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Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern von Natalie Standiford [Rezension]

Kleine Sünden

Liebe Almighty,

ich bekenne mich schuldig.

Du weißt, was ich getan habe, und du weißt, warum – ich habe es aus wahrer Liebe getan. Warst du je verliebt, Almighty? Du warst fünfmal verheiratet – aber warst du je verliebt? Man kann nichts dagegen tun. Die Liebe ist stärker als man selbst.

Sie macht einen hilflos.

S. 17

Der Inhalt:

Die Familie Sullivan ist entsetzt, als sie sich bei ihrer stinkreichen Großmutter Lou Almighty einfinden müssen und diese verkündet, dass sie die ganze Familie enterbt hat. Sie stellt eine Bedingung, unter der sie sich überlegen könnte, das Testament wieder rückgängig zu machen. Sie fühlt sich von einem Familienmitglied betrogen, weil es sie schmerzlichst verletzt hätte und wünscht nun umfassende Bekenntnisse dieser Person. Dass dafür nur eine der drei Sullivan-Schwestern verantwortlich sein kann, darüber sind die Sullivans sich einig. Also beginnen Norrie, Jane und Sassy zu schreiben und erzählen jede ihre Geschichte…

Drei Bekenntnisse, die feschen Lesespaß mit Witz und Charme garantieren

„Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern“ ist ein frisches, fesches Buch, versehen mit allerlei Witz und Charme. Ich habe mich herrlich unterhalten gefühlt, jedoch auf einer niveauvollen Ebene, denn Natalie Standiford wirkt mit ihrer Geschichte unterschwellig auf ebenjenem höheren Niveau.
Der Aufbau dieses Romans ist etappenweise und ziemlich spannend angelegt. Eine alte und zugeknöpft scheinende Großmutter namens Lou Almighty (!) verlangt die Sünden-Bekenntnisse ihrer Enkelinnen, denn eine von ihnen soll etwas dermaßen Unerhörtes getan haben, dass Almighty die ganze Familie kurzerhand enterbt hat.
Folglich ist „Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern“ in drei Abschnitte oder auch Bekenntnisse eingeteilt, in der je eines der Mädchen zu Wort kommt. Dieser Aufbau ist ziemlich genial, denn sobald ich die eine Protagonistin lieb gewonnen hatte, „musste“ ich mich schon mit der nächsten anfreunden. Was sehr gut funktionierte, da ich besagte nachfolgende Protagonistinnen bereits im ersten Bekenntnis am Rande kennengelernt habe. Es war nämlich auch ziemlich interessant, von der Außeneinsicht der Schwestern in die Inneneinsicht zu wechseln und zuvor merkwürdig scheinende Verhaltensweisen auf diese Art und Weise nachvollziehbar erklärt zu bekommen.
Die Geschichte wird von den drei Schwestern aus der Ich-Perspektive erzählt und richtet sich dabei an ein „Du“, die Großmutter, wodurch ich mich dennoch direkter angesprochen fühlte.

Liebe, Philosophie, Traditionen, Religion und ein banales sowie geniales Ende

Inhaltlich sind die einzelnen Bekenntnisse nachvollziehbar, zumindest wenn man sich in die konservativen und verschrobenen Wert- und Traditionsvorstellungen einer älteren Dame hineinversetzt. Dass die Familie Sullivan katholisch orientiert ist, verbessert die Aussichten der Mädchen nicht gerade. Von Bekenntnis zu Bekenntnis ist eine atmosphärische Spannungssteigerung deutlich spürbar, die sich entweder darin äußert, dass die Protagonistin selbst ihre „Vergehen“ als unheimlich schlimm empfindet oder weiß, dass Almighty sie als solche definiert. So war ich während des Lesens komplett gefesselt und wollte ununterbrochen mehr von diesen Worten in mich aufsaugen.

