Buchrezensionen, Rezensionen

Dangerous Deal von Andreas Schlüter [Rezension]

Der Typ war verschwunden.

Christoph taumelte zurück in sein Zimmer.

Drei Tage!, schwirrte ihm immer wieder durch den Kopf.

In drei Tagen war er Millionär.

Oder tot. S. 104, “Dangerous Deal” – Andreas Schlüter © Kosmos

Dangerous Deal

»Der Inhalt«

Christoph ist zutiefst erschrocken und betrübt als ihm eines unschuldigen Tages die Polizei eröffnet, sein Nachbar Sebastian König sei während eines Autounfalls gestorben. Sein Nachbar, bei dem er über Sky mit seinen Jungs Fußballspiele guckte. Sein Nachbar, der trotz des geschmiergelten Bankerberufes ein witziger und lockerer Kerl war.

Dass Sebastian König ihm seinen Laptop vermachen würde, damit hat Christoph am wenigsten gerechnet. Es ist ein schickes, modernes und recht neues Teil, woran Christoph sich aufgrund der Umstände kaum erfreuen kann. Die Hiobsbotschaft soll auch bald erfolgen. Jemand möchte mit allen Mitteln an die Daten, die auf dem Laptop installiert sind, herankommen. Der Unfall war nur inszeniert, tatsächlich war es Mord und Christoph muss sich nun gegen eine unbekannte Macht wehren, die bereit ist, über Leichen zu gehen. Nur gut, dass er seine Kumpels und die pfiffige Laura, auf die er heimlich steht, auf seiner Seite hat. Gemeinsam setzen sie alles daran, den Tätern zu entkommen und gleichzeitig die Daten zu sichern. Wird es ihnen gelingen?

»Charaktere nach Drehplan, primär für Jüngere?«

 Dangerous Deal” ist ein Jugendbuch, das mich den Glauben an das Gute in der Welt verlieren lässt. Andreas Schlüters Roman ist einerseits ziemlich irrsinnig und verrückt, da er ein Thema aus der “Erwachsenenwelt” aufgreift, das er mit Jugendlichen zusammenbringt, so dass sich die Zielgruppe wesentlich besser damit identifizieren dürfte.

Hierbei fiel mir die Identifikation mit den Figuren teilweise schwerer. Nicht, dass sie schlecht ausgearbeitet gewesen wären; allerdings wirkten sie auf mich zu aalglatt und handelten offensichtlich nach einem bereits vorgeschriebenen Drehplan. Sobald einmal die Rollen verteilt waren, bewegten sie sich innerhalb dieser Rollen und waren somit für keine Überraschung mehr gut. Es mag auch sein, dass mir die Figuren einfach nicht lagen. Ich habe sie weder nicht gemocht, noch interessierten sie mich brennend. Ich denke jedoch, dass jüngere LeserInnen sehr wohl von ihnen mitgerissen werden könnten. So besitzen die Figuren allesamt durchaus charakteristische und liebenswerte Merkmale, die für Witz, Abwechslung und Spannung sorgen. Ich habe diese Stellen manchmal mit einem Schmunzeln gelesen und manchmal mit Neutralität, weswegen ihr Charme nicht komplett von der Hand zu weisen ist. Andererseits ist der Realitätsgehalt nicht von der Hand zu weisen.

»Wie weit darf man gehen, um das eigene Leben zu schützen?«

 Spannend ist “Dangerous Deal” dennoch allemal. Andreas Schlüter warf mich ins kalte Wasser und verstand sich meisterhaft darauf, von der ersten Seite an ein Netz der Intrigen, Fallen und Bedrohungen zu spinnen. So abwegig die Idee einerseits scheinen mag, so authentisch und realistisch wirkte sie in diesem Roman auf mich. Vier Jugendliche sehen sich mit einer unbekannten “Erpresserbande” konfrontiert, die um jeden Preis wichtige Daten von den Jugendlichen haben will. Die Crux an der Sache: Den Jugendlichen ist nicht bewusst, was für Daten sie genau in den Händen halten und besitzen deshalb Skrupel, die Daten lapidar herauszugeben. Eine verschärfte Situation, die moralische Konflikte beinhaltet, während es gleichzeitig um das Überleben der Jugendlichen geht.

»Zu geplant wirkende Überraschungen«

Relativ kurze Kapitel erzeugten ein schnelles Tempo, dem ich mich gerne anschloss. Andreas Schlüter wurde nie zu ausführlich, noch zu knapp, sondern fand das rechte Maß, Szenen breitzutreten, wenn es passte und sie knapp zu halten, wenn sie nur der entfernteren Informationsbeschreibung galt.

