Buchrezensionen, Rezensionen

Das Haus am Abgrund von Susanne Gerdom [Rezension]

Die Welt ist böse. S. 5, “Das Haus am Abgrund” – Susanne Gerdom © bloomoon

 

DasHausamAbgrundDer Inhalt:

Im Kopf des 16-jährigen Adrian Smolletts wächst ein Tumor. Aus diesem Grund hat er sich mit seinen beiden Vätern nach St Irais zurückgezogen. In das beschauliche Dorf, indem er schon viele Ferien verbrachte. Doch dieses Mal geht vom Nachbarsgrundstück ihres eigenen Cottages eine dunkle Bedrohung aus. Das Dorf brodelt vor unterschwelligem Hass und einer sich anbahnenden Gefahr, die niemand auszusprechen wagt, die jedoch stetig präsent die Gemüter erhitzt. Also beginnt Adrian zu recherchieren und droht sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart, guten und bösen Halluzinationen zu verlieren. Sein einziger Halt wird November Vandenbourgh sein, die als Novemberbraut ein schauriges Geheimnis hütet, das in direkter Verbindung zu dem Haus auf dem Nachbarsgrundstück steht. Wie viel von dem, was Adrian die Geister einflüstern, ist wahr? Wem ist zu trauen und wem nicht? Wer ist der übermächtige und unsichtbare Gegner, gegen den sie bestehen müssen?

Ein absolut fesselndes und gefangen nehmendes Geflecht

Susanne Gerdom hat eine Geschichte geschrieben, die mich auf eine gruselige, verwirrende und schaurig spannende Reise nahm. “Das Haus am Abgrund” spielt gekonnt mit den Perspektiven, lässt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheinbar undurchdringbar miteinander verschmelzen und schafft es, ein so dichtes Geflecht zu kreieren, dSG2ass ich mich gefangen und absolut gefesselt fühlte. Gefesselt vom Geschehen, das einerseits irrwitzig und auf skurrile Art und Weise komisch erscheint und andererseits von einer tiefen Verzweiflung zeugt, deren Ursprung man ständig beinahe zu greifen glaubt, bis es mir doch wieder entwischte. Susanne Gerdom hielt mich ständig bei der Stange, indem sie mir gezielte Brocken hinwarf, die mir halfen, mich zurechtzufinden und gleichzeitig nur noch mehr Fragen und Verwirrung stifteten.

Liebenswerte Figuren als kostbares Lesegeschenk

Verloren habe ich mich vollkommen in den Figuren. Zum ersten Mal seit Langem wurde mir bewusst,

abgrund
Ein mehr als entzückendes Cover

dass ich mal wieder einen Roman mit einem männlichen Protagonisten, der aus der Ich-Perspektive berichtet, erleben durfte. Mir erschien das wie ein kostbares Lesegeschenk, das ich in vollen Zügen genoss. Nicht nur dieser Umstand, sondern auch, dass Adrian Smollett seine eigenen Macken, Sorgen und Probleme angedichtet bekam, half mir, mich in “Das Haus am Abgrund” zu versenken und mit den Figuren mitzugehen. Die andere Protagonistin November Vandenbourgh ist nicht weniger gut gelungen. Allerdings war Adrian weitaus interessanter und auf seine besondere Art polarisierend. Adrians familiäres Umfeld ist anders als das der traditionellen Familie. Er besitzt zwei Väter. Susanne Gerdom hat diese Situation in meinen Augen so gut aufgegriffen, dass mir jedes Mal das Herz aufging, wenn Jonathan (der gute liebe Jonty!) oder Tobias ihren Auftritt hatten. Ich kann es nicht richtig beschreiben, doch diese Randfiguren wirkten so unerschütterlich stark, dass sie mir diese düstere Geschichte versüßten.

Keine klare Trennlinie zwischen Wahn und Realität und ein durch und durch schwarzer Kern

Dann wäre da noch der dunkle Kern, um den sich “Das Haus am Abgrund” rankt. Dieses stets nicht Greifbare, immer halb im Schatten und halb im Licht liegende. Ein Geheimnis, das sich von Seite zu Seite aufbaut, verdichtet und immer größer wird, bis ich mir nicht mehr sicher war, ob ich das Geheimnis wirklich durchdringen wollte. So bedrohlich, so unaushaltbar und so absolut schwarz erschien es mir. SG1

Susanne Gerdom nährt die Dunkelheit mit vielen Faktoren und so wie sie bereits die Zeiten miteinander verschmelzen lässt, schafft sie ebenfalls verwischende Übergänge zwischen Realität und Fiktion. Denn Adrian hat ein ungewöhnliches Leiden, das es mir unmöglich machte herauszufiltern, was er sich nun zusammenfantastisierte und was nicht.

Rückblickend ist das mit das Schönste: Nicht zu wissen, wie viel nun “wahr” ist. (Sofern ein “Knochenhaus” und Geister tatsächlich real sein können ;-).)

