Interviews

Ein paar Fragen an Christine Lehmann [Autoreninterview]

Christine Lehmann lässt seit 2009 mit ihren vielseitigen Jugendbüchern Herzen höher schlagen, in denen die Liebe scheinbar alle Grenzen überwindet und jedweden Hürden trotzt. Voller Stolz darf ich euch heute ein Interview mit der Frau präsentieren, die hinter diesen fabulösen Geschichten steckt und deren Bücher ich im Dezember zu meinen TOP’s kürte! Ich hatte die Ehre der Autorin ein paar Fragen über ihre Arbeit, ihr Selbstverständnis als Schriftstellerin und über ihre Jugendbücher zu stellen.

© Christine Lehmann (FB)
© Christine Lehmann (FB)

Ein paar biografische Daten zur Autorin!

Christine Lehmann, geboren 1958 in Genf, lebt seit 1962 in Stuttgart, schreibt Krimis, Romane und Jugendromane und arbeitet als Nachrichtenredakteurin beim SWR. Hat einen zweiten Wohnsitz in Wangen im Allgäu. Lehmann veröffentlicht seit Mitte der 90er Jahre Krimis mit der Kult-Serien-Figur Lisa Nerz, die in immer wieder anderen gut recherchierten Milieus Morde aufklärt und seit 2011 auch bloggt und eine eigene Facebookseite hat. Um die Jahrtausendwende kamen Liebeskomödien dazu – Der Bernsteinfischer wurde 2005 mit Heiner Lauterbach und Sonsee Neu in den Hauptrollen für die ARD verfilmt -, dann Liebesromane für jugendliche Mädchen. Außerdem verfasst Lehmann Kimi-Hörspiele für den SWR im Rahmen der Reihe ARD-Radio-Tatort.  Text von © Christine Lehmann

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C: Beginnen wir mit Fragen zu Ihrem Berufsfeld:

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

L: Wahrscheinlich, weil ich gern gelesen habe. Irgendwann gab es nicht mehr die Bücher, die ich gerne gelesen hätte. So habe ich angefangen, mir meine Geschichten zu schreiben.

C: Was ist für Sie beim Schreiben das Wichtigste?

L: Die Neugierde auf die neue Welt, die entsteht, die vorher nicht da war, nun aber nicht mehr wegzudenken ist.

C: Wie lange haben Sie insgesamt an einem Roman wie „Der Ruf des Kolibris“, „Die Rose von Arabien“ und „Eukalyptusmond“ gearbeitet? (Recherche, Schreibprozess, Lektorat, etc.)

L: ungefähr ein Jahr

C: Wie viele Wörter schreiben Sie ungefähr an einem Tag?

L : keine Ahnung. Zwischen 8 und 12 Seiten.

C: Haben Sie einen Tipp für angehende AutorInnen oder diejenigen, die es werden wollen?

L: Üben. Nicht glauben, dass das erste Buch schon druckreif ist. Schreiben kann man zwar, aber Geschichten erzählen muss man genauso üben wie ein Pianist übt, bis er Konzerte geben kann: Ungefähr zehn Jahre lang. Und dann muss man eine sehr hohe Frustrationstoleranz haben. Denn die ersten Romane werden abgelehnt. Nur wer trotzdem immer wieder neu anfängt, wird auch eine Schriftstellerin oder ein Schrifsteller.

C: Wovon lassen Sie sich inspirieren, woher nehmen Sie Ideen für neuen Buchstoff?

L: Oft sind es Verlage, die eine Buchidee vorschlagen. Aber die Ideen, wie es erzählt wird, muss ich selber haben. Da hilft Lebenserfahrung enorm. Wie die Ideen kommen, kann ich nicht sagen. Oft unverhofft. Ich brauche einen Zustand entspannter Konzentration.

C: Sie schreiben inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt. Hat sich seitdem für Sie etwas in der Buch/Verlagsbranche oder in Ihrer Arbeit geändert?

