Allgemeines

Aus dem Leben – Über Kassels Jugendamt

Soll ich oder soll ich nicht…

ein paar (persönliche)- so gar nicht buchtechnische Neuigkeiten aus meinem Leben erzählen?

Zumindest kann ich ja mal darauf hinweisen, dass das Kasseler Jugendamt z.T ziemlich verantwortungslos mit Heranwachsenden wie mir umgeht. Mich regte das Verhalten dieser Behörde auf, weil es für mich schlimm war UND es anderen genauso ergehen könnte, die am Ende vielleicht nicht das Glück haben, bei ihrem Vater einziehen zu können.

Stellt euch Folgendes vor:

Ich, 19, 0 Kontakt zu irgendwelchen Verwandten von mir, habe noch nie irgendeine/n Oma/Opa etc. von mir in meinem ganzen Leben gesehen, gehe zum Jugendamt, um zu klären, wo ich bleiben, zukünftig wohnen kann.

Vorausgegangen ist, dass ich über PANAMA in ein möbliertes Zimmer hätte gehen können, bei dem das Jugendamt die Kosten hätte übernehmen müssen, damit es klappt. Die Chefetage lehnte allerdings ab. (Wer den Bezug zu diesem Artikel nicht versteht, sollte mal diesen –> Mitteilung vorher lesen!) Ein paar Stunden vorher habe ich meine verstorbene Mutter gefunden und saß schon ganze 3(!!!) Stunden auf diesem Amt im Gang, ohne dass man mir mal Taschentücher, etwas zu trinken oder auch nur IRGENDWAS angeboten hätte, denn sorry, dass ich unentwegt weinen musste und dadurch eine volle Schnupfnase bekommen hatte. Ich kann gar nicht beschreiben, was da einem alles durch den Kopf rennt, hetzt, jagt und beißt!

Ich schildere den letzten Gesprächsverlauf einmal sinngemäß.

Jugendamt: „Sie sind 19 Jahre ohne uns ausgekommen, deswegen schaffen Sie es als Erwachsene mit 19 nun erst recht, so sagen die Chefs!“

Ich: „Wo soll ich denn hin?“

Jugendamt: „Wir rufen mal im Frauenhaus an, wenn es dort keinen Platz gibt, weiß ich es auch nicht!“

Ich: „???“

Jugendamt: „Gibt es keine weitere Familie oder Freunde, zu denen Sie gehen könnten?“

Ich: „Ja, eventuell für ein paar Tage und dann?“

Jugendamt: „Sie sind Erwachsen… alle müssen irgendwann alleine klar kommen… Mir tut es ja auch leid, aber wenn die Chefs nicht wollen, dann wollen die nicht“.

Ich: „Davon habe ich auch keine Bleibe“

Pause, Pause, Pause

So in der Art lief das ab und ich muss sagen, dass ich das ziemlich unmöglich finde. Was muss in Deutschland noch passieren, damit man mal etwas Unterstützung in einer Notsituation erfährt? Klar, dem Jugendamt werden auch die Gelder gekürzt und sie müssen zusehen, dass sie mit ihrem Budget hinkommen, dann muss man eben über die Politik meckern oder diejenigen, die das (eigentlich vorhandene Geld) so schlecht verteilen/verpulvern/(nach Griechenland werfen?), was auch immer.

Ich konnte dann ja zu einer Freundin und dann weiter zu meinem Vater, ABER und das ist der Punkt, das Jugendamt hätte mich auf der Straße sitzen gelassen und es gibt durchaus Menschen, die haben keine Freunde, bei denen sie mal so schnell Unterschlupf finden. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja auch nicht, dass ich zu meinem Vater kann und auch nicht, dass es zum Schluss so einfach verläuft. Von PANAMA hat mir jemand gesagt, hätte ich nicht dieses Glück gehabt, wie ich es hatte, hätten sie mit mir zusammen das Jugendamt verklagt, damit ich doch noch in dieses möblierte Zimmer (vom Anfang) kann und das in solch einer Situation und wie gesagt, ich gehe (eigentlich) auch noch zur Schule…

Deswegen mache ich es auch hier „öffentlich“:

Liebes Jugendamt,

letztlich ist alles nur eine Frage des Geldes, doch bedenkt, dass die Welt eigentlich von den Menschen bewohnt wird und nicht vom Geld und dass wir uns inzwischen nur noch vom Geld beherrschen lassen, anstatt das Geld zu beherrschen. Ich mag volljährig sein und dennoch bin ich noch Schülerin und kann mir ohne jegliches Einkommen von einer zur anderen Stunde nicht einfach eine Wohnung nehmen. Abgesehen davon, dass Kassels Wohnungsmarkt momentan hart umkämpft ist und es nur 1-3% leer stehende Wohnungen gibt und das ist verdammt WENIG!

