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Wenn die Hoffnung stirbt. [Privat]

Wenn die Hoffnung stirbtIch bin gerade ‚deprimiert‘.

Viele von euch werden schon Menschen verloren haben.

Da werde ich nicht die Einzige und auch nicht die Letzte sein und auch nicht die Einzige und Letzte, die deshalb immer mal wieder ‚Aussetzer‘ oder wehmütige Momente hat.

Beispielsweise der Tod, Verlassen oder Verlassen-Werden können zum Verlust eines geliebten Menschen geführt haben.

Menschen kommen und gehen im Leben, so sagt man oft; das ist der Lauf der Dinge.

Obgleich es immer heißt, die Zeit heilt alle Wunden, weiß ich noch nicht, ob ich das unbedingt so bestätigen kann.

Tatsächlich fühlte sich die erste Zeit nach dem Tod meiner Mutter am 25. Mai 2012 gar nicht ’so‘ schlimm an. Sicherlich, ich habe realisiert und gewusst, was Tod bedeutet und das ‚für immer‘ eine mehr als verdammt lange Zeit ist.

Jetzt weiß ich aber, dass man manchmal aber trotzdem nicht so recht einordnen kann, wie lange sich diese Zeitspanne namens ‚für immer‘ ausdehnt und einen quälen kann.

Anfangs fühlte sich die Abwesenheit meiner Mutter wie ihr Urlaub an. Theoretisch hätte sie jederzeit wiederkehren können. Was war also schon dabei?

Doch dann verstrichen die Monate. Und ehrlich: Es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Sie schmerzlichst vermisste. Schließlich hat sie mehr Spuren in meinem Leben hinterlassen, als ich zählen kann. Manchmal ist das gut, denn es hilft mir, mich zu erinnern und manchmal ist das schlimm, weil ich eben nicht vergessen kann. Weder das Gute noch das Schlechte. Ich weiß noch nicht einmal, was mir lieber ist.

Während also so die Monate verstrichen, schrieb ich plötzlich mein Abi, schmiedete Pläne für die Zeit nach der Schule und kümmerte mich um eine WG. Das Leben ging einfach weiter. Ob ich wollte oder nicht.

Ich wollte/möchte beides. Ich möchte ohne sie weiterleben, weil ich die Zeit nicht zurückdrehen kann und mir keine andere Option zur Verfügung steht und andererseits möchte ich es nicht.

Denn es holt mich ja doch immer wieder ein. Die ganzen Fragen, die ich nun nicht mehr stellen kann und die ganzen Sachen, die bis zuletzt zwischen uns im Raum standen.

Und während nach dem einem Jahr erneut die Monate verstrichen, erlebte ich mehr neue Dinge, als ich zählen kann, die keine Spuren von meiner Mutter mehr trugen. Es verging nicht mehr jeder Tag mit einem Gedanken an sie – obwohl ich das nur glaube – und plötzlich, ist schon wieder ein Jahr vergangen.

2 Jahre sind vergangen, seitdem ich sie das letzte Mal gesehen habe und es fühlt sich dennoch schlimmer denn je an.

Ich bin wie ein trotziges Kleinkind, das mit dem Fuß aufstapft, die Arme ablehnend verschränkt hält und meint: „Ich will das aber nicht. Es ist mir egal, dass die physikalischen Gesetze unserer Erde so funktionieren und die Toten nicht mehr von den Lebenden auferstehen können. Was interessiert mich das, wenn nur das Universum zwischen mir und meinen Wünschen steht?“

Als ob jemand die Macht besäße, mit den Fingern zu schnippen und dann wäre sie wieder da. Nach 2 Jahren möchte ich sie einfach mehr denn je zurückhaben.

Das ist albern. Ich weiß das und kann es trotzdem nicht abstellen.

Was soll ich sagen. Meistens geht es sogar ziemlich gut, aber an Tagen wie diesen, stürzen meine Gedanken über mir ein und scheinen mich lebendig begraben zu wollen.

An anderen Tagen habe ich vergessen, was in dieser Richtung ist oder war.

Und heute bin ich einfach nur deprimiert, weiß nicht, wohin mich meine eigenen Worte führen werden und versuche gerade einen Abschluss zu finden, weil ich merke, dass ich keine eindeutige Aussage oder Botschaft in diesen unsinnigen Text mehr bringen kann.

