Blog-Archive

Tschick ein Film von Fatih Akin [Filmbesprechung] + Gewinnspiel

Als Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ 2010 erschien, hat es mein Interesse zwar geweckt, aber gelesen habe ich immer andere Bücher. Umso neugieriger war ich auf die Buchverfilmung, die gestern, am 09.03., endlich auf DVD, Blu-Ray und als Digitalisat erschien.

Ein guter Grund, euch jetzt die Verfilmung von „Tschick“ vorzustellen. Dran bleiben lohnt sich, am Ende wartet nämlich ein kleines Gewinnspiel auf euch. ❤

Auf dem Weg in die Walachai (c) Studiocanal

es geht noch leselustig weiter…

Aus dem Kopf einer prokrastinierenden Studentin. – Ein Drama in vier Akten.

Bühnen_Schreibtisch

Die Darsteller (nicht in der Reihenfolge ihres Auftritts):

Gummibären.

Schokoladenstückchen.

Ein dunkel gebeizter Schreibtisch mit einer Tür und vier Schubladen.

Eine Flasche Wasser.

Eine Kanne Tee.

Eine Studentin.

Musik.

Eine Mitbewohnerin.

Die Zeit.

Die Uni.

Ein Anfang.

Ein Drucker.

Twitter.

Urzeitmonster.

Ein Vorhang.

Die Bühne.

Erster Akt.

Es ist morgens. Schon wieder.

Jonas Kvarnströms „Una Mattina“ aus dem Film „Ziemlich beste Freunde“ läuft in Dauerschleife.

Rechts auf dem Schreibtisch dampft der Tee. Links steht eine Wasserflasche. Die Gummibären und Schokoladenstückchen wohnen für Notfälle in der Schublade. (Sie überleben nie lange.)

Die Schnellhefter fächern sich in ihrer gesamten Farbenpracht über die dunkel gebeizte Oberfläche des Schreibtischs auf. es geht noch leselustig weiter…

Eine verlässliche Frau von Robert Goolrick [Rezension]

Inhalt:
Catherine Land meldet sich auf die Zeitungsanzeige des reichen, aber einsamen Ralph Truitt.
Er möchte einfach nur eine verlässliche Frau an seiner Seite wissen. Doch Catherine schmiedet ganz andere Pläne, wobei sich schnell herausstellt, dass sie selbst von einer dritten Person im Verborgenen gelenkt wird.
Catherine Land hat viel Leid erlebt und gelernt wie grausam das Leben sein kann, jetzt möchte sie nur noch Geld oder Liebe bekommen und sie ahnt nicht, dass sie eventuell beides kriegen könnte, allerdings ganz anders, als sie oder sonst jemand es vorhergesehen haben. Das Spiel zwischen zwei menschlichen Individuen um Leben und Tod beginnt…

Meine Meinung:
Goolrick spielt mit der Psyche der Menschen, benutzt ihre sexuellen Gelüste, um sie zu charakterisieren und bringt die tiefsten Sehnsüchte und Schwächen, sowie Abgründe zum Vorschein. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt einfach nur eine Geschichte, wie sie vielleicht schon hundert Mal vorgekommen ist. Seine Darstellungen lehnt er leicht an einen historischen Hintergrund an, was das ganze besser in einen gesellschaftlichen Rahmen einordnet.
Ich bin von diesem Werk abgestoßen, fasziniert, angezogen und überrascht worden.
Warum abgestoßen?- Weil Goolrick nichts schöner macht, als es wirklich ist und er den Tatsachen schonungslos ins Auge blickt.
Wieso dann aber auch faszinierend und anziehend?- Vermutlich weil sich dieser Autor trotz leichtem Ekel, den ich beim Lesen empfand, auf eine verständliche Basis begeben hat. Ich habe die Sehnsüchte, Gefühle und Handlungen der Figuren nachvollziehen kann, was bei solch einem Roman ausschlaggebend ist, da er sich ausschließlich mit diesen Charakteren auseinandersetzt. Das bedeutet nicht, dass in der Umgebung alles still liegt, doch der Fokus der Handlung konzentriert sich auf die Figuren im Roman.
Dabei werden die Perspektiven immer mal wieder gewechselt, was für das Verständnis sehr wichtig ist. So entsteht eine Transparenz und feine Spannung, die ohne den Wechsel fehlen würde.
„Eine verlässliche Frau“ ist ein verlässlich, gutes Buch, was man in meinen Augen mal gelesen haben sollte, um einiges besser zu verstehen oder sich einfach mal in andere Personen hineinzufinden, die ihr ganzes Leben lang nach etwas streben und nicht gewillt sind, es aufzugeben.
Dieser Roman beschreibt einen langen Prozess, von dem uns als LeserInnen ein kleiner, aber wichtiger Ausschnitt geboten wird, der vielleicht irgendwie, irgendwann einmal so oder so ähnlich passierte, und den ich niemals vergessen werde.

Mein Fazit:
Robert Goolrick ist der Mann mit den kleinen Worten, mit denen er einen großen Effekt erzielen kann. Die Geschichte spielte sich mehr im Kopf ab, als irgendwo sonst und ist ein Buch, was total aus dem Rahmen fällt und seinem Gebiet alle Ehre macht.
Cover, Titel und Klappentext vermitteln einen spannenden Eindruck, den der Inhalt bestätigte und sogar übertrumpfte. Ihr seid bereit euch in fremden Sehnsüchten und Gelüsten zu verlieren, die vielleicht sogar einmal die euren waren oder noch werden könnten? Dann lasst es auf einen Versuch ankommen und kostet von diesem für mich fünf Sterne werten Buch, hier kann man sich auf Authentizität und Intensität verlassen!

