Ich und die Menschen von Matt Haig [Rezension]

13. Eigentlich hättest du gar nicht zur Welt kommen sollen. Deine Existenz ist so unwahrscheinlich, dass sie ans Unmögliche grenzt. Am Unmöglichen zu zweifeln, heißt, an dir selbst zu zweifeln. – S. 324-325.

ich_und_die_menschen-9783423216043»Inhalt«

Professor Andrew Martin hat die Riemannsche Vermutung gelöst. Ein mathematisches Problem, das als unbeweisbar galt. Doch damit hat er eine Lebensform außerhalb des menschlichen Sonnensystems auf den Plan gerufen. Sie kennen die Gier, die Gewalt und den Hass, den die Menschen in sich tragen und wissen, dass sie noch nicht bereit für bahnbrechende Fortschritte sind. So schicken sie einen ihrer Art, alle Beweise und vor allen Dingen die Erkenntnisse zu eliminieren. Der Außerirdische erledigt gewissenhaft seinen Job, allerdings erkennt er, dass die Menschen nicht nur aus Schatten bestehen. Er ist neugierig und so bleibt er noch ein wenig, um zu verstehen, was es heißt, menschlich zu sein.

»Die Existenz des Menschen ein Ding der Unmöglichkeit?«

Ich und die Menschen“ ist ein verstörend schönes Buch. Obwohl es im Grunde genommen sehr viel Kritik an uns Menschen übt, wird jede Anklage am Ende in wunderbares Lob verwandelt. Matt Haig beschreibt aus der Sichtweise eines namenlosen Außerirdischen das Leben der Menschen als Wunder. Ja, alleine ihre bloße Existenz ist ein Ding der Unmöglichkeit, so dass man ans Unmögliche glauben kann, denn das Unmögliche existiert nicht. Er beschreibt das Leben als ein Tanz aus Licht und Schatten. So viele tolle Metaphern lassen sich in „Ich und die Menschen“ finden, dass ich am Liebsten jede an meine Wand hängen würde. Die Kombinationen aus kritischen und philosophischen Ansätzen, die immer wieder auftauchen, gepaart mit einem unvorstellbar interessanten Plot und einzigartigen Sichtweisen, haben mich letztlich vollends für dieses Buch entbrennen lassen.

»Lesen mit einem Lächeln«

Dabei ist dieser Roman keineswegs belehrend. Er ist humorvoll aufgezogen und tatsächlich sind all die brillanten Einsichten des Außerirdischen in einer spannenden, witzigen und runden Handlung verpackt. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen so viel Spaß hatte und mich dabei ertappte, ganze Absätze, sogar Seiten nochmals und nochmals zu lesen und dann über sie nachzudenken, um dann mit einem Lächeln weiterzublättern.

Ganz gleich was man sonst noch über diese speziellen Primaten sagen konnte, sie waren hartnäckig. Und sie kannten Hoffnung. O ja, sie wussten, was Hoffnung war. Hoffnung war oft zwecklos. Und oft ohne jede Vernunft. Wäre sie vernünftig, hätte sie wahrscheinlich Vernunft geheißen. – S. 207

»Belangloses wird Bedeutungsvoll«

Matt Haigs Idee der Ausgangssituation für „Ich und die Menschen“ ist innovativ und genial. Ein Außerirdischer findet sich desorientiert auf der Erde wieder, um diese vor einer bahnbrechenden Entdeckung zu schützen und damit die Menschen vor sich selbst. Habt ihr schon einmal einen Roman gelesen, indem ihr im Kopf eines Protagonisten die Gedanken über die Lächerlichkeit des menschlichen Äußerlichen lest? Stellt euch vor, wie eure Nase verspottet wird, eure Lippen, die Ohren und Augen. Ich habe mich bald kringelig gelacht. Dann stellt euch vor, das geht ständig in all den Dingen, die für uns selbstverständlich erscheinen, so weiter. Warum stellen wir leere Behältnisse irgendwohin? Warum nennen wir eine gebratene Kuh Rind? Matt Haig vermischt Belangloses mit Bedeutungsvollem, während er nebenher nach dem Sinn des Lebens schürft.

