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In einem Boot von Charlotte Rogan [Rezension]

In einem Boot»Inhalt«

Grace fällt es schwer, die Ereignisse aus jenen verhängnisvollen einundzwanzig Tagen zu rekapitulieren. Doch sie muss es tun, denn ihr Überleben hängt davon ab. Obwohl sie einige der wenigen ist, die das Schiffsunglück und die Zeit im Rettungsboot überlebten, stehen ihr nun neue Hürden im Weg.

Denn sie ist wegen Mordes angeklagt und stellt fest, dass zu Beginn ihrer Reise im Boot niemand ahnte, dass sie alle zu kaltblütigen Morden fähig sein werden.

Wird die Wahrheit ans Licht kommen und Grace sich erinnern, was wirklich geschehen ist?

»Leblos und leidenschaftslos«

In einem Boot” von Charlotte Rogan ist meinen Erwartungen nicht gerecht geworden.

Ich habe mir eine dunkle Geschichte versprochen, die mit den Abgründen der menschlichen Psyche in Extremsituationen spielt. Dies setzt Charlotte Rogan zwar durch ihre Figuren hindurch um, allerdings auf eine ziemlich unspektakuläre Art und Weise.

Durch die Augen der Protagonistin Grace Winter wird aus verschiedenen Zeitebenen ihre Lebensgeschichte erzählt mit dem Fokus auf die einundzwanzig Tage im (Rettungs)Boot.

Dabei kommt Grace leblos und leidenschaftslos herüber.

Mir fehlt der Anknüpfungspunkt bei dieser Protagonistin, die zum Teil dafür verantwortlich ist, dass ich so ausgesprochen wenig fühlen konnte beim Lesen von “In einem Boot”.

»Komischer Schwerpunkt«

Die inneren Konflikte, moralischen Zweifel und waghalsigen Überlebensstrategien fehlten. Nüchtern und sachlich beschreibt Grace rückblickend ihre Lage im Boot: Wer sich eventuell wie mit wem – gegen wen – verschworen hat und stellt dabei zunehmend ihre Sehnsucht und Hoffnung über ihren eigenen Ehemann in den Vordergrund.

Ein komischer Schwerpunkt, habe ich anfangs gedacht und noch gemeint, dass da schon noch eine wichtige Entwicklung folgen würde. Möglicherweise ist diese sang- und klanglos an mir vorbeigezogen, wer weiß?

Eventuell hat mich aber auch der monotone Handlungsablauf – und das trotz der Parallelität der Erzählstränge – dermaßen eingeschläfert wie das undurchbrechbare Klatschen der Wellen an den Bootsrumpf.

Sicherlich ist die Vorstellung eines einsamen Bootes im weiten Ozeans, das somit einer Nussschale gleicht, atemberaubend, doch was Charlotte Rogan daraus strickte, lässt mich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt kalt.

»Verständnislosigkeit«

Vor allen Dingen zieht die Autorin nach den Geschehnissen in diesem einen Boot Kurven, Verknüpfungen und Beziehungen, die sich mir nicht erschließen wollen und deren Sinn für die Gesamtbedeutung dieses Werks sich mir vollkommen entziehen.

In einem Boot” las ich mit vielen Fragezeichen im Kopf, die sich leider nicht in Ausrufezeichen der Erkenntnisse verwandelten.

Komplett aus dem Kontext gerissen fühle ich mich unerleuchtet und sogar ziemlich dumm, weil mir mein Verstand sagt, ich hätte mehr aus dieser Lektüre ziehen müssen.

Charlotte Rogan ist es zu Gute zu halten, dass sie trotz dieser lahmen Geschichte einen ausreichend guten und anregenden Schreibstil an den Tag legte, der mich diesen Roman zügig durchlesen ließ und mir half, mich nicht zu langweilen, sondern “nur” mit stetig wachsendem Desinteresse der Geschichte zu folgen.

»Mein Fazit«

In einem Boot” ist ein Roman, den ich am Liebsten nicht gelesen hätte, weil es mir schwerfällt, positive Aspekte zu finden.

Die Autorin wartet mit einer spannenden Idee auf, die lasch umgesetzt nicht die richtige Atmosphäre entstehen lässt.

