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Die Fälscherin von Julia Freidank [Rezension]

Stark wie der Tod ist die Liebe. Ihre Strahlen sind von Feuer, mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen, und Ströme schwemmen sie nicht fort.

S. 176

Der Inhalt:

Blanka ist ein kleines Mädchen, als sie vom Aussatz für ihr ganzes Leben gezeichnet wird. Eine Narbe verunstaltet ihre Wange. Manche flüstern, sie sei vom Teufel berührt, während ihr Herr, der Bischof Otto von Freising, eine Heilige in ihr sieht. Da kommt es ihm gerade recht, dass Blanka ein großes Talent beim Kopieren von Schriften besitzt. Denn Otto von Freising führt einen Kampf gegen die weltlichen Herrscher, die der Kirche immer mehr Macht zu entreißen versuchen. So kann er Blanka ausgerüstet mit Wort und Feder in diesen Kampf ziehen lassen. Sie fälscht für ihn im Verborgenen Urkunden. Was Otto nicht ahnt, dass jemand Blanka auf die Spur gekommen ist, der Geliebter und Feind zugleich ist. Am Ende wird Blanka sich entscheiden müssen, wem ihre Loyalität gilt und sie sollte weise wählen, denn ihr Leben hängt davon ab.

Die Welt des 16. Jahrhunderts mit gänzlich anderen Moralvorstellungen

Der historische Roman „Die Fälscherin“ zeichnet sich durch besonders dreierlei aus:

Julia Freidanks Werk schildert unverschleiert sowie brillierend die mittelalterlichen und aus heutiger Sicht grausamen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts, die ganz andere Moralvorstellungen beinhalten, in welchen Frauen wie Besitzgüter behandelt werden. Deutlich werden diese Verhältnisse durch wechselnde Perspektiven, in denen glaubwürdige Haupt- und Randfiguren gleichermaßen in verschiedenen Richtungen interagieren und letztlich doch in dieser starren Weltordnung gelähmt wie determiniert sind.

Historische Ereignisse sind geschickt in einer fiktiven Handlung eingebunden

Als zweiter Punkt hat mich die unglaubliche Genauigkeit und Vielfältigkeit der historischen Fakten in diesem Roman beeindruckt. Viele Bücher schwächeln gerade in diesem Punkt, weil es scheinbar schwer ist, reale Fakten in eine fiktive Handlung einzubinden, so dass bei den LeserInnen zum Schluss immer noch eine Balance zwischen den verschiedenen Komponenten ankommt.  Die Autorin hat sich für mein Empfinden geradezu darin überschlagen auf eine realistische und spannungsfördernde Art und Weise eine temporeiche Geschichte zu kreieren, die als Hauptmerkmal durch schlaues Wissen zu überzeugen weiß. Julia Freidank verband ihren Erfindungsreichtum mit deutscher Geschichte, die unbedingt gelesen werden will.

Ein authentischer Roman, der eine große Zeitspanne umfasst und dadurch tiefer blickt

So spielt der dritte lobenswerte Hauptfaktor von „Die Fälscherin“ in den zweiten mit hinein, insofern er durch seine Figuren wie lebendig wirkte, eine realistische Atmosphäre vermittelte, die bewirkte, dass ich mich bei einigen Grausamkeiten ekelte oder das Gesicht verzog und daraus resultierend (und insoweit ich es mir überhaupt anmaßen kann, dies zu beurteilen) ein authentischer historischer Roman vorliegt!

Die Fälscherin“ ist gegliedert in vier Abschnitte, die in der Kapitelzählung jeweils von vorne beginnen und durch diese z.T abrupten Enden, eine große Zeitspanne umfassen und beleuchten können. So wirkt die Geschichte tiefer, weil sie sich nicht nur auf wenige Jahre beschränkt, sondern mit den Hauptfiguren Blanka, Ortolf und Bischof Otto von Freising weit gefächerte Lebensphasen dieser Charaktere durchläuft.

Die Figuren durchwandern große und nachvollziehbare Entwicklungen

Dabei ist die Entwicklungskurve der einzelnen Charaktere wie ein roter Faden gut mit dem Ende des jeweils letzten Abschnitts verbunden, so dass trotz der Brüche ein flüssiger Inhalt entstanden ist, der durch seinen eindringlichen Schreibstil nach nur wenigen Seiten zu fesseln weiß.

Julia Freidank hat für mich einen wahren historischen Pageturner ins Leben gerufen, der vielseitig besticht und dermaßen viele Vorzüge besitzt, dass ich niemals alle aufzählen könnte.

Ein attraktiver Handlungskern

Man könnte meinen, die Liebesgeschichte würde die Geschichte dominieren, doch ist dies nicht zwangsläufig der Fall, da Julia Freidank die Liebe zwar oft als Motivation ihrer Figuren einsetzt, damit sie in einer bestimmten Richtung handeln, aber nie den Handlungskern aus den Augen verliert.

Diesen gilt es selbst zu entdecken. Um ihn grob zu umreißen, würde ich als Handlungskern das möglichst getreue Widerspiegeln der damaligen Machtverhältnisse und Entwicklungen, sowie nähere Einblicke in historische Figuren, definieren. Das und noch viel mehr sickert bis zu den LeserInnen durch, die spüren werden, welch ein kombinatorisches Genie hinter diesen Seiten steckt.

Mein Fazit:

Wer eine anspruchsvollere Lektüre sucht und mit detaillierten, zum Teil blutigen oder lediglich grausamen Beschreibungen zurechtkommt, wird in „Die Fälscherin“ ein Werk finden, was hohen Ansprüchen mehr als nur gewachsen ist.

Ein historischer Roman zum Abtauchen, der nicht nur fordert, sondern viel zu geben hat und in seinen bildreichen Beschreibungen ein einmaliges Werk für mich bleiben wird!

Bewertung

Thematik:

Ritter

Lehnsverhältnisse

Machtverhältnisse –und Streitereien

Entwicklungen zwischen Kirche (Ministerialen) und weltlichen Herrschern

Ständegesellschaft

Unterdrückte Frauen

Krankheitsbilder (wie Aussatz)

Verbotene Liebe

Affären

Fälschungen

Allgemeine Buchinformationen:

Julia Freidank
Die Fälscherin
Historischer Roman
432 Seiten, € 14,99 [D]
Erschienen: 09.03.12
Zu „Die Fälscherin“ bei Marion von Schröder

Vielen Dank an den Verlag, Lovelybooks und die Autorin Julia Freidank für diese Leserunde und das dafür gesponserte Leseexemplar!
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5 thoughts on “Die Fälscherin von Julia Freidank [Rezension]”

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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