Buchrezensionen, Rezensionen

Die Tochter des Leuchtturmwärters von Iain Lawrence [Rezension]

Sie sagte: “Niemand ist eine Insel”, S. 117, “Die Tochter des Leuchtturmwärters” – Iain Lawrence © Freies Geistesleben

TochterdesLeuchtturmwärters»Der Inhalt«

Lizzie Island ist Krabbes Heimat. Nach vielen Jahren kehrt sie dorthin zurück, obwohl sie schmerzhafte Erinnerungen an ihre Kindheit hat. Neben den unbeschwerten Jahren auf ihrer abgeschotteten Insel, haben ihre Eltern sie und ihren Bruder Alistair nicht immer so beschützen und bewachen können, wie sie es gerne getan hätten. Und so mussten sie für ihr Leben auf der Insel in Isolation, die gleichermaßen Freiheit und Gefängnis bedeutete, einen hohen Preis bezahlen, den niemand bezahlen wollte und an dem sie noch immer schwer tragen.

»Paradies und Gefängnis, die Unmöglichkeit Prioritäten zu setzen«

Die Tochter des Leuchtturmwärters” stellt auf der einen Seite ein sehr besonderes und sehr zerbrechlich wirkendes Werk dar, auf der anderen Seite habe ich mich aber nicht so ganz hineinfallen lassen können. Der Autor erschafft eine traurige Geschichte, die durch eine melancholische, schwermütige und somit schwere Sprache getragen wird. Die Atmosphäre ist also ständig bedrückend und grau. Doch das ist es nicht, was “Die Tochter des Leuchtturmwärters” ausdrücken möchte. Sie zeigt vielmehr, wie das eigentlich kargste und trostloseste Leben als paradiesisch empfunden werden kann. Wie aber das Paradies für die einen, für die anderen gleichzeitig zum Gefängnis wird. Diese Geschichte zeigt, dass es unmöglich ist, die eigenen Interessen – also die “Selbstliebe” – und die Bande zu seiner Familie in ein Verhältnis zueinander zu setzen: Das eine kann nie einfach über das andere obsiegen.

»Wenn man alleine ist«

Die Tochter des Leuchtturmwärters” hat mir in seinen 250 Seiten von viel Leid berichtet. Einem Leid, das zwischen Menschen entsteht, die nur mit dem nötigsten leben.

Cover ohne Schutzumschlag © Freies Geistesleben
Cover ohne Schutzumschlag © Freies Geistesleben

Ein Leben, was für beinahe alle Menschen heutzutage unmöglich, befremdlich oder kaum vorstellbar erscheint. Auf einer Insel, abgeschottet und isoliert vom Rest der Welt, auf die monatlichen Essenslieferungen von außen angewiesen. Ganz alleine. Aber alleine ist in Iain Lawrences Werk eine Definitionssache. Ist man alleine, wenn man für seine Arbeit auf der Insel rund um den Leuchtturm lebt? Ist man alleine, wenn man sich in den Schönheiten der Natur verlieren kann? Ist man alleine, wenn das Meer um einen herumtost und das für einen das größte Glück bedeutet?

Ist man alleine, wenn man keine Menschenseele – außer die der eigenen Familie – zum Glücklichsein benötigt?

Der Autor gibt darauf keine Antworten. Er umreißt lediglich eine Situation, die von verschiedenen Menschen innerhalb einer Familie unterschiedlich wahrgenommen wird.

»Eine feine Spannung, die sich wie eine Blüte langsam öffnet«

Dieses Buch zeigt auf, welche Naturwunder und Spektakel unsere Welt bereithalten kann. Auf was wir uns im Kern besinnen könnten. Gleichzeitig wartet ein tragischer Tod darauf, von seinen LeserInnen entdeckt zu werden und zu ergründen, wie unaufhaltsam man dazu in der Lage sein kann, sich in sich selbst zu verlaufen und unvermeidlich nicht mehr zurückzufinden. Kein “Licht” mehr zu sehen und alles nur noch als Bedrückung zu empfinden.

Im Grunde genommen passiert nicht viel auf den 250 Seiten. Der Autor entwickelte keinen rasanten Plot mit Höhen und Tiefen. Er hat auch kein Ass im Ärmel versteckt. Dafür schildert er beinahe fließend und äußerst natürlich wirkend, aus mehreren Zeit- und Perspektivenebenen.

Dadurch ergibt sich erst nach und nach ein Gesamtbild und es wird eine feine Spannung aufgebaut, die sich durch sorgsam gewählte Momente wie eine Blüte langsam öffnet und dann immer stärker entfaltet. Ich konnte mich von den Seiten nicht lösen und wollte aufgrund der Spannung zu jedem Zeitpunkt wissen, wie es weitergeht oder endet.