Möglicherweise hat mich auch die Lektüre “Reise zum Horizont” von Jürgen Amman abstumpfen lassen, denn dort sind die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes zum Kannibalismus gezwungen, was den Figuren aus „In einem Boot“ erspart geblieben ist.

Ich rechnete mit Meeres vergleichenden Tiefen und bin enttäuscht, dass “In einem Boot” mir wie ein kalter, toter Fisch in Erinnerung bleiben wird.

Leseprobe!

Wölkchen2

BibliografischeDaten

Charlotte Rogan
» In einem Boot «
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
1. Auflage 2013
336 Seiten, 13.0 x 21.0 cm
ISBN 978-3-8390-0150-9
Hardcover
18,95 € (D)
19,50 € (A)
Zu “In einem Boot” bei Script5

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9 thoughts on “In einem Boot von Charlotte Rogan [Rezension]”

  1. Uiii, ich habe das Buch erst vor ein paar Tagen bei Tauschticket ergattern können. Fragezeichen im Kopf? Na, da bin ich mal gespannt … lesen werde ich es … früher oder später 😉
    Ganz liebe Grüße,
    Damaris

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    1. Ich rate zu später. Habe es zwar in einem Rutsch durchgelesen, aber auch nur, weil ich wusste, wenn ich es einmal zur Seite lege, werde ich es definitiv NICHT noch einmal zur Hand nehmen :/
      Mich hat schon eine Weile lang kein Buch mehr so deprimiert… 😦
      Aber ich wünsche dir viel Glück und vielleicht doch auch Freude? mit dem Buch 😀

      Alles Liebe,
      Charlousie

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  2. oje mine! das klingt ja trist :/ Hatte das Buch erst in Händen und musste mich ganz schön bremsen, es nicht mitzunehmen… Schade, dass so tolle, vielversprechende Ideen oft so furchtbar platt umgesetzt werden 😦

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    1. Ich konnte mich da auch nicht bremsen, weil ich dachte, es sei DAS Buch schlechthin. Es soll ja auch verfilmt werden mit Anne Hathaway in der Hauptrolle und vielleicht waren deswegen meine Erwartungen auch viel zu hoch, aber es hat mir einfach so 0 zugesagt… 😥
      Total blöd.
      Wenn man das nur immer mal vorher wüsste!!

      Liebe Grüße,
      Charlousie

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  3. Das war wohl nix ^^
    Aber wenn du sowas suchst, ich zitier dich mal: „Ich habe mir eine dunkle Geschichte versprochen, die mit den Abgründen der menschlichen Psyche in Extremsituationen spielt.“
    dann würde ich dir „Apfeldiebe“ von Michael Tietz empfehlen. Da gehts zwar um Kinder, aber die Situation ist extrem bedrohlich und die psychische Belastung verdichtet diese beängstigende Atmosphäre noch. Die Handlung hat mich total gefesselt und es ist so authentisch geschrieben, das man glaubt, mitten im Geschehen zu sein.
    Hab das Buch erst vor kurzem gelesen und es war ein echtes Highlight!

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    1. Hallo Aleshanee,
      lieben Dank für deinen Tipp. Werde ich mir definitiv mal näher angucken.
      Allerding ist es nicht so, dass ich jetzt prinzipiell nach dieser Art von Geschichten Ausschau halte, ich hatte es eben einfach von diesem Buch erwartet… 😉

      Aber „Apfeldiebe“ klingt ganz gut, so wie du das hier schilderst.

      Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende,
      Charlousie

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  4. Ach je, das klingt ja gar nicht gut! Ich weiß schon, warum das Buch noch nicht mal auf meiner Wunschliste gelandet ist. Wie ich sehe, eine gute Entscheidung 😉

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    1. Huhu Ally!

      Mich hat es irgendwie gereizt, aber nach dem Lesen… :/ naja…

      Aber ich kann mir zwar wenig vorstellen, dass es anderen LeserInnen gefallen wird, aber letztendlich gibt es IMMER welche, die so ein Buch PRIMA finden und ich nicht! 🙂

      Andere Bücher finde ich PRIMA, die evtl. nicht so gemocht werden 😉
      Es ist aber selten, dass ich komplett NEIN sage zu einem Buch. Schon bedenklich^^

      Abendliche Grüße,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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