Nichtsdestotrotz vermisste ich hierbei gelegentlich den natürlichen Fluss. Ähnlich wie bei den Rollenverteilungen der Charaktere, wirkten mir die Entwicklungen zu eingeplant und kalkuliert. Obwohl ich nie wusste, was als nächstes passieren würde und mich ständig überrascht sah, geschah dies nicht auf eine flüssige, sondern auf eine stockende Art und Weise. Oder besser noch: Man merkte der Handlung den zugrunde liegenden Plan an und rechnete nicht weiter mit großen Stolpersteinen oder Ähnlichem.

»Perfekt! – Für die richtige Zielgruppe«

Ich habe dennoch das Gefühl, dass “Dangerous Deal” gerade für Lesefaulere extrem spannend und kaum aus der Hand zu legen sein wird und geradezu zum Weiterlesen animiert. Die leichte und Jugendlichen angepasste Sprache, ein Plot, der einem Detektivroman oder Krimi gleicht und Charaktere, die einigen aus dem Herzen sprechen dürften, stellen da fast schon einen Selbstläufer dar. Eine perfekte Mischung, wenn man das richtige Lesealter erwischt. Besonders prickelnd ist hier auch die Thematik, die im Handlungsrahmen zwar rein fiktiv, aber gar nicht so weit von der Realität entfernt ist. Eine gute Möglichkeit, um Jugendliche an Korruption und Wirtschaftskriminalität heranzuführen.

»Mein Fazit«

Dangerous Deal” ist ein brisanter Roman über die Gier und die Machtbestrebungen der Menschen. Auf einem für Jugendliche angemessenem Niveau schildert er die Schwierigkeiten Unrecht aufzuklären und das Gesetz, das zum Schutz der BürgerInnen da ist, in Anspruch zu nehmen.

Andreas Schlüter hat zeitweise einen wahren Lesesog kreiert, der am bitteren, aber äußerst authentischen Ende der Lektüre nichts ändert. (Mit dem ich persönlich nur schwerlich klar komme.)

Wer für ein paar Stunden in eine spannende, haarsträubende und eine am aktuellen Puls unserer Zeit orientierte Geschichte versinken möchte, sollte mit “Dangerous Deal” gut bedient sein.

»Leseprobe«

Wer sein Leben verändern würde, wenn er eine Million Euro gewinnt, sollte es verändern. Auch ohne die Million.” S. 5, “Dangerous Deal” – Andreas Schlüter © Kosmos

Wölkchen4

»Trailer«

Allgemeine Buchinformationen:

Alter: ab 14 Jahren
304 Seiten
Breitklappenbroschur
215 x 137 mm (LxB)
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-440-12930-2
Art.-Nr.: 12930
Zu “Dangerous Deal” bei Kosmos

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7 thoughts on “Dangerous Deal von Andreas Schlüter [Rezension]”

  1. Hallo Charlousie,

    nun für die Zielgruppe so ab 13/14 Jahren und auch weil es männliche Helden gibt, fand ich die Geschichte ganz O.K..

    Ich durfte, dass Buch aus zweiter Hand lesen über meinen Sohn. Recht real zum Teil, denn wie schnell ist man im Auge des Staates und auch das Ende ist somit passend, wenn man realistisch an die Sache rangeht.

    LG..Karin…

    Gefällt mir

    1. Liebe Karin.
      Ich kann dir da zustimmen. Ich habe ja auch extra betont, dass es für MICH einfach blöd ist, dieses Ende. Ich spreche ja gar nicht ab, dass es realistisch ist, denn DAS ist es wirklich. Ich hätte mir für mich ganz persönlich nur lieber ein unrealistisches Ende gewünscht, was mich glücklicher gemacht hätte. Aber ich verstehe, dass es so besser ist. Gerade FÜR die Zielgruppe ;-)!
      Ich bin einfach eine Optimistin und da passt das Ende von „Dangerous Deal“ so GAR NICHT rein…. :/

      Liebe Grüße,
      Charlousie

      Gefällt mir

  2. Hallo Charlousie,

    O.K. für Optimisten ist das Ende wirklich kein Ding mit dem man sich anfreunden kann, aber ne Geschichtsende ala „Drei???“ wäre bei dem Thema , glaube ich auch nicht angebracht.

    LG..Karin..

    Gefällt mir

    1. Ach, bleib mir weg mit den „Drei???“. DAS war noch NIE meins. Da und um Thriller/Krimis mache ich einen großen Bogen, so lange es geht.
      Ich sehe auch ein, dass es kaum ein realistischeres und besseres Ende gegeben hätte. Mir gefällt dann einfach unsere Welt und Realität in vielen Dingen nicht. So kann man es auch ausdrücken! 😉

      Frohe Ostern,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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