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Leaving Paradise von Simone Elkeles [Rezension]

Es gibt sie noch… die große Liebe!

Das letzte Jahr hat ihn verändert. Damals hat er sich nur knallhart gegeben, doch jetzt umgibt Caleb eine bedrohliche Aura. Sein Haar ist kurz geschnitten, sein Hemd steht offen und erlaubt einen Blick auf seinen muskulösen Oberkörper. In Kombination mit der engen Hose, die seine Oberschenkel umspannt, schreit das geradezu Gefahr! S. 52, „Leaving Paradise“ – Simone Elkeles © cbt

Der Inhalt:

Maggie Armstrong ist ein Krüppel, seitdem sie von dem Bruder ihrer besten Freundin und Nachbarin nachts angefahren wurde Leaving Paradise von Simone Elkelesund dieser auch noch Fahrerflucht beging. Ihr starkes Hinken sorgt für mitleidige, für verachtende und für böse Blicke. Sie hat Schwierigkeiten darin, sich mit ihrem neuen Leben anzufreunden. Ein Leben ohne Tennis, ein Leben, in dem ihr Traum geplatzt ist. Nach ihrer Erholungszeit soll sie nun wieder zurück in die Schule gehen. Angeblich soll ihr das gut tun, doch Maggie weiß, dass sie noch nicht bereit ist.

Caleb Becker sitzt jetzt beinahe seit einem Jahr im Jugendgefängnis. Wegen guter Führung wird er in wenigen Tagen freikommen und zurück in seine Heimatstadt gehen. Neben Sozialstunden, wird er wieder die Schule besuchen und als Senior seinen Abschluss machen. Doch er wird auch wieder der Nachbar von Maggie sein. Dem Mädchen, das er angefahren hat.

Als Maggie und Caleb aufeinander treffen, spüren beide durch ihre neue Außenseiterrolle eine Verbundenheit. Sie wollen das nicht spüren, denn die Vergangenheit löst tiefen Schmerz aus und könnte ein Geheimnis ans Licht zerren, das ihre Gegenwart und Zukunft komplett verändert. Bis das allerdings passiert, müssen sie herausfinden, was sie wollen und mit welcher Lebenseinstellung sie dem Leben begegnen wollen.

Tief, tiefer am Tiefsten! – Ein köstlich, delikater Roman, der gekonnt mit Opfer und Täter Rollen umzugehen weiß

Köstlich, delikat und einzigartig rasant. Simone Elkeles hat erneut ein Jugendbuch kreiert, das mich einige atemlose Stunden bannte.

Ich rechnete bereits mit einer Anspielung zu dem „Paradise“ im Buchtitel, der letztlich einen ganz anderen Bezug einnimmt als vermutet, doch welchen? – Das müsst ihr dann wohl nachlesen! 😉

Die Geschichte, die diese Autorin zeichnet, zeugt von einer kaum vorstellbaren Tiefe, welche bewirkte, dass ich mich von den Seiten nicht mehr lösen konnte. Hierbei beherrscht Simone Elkeles es perfekt, ein temporeiches und spannendes Spiel aus Aktion und Reaktion zwischen den beiden Protagonisten zu zaubern. Abwechselnd erzählen beide aus ihrer Sichtweise den Lauf der Dinge, so dass man beide Seiten nachvollziehen kann und versteht, gegen welche inneren Dämonen sie anzukämpfen haben.

Die Tiefe wird unter anderem durch Vielschichtigkeit hervorgerufen, die sich darin äußert, dass Simone Elkeles nicht nur das Klischee zweier Menschen aufgreift, die als Opfer und Täter miteinander verbunden sind. Vielmehr webt sie weitere Komponenten hinein, die erst im Laufe der Handlung enthüllt werden und beweisen, dass „Leaving Paradise“ viele Facetten besitzt, die es zu erforschen lohnt. Leider kann ich auf diese Facetten nicht näher eingehen, denn der große Reiz liegt beim Entdecken der einzelnen Offenbarungen während des Leseprozess. Doch auf eines kann man sich als LeserIn in “Leaving Paradise” verlassen: Simone Elkeles führt gerne auf falsche Fährten und streut Ideen, von denen ich direkt dachte, ich wüsste, wohin sie führten, um dann festzustellen, dass ich in die Falle getappt war und nur wenig besser war als die Figuren dieser Geschichte, die ich genau für so ein Verhalten und Denken verurteilt hätte. Das Motto von “Leaving Paradise” lautet also, dass das Hinterfragen jeglicher Sachverhalte nicht schaden kann.

Mehrdimensionale Protagonisten, die abwechselnd erzählen und ordentlich Stimmung machen

Die Protagonisten Caleb und Maggie haben mich durch ihre Mehrdimensionalität und Emotionalität sehr berührt. Sie sind keineswegs perfekt in dem, was sie tun; dennoch entwickeln sie sich weiter und beweisen ihre Stärke, von der ich überzeugt bin, sie könne auf die einen oder anderen LeserInnen übergehen, sofern man mit den beiden auf einer Wellenlänge liegt. Die Gefühle Calebs und Maggies waren häufig förmlich mit den Händen greifbar und obwohl sich eine eindeutige Romanze abzeichnet, ist sie doch völlig vom Kitsch enthoben und schlägt sich ihren eigenen, unvorhergesehen und intensiven Pfad.

Auch das Ende dieser geladenen Erzählung ist keineswegs so glücklich, wie ich es mir gewünscht hätte, doch auch das trägt zu der Genialität dieses Werks bei und ich kann noch immer auf den zweiten Band „Back to Paradise“ setzen.

Mein endgültiges Urteil:

Simone Elkeles Bücher sind so unschlagbar, weil sie authentisch sind und sich mit Themen auseinandersetzen, die auf die eine oder andere Weise jeden betreffen oder berühren könnten. Der Erkennungswert von „Leaving Paradise“ ist unermesslich. Es war, als hätte ich dieses Buch beim Lesen inhaliert. Wer sich nach einem Buch verzehrt, das ungeahnte Sehnsüchte hervorruft und ein Gefühlschaos auf jeder Seite auslösen kann, sollte seine Aufmerksamkeit diesem Buch widmen und lernen, was es bedeutet, eine literarische Kostbarkeit in den Händen zu halten.

Bewertung
Bewertung

Thematik:

Kleinstadt

Täter-Opfer

Liebe

Jugendgefängnis

Identitätsfindung

Ausgrenzung von Minderheiten

Behinderung im Alltag

Trunkenheit am Steuer

Vergangenheitsbewältigung

Allgemeine Buchinformationen:

Simone Elkeles
Leaving Paradise
Originaltitel: Leaving Paradise
Originalverlag: FLUX
Aus dem Englischen von Katrin Weingran
Deutsche Erstausgabe
Ab 13 Jahren
Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 12,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-570-30793-9
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50
Verlag: cbt
Zu “Leaving Paradise” bei cbt

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Ein Gedanke zu „Leaving Paradise von Simone Elkeles [Rezension]“

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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