Im Mittelpunkt stehen neben den Bekenntnissen die Sichtweisen der drei Mädchen auf die Welt und ihre eigenen Probleme mit dem Erwachsenwerden. Es fällt einem leicht, sich mit mindestens einer Figur zu identifizieren, denn Natalie Standiford kreiert durch ihre drei Charaktere einen ziemlich umfassenden Rundumblick. Dieser Rundumblick besticht durch ehrliche Gefühle, philosophische Gedankengänge und der Suche nach einem Sinn und selbstverständlich auch der ganz großen Liebe, die sich über alle Grenzen hinweg setzen muss.
Den Vogel schießt schließlich das Ende ab, von dem ich immerzu ahnte, dass es in seiner Banalität womöglich nicht zu übertreffen sei und genau so, aber dann doch ganz anders, kam es dann!

Mein endgültiges Urteil:

Es wird heiß hergehen in „Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern“. Ich möchte nichts verraten, außer, dass sogar Mord im Spiel sein wird. Das Cover ist ansprechend und der Geschichte angemessen gestaltet und lud mich unversehens zum Lesen ein! Diese quirlige Familiengeschichte kann ich uneingeschränkt empfehlen, denn sie birgt gute Laune, vielversprechende Ansätze zum Nachdenken und hat das gewisse Etwas, das diesen unbezahlbaren Unterhaltungswert ausmacht!

Bewertung

Thematik:
Testament

Erbe

Familienzusammenhalt

Religion

Glaube

Geld

Sünden(-Bekenntnisse)

Liebe

Erwachsenwerden

Freundschaft

Allgemeine Buchinformationen:
D: 16,90 €
A: 17,40 €
CH: 24,50 sFr
Gebunden mit Schutzumschlag
Größe 15,00 x 22,00 cm
Seiten 368
Alter ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58274-4
Zu „Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern“ bei CARLSEN

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6 thoughts on “Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern von Natalie Standiford [Rezension]”

  1. Auch ein Buch, nach dem ich schon schiele – mir gefiel die Leseprobe, die Handlung auch und ebenso die Protagonisten.

    Und ich denke, die Großmutter ist cooler als es zu sein scheint.

    LG,
    Heidi

    Gefällt mir

    1. Das mit der Großmutter ist vielleicht auch ein bisschen Ansichtssache! Müsstest du also selbst herausfinden ;-)!
      Ich habe einige negativere Meinungen gelesen und recht wenige Begeisterte gefunden. Aber ich würde hoffen, dass es dir gefällt, denn es ist echt schön, leicht und wunderbar zu lesen. Ein richtiges „gute Laune“-Buch! Ich empfehle es dir also hiermit noch einmal so „wirklich, wirklich! 🙂

      Viele Grüße,
      Charlousie

      Gefällt mir

  2. Danke für diese tolle Rezi! Das Buch habe auch ich schon länger im Visier, nur für die engere Auswahl (der Buchmarkt gibt derzeit einfach zuuuu viel her und es wird immer schlimmer!) hat es nicht gereicht. Nun hast du mich aber wirklich neugierig gemacht und irgendwann wird es ganz sicher MEINES sein und dann freue ich mich auf die Bekenntnisse der drei Schwestern. Gerade was du über die drei Perspektiven geschrieben hast, stelle ich mir auch höchst spannend vor. Wie immer genial geschrieben!

    Liebe Grüße und eine schönes Wochenende
    Reni

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    1. Ich weiß, was du meinst. Ich hatte (nennen wir es mal eine „kleine Chance“) eine kleine Chance bei dem Buch, dass ich es gegen eine Rezension erhielt, deswegen habe ich „zugeschlagen“, sonst stünde es jetzt immer noch auf meinem Wunschzettel!! Aber es hat sich (für mich) soooo gelohnt, denn es hat einfach gefunkt zwischen Natalie Standiforda Geschichte und mir :D! Carlsen trifft in letzter Zeit öfters meinen Geschmack (waren andererseits aber auch nicht soooo viele Bücher von Carlsen ;-)).
      Die Auswahl ist so gut, dass ich manchmal am Liebsten selbst ein Buch wäre, um nicht mehr aussortieren zu müssen, was ich lese und was nicht. Das kann echt „Stress“ sein, denn wer weiß? – Vielleicht lässt man versehentlich „die Geschichte seines Lebens“ links liegen, nur weil man mit der Auswahl überfordert gewesen ist…
      Ja, die Perspektiven waren echt ein toller Aufbau und einfach nur herrlich spannend. Danke für dein Kompliment!!!!

      Dir noch einen schönen (Toten)-Sonntag,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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