er mich aufsaugen, und dann war es, als wäre ein ins Wackeln geratener Damm endlich gebrochen, und wir konnten uns nicht nah genug sein. – S. 216

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Jenna weiß, was Schmerz bedeutet. Jenna weiß, dass es viele Arten von Schmerz gibt. Den Schmerz von physischen und von psychischen Verletzungen. Doch Jenna hat mit dem Schmerz aufgehört. Mit dem Ritzen, um zu spüren, dass sie noch lebt.

Obwohl sie davon nicht begeistert ist, hat ihr Vater sie nach ihrem Psychiatrieaufenthalt an einer neuen Schule angemeldet. An einer neuen Schule, an der ihr schnell klar wird, dass sie auch hier weiterhin Probleme haben wird, als ’normal‘ durchzugehen. So lebt sie immer an der Grenze zur Selbstverletzung und wird nur noch durch den Mailkontakt zu ihrem im Iran stationierten Bruder aufrechterhalten. Denn ihre Familie, die bricht schon seit Längerem auseinander.

Doch Jenna ist nicht alleine. Denn Mr Anderson kümmert sich um sie. Er will ihr helfen, sich richtig einzugliedern.

Aber warum eigentlich?

»Wenn dich die Atemnot packt!« Lies den Rest dieses Beitrags

Ich und die Menschen von Matt Haig [Rezension]

13. Eigentlich hättest du gar nicht zur Welt kommen sollen. Deine Existenz ist so unwahrscheinlich, dass sie ans Unmögliche grenzt. Am Unmöglichen zu zweifeln, heißt, an dir selbst zu zweifeln. – S. 324-325.

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Professor Andrew Martin hat die Riemannsche Vermutung gelöst. Ein mathematisches Problem, das als unbeweisbar galt. Doch damit hat er eine Lebensform außerhalb des menschlichen Sonnensystems auf den Plan gerufen. Sie kennen die Gier, die Gewalt und den Hass, den die Menschen in sich tragen und wissen, dass sie noch nicht bereit für bahnbrechende Fortschritte sind. So schicken sie einen ihrer Art, alle Beweise und vor allen Dingen die Erkenntnisse zu eliminieren. Der Außerirdische erledigt gewissenhaft seinen Job, allerdings erkennt er, dass die Menschen nicht nur aus Schatten bestehen. Er ist neugierig und so bleibt er noch ein wenig, um zu verstehen, was es heißt, menschlich zu sein.

»Die Existenz des Menschen ein Ding der Unmöglichkeit?« es geht noch leselustig weiter…

Jeden Tag ein bisschen mehr von Louisa Reid [Rezension]

Ich hustete ein paar Brocken Wahrheit aus, glänzend und hart, wie Kieselsteine, und spuckte sie vor Leos Füße. All die Geheimnisse. Die Türen in meinem Geist knarzten und schwangen auf. Doch ich schlug jede einzelne von ihnen wieder zu. Dann ließ ich kurz den Kopf hängen, mir war schwindelig. Ich würde Leo niemals alles erzählen können, sonst würde er mich hassen. – S. 211

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Audrey ist krank. Sehr krank. Psychisch krank, wie ihre Mutter sagt, sich liebevoll um sie kümmert und alles tut, damit Audrey wieder gesund wird. Also wagen sie einen Neuanfang. Neue Stadt, neues Haus, neue Leute. Alles neu. Audrey soll schließlich wieder gesund werden. Doch im neuen Haus lauert wieder das Ding. Das Ding, dass Audrey wehtut und dafür sorgt, dass sie sich verletzt. Audrey weiß sich nicht zu helfen oder zu wehren. Da lernt sie Leo kennen. Leo, der hartnäckig daran interessiert zu sein scheint, sie kennenzulernen. Obwohl er merkt, dass sie krank ist und etwas mit ihr nicht stimmt. Jeder Tag in ihrem Leben ist ein Kampf und die Frage ist, wie lange wird sie ihn noch durchhalten?

»Dunkel und ungeheuerlich«

Jeden Tag ein bisschen mehr“ hat mich bewegt. Mit jeder Seite ein bisschen mehr. Ich bin der Protagonistin Audrey in einen sehr, sehr dunklen Sog gefolgt und konnte mich kaum noch retten. Hilflos habe ich die Worte in mich eingesaugt, die vielen Emotionen auf mich einprasseln lassen. Meinte manchmal zu ahnen, was in diesem Roman eigentlich abgeht und wollte und konnte es doch nicht so ganz fassen, weil es zu dunkel und zu ungeheuerlich schien. es geht noch leselustig weiter…

Selbst wenn du mich belügst von Jessica Alcott [Rezension]

Ich hatte schon vorher ab und an für jemanden geschwärmt, aber das hier stellte alles, was ich bislang empfunden hatte, in den Schatten. Es fing im Bauch an und war bald überall, breitete sich aus wie eine Infektion. Es raubte mir die Konzentration, überdeckte meine anderen Interessen, verschlang ganze Tage, die ich normalerweise mit Lesen verbracht hätte. Ich kam mir vor wie eine Stimmgabel, die ständig auf seiner Frequenz vibrierte. – S. 86.

selbst wenn du mich belügst»Inhalt«

Charlotte, genannt Charlie fühlt sich unattraktiv. Bis auf Lila hat sie keine richtigen Freundinnen, was ihre Mutter sehr betrübt. Die immer wieder versucht, Charlie dazu zu überreden, etwas mehr aus sich zu machen. Aber Charlie will und kann nicht. Charlie liebt Bücher. Und als der neue Englischlehrer Mr Drummond an die Schule kommt, entfacht er eine nie gekannte Leidenschaft in Charlie. Nicht nur für die Literatur, sondern auch für seine Person. Doch er ist ihr Lehrer. Wie nett, sexy, charmant und witzig er ihr gegenüber auch sein mag. Für Charlie und Mr Drummond beginnt ein bewegender und gefährlicher Tanz aus Nähe und Distanz.

»Ekstatisches Fieber« es geht noch leselustig weiter…

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