L: Am Anfang will man nur einen Verlag. Hat man den, wünscht man sich Leser/innen. Später wünscht man sich Käufer/innen. Am Anfang war ich nicht so frei in dem, was ich mache, wie jetzt. Ich habe ein Buch pro Jahr geschrieben, und das war mir zu wenig. Jetzt wird es mir mit zwei (oder drei) Büchern manchmal zuviel.

C: Nun möchte ich näher auf Ihre drei Jugendbücher („Der Ruf des Kolibris“, „Die Rose von Arabien“,

„Eukalyptusmond“) eingehen:

Gibt es eine der drei Protagonistinnen aus den gerade genannten Romanen, die Ihnen am meisten am Herzen liegt oder von der Sie meinen, dass Sie Ihnen am ähnlichsten ist?

L: Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Ähnlich ist mir keine, wenngleich alle auch etwas von mir haben. Am liebsten mag ich Lena aus „Eukalyptusmond“, weil sie kämpfen muss, bis sie weiß, wer sie ist und was sie will.

C: In Ihren Jugendromanen entdecken die Heldinnen fremde Kulturen und überwinden für die Liebe jegliche kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Barriere. Sie kommen mit einer Liebe zusammen, die eigentlich unmöglich ist und nicht sein darf. Glauben Sie, dass so etwas auch im richtigen Leben möglich ist und dann eine Zukunft besitzt?

L: Nein, ehrlich gesagt nicht, oder eben nur ganz selten. Man muss sehr viel Einfühlungsvermögen, Respekt und Verständnis haben und den anderen mitsamt seiner Kultur immer so sein lassen, wie er ist. Und das fällt uns ja schon in einer Beziehung innerhalb des eigenen Kulturkreises schwer. Aber ich schreibe das, weil ich für Neugierde, Offenheit und Toleranz werben möchte.

C: Welcher der drei Romane stellte für Sie beim Recherchieren und oder Schreiben die größte Herausforderung dar und warum?

Eukalyptus_1L: „Die Rose von Arabien.“ Der Islam ist halt auch mir sehr fremd, und verlässliche Informationen gibt es nicht. Über die Herrscherhäuser in Dubai ist auch nur wenig herauszubekommen.

C: Gibt es schon Pläne für ein weiteres Jugendbuch bei Thienemann/Planet-Girl?

L: Es wird wieder eines geben. Aber wir haben noch nicht angefangen zu planen.

C: Hatten Sie bei der Gestaltung der Romane ein Mitspracherecht, sind Sie mit dem Resultat zufrieden?

L: Umgekehrt, ich gestalte, der Verlag hat Mitspracherecht. Schreiben kann es nämlich nur ich. Da kann mir keiner reinreden. Tut auch keiner. Aber selbstverständlich gibt es ein Lektorat, und wenn die Lektorin findet, dass etwas zu lang geraten ist oder nicht einleuchtet, dann bin ich dankbar und denke noch einmal darüber nach. Beim Cover ist es wiederum so, dass der Verlag die Gestaltung übernimmt. Ich kann aber nein sagen, wenn mir etwas gar nicht gefällt.TOPS

C: Mir sind Namen in Romanen immer sehr wichtig. Ich habe schon öfters gelesen, dass man als AutorIn manchmal die Namen seiner Figuren ändern muss, weil bspw. gerade ein Roman mit genau diesen Namen publiziert wurde oder der Verlag diese Namen als unansprechend empfindet. Ist Ihnen das auch schon passiert?

L: Nein, ist mir noch nicht passiert. Aber die richtigen Namen zu finden, ist tatsächlich nicht immer so einfach. Und manchmal ändere ich einen dann mitten im Roman, weil ich auf einen gestoßen bin, der mir besser gefällt.

C: Zu guter Letzt noch ein paar allgemeinere Fragen:

In welchem Genre sind Sie selbst lesetechnisch unterwegs?