»Die Formel des Lebens?«

Ich und die Menschen“ bietet sicherlich kein Patentrezept auf diese Frage, die sich leider auch nicht so lapidar wie die Gleichung a²+b²=c² lösen lässt. Doch dieses Buch bietet kreative Ansätze. Vielleicht auch die nicht ganz unbedeutende Erkenntnis, dass es Wichtigeres gibt, als sich zu fragen, worin der Sinn liegt, wenn man doch lieber versuchen sollte, zu lieben und glücklich zu sein. Matt Haig zwingt in dieser Geschichte niemandem etwas auf (höchstens Emily Dickinson zu lesen), er erzählt in einem wunderschönen Erzählstil, was es heißt, menschlich und vergänglich zu sein und wie das gleichzeitig tragisch und schön sein kann.

Küssen ist das, was Menschen tun, wenn Worte einen Ort erreicht haben, dem sie nicht mehr entkommen können. Es ist der Schalter zu einer anderen Sprache. – S. 232

»Sogwirkung«

Gegliedert ist „Ich und die Menschen“ in drei Teile und häufig recht kurze Kapitel, die durch interessante Überschriften eingeleitet werden. Besonders spannend gestaltet sich das Lesen dieses Romans durch den Druck von außen, die Mission erfolgreich zu Ende zu führen. Das heißt, die anderen ‚Außerirdischen‘ warten, dass ‚Ich‘ alle Beweise der Riemannschen Vermutung löscht. So bestand der Sogfaktor nicht ausschließlich darin quasi sich selbst durch die Augen eines Fremden wiederzuentdecken, sondern ebenfalls in der Angst, dass ‚Ich‘ schlimme Dinge tun würde. Oder dass die anderen Außerirdischen eingreifen würden. Hierbei hängt die Definition von ‚Schlimm‘ vom Auge des Betrachters ab, doch solch Mäusemelkerei hat in einer Rezension nichts verloren. Zumindest verlieh die Kommunikation zwischen den anderen Aliens, von denen ich stets nicht mehr als einen flüchtigen Eindruck gewann, und des Protagonisten eine magnetische Sogwirkung, der ich mich nur zu gerne hingab!

»Fazit«

Matt Haigs „Ich und die Menschen“ ist ein enorm besonderes Buch, das mich sehr tief berühren konnte. Matt Haig hat seinen LeserInnen ein wunderbares Stück Leseglück geschenkt, das über das bloße Lesen dieser Lektüre hinausgeht. Matt Haig schreibt im Nachwort, dass dieses Buch sehr persönlich ist und die Idee in einer schwierigen Phase entstand. Dass in „Ich und die Menschen“ nicht nur ein Herz, sondern auch Liebe, Glück und die Welt liegen, das habe ich gemerkt.

Danke.

Leseprobe!

WölkchenMond(Favourite)

BibliografischeDaten

Ich und die Menschen von Matt Haig TASCHENBUCH
Euro 9.95 [D] 10.30 [A]
Deutsch von Sophie Zeitz
352 Seiten
ISBN 978-3-423-21604-3
21. August 2015
Zu „Ich und die Menschen“ bei dtv!

Advertisements

Über Charlousie

Ich lebe · liebe · lese · Ich schreibe · Ich rezensiere · Ich blogge https://leselustleseliebe.wordpress.com/ Eine verrückte, bloggende, verträumte, Buchliebhaberin, die mit ihren Katzen zwischen den Worten wohnt. Wenn du mehr erfahren willst, folge mir auf Twitter, like me on facebook, teile Bilder mit mir via Instagram oder besuche mich auf LeseLust & LeseLiebe.

Veröffentlicht am 12/10/2015 in Buchrezensionen, Rezensionen und mit , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hui das klingt ja alles überaus positiv! Die Zitate finde ich so schön 🙂

    LG Steffi E.

    Gefällt mir

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: