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Jeden Tag ein bisschen mehr von Louisa Reid [Rezension]

Ich hustete ein paar Brocken Wahrheit aus, glänzend und hart, wie Kieselsteine, und spuckte sie vor Leos Füße. All die Geheimnisse. Die Türen in meinem Geist knarzten und schwangen auf. Doch ich schlug jede einzelne von ihnen wieder zu. Dann ließ ich kurz den Kopf hängen, mir war schwindelig. Ich würde Leo niemals alles erzählen können, sonst würde er mich hassen. – S. 211

u1_978-3-8414-2229-3»Inhalt«

Audrey ist krank. Sehr krank. Psychisch krank, wie ihre Mutter sagt, sich liebevoll um sie kümmert und alles tut, damit Audrey wieder gesund wird. Also wagen sie einen Neuanfang. Neue Stadt, neues Haus, neue Leute. Alles neu. Audrey soll schließlich wieder gesund werden. Doch im neuen Haus lauert wieder das Ding. Das Ding, dass Audrey wehtut und dafür sorgt, dass sie sich verletzt. Audrey weiß sich nicht zu helfen oder zu wehren. Da lernt sie Leo kennen. Leo, der hartnäckig daran interessiert zu sein scheint, sie kennenzulernen. Obwohl er merkt, dass sie krank ist und etwas mit ihr nicht stimmt. Jeder Tag in ihrem Leben ist ein Kampf und die Frage ist, wie lange wird sie ihn noch durchhalten?

»Dunkel und ungeheuerlich«

Jeden Tag ein bisschen mehr“ hat mich bewegt. Mit jeder Seite ein bisschen mehr. Ich bin der Protagonistin Audrey in einen sehr, sehr dunklen Sog gefolgt und konnte mich kaum noch retten. Hilflos habe ich die Worte in mich eingesaugt, die vielen Emotionen auf mich einprasseln lassen. Meinte manchmal zu ahnen, was in diesem Roman eigentlich abgeht und wollte und konnte es doch nicht so ganz fassen, weil es zu dunkel und zu ungeheuerlich schien.

Jeden Tag ein bisschen mehr“ erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Audrey und Leo. Während Audrey stärker aus der Ich-Perspektive zu Wort kommt, lässt uns die Autorin Louisa Reid in der personalen Erzählsituation an Leos Gedanken teilhaben.

»Emotionspalette«

Jeden Tag ein bisschen mehr“ hat mich aufgewühlt und absolut geschockt. Am Ende musste ich weinen, aber noch wichtiger: mich hat beim Lesen eine ungeheuerliche Wut gepackt. Ich habe tatsächlich begonnen eine Figur in einem Buch äußerst leidenschaftlich zu hassen und kaum Verständnis aufzubringen.

Dieser Roman deckt eine vielfältige Emotionspalette auf, die niemanden, wirklich niemanden kalt lassen wird. Obwohl der Roman über 500 Seiten umfasst, habe ich ihn an einem Abend verschlungen und nicht einmal gemerkt, wie die Zeit verging. Wie tief ich in der Geschichte steckte, wie gut, authentisch und realistisch Louisa Reid erzählen kann.

»Tabuzone«

Perfide und spannend hat Louisa Reid mit Metaebenen gearbeitet. Als Leserin wusste ich immer nur so viel, wie Audrey oder Leo wussten. Dass das nicht immer viel war, bedeutete, dass immer mehr Fragen beim Lesen auftauchten. Wieso diese Selbstverletzung, warum jene Wendung oder dieser Absturz? Während Louisa Reid mich als Leserin das sehen ließ, was die Protagonistin ebenfalls die Außenwelt innerhalb der Handlung sehen ließ, wagte ich weiterzudenken. Zu bangen, zu befürchten und zu hoffen, dass ich falsch läge. Wagte mich kaum auf dieses verbotene Terrain, das mir Angst einjagte und dennoch immer offensichtlicher wurde. Louisa Reid entblätterte schonungslos Stück für Stück die Wahrheit und irgendwann konnte ich nur noch Schlucken, die Luft anhalten und meine Augen so schnell über die Seiten tanzen lassen, wie sie es nur vermögen.

»Perfekt«

Leider ist es unmöglich detaillierter zu beschreiben, warum dieses Buch so gut ist. Denn dieses Buch muss man selbst entdecken. Ganz und gar. Jede Beschreibung oder Andeutung wäre eine zu viel.

Eines solltet ihr nur wissen: Alles, was ihr nach Beschreibungen oder dem Klappentext von diesem Buch erwarten werdet, wird sich vermutlich nicht erfüllen. Dieses Buch ist ganz anders, als alles, was ich bisher gelesen habe. Und ganz anders, als es auf den ersten Blick scheint.

Sicherlich wäre es selbst mit Hintergrundwissen noch ein gutes Buch. Doch ohne dieses Wissen ist „Jeden Tag ein bisschen mehr“ unschlagbar und einfach nur perfekt. Wenn ich aus diesem Jahr ein Lieblingsbuch wählen müsste, läge dieses ganz weit vorne mit dabei.

»Fazit«

Louisa Reid entführt auf dramatisch fesselnde Weise in eine dunkle Geschichte, die lichte und bedrohliche Momente bereithält. Die mit jedem Satz zu überzeugen weiß und die eine unsagbar starke Stimme und Botschaft birgt. Das Leben trägt immer Hoffnung in sich und in jeder Situation lässt sich ein Funken Schönheit finden. Vielen Dank, Louisa Reid, für das Schreiben dieses gigantischen Meisterwerks, das einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten wird!

Leseprobe!

WölkchenMond(Favourite)

BibliografischeDaten

Louisa Reid
Jeden Tag ein bisschen mehr
Hardcover
Aus dem Englischen von Birgit Maria Pfaffinger
Preis € (D) 16,99| € (A) 17,50
ISBN: 978-3-8414-2229-3
Zu „Jeden Tag ein bisschen mehr“ bei FJB!

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2 thoughts on “Jeden Tag ein bisschen mehr von Louisa Reid [Rezension]”

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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