Also: An alle, die immer mal wieder von Wellen der Trauer überflutet werden, lasst die Trauer ruhig ein wenig bei euch Einzug halten, aber seht zu, dass ihr sie früher oder später zermalmt, bevor sie euch zermalmt.

365 TageDenn ihr erinnert euch bestimmt daran, wie schön manche Dinge sein können und das man plötzlich doch wieder gelebt hat – und das gar nicht einmal unbedingt schlecht – ohne dass man es gemerkt hätte und dass die Trauer es nicht wert ist.

Und das obwohl euch leben unmöglich schien, jeder Atemzug wie ein Verrat stach und brannte…

Wenn eure Hoffnung gestorben scheint, irgendwo ist bestimmt noch ein Fünkchen übrig und das solltet ihr hervorlocken. UNBEDINGT!

(Wow, so kann man sich also selbst ein wenig aufmuntern? !) Vor einem Jahr schrieb ich ein Gedicht mit dem Titel „365“ für sie und heute habe ich einfach mal spontan meinen Gedanken freien Lauf gelassen… An nächstes Jahr denke ich einfach noch nicht.

Charlousie

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11 thoughts on “Wenn die Hoffnung stirbt. [Privat]”

  1. Ich kann dich gut verstehen. Sehr gut. Hier sind es vier Jahre und ich bin noch lange nicht im Stadium des „life goes an“ angekommen. ich wünsche dir einfach, dass du weiterhin so – so liest sich dein Text jedenfalls – gut damit zurecht kommst. Wir dürfen alle an die Menschen, die wir verloren haben, denken und auch noch Jahre danach wird die Trauer darüber, jemanden verloren zu haben, ab und zu wiederkommen. Aber im Großen & Ganzen kann man einfach froh sein, selbst am Leben zu sein und leben zu können ♥

    Fühl dich gedrückt!
    Sandra

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  2. Fühl dich gedrückt! ♥

    Bei mir waren es gestern erst 6 Monate, seit ich einen Menschen verloren habe, der mir unendlich wichtig war und den ich unendlich vermisse. Ich war heute Morgen auch auf dem Friedhof, weil ich irgendwo einfach mal stehen und heulen musste. Ich kenne das Gefühl nur zu gut.

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  3. Süße ich verstehe dich nur zu gut.
    Mein dad ist 2003 gestorben also schon vor 11 Jahren, ich war gerade 10 und habe es auch überhaupt nicht verstanden. Er war viel auf Geschäftreise und wenig zu Hause und so fühlte es sich lange an, Bis mal irgendwann merkt er kommt nicht.
    Auch jetzt gibt es noch so viele Sachen die ich ihm einfach erzählen möchte. Ich war sein kleines Mädchen und möchte ihn immer noch stolz machen und er hat einfach so wenig erlebt was bei mir so passiert ist. Gerade jetzt wo es mit dem Studium nicht richtig läuft möchte ich ihn um Rat fragen und kann es nicht.
    Vielen Dank für den tollen Text.

    ganz liebe Grüße
    Pia

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  4. Ich kann dich gut verstehen. Im April jährte sich der Todestag eines geliebten Menschen aus meiner Familie. Ich hatte zwar gewusst, dass die Zeit eines Tages soweit sein würde, und als ich diesen einen Anruf bekam, in dem mir gesagt, wurde, dass dieser Mensch, den ich in meinem Leben kaum gesehen habe, aber trotzdem liebte, für immer gegangen sei, wusste ich nicht mehr weiter. Es fühlte sich an, als würde die Welt für einen ziemlich langen Moment stehen bleiben. Ich konnte es erst gar nicht realisieren. Und jetzt etwas über ein Jahr später, sehe ich dem Thema Tod mit ganz anderen Augen entgegen. Es gibt bei mir Tage, da denke ich nur an diesen einen Menschen, und erinnere mich an Zeiten zurück, als ich mit diesem Menschen zusammen war. Die Trauer wird immer zurückkehren, doch bei mir wird sie jedes Mal etwas schwächer, da ich lerne, mit damit umzugehen. Ich habe mir da einen Spruch ausgedacht, der mir die Angst vor dem Tod etwas mildert:
    “Ich sehe den Tod nicht als ein Ende. Ich sehe ihn als ein Neuanfang.”
    Denn ich bin der Überzeugung, dass der Tod nicht einfach so das Ende sein kann.
    Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute, fühl dich gedrückt. 🙂 ❤
    Liebe Grüße,
    Nico

