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Ein Lied aus der Vergangenheit von Aminatta Forna [Rezension]

Der Inhalt:

Sierra Leone,

Adrian Lockheart lässt ein komfortables Leben und eine Familie in England zurück, als er für eine zeitlich begrenzte Periode nach Afrika reist, um dort seiner Arbeit als Psychiater nachzugehen.
Sein Ziel ist es, den Menschen zu helfen und eine bessere Welt zu kreieren. Doch in Afrika prallen verschiedene Kulturen aufeinander und Adrian spürt, dass dieses Volk viele Schrecken hinter sich gelassen hat und noch immer in einem tiefen Sumpf lebt, den ein einzelner Mann nicht überbrücken kann.

Während er sich mit dem jungen afrikanischen Kai anfreundet, der bis an sein Limit kranke Menschen operiert, erzählt Elias Cole, ein im Sterben liegender Mann, Adrian seine Geschichte und es entsteht eine Verbindung zwischen den dreien, derer sie sich vielleicht zu spät bewusst werden…

Der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Ein Lied aus der Vergangenheit“ ist ein Roman, der tief unter die Haut geht und sowohl durch poetische Beschreibungen eines Landes zu überzeugen weiß, als auch durch realistische und dunkle Betrachtungen desselben.

Sicherlich erwartete ich keinen rosaroten Unterhaltungsroman, doch der Inhalt war ein härterer Tobak als ich es mir je vorstellte.

So behandelt dieser Roman zwei gegensätzliche Seiten eines Landes und stellt verschiedene Positionen anhand unterschiedlicher Figuren gegenüber. Hässliches und Schönes beschreibt die afrikanische Autorin Aminatta Forna in ihrem Roman und nimmt ihre LeserInnen mit in eine Geschichte, auf der man die schwüle, dörrende Hitze Afrikas beim Lesen zu spüren glaubt und wunderschöne Momente genießen kann, während das Land gleichzeitig von vergangenen, militärischen Schrecken heimgesucht wird und in Grausamkeit versinkt.

Ein gigantisches „Puzzle-Bild“

Dieser Roman hat mich unglaublich beeindruckt. Drei Hauptfiguren erzählen ihre Geschichte und repräsentieren dabei sowohl jeweils eine andere Gesellschaftsschicht als auch ein anderes Alterssemester. Die Beziehungen der Figuren untereinander sind lange Zeit nicht klar, ebenso wenig der Zusammenhang, indem man als LeserIn etwas über ihre Erzählungen und Berichte erfährt. Nach und nach bastelt Aminatta Forna ein Bild, das sich aus unzähligen Puzzle-Teilchen zusammensetzt, die sich im Laufe der Handlung anfügen und immer neue Anknüpfungspunkte bieten. Aminatta Forna hat drei Individuen geschaffen, deren Leben sich um einen gemeinsamen Mittelpunkt dreht, von dem sie gegenseitig nicht wissen, dass dieser überhaupt existiert. Als LeserIn wusste ich, dass es ihn gibt, ansonsten war ich mit den Charakteren dieser Geschichte auf derselben Wissensstufe.

Durch diese Methodik entstand ein enormes Spannungsgefälle, das für sich genommen eine gewaltige Leseerfahrung bedeutet hätte. Doch diese Autorin schuf mehr interessante, lesenswerte und reichlich spannende Nebenhandlungen, große Schauplätze und vergangene Momente, die auf die Auflösung in der Gegenwart hinarbeiteten und jedes Mal aufs Neue in ihrem eigenem Höhepunkt gipfelten.

Realistische Schilderungen von Härte und Realität

Mir fehlen die Worte, denn die Härte, die diese Autorin ihren Personen andichtet, ist dermaßen schrecklich und überraschend, dass es seine Zeit braucht, um die beim Lesen heraufbeschworenen Gefühle und Bilder zu verdauen. Noch schrecklicher ist allerdings die Tatsache, dass die Inhalte dieses Romans nicht ausschließlich auf der Erfindungsgabe einer Schriftstellerin fußen, sondern durchaus der Realität entsprechen könnten und somit tiefe Betroffenheit auslösen.

Mein endgültiges Urteil:

Ich bin genauso zerrissen, wie es die Figuren in dieser Handlung sind. Es sind zu viele Eindrücke, die so eng miteinander verwoben wurden, dass sie nicht mehr auseinanderzuhalten sind.

Etwas Dichteres und Komplexeres aufeinander aufbauendes habe ich selten gelesen.

Die Schönheit, die diese Autorin in poetischem Stil mit den realen Grausamkeiten eines Landes vereint, sind gleichermaßen niveau- und stimmungsvoll, sowie abstoßend und schwer verdaulich.

Die Figuren erleben enorme Weiterentwicklungen, die sich wiederum nachvollziehbar gestalteten und den Eckpunkten des Romans Halt bieten.

Einige Stellen waren mir etwas zu langatmig und der letzte Teil der Handlung behandelte beinahe ohne Vorwarnung alle Gräueltaten, die diese Erzählung zu bieten hatte, so dass diese den Ausgang sehr dominierten und ich beim Gedanken an dieses Buch einen bitteren Geschmack auf der Zunge habe. Jedoch nicht, weil er so schlecht gewesen wäre, sondern weil er zu gut, zu traurig und zu „abgefahren“ war.

Bewertung

Thematik:

Afrika

Traditionen

Unterentwicklung

Schicksale

Liebe

Militärgewalt

Aufstände

Rebellionen

Erpressungen/Druck

Tagebuch

Allgemeine Buchinformationen:

Aminatta Forna
Ein Lied aus der Vergangenheit
Roman
Originaltitel: The Memory of Love
Originalverlag: Bloomsbury
Aus dem Englischen von Giovanni Bandini, Ditte Bandini
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
656 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-421-04522-5
€ 24,99 [D] | € 25,70 [A] | CHF 35,50
Verlag: DVA Belletristik
Zu: „Ein Lied aus der Vergangenheit“ bei DAV

Vielen Dank an DAV für dieses Leseexemplar innerhalb dieser aufschlussreichen und schön geleiteten Leserunde auf Lovelybooks!
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Ein Gedanke zu „Ein Lied aus der Vergangenheit von Aminatta Forna [Rezension]“

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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