Bewertung

Blutrote Lilien von Kathleen Weise [Rezension]

Inhalt:
Die 15-jährige Charlotte de Montmorency zieht von ihrem geliebten Chantilly nach Paris an den Hof des Königs. Ihre Familie hat viel Einfluss und Macht und um diese zu festigen und den Wünschen den Königs zu entsprechen, soll Charlotte den Marquis de Bassompierre heiraten. Charlotte fügt sich ihrem Schicksal, denn am Hof des Königs hat alles Augen und Ohren und wartet nur darauf die Macht zu ergreifen, die Charlottes Familie inne hat. Noch weiß sie nicht von Freund und Feind zu unterscheiden, doch mit ihrer hitzigen Art und schlagfertigen Zunge tritt sie so manchem auf den Schlips. Sie ahnt, dass Macht nicht nur Vorteile bringt, sondern auch beträchtliche Nachteile, denn als der König zunehmend größeres Interesse an ihr zu zeigen scheint, hat sie somit nicht nur einen mächtigen Verbündeten, sondern auch eine ebenfalls so mächtige Feindin: die Königin. Charlotte schwebt in Gefahr und noch immer soll sie den Marquis de Bassompierre heiraten, obwohl sie ihr Herz in der Zwischenzeit schon an einen anderen gehängt hat. Doch das ist zunächst unwichtig, denn man trachtet ihr nach dem Leben und die Ereignisse drohen sich zu überstürzen…

Meine Meinung:
Ich bin positiv von diesem Roman überrascht worden. Die Autorin hat keine extremen Geschütze aufgefahren und probiert um jeden Preis Spannungen und Komplexität aufzubauen, wo keine waren. Dadurch wirkte es nicht wie gewollt und nicht gekonnt. Die Geschichte hat sich beinahe von alleine entwickelt und hauchzart ihr intensives Aroma aufgebaut, bis ich in einem tiefen Duftschleier aus Intrigen, Lügen, Spannungen und Liebe steckte. Ganz feinfühlig und eine ins Herz gehende Ader treffend hat Kathleen Weise nicht nur die Geschichte inszeniert, sondern auch ihre Charaktere kreiert. Selten bin ich so gebannt gewesen, wie ich es bei diesem Werk war. Ich fing nachts mit dem Lesen an, weil mich die Geschichte neugierig machte und die Aufmachung ein Highlight bietet und mit Leinen-Optik mein Interesse stark anstachelte. Zudem findet sich auf der ersten Seite ein altertümlicher Brief wieder, der sogar versiegelt ist und die momentane politische Lage in Frankreich schildert. Dadurch bekommt man einen groben Überblick über den Lauf der Dinge, der nun folgen wird und kann sich schon auf das kommende Szenario einstellen. Ich begann zu lesen mit dem Ziel vor Augen, einmal reinzulesen und dann am nächsten Tag so richtig in den Roman einzusteigen. Stattdessen hatte mich die Geschichte vom ersten Moment an gefangen genommen und ich klebte die ganze Nacht lang an den Seiten fest, um zu wissen wie es weitergeht und die köstliche langsame Entfaltung der Handlung, sowie der Charaktere wahrzunehmen. Dermaßen gebannt hat mich das beschriebene Szenario und beinahe schon an das Buch gefesselt, weil ich eigentlich nicht mehr lesen wollte, es dann aber doch tat, wie in einem besonders schönen Traum.

Ein wirklich feinfühliges Abenteuer, dass ich bisher selten erleben durfte. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass die Autorin ihre Geschichte auf wahren Begebenheiten aufgebaut hat; sehr erfolgreich, wie ich finde. Damit liest sich der Roman noch einmal viel besser, weil man weiß, so in etwa oder so ähnlich, kann es damals tatsächlich gewesen sein. Für jüngere LeserInnen wird die damalige, schwierige, politische und gesellschaftliche Lage logisch aus der Sicht Charlottes geschildert, was erfahrenere oder ältere LeserInnen nicht vom Lesen abhalten sollte, denn dieses hauchzarte Gebilde ist für jedes Alter tauglich und wird für mich immer ein besonderer Roman sein.

Das Ende ist gleichzeitig so zufriedenstellend wie frustrierend; denn im gewissen Maße kann man es als ein gutes und glückliches Ende bezeichnen, doch noch ist nicht alles geschafft, was Charlotte vollbringen muss. Das hat mich ein wenig enttäuscht, weil ich gerne weitergelesen hätte, denn wie eine Süchtige bekam ich einfach nicht genug. Doch andererseits ließ dieses halbwegs offene, aber gute Ende, viel mehr Freiraum um die eigene Fantasie spielen zu lassen und Kreativität ins Spiel zu bringen.

Mein Fazit:
„Blutrote Lilien“ ist ein rundum gelungener Roman, der von Leidenschaft, Liebe, Macht, Intrige, Lüge und Intensität durchdrungen ist.
Kathleen Weise hat eine glaubwürdige und rundum perfekte und abgeschlossene Handlung geschrieben, die sich zart zu entfalten vermochte und ihre Netze spannend weiterspann. Gerne würde ich einen Fortsetzungsroman lesen und empfehle diesen Roman allen LeserInnen weiter, weil er nicht nur inhaltlich und stilistisch, sondern auch historisch ein absolutes Meisterwerk ist, das höchstens nur noch von seinem Äußeren übertroffen werden könnte. Dafür vergebe ich die volle Punktzahl!

Bewertung

Vielen Dank an den Thienemann-Verlag für diese Aktion und das „mich Auswählen“ als Buchtesterin und somit auch vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar! 😉

%d Bloggern gefällt das: