Death von Melvin Burgess [Rezension]

zitatstrichegrünVerzweifelt lief Vince rückwärts auf die Wand zu, warf sich so hart dagegen, wie er nur konnte, und jagte so selbst das letzte Fitzelchen Atemluft aus seinem Peiniger; aber Christian besaß die Kraft und die Leidenschaft eines Wahnsinnigen und klammerte sich weiter an ihn und während sie kreuz und quer durch das Zimmer hopsten, knurrte er ihm ins Ohr: „Ich verpass dir die Vier, ich verpass dir die Vier. C4! C4! Yee-ha!“

S. 272, Melvin Burgess – „Death“ © Chicken House

Death»Der Inhalt«

Adam hat nichts. Kein Geld, kaum Träume, vordergründig aber keine Perspektive. Seit sein Vater durch einen Unfall arbeitsunfähig geworden ist und sie auf die Unterstützung seines älteren Bruders angewiesen sind, weiß Adam, dass er entweder Karriere im Fußballspielen machen oder ganz, ganz tief fallen wird.

Doch dann ist da dieses angeblich letzte Konzert von Jimmy Earle, auf dem er Lizzie besser kennenlernt. Lizzie aus reichem Hause, in der er nicht nur verliebte Gefühle, sondern auch gute Pläne für die Zukunft sieht. Als Jimmy Earle dann seinen vermeintlich letzten Auftritt hinlegt und die Leute wie verrückt die Droge DEATH schlucken, bei der am Ende nichts als der Tod steht, spürt Adam, dass sich etwas Großes verändern wird.

»Schwelende Spannungsglutherde«

Melvin Burgess hat mit „Death“ einen extrem packenden Thriller verfasst, der verschlungenen, sumpfigen, zwielichtigen und definitiv undurchsichtigen Pfaden folgt. Im Laufe der Handlung verpufft Spannung um Spannung, um Spannung um Spannung in kleinen Glutherden, die im Hintergrund weiterglühen und am Ende dem großen Finale als Anstachelung und Nahrung dienen.

Was war ich nicht gefangen und komplett unfähig „Death“ auch nur länger als ein paar Minuten ruhen zu lassen.

Intrigant, berechnend und manipulativ hat Melvin Burgess eine Geschichte angelegt, in der er als Autor die fette schwarze Spinne zu sein scheint, die ein riesengroßes Netz gesponnen hat, in das sowohl die Charaktere als auch wir LeserInnen uns unaufhörlich verstricken.

»Der Autor als fette Spinne im vergifteten Handlungsnetz?«

DEATH selbst ist im Roman „Death“ eine Droge, die sieben Tage Hochgefühl verspricht, an deren Ende allerdings nichts als der Tod steht. In den schwierigen Zeiten Englands sind viel zu viele Jugendliche motiviert, diese Droge auch zu schlucken, weil sie lieber noch einmal wirklich leben wollen, anstatt jahrelang ein tristes Dasein zu fristen. Sätze wie: „Bis ans Ende meines Lebens“ bekommen da eine ganz andere Bedeutung, wenn nur noch 5 Tage übrig bleiben. death_c

Doch DEATH wird letztlich als gezieltes Werkzeug eingesetzt, denn was wäre der Roman ohne verschiedene Seiten, die jeweils ein Ziel vor Augen haben? In „Death“ möchte ‚jemand‘ gerne die Regierung zum Aufwecken zwingen, wenn nicht sogar komplett umkrempeln.

Dies hängt im direkten Zusammenhang mit den Protagonisten, die von ihrem Glück genauso wenig ahnen, wie wir LeserInnen.

Überhaupt hat Melvin Burgess durch den Fokus auf gleich mehrere Personen aus verschiedenen Lagern ordentlich Tempo in die Erzählung gebracht und nie durchblicken lassen, wann eine Hoch- und wann eine Talfahrt anstand.

»Ein brutaler Schocker!«

Warnen muss ich LeserInnen mit schwachen Nerven. Wäre „Death“ ein Film und kein Buch, ich hätte bei den brutalen Szenen vermutlich weggucken müssen, denn da vertrage ich nichts. Doch in meiner Vorstellungskraft verdränge ich bei Prügeleien, Messerstechereien, Schlägereien, handfesten Abreibungen und dergleichen einfach das Blut, knackende Knochen bzw. sämtliche Blessuren, die ich mir in echt kaum angucken könnte. Und ich versichere euch, diese Sachen kommen in schillernden Beschreibungen nicht gerade zu kurz. Wer also auf solche Szenen steht, der sollte definitiv schon einmal zu „Death“ greifen. Wem dabei übel wird, die Finger davon lassen.

Denn obwohl meine Vorstellungskraft mich schützende Grenzen kennt, ist die Wahnsinnigkeit eines Irren, der ständig „C4“ oder „C3“ schreit ein Grund für mehr als nur Gänsehaut. Was es mit diesen „C“-Sachen auf sich hat, solltet ihr unbedingt beim Lesen herausfinden ;).

Melvin Burgess Schreibstil ist relativ kühl und rational, was die Ernsthaftigkeit und Komplexität dieser Geschichte nur unterstrichen hat.

»Mein Fazit«

In „Death“ prescht Melvin Burgess mit einer hochdramatischen, packenden und extrem thrillerlastigen Geschichte voran, deren stahlseidenen Spannung ich mich nicht entziehen konnte, die mich zum Fingernägel kauen animierte und die ich allen empfehlen würde, die ein paar Stunden in einer brutalen, krassen aber lesenswerten Welt abtauchen wollen; realistische und ernsthafte Erzählungen mögen oder auch nur einmal etwas Anderes suchen. Denn Melvin Burgess deckt all diese Bereiche tatsächlich ab. „Death“ eine an Nervenkitzel kaum zu übertreffende Story!

WölkchenMond(Favourite)

BibliografischeDaten

von Melvin Burgess
übersetzt von Kai Kilian
Softcover
Seiten 352
Alter ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-52061-6
D: 14,99 €
Zu „Death“ bei Chicken House

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Über Charlousie

Ich lebe · liebe · lese · Ich schreibe · Ich rezensiere · Ich blogge https://leselustleseliebe.wordpress.com/ Eine verrückte, bloggende, verträumte, Buchliebhaberin, die mit ihren Katzen zwischen den Worten wohnt. Wenn du mehr erfahren willst, folge mir auf Twitter, like me on facebook, teile Bilder mit mir via Instagram oder besuche mich auf LeseLust & LeseLiebe.

Veröffentlicht am 11/04/2014 in Buchrezensionen, Rezensionen und mit , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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