Über uns das Meer von Sabine Giebken [Rezension]

Ozeanwasser tropfte aus seinen Haaren und perlte seine Wangen hinunter wie salzige Tränen. Er sah mich nur an und schüttelte ganz leicht den Kopf. Irgendwo hinter uns schlugen Wellen gegen die Plattform, aber ich hörte es kaum, alles verschwamm, alles, bis auf die Angst. – S. 458.

überunsdasmeer»Inhalt«

Lou hat ihr Abi geschmissen und ist in das Haus ihrer Familie auf Elba geflüchtet. Sie will endlich ihr Leben leben, dass ihr keiner vorschreiben soll. Ohne wirklichen Plan, lebt sie nun auf der Insel vor sich hin, während ihre Familie nicht weiß, wo sie sich aufhält.

Lou schwimmt im Meer und lässt sich treiben. Doch kurz darauf begegnet sie Angel, einem Apnoetaucher, der sie schnell in die Welt unter dem Wasser hineinzieht. Der tiefer als alle anderen taucht, mehr Risiko als jeder andere eingeht und der dort unten für oder gegen – Lou weiß es nicht so genau – sein Leben schwimmt. Lou ist fasziniert und begibt sich mit Angel in die Welt unter der Meeresoberfläche, trainiert das Tauchen und stellt fest, dass sie in dieser Welt bleiben möchte. In der Welt, in der über ihnen das Meer liegt. Aber wie lange kann dieses Leben gut gehen?

»Ein Tanz auf Leben und Tod«

Über uns das Meer“ hat mich mit seinem Cover eingefangen. Bunt und wild und fröhlich und frei, das perfekte Buch zu meinem Blog LeseLust & LeseLiebe, dachte ich eigentlich. Äußerlich stimmt dies natürlich, doch inhaltlich nur bedingt. Inhaltlich stellt „Über uns das Meer“ einen Tanz auf Leben und Tod dar, der in der tiefen Dunkelheit der Meere ausgetragen wird – um es ganz grob herunterzubrechen. Dieser „Tanz auf Leben und Tod“ ist sehr vielfältig und facettenreich. Er behandelt spannende Themen wie die Identitätsfindung oder die Abnabelung von der Familie oder das Thema von Sehnsüchten im Allgemeinen.

»Eigentlich ziemlich gut, oder?«

Über uns das Meer“ ist also ein Roman, der die Konflikte und Interessen von Jugendlichen aufgreift und somit deren Lesegeschmack treffen dürfte.

Normalerweise sind meine Rezensionen ziemlich gefühlsgeleitet, doch dieses Mal habe ich absichtlich mit der analytischen Seite begonnen, um zu betonen, dass „Über uns das Meer“ eigentlich ziemlich gut ist. Zumindest wenn ich die Gefühle außen vor lasse. Für mich hat es nur einen fatalen Makel, den ich prima – es bietet sich bei diesem Buch einfach so schön an – metaphorisch mit dem Meer beschreiben kann. Ich habe meist ziemlich wenig beim Lesen gefühlt. Die Wellen sind nicht bei mir angekommen.

»Gegensätze vereint«

Sabine Giebken genießt meine Hochachtung, wenn es um die stürmischen, salzigen und rauen Satzkunstwerke der Meere geht. Poetisch, genussvoll und wunderschön war es, darin zu versinken; strahlend blau, dunkel und gefährlich in der Dunkelheit blitzend. Gegensätze, die in „Über uns das Meer“ wunderbar zum Tragen kamen. Doch dann ist da noch die Geschichte rund um die Protagonistin Louise, kurz Lou genannt. Obwohl ich mich recht gut in die Gefühls- und Gedankenwelt Lous hineinfinden konnte, hat mich ihre Geschichte weniger mitgenommen oder gar berührt.

»Trotz toller Umsetzung herrschte Ebbe«

Ebbe herrschte meist, wenn die Handlung weiter vorangetrieben wurde. Dabei hat Sabine Giebken sich prinzipiell tolle Wendungen einfallen lassen, mich ein ums andere Mal überrascht und das Wenigste vorhersehbar gestaltet. Dennoch war ich nicht mitgerissen. Es schien mir, als stünde ich am Ufer, die Zehen im heißen Sand vergraben, während sich die Handlung in weiter Ferne am Horizont, weit hinaus im Meer abspielte. Ich wurde also nicht mitgenommen und habe mich leider oft gelangweilt, obwohl ich der Autorin stilistisch oder von der Handlungskonstruktion keine Vorwürfe machen kann.

Fünf Monate habe ich insgesamt an „Über uns das Meer“ gelesen und bin einerseits froh, dass ich durchgehalten habe, andererseits glücklich, dass ich mich jetzt wieder befreit anderen Geschichten zuwenden kann.

»Mein Fazit«

Über uns das Meer“ birgt auf den letzten Metern noch einmal ein paar Pageturner und ist eine Liebeserklärung an das Meer, die ich gerne gelesen habe. Weil mich Sabine Giebkens Geschichte emotional leider weniger zu packen vermochte und ich mich ewig ins Ziel schwimmen sah, aber einfach nicht ankommen wollte, empfehle ich allen abenteuerlustigen „Meereslesern“, in die ersten Seiten hineinzulesen, um festzustellen, ob einen „Über uns das Meer“ nun packt oder nicht. Ich habe das für mich ziemlich schnell herausgefunden, mit der Hoffnung im Hinterkopf, es würde sich noch bessern. Teilweise war dem so, überwiegend jedoch nicht.

Weil das Werk – so objektiv betrachtet wie möglich – jedoch tadellos geschrieben ist und mit einer innovativen Geschichte rund um Apnoetaucher aufwartet, vergebe ich gerne gute drei Wölkchen und hoffe, dass es anderen LeserInnen besser mundet als mir!

Wölkchen3

BibliografischeDaten

Über uns das Meer
Sabine Giebken
Hardcover, ab 14 Jahren
mit Schutzumschlag
480 Seiten, 15,3 x 21,5 cm

17,95€
ISBN 978-3-7348-5601-3
Zu „Über uns das Meer“ bei Magellan!

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Über Charlousie

Ich lebe · liebe · lese · Ich schreibe · Ich rezensiere · Ich blogge https://leselustleseliebe.wordpress.com/ Eine verrückte, bloggende, verträumte, Buchliebhaberin, die mit ihren Katzen zwischen den Worten wohnt. Wenn du mehr erfahren willst, folge mir auf Twitter, like me on facebook, teile Bilder mit mir via Instagram oder besuche mich auf LeseLust & LeseLiebe.

Veröffentlicht am 25/03/2015 in Buchrezensionen, Rezensionen und mit , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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