Allgemeines

Und endlich darf ich studieren gehn.

Ich sitze in Seminaren mit 13 Leuten. joguWenn alle erschienen sind.

Ich sitze in Vorlesungen, in denen ich 50 von 90 Minuten darüber nachdenke, wie ich eine zweite Dimension erschaffen könnte, um meine Beine schmerzfrei in den viel zu engen Reihen unterzustellen.

Ich sitze in Veranstaltungen, in denen eine hochgradig lispelnde Dozentin indirekt nicht respektiert wird, indem auffällig viele Leute demonstrativ aufstehen und gehen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, die gute Frau verwendet eine Folie mit Overheadprojektor deren Inhalt ab Reihe 3 nicht mehr zu entschlüsseln ist. Die ersten Kommilitonen fragen in der Ersti-Gruppe via Facebook, ob die in Reihe 1 vielleicht ein Foto der Folie hochladen könnten. Reihe 1 antwortet wenige Minuten später, dass der Winkel ungünstig sei, der Inhalt auf der Folie aber sowieso eher in die Kategorie unterirdisch denn überragend fällt.

Ich lasse schlechte Referate meiner Kommilitonen über mich ergehen und schäme mich fremd – ausgerechnet in Buchwissenschaft – als die Vortragende ständig den grausigen und nicht existenten Plural VerlÄge benutzt! Obgleich es ihr furchtbar peinlich ist als der Dozent sie darauf hinweist, hält diese Peinlichkeit genau drei Minuten an.

Ich habe Kommilitonen, die ständig davon reden, dass sie BuchwissenschaftEN studieren und ich denke mir, dass es keine Wissenschaften über Bücher gibt (schön wär’s 😀 ), sondern lediglich EINE Wissenschaft und dass es doch nicht zu viel verlangt sein kann zu wissen, wie das eigene GOTTVERDAMMTE FACH HEISST! o.O

Ich belege in Germanistik einen Einführungskurs, der die wundervolle Abkürzung GNDL trägt, in dessen Verlauf ich mich in Form einer Hausaufgabe für die Klausur am Ende des Semester qualifizieren muss. Schade, dass der Dozent 1 Hausaufgabe von den ganzen 80 Teilnehmern verlegt oder verschlampt. Ungünstig, dass es meine ist.

By the way, die Fachschaft der Germanistik scheint total auf Abkürzungen zu stehen, für deren sicheren Umgang die Studenten ungefähr ein ganzes Semester benötigen. Kostprobe gefällig? GNDL, GADL, VLIN/TECH, RVLK/RVLG/RVKW. ← was das bedeutet? Werdet kreativ, würde ich mal sagen. :3 Ein Tipp: Das ist Einführungskrempel der Germanistik im Sinne von Grundlagen. 😉

Unser Studentenportal, liebevoll von der herzallerliebsten Jogustine betreut, erzählt mir immer dann, ich solle es später noch einmal versuchen, wenn es wirklich, wirklich wichtig ist und ich sie aber SOFORT brauche! (Ich bin ein wenig auf Kriegsfuß mit ihr, weil sie mich aus dem Photoshopkurs rausgelost hast! >_<

Wider besseres Wissens gehe ich jede Woche in ein Tutorium für GADL (na, wer hat aufgepasst?!) und stelle fest, dass die Tutorin einstmals bei Übersetzungen kompetent und nett, bei Grammatik inkompetent, schnippisch, ja sogar sehr frech und überaus unausstehlich wird.

Eine pfadfinderische Grundausbildung habe ich nebenher natürlich auch noch absolviert – Learning by Doing – denn auf diesem Campus findet man nichts, dass nicht mindestens ekstatisch blinkt, sich einem in den Weg wirft und lauthals „yippiejayay“ schreit!

In einer Übung, die sich mit Theoretikern wie Darnton, Adorno, Bourdieu, Luhmann und Assmann auseinandersetzt, wird uns eingeschärft unter allen Umständen alles und jeden anzuzweifeln und ja auch kritisch genug zu sein. (Und ich dachte, das erzählen sie immer nur den Rechtswissenschaftsstudenten…) Das wäre ja nur lieb gemeint und später würden wir es (wem auch immer?!) danken, wenn wir lieber einmal zu oft, denn zu wenig kritisch gewesen sind.

– Warum dann nicht gleich damit anfangen und die gesamte Übung infrage stellen? Fragt mich mein imaginäres auf meiner Schulter sitzendes Teufelchen und spitzt bereits die Hörner an!

Ja. Endlich darf ich also studieren. Darauf habe ich mehr oder weniger meine gesamte Schulkarriere hingearbeitet.

Ist das wirklich mein Ernst? Nein, Moment, EUER Ernst? Der Ernst der Uni, der Ernst Deutschlands, ja sogar der ganzen Welt?!

