Buchrezensionen, Rezensionen

Fanny in der Hölle I von Wolfgang Bellaire [Rezension]

Du kannst sie mit Gestalten aus Angstträumen vergleichen, ich aber bin der Angsttraum. Ich bin die Urmacht des Chaos! […] Ich herrsche über alle Zeiten und Räume. S. 88, “Fanny in der Hölle I” – Wolfgang Bellaire © Nordfriesischer KBV

Fanny 01Der Inhalt:

Die 13-jährige Fanny wird von bösen Mächten verfolgt, sagt sie und denkt sich die obskursten Geschichten aus. Also landet sie zur Behandlung in einer New Yorker Psychiatrie. Dort möchte Dr. Steven Raczkiewicz sie hypnotisieren, um den Ursprung ihrer Halluzinationen herauszufinden. Doch die Hypnose endet katastrophal und für Fanny scheint es keine Hilfe zu geben. Ihre Wahnvorstellungen vom Bösen werden immer intensiver und stärker, bis es einen Krieg auszufechten gilt und Fanny sich endgültig verloren glaubt…

Himmel und Hölle, die anbrechende Apokalypse?

Fanny in der Hölle I” ist ein Buch für junge Erwachsene, das ein für mich sehr spannendes Thema aufgreift. Den Krieg zwischen Himmel und Hölle und die Mythen, die sich rund um die Apokalypse ranken. Im Zentrum dieses Konflikts steht die 13-jährige Fanny, die zum Zeitpunkt des Geschehens in einer New Yorker Psychiatrie behandelt wird.

Damit entsteht ein Kontrast zwischen der Fachmeinung des Arztes und den Wahnvorstellungen Fannys, die für sie real sind. Wobei ich bis zum Schluss nicht weiß, ob Fanny nun tatsächlich fantasiert oder Reales erlebt und mir noch immer nicht begreiflich geworden ist, was ausgerechnet ein 13-jähriges Mädchen mit all dem zu tun hat. Da es eine Fortsetzung gibt, vermute ich ganz stark, dass dies dort aufgeklärt wird.

Wolfgang Bellaire überzeugt streckenweise mit schauderhaften und detaillierten Beschreibungen von Ausgeburten der Hölle und übertrifft sich in seinen gruseligen Beschreibungen immer wieder selbst.

Die Grenzen der (eigenen) Fantasie

Meine Fantasie kam irgendwann an dem Punkt an, keine weiteren, albtraumhaften Gestalten mehr erschaffen zu können. Trotz der recht großen Schrift hatte ich somit zeitweise Konzentrationsprobleme, da ich mir vieles nicht mehr so richtig vorzustellen vermochte und Schwierigkeiten besaß, dem Handlungsverlauf zu folgen.

Zum Ausgleich dafür besitzt “Fanny in der Hölle I” zwei wunderschöne Illustrationen, die wiederum zwei Szenen unterstreichen und meiner Fantasie noch einmal einen hilfreichen Anstoß versetzten.

Fehlende Hintergrundinformationen bei den Charakteren

Die Figuren sind einerseits gut herausgearbeitet und andererseits nicht. So bin ich mir immer noch nicht darüber im Klaren, was die Charaktere im Einzelnen umtreibt, weshalb sie die Einstellung besitzen, die sie besitzen und dergleichen. Kurz: Mir fehlen die Hintergründe und die Substanzen mancher Figuren. Wie die Charaktere jedoch in den aktuellen Situationen handeln und reagieren ist solange nachvollziehbar und mit Interesse zu lesen, solange ich als Leserin auf etwaige Hintergründe verzichten konnte.

Historische Kontexte, die sich mir nicht recht erschließen wollten

Fanny in der Hölle I” ist hauptsächlich gruselig geschrieben, da ständig zwischen vermeintlichem Wahn und Realität geswitcht wird und Perspektivenwechsel stattfinden. Neben vielen Fachausdrücken im medizinischen Bereich, die eine intensive Recherche des Autors beweisen, wird die Handlung gelegentlich auch in historische Kontexte gesetzt. Der Dreißigjährige Krieg spielt eine Rolle als auch der Zweite Weltkrieg und die damit verbundenen Hintergründe.

Als am Besten empfand ich das zweischneidige Doppelspiel von der Hölle, das mich immer wieder zweifeln ließ, ob nicht Satan am Ende doch der Erretter sei und Gott wirklich ein böser Tyrann. Hierbei bin ich dem Autor grandios in die Falle getappt und habe mich bestens an der Nase herumführen lassen.

Mein Fazit:

Insgesamt hat mir die Idee für “Fanny in der Hölle I” sehr gut gefallen. Das Potenzial ist nicht immer so großartig ausgeschöpft worden, wie ich es mir gewünscht hätte. Meine in diesem Fall begrenzte Vorstellungskraft mag dem Werk ein Unrecht antun, doch ich hatte immer wieder Mühen, mich im Geschehen einzufinden. Da einige Aspekte jedoch löblich gelungen sind und ich Passagen genoss – vor allen Dingen in der ersten Hälfte der Geschichte – pendelt sich mein Urteil auf knappe 3 Wölkchen ein.

Ein unerreichbares Ziel vor Augen stellen heißt, den Menschen zu unaufhörlichen Schuldgefühlen verdammen! S. 85, “Fanny in der Hölle I” – Wolfgang Bellaire © Nordfriesischer KBV

Wölkchen3

Allgemeine Buchinformationen:

eBook: 3,99€

Cover: Elif Nele Siebenpfeiffer fanny-in-der-hoelle1
Klick auf Cover, um es zu vergrößern
Frühjahr 2013, Nordfriesischer Kinderbuch Verlag, Rodenäs
Format: 248 Seiten, s/w-Innenillustrationen, 14.8 x 21.0 cm, gebunden (Fadenheftung)
ISBN: 978-3-944243-14-6
Preis: EUR 17.90 inkl. MwSt, versandkostenfrei
Zu “Fanny in der Hölle I” beim Nordfriesischen Kinderbuchverlag

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