Aktionen, SchreibEcke

Es lebt ein Schrei in dir

Es lebt ein Schrei in dir

Ätzend wie Säure breitet er sich von deiner Mitte in alle weiteren Regionen deines Körpers aus. Er frisst sich durch deine Organe, durch deinen Blutkreislauf, deine Nervenbahnen und Knochen.

Obwohl er wie ein Gift durch dein Blut pulsiert, kannst du ihn nicht entlassen.

Arsen scheint dich einlullend zu betäuben.

Es lässt dich nicht mehr richtig atmen. Lässt dich nicht mehr schlafen. Nicht mehr essen. Nicht mehr lachen. Nicht genießen. Nicht fühlen. Nicht leben.

Im wachen Zustand fühlst du ihn beständig in dir toben.

Ein Gefühl, als ob Rasierklingen deinen Körper als Schauplatz für ihren wütenden Tanz missbräuchten.

Gleichzeitig drückt er dir auf die Lungenflügel. Erschwert dir das Atmen. Nimmt dir das Gefühl der Freiheit.

Doch du kannst ihn nicht entlassen.

Endlich willst du den Schrei befreien. Ihm die Lebensnahrung in dir entziehen.

Kein Leid. Keine Qualen. Ist es so einfach?

Also wirst du den Schrei in deinen Mund legen, um ihn endgültig zu entlassen.

Das kostet dich Überwindung, denn du weißt nicht, wer ihn hören wird.

Deine Zähne sind im Begriff, sich zögerlich zu öffnen.

Kriechend langsam gibt der Schrei die besetzten Gebiete frei und gleitet in deine Mundhöhle. Du schmeckst den bitteren und schalen Geschmack seines Ursprungs. Er strebt weiter, will nun nicht mehr stoppen.

Deine Speiseröhre wird zerfetzt, während der Schrei weiterhin ins Freie drängt. Drängender und immer, immer drängender.

Noch einmal holst du Luft und meinst zu spüren, wie die Leichtigkeit versucht Einzug zu halten und dabei die ersten vom Schrei gerissenen Lücken füllt. Deine Lippen formen jetzt den ersten Ton.

Wirst du es wirklich wagen?

Er ballt sich zwischen Zähnen und Zunge, wird zu einer Woge, über die du keine Kontrolle mehr besitzt. Drängt dich immerfort. Drängt dich, den Mund weiter zu öffnen, die Lippen auseinanderzureißen, bis dein Kiefer, aufs Äußerste gespannt kapituliert.

Beim Ausatmen entweicht er dir …

Stille.

Ein stummer Schrei hat dich verlassen.

Advertisements

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s