Rezensionen

Mein Leben in Karnevalien. Das unverschämte Glück inmitten wilder Watzen.

K800_IMG_3430Ich lebe jetzt in Karnevalien. Das ist das Land der wilden Watzen*.
Vorstellen könnt ihr euch das in etwa so: Von der Post bis zu mir nach Hause brauche ich ca. 5-7 Gehminuten. Normalerweise passiert da nie etwas Spannendes. Doch in Karnevalien ist alles anders.

Donnerstag war Tag eins von Karnevalien. Während der 5-7 Minuten haben mich fünf Männer angesprochen. Einer war eventuell nur leicht betrunken. Das macht im Schnitt 1 Mann alle 1,2 Minuten. Das ist nicht nur ein neuer Rekord in diesem Jahr, das ist ein neuer Rekord überhaupt. Und es war 12 Uhr mittags. Bitte mehr davon!

In Karnevalien ist alles anders.

Manche nennen es schön.

Beispielsweise werden die Busse umgeleitet und überall steht, man solle bitte die Ersatzhaltestellen in Anspruch nehmen. Juhu, wo hat Karnevalien die denn nur versteckt?

In Karnevalien soll es auch mal vorkommen, dass Arztpraxen einen Zettel an die Tür hängen und mitteilen, dass sie da hingehen, wo die wilden Watzen wohnen und dann wann anders wieder zu erreichen sind.

Überhaupt habe ich in Karnevalien schon jede Menge Marienkäfer, Bienen, Cowboys, Ganzkörperkondome, Frösche, Kängurus, Katzenöhrchen und nicht Identifizierbares entdeckt.

Freitag, Tag zwei in Karnevalien, verlief recht unspektakulär. Beinahe war ich enttäuscht. Bis auf die Tatsache, dass in der Wohnung über und unter mir mächtig herumgerückt wurde. Das lässt den Rückschluss auf eine wilde Watzen Veranstaltung in naher Zukunft zu. Ich hoffe nur, dass der Legionär im Stockwerk über mir nicht auf blöde Gedanken kommt. Oder irgendwelche „Ärzte“ oder sonstwie verkleideten Menschen bei uns einfallen wollen, weil sie die Welt in Karnevalien als eine einzige riesige Watzenwiese ansehen.

Meine Mitbewohnerin hat Karnevalien bereits ausprobiert und ich gewann daraus folgende Erkenntnis. Sie musste nur sieben Euro für einen Becher mit Bier bezahlen. Ich glaube, nichts hätte dieses unbeschreibliche Glücksgefühl toppen können, ich bin ja fast schon neidisch, dass ich das verpasst habe!

Unmöglich? Nein, in Karnevalien ist alles möglich und es kommt noch besser! Es kamen auf die sieben Euro noch einmal zwei Euro „Pfand“ für den Becher. Aber die zwei Euro hat man nicht wiederbekommen. Warum sollte man auch? Da würde die gesamte Glückseligkeit ja wieder zerstört werden.

Da aller guten Dinge drei sind noch eine Jubelneuigkeit zum Becher! Der Becher hat jede Menge bunte Punkte aufgedruckt und besteht aus hochwertigem Plastik. Ich denke, man darf sich wirklich geehrt fühlen, so ein Prachtstück für unschlagbare neun Euro, sogar mit Inhalt!!, erwerben zu dürfen!

In Karnevalien hat das Wort „Pfand“ wohl eine Wortbedeutungsveränderung zu „Zwangskauf“ erfahren. Als Germanistikstudentin finde ich sprachliche Bedeutungsveränderungen natürlich sehr spannend. Wie interessant Karnevalien doch ist!

Am Montag, Tag fünf, ist der Fastnachtsumzug. Ich habe schon die ersten Buden und den Boden mit bunt geschmücktem Konfettiregen erblickt. Karnevalien brodelt bereits unterschwellig in seinem hitzigen Gemüt aus angestauter Vorfreude. Alle fiebern auf DAS Event hin.

Wahnsinn, diese ganzen, nicht mehr nüchternen und erfreuten Menschen.

Das wird bestimmt eine prima Sache. Ich brauche noch nicht einmal hinausgehen und werde bestimmt fast nichts verpassen. Ich wohne nämlich in einer Querstraße vom Umzug. Mensch, hab ich aber auch ein Glück! Unverschämt, so etwas. Wirklich. Bald kann ich vor lauter schlechtem Gewissen nicht mehr schlafen.

Ob ich mir die Mühe mache tatsächlich HINAUS zu gehen, weiß ich noch nicht. In Karnevalien ist schließlich alles noch so fremd und neu und irgendwie deckt es sich auch nicht so ganz mit meinem momentanen Urlaubsland namens Lernien.

Die beiden vertragen sich nämlich so gar nicht.

Die Uni, müsst ihr wissen, wollte mir etwas Gutes tun und dachte sich so, am Ende des Semesters würde mir eine gewisse Zeit in Lernien gut tun. Die Herausforderung habe ich gerne angenommen, denn Lernien ist dafür bekannt, den Charakter neu zu formen und die psychischen Abgründe der Menschen offen zu legen. Wenn so viel Spaß in Aussicht steht, kann ich nur noch ja sagen.

Während ich hier so sitze und so schreibe und so überlege (so um 2 Uhr nachts), disponiere ich vielleicht doch noch um und errichte so einen Schutzbunker vor Karnevalien.

Der Bunker wird aus ganz vielen Süßigkeiten, einer Schutzwand aus Wasser und Karteikarten bestehen. Lernien hat mich einfach ganz, ganz fest im Griff und ich bin mir sicher, die wilden Watzen werden auch ohne mich wunderbar auskommen.

In diesem Sinne:

allen ein schönes Karnevalien, ob nun bei den Bienen und Kängurus mitten im Geschehen, bei den Ersatzbushaltestellen oder im kuscheligen Lernienbunker.

Ich muss dann auch mal wieder, mein Freigang in Karnevalien ist zu Ende, mein Date in Lernien wartet ungeduldig.

Eure Charlousie

*Meine Umschreibung für „wilde Partys“ o.Ä.

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2 thoughts on “Mein Leben in Karnevalien. Das unverschämte Glück inmitten wilder Watzen.”

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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