Buchrezensionen, Rezensionen

Der Baum. Eine Biografie von David Suzuki und Wayne Grady [Rezension]

Der BaumKlappentext: © Oekom-Verlag

Bäume gehören zu den größten und faszinierendsten Lebewesen. In alten Kulturen und Religionen wurden sie als Sitz der Götter oder übernatürlicher Wesen verehrt. Noch heute beeindruckt der Anblick imposanter Buchen und mächtiger Eichen. Manche Bäume blicken auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück; könnten sie sprechen, sie hätten einiges zu berichten. David Suzuki und Wayne Grady erzählen eine solche Geschichte. Ihre „Biografie eines Baumes“ beeindruckend illustriert durch Federzeichnungen des kanadischen Künstlers Robert Bateman beschreibt sieben Jahrhunderte im Leben einer Douglasie. Erzählt wird nicht allein die Geschichte in ihrem ökologischen Kontext, etwa wie es dem Samen gelingt, Wurzeln zu schlagen, oder wie der heranwachsende Baum Wind und Wetter trotzt. Eingebunden sind zahlreiche Ausflüge in die Kulturgeschichte der Menschheit und die Evolutionsgeschichte unseres Planeten. Ein wahrhaft gelungener Blick darauf, wie alles mit allem zusammenhängt, und eine großartige Hommage an das Wunder namens Leben.

Die Geschichte eines einzelnen Baumes verbindet uns mit vergangenen Zeiten und allen Regionen der Erde. Davon erzählt dieses Buch. Es erzählt aber zugleich die Geschichte aller Bäume und allen Lebens, überall hier auf unserer Erde. – Einführung, S. 14, David Suzuki.

Der Baum. Eine Biografie“ hat mir in vielen Aspekten sehr gut gefallen, besitzt aber auch einige Mängel. David Suzuki kündigt in seinem Einführung an, laienhaftes Interesse mit Fachwissen zu unterstützen und es so jedem verständlich zu machen. Leider werden permanent dermaßen viele Fachausdrücke verwendet, dass ich sie längst nicht alle verstehen konnte und ich folglich nicht alle Zusammenhänge dieses Sachbuchs begriff. Auf der anderen Seite muss ich hervorheben, an wie vielen Stellen die Autoren Fachwissen kompetent und wunderbar verständlich darlegten.

Schutzumschlag und Buch "Der Baum. Eine Biografie"
Schutzumschlag und Buch

Der Baum. Eine Biografie“ beschäftigt sich nicht nur mit dem Baum alleine, weil dieses Werk zeigt, dass alles miteinander verknüpft ist.          Ungeachtet der Länder oder Zeitepochen, springt man von einem bedeutenden Forscher zum nächsten und lernt, dass die Welt eine einzige große Verbindung ist, von der wir noch nicht einmal einen Bruchteil verstehen. Denn auch das geben die Autoren immer wieder zu; so detailliert, aufschlussreich und konkret die meisten Erklärungen auch waren: Wissen besitzt seine Grenzen.

Viel mehr als wir selber […] sind Bäume soziale Wesen; sie sind von Natur aus genauso wenig isolierte Exemplare wie der Mensch ein ausgesetzter Matrose oder Einsiedler ist“. John Fowles „The Tree“, S. 56

Die Gliederung dieses Sachbuchs hat mir sehr gut gefallen und das Besondere des Inhalts unterstrichen. In 5 Kapiteln mit je untergeordneten Titeln und Themen, werden verteilt auf knapp über 200 Seiten, alle möglichen Dinge angesprochen. Ich wusste bspw. nicht, dass wir so direkt von Bakterien abstammen. Im Fokus des Buches lag die Douglasie, deren „Geburt“, „Entwicklung“ und schließlich „Tod“ die beiden Autoren über Jahrhunderte hinweg aufzeichneten. Zwischendurch ergaben sich immer wieder diese „Ausflüge“ in andere Regionen, um die Entwicklung der Bäume zu verstehen, doch ein Zurückkehren zum Ausgangspunkt war stets unausweichlich.

Illustration, S. 9 von © und © Oekom-Verlag
Illustration, S. 9 von © Robert Bateman      (© Oekom-Verlag)

Mir ist bewusst gewesen, dass um das 14. Jahrhundert herum Wissenschaften, darunter auch Thesen zur Pflanzenwelt, als Ketzerei angesehen wurden, doch dass selbst Aristoteles sich bereits an empirischen Forschungen in der Botanik versuchte, war mir neu. Oder hätte jemand gedacht, dass der Salamander in seinen Chromosomen-Zellen mehr DNA besitzt als jedes Säugetier, den Mensch eingeschlossen, und dass man nicht weiß, weshalb das so ist? Sogar Johannes Guttenberg bekam im 15. Jahrhundert seinen Auftritt.

Interessant schien mir auch die Frage, ob Bäume nun eine „Seele“ haben, wie Forscher schon seit Jahrhunderten zu erforschen versuchten als sie feststellten, dass Bäume sich z.T. durch eine als Sex zu bezeichnende Methode fortpflanzten. Auch hier gilt die „Weisheit“ der Grenze.

Selbst Bäume leben nicht ewig und sterben irgendwann; meistens durch Pilzbefall oder an Stickstoffmangel, was letztlich beinahe (so entnehme ich es dem Buch) das gleiche ist. Mit dem Sterben der Douglasie neigte sich auch die Biografie ihrem Ende zu, obwohl das Sterben hier kein Ende, sondern einen Neuanfang bedeutet.

Mein endgültiges Urteil:

Der Baum. Eine Biografie“ offenbarte mir viel Wissenswertes, ließ mich ein ums andere Mal aber auch auflaufen, weil ich es aufgrund der ganzen Fachtermini einfach nicht nachvollziehen konnte.

Ich empfehle dieses Sachbuch also einem fachkundigen Lesepublikum oder neugierigen Nasen, die – so wie ich – sich für Biologie und oder Bäume und Lebensformen interessieren. Denn eines ist unumstritten: In diesem Buch liegt kostbares Wissen, dass man mit einem Hauch Interesse für diese Thematik ruhig lesen sollte. Da stören auch die aufwendige Gestaltung und die wunderschönen Illustrationen Robert Batemans nicht.

Da ich oft Schwierigkeiten hatte, auch mit der Konzentration und auch damit, am Ball zu bleiben, bedeutet dies für David Suzuki und Wayne Gradys Werk knappe 4 von 5 Sterne. Mir sind Geschichten wie „Die Poison Diaries“ mit einer ähnlichen Thematik, nur in Romanform, dann doch lieber!

stars4
Bewertung

Thematik:

Baum

Faszination Leben

Umwelt

Entstehungsgeschichte

Zusammenhänge von „ALLEM“ !

Allgemeine Buchinformationen:
208 Seiten, oekom verlag München, 2012
ISBN-13: 978-3-86581-312-1
Preis: 19.95 €
Zu „Der Baum. Eine Biografie“ bei Oekom-Verlag

Vielen Dank an den Oekom-Verlag und BdB für dieses Leseexemplar!

 

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2 Gedanken zu „Der Baum. Eine Biografie von David Suzuki und Wayne Grady [Rezension]“

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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