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  5. Ich drück Dich ganz fest denn ich fühle und leide mit Dir und verstehe ganz genau wie es Dir geht. Bei meiner Mutter war es März 2012 und sie fehlt mir in allen Lebenslagen. Ein weiser Mensch sagte mir mal: Vergiss all die Phrasen wie zum Beispiel „Die Zeit heilt alle Wunden“, (ein Satz den ich seit dem Tod von ihr NIE wieder benutzt habe.! ) Er meinte stattdessen „es wird anders“ – und damit sollte er recht behalten. Heute weiß ich das die Trauer um sie, ein Teil von mir ist. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage und ich wünsche Dir ein Umfeld, (egal ob Freunde oder Familie) dass dies akzeptieren kann.
    LG Ela

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  6. Hallo Charlene!
    Tja, auch hier gibts von mir Senf…
    Ich habe mittlerweile meine ganze Familie verloren, meinen Papa 1992, meine Mum 2001 und zuletzt meinen Bruder 2007… diverse Tiere natürlich auch noch. Und Trauer…Trauer gehört zum Leben dazu! Und wenn man sie nicht zulässt, kann das krank machen. Deswegen habe ich frühzeitig lernen müssen, dass es besser ist, ihr den Platz im Leben zuzugestehen, der ihr von der Natur aus vorgesehen ist.
    Meine Familie ist immer noch bei mir, in meinem Herzen. Die Wunden, die der Verlust der für mich wichtigsten Menschen gerissen hat, sind da, sie werden auch nie gänzlich verheilen, nur vernarben und Risse tun sich auch heute noch auf. Aber das ist o.k., wir sind Menschen, keine Maschinen, haben Gefühle und das Leben ist eben nicht immer nur trallala und Spaß.
    Immer wieder gibt es Dinge, Gerüche, Situationen, die mich in Tränen ausbrechen lassen, Melancholie die Überhand gewinnen lassen, aber hey, wenn eben jene Menschen, denen ich nachtrauere, die ich unsagbar vermisse mir eins beigebracht haben, dann, dass das Leben trotzdem lebenswert und liebenswert ist und der alte Spruch, auf Regen folgt Sonnenschein, der stimmt! Dieses Wissen zaubert durch den Tränenschleier auch ganz flott wieder ein Lächeln, einen Sonnenstrahl hindurch 🙂

    Fühl Dich gedrückt und weiß Gott verstanden!

    Liebste Grüße
    Bine

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  7. Ich möchte dir einfach nur ein wenig Bestätigung hierlassen <3.
    Ich finde, du schreibst deine Gefühle sehr sehr stark nieder. Ich kenne dich kaum, aber deine Worte haben einiges in mir bewegt. Tränen haben sich aus meinen Augen gestohlen…
    Das Leben geht manchmal echt komische Wege… ich weiß auch wovon ich rede. Ich wünsche dir nur ganz viel Kraft und Lebenslust :)!
    Fühl dich gedrückt
    Conny 🙂