Mein Fazit:

Liebe LeserInnen, taucht unbedingt ab in die Tiefen des am Abgrund stehenden Hauses. Geht die Irrpfade, die alle ihr Ziel in der Dunkelheit finden und lasst euch verführen von einer fantastischen Show, die mit nichts zu vergleichen ist. Susanne Gerdom hat nicht nur eine “Nische” zwischen den zig bereits vorhandenen Szenarien und Gestalten in der Buchwelt gefunden, sondern daraus einen herrlichen Stoff gewoben, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Leseprobe

Und für einige Minuten drehte sich die Erde ohne uns weiter. S. 307, “Das Haus am Abgrund” – Susanne Gerdom © bloomoon

Wölkchen5

Allgemeine Buchinformationen:

Susanne Gerdom
Das Haus am Abgrund
Ab 14 Jahren / 400 Seiten
21 cm x 14,5 cm
14,99 € [D], 15,50 € [A], CHF 21,90
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
ISBN: 978-3-7607-8666-7
Erschienen am 05.02.2013
Zu “Das Haus am Abgrund” bei bloomoon

Ich bedanke mich herzlichst bei Susanne Gerdom für das wunderschöne Leseexemplar mit Signierung!!

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12 thoughts on “Das Haus am Abgrund von Susanne Gerdom [Rezension]”

        1. Du hast Glück. Das Argument lasse ich immer gelten! 😉
          Ergeht mir oft ja auch nicht anders. Sonst hätte ich nämlich auch gar keine Wunschliste mehr!

          Schönen Gründonnerstagabend wünsche ich dir noch,
          Charlousie

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        2. Hihi. Meine ist nur leider wieder viel zu lang…

          Danke, dir auch!

          Liebe Grüße,
          Anna-Lisa

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    1. Als ich den Kommentar vorhin gelesen habe, musste ich so lachen!!! 😀
      Ein schöneres Feedback konnte ich gar nicht erhalten.
      Dafür sage ich: D A N K E ❤

      Alles Liebe,
      Charlousie

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  1. Hallo Charlousie,

    also Hammer, diese Rezi,!!!

    Denn ich habe das Buch zusammen mit der Susanne in einer Leserunde bearbeitet und wir alle zusammen in der Leserunde hätten es nicht besser beschreiben können, wie vielschichtig/lustig/düster und unheimlich real oder auch unreal die Geschichte letztendlich ist.

    Ja, leider gibt es viel zu wenig männliche Hauptdarsteller besonders in Jugendbüchern. Gerade mal als Loverboy werden sie geduldet. Da hat Susanne somit auch eine Tür aufgestoßen, wie ich finde , auch die Sache mit den zwei Väter ist eine interessante und auch zeitgemäße Darstellung einer/der Familie.

    Also ich lese z.B. Les Miserables..Hauptdarsteller ist da auch mal ein Mann!

    LG..Karin…

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    1. Deine Worte haben mir nach Susannes Kommentar nun ein noch breiteres Lächeln ins Gesicht gezaubert!

      Es gab eine Zeit, da war ich ein Fan von diesen „Loverboys“, doch inzwischen ist das so ausgelutscht, dass man nur noch denken kann: „Okay, der ist genauso genial wie der aus dem, dem, dem und dem Roman“ oder: „Neee, der kann ja GAR NICHT mithalten und ist sowas von unspannend…!“

      Es ist schön, wenn es endlich mal wieder „Kerle“ gibt, die von sich aus was zu sagen haben, ohne ein wimpernklimperndes Mädchen daneben.

      Die Darstellung der zwei Väter habe ich auch sehr genossen. Es wirkte in diesem ganzen Rahmen so realistisch und am allernormalsten von der ganzen Welt und ich fand schön zu lesen, wie das mit so zwei Vätern ist. In meinem Bekanntenkreis gab es immer „nur“ eine Familie mit zwei Müttern, so dass ich auf zwei Väter eher weniger gekommen wäre ;-).

      „Les Miserables“ spricht mich irgendwie nicht so an, weil in dem Film z.B. so viel gesungen wird und das mag ich nicht so. Deswegen kann ich es mir als Buch kaum noch vorstellen…

      Einen schönen Gründonnerstag wünsche ich dir,
      Charlousie

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  2. Hallo Charlousie,

    das freut mich, denn Du hast diese Rezi wirklich toll hingebracht.

    Nun ich persönlich sehe , dass Problem in unserer heutigen Bücherwelt angesiedelt, denn wer schreibt heute noch wirklich Bücher für Erwachsene.

    Viele Autoren versuchen doch Jugendbücher zu schreiben und die zielen doch gerade auf „Loverboy“ -Geschichten ab und auf ein bestimmtes Alter/Leseschicht ab.

    Da ist Susannes Buch mal eine löbliche Ausnahme und weil sie auch nicht die Realität verkennt, wo viele Autoren noch in einer sagen wir mal „Traumwelt“ leben und schreiben.

    Es gibt noch viele Möglichkeiten einer Familie! Denn wir leben ja nicht mehr in der Steinzeit, hihi.

    Was „Les Miserables“ klar da wird fast nur gesungen, aber es ist letztendlich eher eine Art Musical der dann als Film gestaltet wurde Und wenn man das in diesem Zusammenhang sieht , bei den Preisen für Musicals ein eher preiswertes Vergnügen….

    Ich habe das Buch dazu und da wird die Geschichte z.T. ganz anderster geschrieben und eher wohl auch so wie sie der gute Victor Hugo sich sie erdacht hat.

    LG und schöne Ostern..Karin…

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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