Ich ertrinke. Kann nicht atmen, nicht auftauchen, nicht entkommen. Papa HÖRT EINFACH NICHT ZU! […] Zum Glück habe ich noch Krabbe. Ohne Krabbe wäre es die reine HÖLLE hier. Ich habe Angst, ihr zu sagen, dass ich S. 69, “Die Tochter des Leuchtturmwärters” – Iain Lawrence © Freies Geistesleben

»Der fehlende Hoffnungsschimmer«

Die Tochter des Leuchtturmwärters” ist – wie zu Beginn geschrieben – eine besondere Geschichte. Allerdings ist sie für mich zu mut- und hoffnungslos. Es braucht nicht immer ein Happy End und so eine Geschichte ist Iain Lawrences Werk schon gar nicht, aber einen Hoffnungsschimmer, den brauche ich immer und sei er noch so schmal.

»Mein Fazit«

Die Tochter des Leuchtturmwärters” ist ein Buch zum Nachdenken. Zum tiefen, tiefen Nachdenken. Vermutlich ist das Meer nicht einmal tief genug, so tief könnte man bei diesem Werk gehen. Für mich ist es überwiegend eine zu dunkle Tiefe. So dass ich Iain Lawrences Werk gerne gelesen habe und er für seine Schreibkunst meine Hochachtung besitzt, aber ich brauche mehr Freude, mehr Lachen und vielleicht auch ein Stück mehr Unterhaltung.

Es ist meine Ansicht, dass zu wenig Hoffnung vorhanden ist. Andere LeserInnen mögen es nicht so wahrnehmen. Verlieren sich gerne in einer Ernsthaftigkeit, die einen mit dem Sinn des Lebens konfrontiert und sehen am Ende den Streifen Hoffnung am Horizont, der mir verwehrt blieb.

Wölkchen4

Allgemeine Buchinformationen:
ISBN-13: 978-3-7725-2247-5
Erscheinungsjahr: 2006
Auflage: 1
Einband: Gebunden
Seiten: 255
Verlag: Freies Geistesleben
Altersstufe: ab 14 Jahren
Original Titel: The Lightkeeper´s Daughter
Original Verlag: Delacorte Press, New York
Original Sprache: Englisch
Zu “Die Tochter des Leuchtturmwärters” bei Freies Geistesleben

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6 Gedanken zu „Die Tochter des Leuchtturmwärters von Iain Lawrence [Rezension]“

  1. Sehr schöne Rezi. Gefällt mir gut. Auch dein Fazit über die anscheinende Hoffnungslosigkeit. Ich geb dir Recht, zummindest etwas Hoffnung brauche ich auch immer..

    Sag mal..wie oder womit machst du eigentlich deine hübschen Zitate-Kästen?? Ich brech mir momentan dauern einen ab sowas ähnliches hinzubekommen^^#
    lg Aki

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    1. Soooooo, ich habe mir gerade mal dein Design bzw. Theme angeguckt. Rusty Grunge. (Hätte ich auch mal fast genommen ;-)) Von Theme zu Theme ist das unterschiedlich, wie solche Kästchen aussehen oder ob du überhaupt so „Zitateanführungszeichen“ bekommst oder nicht…
      Aber an sich ist es leicht: Du musst nur in der Vorlage für den Artikel in der Nähe von „fett markieren“ oder „kursiv“ etc. diese Anführungszeichen anklicken. Genauso wie beim fetter „machen“ … mehr ist das nicht. Aber es kann sein, dass es bei dir mit so einem Seitenstreifen links angezeigt wird, das hängt dann eben vom Theme ab. Aber du kannst dir sonst auch selbst welche basteln. Ist aber jedes Mal zum Einbinden in Artikel etwas umständlicher :/ Habe ich aber neuestens auch mal gemacht und die, sind so RICHTIG schööööööööööööön !

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      1. Aaaaah..verdammt..mein Theme macht leider keine so schönen Kästchen..ich hatte die kurze Hoffnung du hättest den Kasten selbst gebastelt und dann eingebunden..^^
        Soo schade. Rusty hat leider nur irgendwie so doof eingerückte Quotes und das wars.. *hrmpf* na trotzdem danke^^

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        1. Mit Open Office! 🙂
          Du musst einfach in gaaanz, ganz groß diese Anführungszeichen schreiben, dafür kannst du ein bisschen mit Schriftarten herumspielen (hat lange gedauert, bis ich zufrieden war, weiß aber gerade den Namen nicht) Das habe ich dann als Bildschirmfoto abgespeichert und dann in den Artikel eingebunden. DANN habe ich das Zitat über dieses „W“ für formatierte Texte eingefügt, im Artikel schreiben auf einrücken nach rechts geklickt und dann einen Punkt gesetzt und den dann weiß gemacht, damit man ihn nicht mehr sieht ;-), weil der Abstand/Absatz selbst mit dem HTML-Befehl einfach nicht bleiben wollte…Normalerweise müsste das auch so mit dem HTML-Befehl klappen. Das kannst du dann entweder so lassen, aber wenn du es rechts oder links im Text haben willst, musst du noch einmal ein Bildschirmfoto schießen und dann das fertige einbinden :).
          Und wenn du noch Fragen hast, weil die Anleitung vielleicht nicht sooo leicht war, frag mich, ich versuche sehr gerne zu helfen!!
          Nächtliche Grüße,
          Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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