    Gefällt 1 Person

  8. Hey Charlousie,

    halt dich fest, es wird lang^^

    Ich verstehe, wie es dir geht und habe aber bisher das Glück gehabt, noch beide Elternteile zu besitzen. Ich bin froh und genieße jeden Moment, denn umso älter ich werde, umso näher rückt auch ihr Tod. Dennoch hoffe ich noch mindestens 20 bis 30 Jahre mit ihnen zu haben, das ist eine lange Zeit, die ich nicht vergeuden möchte.
    Ich bin mit einem besonderen Glauben aufgewachsen, der mir sagt, dass sterben nichts schlimmes ist und zum Leben gehört. Als Kind hatte ich nämlich schreckliche Angst vor dem Tod, ich bin oft nachts zu meinen Eltern geschlichen und habe geweint, weil ich Angst hatte, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. Das war so die Zeit zwischen meinem fünften und siebten Lebensjahr. Warum ich diese Ängste hatte, weiß ich nicht mehr, denn ich hatte zu der Zeit weder einen Verwandten noch ein Haustier verloren. Dann sind wir zu meinen Großältern aufs Land gezogen und meine Oma hatte ihre ganz eigene Ansicht vom Leben und vom Tod.
    Sie glaubte daran, dass in jeder Pflanze, jedem Baum und sogar leblosen Gegeständen wie Steinen beispielsweise ein kleiner Gott steckt, der über uns wacht und beschützt. Wenn sie eines Tages stürbe, würde ihre Seele in einen dieser Gegenstände übergehen.
    Ich weiß, damit können viele vielleicht nichts anfangen, aber mir hat es als Kind geholfen, dass alles einige Zeit zu überwinden. Das ging so lange, bis ich elf Jahre alt war. Dann erkrante eine Freundin von mir an Krebs. Sie starb mit 11. Ich habe geschrien, geweint und war auch wütend auf mich, weil ich sie nicht habe gesundmachen können. Aber dann haben mich wieder die Worte meiner Oma beruhigt und ich habe mir vorgestellt, dass sie jetzt vielleicht in einem Schmetterling oder einer Robbe (meine damaligen Lieblingstiere ^^) stecken könnte und dann war alles nur noch halb so schlimm. Der Tod meiner Freundin hat mich auch geleert, dass das Leben früh und unerwartet vorbei sein kann und das man nie im Streit auseinander gehen sollte. Vor ein paar Jahren ist dann auch meine Oma gestorben. Ich erinnere mich genau an unsere letzte Begegnung und was wir geredet haben. Ich bin froh, dass ich Abschied nehmen konnte und ich bin mir ganz sicher, dass sie da, wo sie jetzt ist, glücklich ist und über mich wacht. Ich bin der festen Überzeugung sie irgendwann wieder zu sehen, aber ich hoffe natürlich auch, dass es nicht zu bald ist. Ich wünsche mir, meinem Freund, meinen Geschwistern und allen Menschen eigentlich ein langes, erfülltes und vor allem gesundes Leben. Auch dir. Ich verstehe, dass man hin und wieder erinnert wird und traurig ist. Meine Oma hatte beispielsweise sehr lange Fingernägel, die ich bis heute nicht vergessen kann ^^ Sie hatte eine wunderschöne Lache und auch wenn ich mich nicht mehr an ihre Stimme erinnern kann, so muss ich doch immer aufhorchen, wenn jemand so lacht wie sie oder jemand so lange Fingernägel hat wie sie.
    Puh… wo nehme ich nur all diese Sätze her? Ich sollte wohl mal aufhören, aber du hast einfach so einen Post geschrieben, bei dem man irgendwie antworten muss. Ich habe einmal ein Zitat gehört, dass ich bis heute nicht vergessen habe, vielleicht hilft es dir ja:

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden, sie lehrt uns nur, mit dem Unbegreiflichen zu leben.

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  9. Ihr Lieben.
    Da ich ein wenig unsicher war und vielleicht ein wenig zu schnell auf den „Veröffentlichen“-Button gedrückt habe, fürchtete ich mich anfangs ziemlich vor euren Reaktionen und habe daher erst einmal abgewartet und über noch einmal vieles nachgedacht. Und bin wirklich froh, dass ich auf „veröffentlichen“ gedrückt habe, denn so ganz alleine mit seinen eigenen Gedanken, fällt es manchmal schwer, wieder herauszufinden.
    Deswegen danke ich euch über eure (tröstenden) Worte, eure Anteilnahme, eure Erfahrungen bzw. ebenfalls Verluste, über eure Komplimente und einfach nur, dass ihr euch die Zeit genommen habt, den Artikel sowohl zu lesen (!) als auch zu kommentieren.
    Ich habe mich über jeden Kommentar gefreut, klingt blöd und drückt auch nicht wirklich das aus, was ich meine. (Versuche gerade, die richtigen Worte dafür zu finden).

    Jedenfalls: Danke, ich hätte nicht gedacht, dass solch ein Text UND eure Reaktionen so befreiend sein könnten!! ❤

    Liebste Grüße an euch ALLE,
    Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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