Liebes Deutschland,

überdenkt als Sozialstaat doch noch einmal eure Werte und Grundsätze. Denn so gut sich Begrifflichkeiten wie „Sozial“(-staat) und „Solidarität“ theoretisch auch anhören, wenn es in der Praxis nicht klappt, kommt es mir reichlich verlogen und feige vor! Oder so, als ob es zu repräsentativen Zwecken in der Öffentlichkeit benutzt würde, um bspw. international zu glänzen, um dann innerhalb des Landes genau das Gegenteil zu praktizieren, und alles schön unter den Teppich zu kehren.

Das musste ich irgendwie mal gesagt haben, diese Unmöglichkeit! Immerhin haben wir hier Meinungsfreiheit, sonst hätte ich das hier wohl auch lassen müssen/sollen und mag sein, dass ich das irgendwann auch bereue, aber solch eine Unmenschlichkeit sollte weitergetragen und nicht verschwiegen werden und JA, ich erzähle es auch in meinem ganzen Bekanntenkreis und ich weiß auch, dass nicht alle so sind UND auch ja dazu, dass ich von ziemlich vielem zurzeit ziemlich enttäuscht bin.

Dennoch wünsche ich einen schönen Sonntag,

Charlousie

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9 thoughts on “Aus dem Leben – Über Kassels Jugendamt”

  1. Hilfe! Das klingt ja grausam. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles Gute und hoffe für dich, dass keine weiteren Kontakte mit dem Amt mehr nötig sind 😉

    Liebe Grüße

    Steffi

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  2. Hammerhart..das ist ja eine Frechheit. O.o
    Aber da bin ich ja froh, dass du jetzt bei deinem Vater untergekommen bist. Ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute.

    Lieben Gruß,
    Jessica

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    1. Dann bist du leider falsch informiert.
      Das Jugendamt selbst wird (hoffentlich) seine Zuständigkeiten kennen und mein Alter war im gewissen Sinne das Problem. Es ging ja um die Kostenübernahme und bis zum 21. Lebensjahr lag genau diese in deren ERMESSEN. Wäre ich älter gewesen, hätte der Landkreis die Finanzierung übernehmen müssen, deswegen gab es ja diesen „Stress“!

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      1. Mara hat recht.
        Das „Ermessen“, von dem Du sprichst, wird angewandt, wenn man vorher schon mal Unterstüztung vom Jugendamt bekommen hat. Dann wird üblicherweise bis zum 21. Lebensjahr weitere Unterstützung gewährt.
        Hat man bis zum 18. Lebensjahr niemals Hilfe vom Jugendamt bekommen, eindeutig und zweifelsfrei das Sozialamt zuständig.
        Aber das ist ja typisch, sich mit Halbinformationen im Recht fühlen….

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        1. Und das ist typisch, nur die halbe „Geschichte“ zu kennen und dann meinen zu können, zu urteilen.
          Ich hatte bis zum 18. Lebensjahr nämlich bereits Unterstützung erhalten, so dass ich rein theoretisch wieder welche hätte bekommen müssen.
          Und seien wir mal ehrlich: DAS IST UNERHEBLICH, wenn Menschen in solch einer Situation stecken! Meine Lage war übel, aber es gibt sicherlich NOCH üblere und dann auf diese bürokratischen Regeln zu pochen, wenn man innerhalb des Ermessensspielraums helfen kann, finde ich unsozial, unmenschlich und weitere Adjektive wären jetzt unflätig.

          Überhaupt gehe ich darauf nicht näher ein, da ich den Kommentar für ziemlich unangebracht finde und auch für weitere Diskussionen nicht zur Verfügung stehe!

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  3. Ja das ist Blöd so in der Luft zu hängen und man sollte meinen, daß im Jugendamt Sozialarbeiter gibt, die einfühlend sind und auch mal weiterhelfen, auch wenn Sie nicht unbedingt zuständig sind. Ich wünsche jedenfalls alles Gute und viel Kraft für das Neue, vielleicht hilft das Lesen und das Bloggen ein bißchen

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  4. Auch wenn das hier schon wieder länger her ist, hoffe ich dennoch das du diese Wendungen und Wirrungen gut überstanden hast! Meine Erfahrungen, die schon etwas her sind, sehen leider genauso aus. Es ist schon deprimierend nun deine Erfahrungen zu lesen und festzustellen, das die Jugendämter ganz große Klasse sind … 

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    1. Abend, Konstantin.
      Danke für deine Anteilnahme. Ja, ich habe die Wirrungen mehr oder minder gut überstanden oder sagen wir es mal so: Ich habe es inzwischen „verarbeitet“.
      Es ist auch für mich deprimierend, wenn auch nicht so unoffensichtlich, dass es früher so war und IMMER NOCH so ist. Bestimmt kann man das nicht pauschalisieren und es gibt sicherlich Unterschiede, aber die Mehrheit wird wohl eher solche Erfahrungen gemacht haben.
      Liebe Grüße und alles Gute wünsche ich dir,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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