L: Ich lese gerne Bücher auf Spanisch, Krimis aus professionellen Gründen, um zu wissen, was die Kollegen machen, und zur Erholung und zum Vergnügen, wenn ich dazu komme, beispielsweise Christa Wolf oder Arno Schmidt, also Literatur. Die ist so schön gemächlich.

C: Vervollständigen Sie bitte die folgenden zwei Sätze:

Ich bin Schriftstellerin, weil…

L: .”..weil ich manchmal wütend bin und es mir Spaß macht zu schreiben.“

C: „… muss man gelesen haben, weil…“

L: “…Nichts muss man gelesen haben, weil man überhaupt nichts muss. Nicht einmal lesen.“

C: Gibt es eine Anekdote über etwas Witziges/Außergewöhnliches, das Ihnen beim Recherchieren/Schreiben passiert ist?

L: Eigentlich sind es die Kleinigkeiten, die Leute, die man trifft, die Orte, an denen man zufällig zum richtigen Zeitpunkt ist, die Informationen, die sich einem anbieten, wenn man nicht damit gerechnet hat, die ich genieße.

C: Gibt es etwas, das Sie Ihren LeserInnen noch mitgeben möchten oder ein Wort zum Abschluss?

L: Nein, mitgeben möchte ich nichts. Ich mache nur Angebote.

C: Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für meine Fragen genommen haben!!

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Für alle, die Christine Lehmanns Werke noch nicht kennen, in meinen Rezensionen könnt ihr einen kleinen Eindruck gewinnen:

Auf Facebook ist die Autorin auch zu finden!

Ein kleiner Tipp: Bis zum 16.01.13 könnt ihr euch auf Buchbotschafter für ein kostenloses Rezensionsexemplar von “Die Rose für Arabien” bewerben!

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6 thoughts on “Ein paar Fragen an Christine Lehmann [Autoreninterview]”

  1. Danke für dieses schöne Interview. Das bringt mir die Autorin jetzt näher, bevor ich ihre Bücher lese! 🙂 Und hey, wegen dir habe ich sie jetzt alle drei gekauft!! 🙂 Kannst du mir einen Tipp geben, welches ich zuerst lesen sollte? Ich bin gerade nämlich nicht entscheidungsfreudig…generell nicht, was meine neuen Bücher angeht…aber so käme ich zumindest bei den drei Büchern einen Schritt weiter. 😉
    Liebe Grüße!

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    1. *YES*!!!! Das ist echt super!! Hoffentlich wird dich keines der Bücher enttäuschen. (Was ich mir kaum vorstellen kann ;-))
      Da die drei Bände unabhängig voneinander sind, kannst du dir das komplett aussuchen. Aber um mal ein Gespür für diese Art von Geschichte zu bekommen und vielleicht auch für Christine Lehmanns Schreibstil, würde ich dir „Eukalyptusmond“ empfehlen, denn es ist das Dünnste. Danach könntest du „Die Rose von Arabien“ vornehmen, das einen UNGLAUBLICHEN Sog hat! „Der Ruf des Kolibris“ habe ich 2009 gelesen und war ebenfalls FABELHAFT. Letztlich solltest du vielleicht nach „Kultur“-Vorliebe gehen, was dich da am meisten anspricht, denn ehrlich: Sie sind alle TOLL! 🙂 (Ich habe keinen „eindeutigen“ Favoriten. Eher Parts, die mich beim einen mehr ansprachen, als beim anderen, was sich aber am Ende immer an anderen Stellen ausgeglichen hat!)

      Viele Grüße,
      Charlousie

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      1. *lach* Ich denke nicht. Sie klingen alle vielversprechend!
        Das Dünnste? Ernsthaft? Kam mir jetzt gar nicht so vor…muss ich nachher noch mal schauen.
        Ich kenne mich ja ziemlich gut mit dem Islam aus….vielleicht ist daher auch „Die Rose von Arabien“ nicht schlecht. 😉 Mal sehen…meine Entscheidungsfreudigkeit ist momentan gleich null…

        Liebe Grüße!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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