Nun, mit einer gesunden Portion Humor und der Einstellung, dass man an der Uni auch nicht alles zu ernst nehmen sollte, macht dieser alltägliche Wahnsinn sogar Spaß. Wirklich. Ehrlich jetzt!

Glaubst du nicht?

Ja, dann pass‘ mal auf!

In unserem 13-köpfigen Seminar genieße ich zuweilen gute Diskussionen. Okay, den viel zu engen Vorlesungssälen kann ich nichts Positives abgewinnen.

Dafür habe ich in der grottigen ichbinnochimanderenJahrhundertundbenutzedeshalbveralteteOverheadfoliendiekeinMenschlesenkann – Veranstaltung mit mehr oder minder irrelevanten Inhalten für mein Fach, (wie die Dozentin uns nebenbei mitteilte. Ich bin nie wieder hingegangen) ein super nettes Mädchen kennengelernt, das zufällig wie eine der Schwestern aus Disneys Filmhit „Frozen“ heißt, worauf ich natürlich total abgefahren bin. Wir sind zu tapferen Mitstreiterinnen geworden und mal ehrlich: Zu mehreren kämpft es sich gleich viel komfortabler ;).

Auch aus den schlechten Referaten kann ich viel lernen. Merke: erwarte niemals, dass alle Referate so toll werden, wie das vom Dozenten wohlklingende Thema. Plan a: nimm dir eine Beschäftigung für Nebenher mit. Bspw. Uni-Hausaufgaben oder die aktuelle Lektüre. Plan b: guck dir die Show an und behalte genauestens im Kopf, was du niemals nachmachen solltest und was unbedingt zu vermeiden ist!

Über die ganzen Abkürzungen amüsiere ich mich derweilen königlich, indem ich ihnen neue, natürlich total sinnfreie, Definitionen gebe.

Jogustine habe ich im tiefsten inneren meines Herzens total lieb und freue mich immer dann, wenn sie mich nicht zurückweist, sondern mir ihre Aufmerksamkeit schenkt. Vielleicht kann ich sie nächstes Semester bestechen und sie lässt mich sowohl in den LaTeX als auch Photoshopkurs!

Ja, doch. Ich mag das Studentenleben. Es besitzt so seine Tücken und Fallstricke, doch mit der richtigen Einstellung kann es überragend sein. 🙂

Amen,

Eure Charlousie

Fortsetzung nicht auszuschließen.

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13 thoughts on “Und endlich darf ich studieren gehn.”

  1. Hahahaha das kommt mir irgendwie bekannt vor 😀 vor allem der Part mit der Sinnlosigkeit. Und pass auf, wie viele Studenten sich wie die größten Literaten der Welt aufführen. Diejenigen, die voller Stolz erzählen, dass sie nie in ihrem jungen Leben auch nur ein anderes Buch als einen Klassiker angesehen haben…. jaaa, die sind toll 😀

    Lieben Gruß

    Rica

    Gefällt 1 Person

  2. huhu,
    Ich kann das echt nachfühlen aber glaube mir, es gibt schlimmere Unis. Ich war vorher in Frankfurt und im direkten Vergleich ist Mainz um Längen besser – auch wenn der Campus leicht unübersichtlich ist. Ich fand es in Mainz sehr viel familiärer und gerade die Dozenten und Profs sind besser erreichbar und geben sich echt Mühe. In Frankfurt war man dagegen immer verloren, dein vorankommen hat da niemanden wirklich interessiert….

    Gruß
    Annett

    Gefällt 1 Person

    1. Ich war noch nie irgendwo anders, aber eigentlich mag ich es ja auch in Mainz.Habe ich eigentlich so ausdrücken wollen^^
      Und es steht außer Frage, dass sie sich Mühe geben 🙂 … zumindest in Mainz.

      Grüße,
      Charlousie

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  3. Ohja :D! Ich komm ja aus der Gegend und auch ich kenne noch lange nicht jeden Winkel dort ;).
    Und auch wenn ich an einer anderen Uni studiere, deine Beschreibungen klingen doch irgendwie so, als würdest du an meiner Uni studieren :D. Für meinen Po wünschte ich mir manchmal wirklich ein Sitzkissen, aber wie sieht das denn aus xD?!

    Viel Spaß dir weiterhin 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin für Sitzkissen, die von der Uni gestellt werden xD
      Immer und überall und wer sie versucht mitgehen zu lassen bekommt – natürlich – einen elektrischen Schlag! 😉
      HAHA.
      Dann wünsche ich dir auch noch viel Erfolg und Spaß! 🙂

      Alles Liebe,
      Charlousie

      Gefällt mir

    1. Ich kann es empfehlen!
      Zumindest kann ich absolut dazu raten, es mindestens auszuprobieren, denn manchen liegt es einfach gar nicht (oder sie hatten Pech mit Uni und Umfeld) und anderen mehr! 😉

      Alles Gute für deine Entscheidung!

      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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