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Die Aussichtslosigkeit des Schreibens

Die Aussichtslosigkeit des SchreibensIch bin mein eigener Feind. Schreibe über das, was in meinem Kopf spukt. Was sich tagelang festsetzt, sich nicht verflüchtigt und trotzig einfordernd meint, ich möge ihm doch in einem größeren Rahmen Beachtung schenken.

Solchen ‚liebevollen Bitten‘ komme ich selbstverständlich nach, lasse meine Finger blind in die Tastatur tippen. Beobachte, wie Buchstabe um Buchstabe die weiße Seite füllt.

Betätige DELETE, setze sorgfältig die Satzzeichen und stelle am Ende fest, dass dies alles nur eine einzige Farce ist.

Jedes Komma, jeder Punkt und jedes Ausrufezeichen dokumentieren den traurigen und verzweifelten Kampf meiner Gedanken, sich zu sortieren, neu zu ordnen, Lösungen für Probleme zu finden, die nicht zu lösen sind, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die ebenfalls nicht die meinen sind und Lösungen für Situationen zu finden, die mir unbekannt sein sollten, denn es sind nicht meine eigenen.

Ich dokumentiere mein trauriges Dasein, schreibe über Sehnsucht, Verzweiflung und Tod im Leben. Letzteres ein Widerspruch in sich, denn der Tod IM Leben ist zweifelsfrei ein schlechter Witz.

Manchmal lese ich diese Texte und erschrecke vor mir selbst. Über diesen komisch, trotzigen Kampf, den ich da führe, niemals führen wollte und dennoch unentwegt verliere.

Ich erschrecke über die Dinge, die ich vielleicht mal gehört, gedacht oder empfunden habe. Die die meinen gewesen sein könnten, die ich eventuell abgestreift habe, wie meine Kleidung vom Vortag, die ich möglicherweise aber doch noch mit mir herumschleppe.

NIch erschrecke und denke. Ich denke und erschrecke. Und dann denke ich weiter. Über das, was ich bereits so geschrieben habe, was ich noch schreiben könnte und stelle fest, dass es eine Teufelsspirale ist, die ich nicht durchbrechen kann. Denken und schreiben. Schreiben und denken.

Schon wieder drängen mich ebenjene Gedanken dazu, genau darüber zu schreiben.

Also packt mich eines nachts der verrückte Drang, meine verwirrenden Gedanken niederzuschreiben; obwohl ich drei Sekunden zuvor noch der festen Überzeugung gewesen bin, mich in weiteren drei Minuten in der Tiefschlafphase zu befinden.

Gedanken, die mit den Worten „Ich bin mein eigener Feind“ beginnen, ohne eine Ahnung zu haben, wohin mich dieser Satz treiben wird.

Dieses Mal erschrecke ich noch während des Schreibprozesses. Merke, dass ich mich mitten in einer Schlacht befinde und das nicht ändern kann. Ich kann lediglich hoffen, dass mich meine erschrockenen Gedanken am Ende halbwegs gut da stehen lassen und meine eifrigen Finger dem hinterherkommen; denn würde ich die Finger ruhen lassen, wäre das eine, mit einer Niederlage gleichzusetzenden, Kapitulation.

Ja, ich erschrecke mich vor meinen Gedanken. Denke, dass ich vielleicht auch nur einen schlechten Valentinstag hinter mir habe. Einen Tag, wie jeder andere, der auch ohne ein ‚Valentin‘ zu sein, möglicherweise schlecht gewesen wäre.

Ich denke, dass ich zu viel denke, wie mir mein Kumpel kürzlich mitgeteilt hat und sehe ein, dass ich alles zer- und tod- denke.

Denke, dass die Situation ausweglos ist, wenn sogar meine Freundin keinen Rat weiß, wie ich das übermäßige Denken einstellen kann.

Also beschließe ich, mich zur späten Stunde den Texten zuzuwenden, wegen derer ich meinen Laptop ursprünglich anstellte.

Kapitulation vor den eigenen Gedanken muss keine Niederlage bedeuten, sondern lediglich die gewonnene Erkenntnis, dass es schlechte und gute Tage gibt und es bereits ein Sieg ist, zu akzeptieren, dass der nächste Tag nur besser werden kann.

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4 thoughts on “Die Aussichtslosigkeit des Schreibens”

  1. … Ich würde jetzt ja glatt vor dir auf die Knie fallen, aber leider haben wir Steinboden und danach würde ich wohl nicht mehr hochkommen. Jetzt (abermals) ganz, ganz ehrlich … Ja bist du denn des WAHNSINNS! Das hier ist ebenfalls so DERMASSEN gut! Ich gebs auf … du bist verrückt. Verrückt, weil du nicht erkennst, wie abartig gut du bist. *kopfschüttel*

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    1. Oh bitte NEIN! Behalte deine unbeschadeten Kniescheiben unbedingt!!^^

      Hui, überrascht mich zwar, dass dich dieser (in meinen Augen irgendwie schon fragwürdiger Text ;-)) so anspricht, aber hey: GEIL!!!! 😀

      Aber verrückt bin ich auch in jedem Falle (Das ist zwar Klischee, aber sind wir das nicht alle ein wenig? Mehr oder minder?)

      Ich kann zumindest zusagen, dass ich willens bin, „mal“ (jaja, JETZT, ich weiß *Augenverdreher*) etwas längeres zu schreiben, doch diese … IDEEN >_<

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