Buchrezensionen, Rezensionen

Die Tyrannin von Karen Miller [Rezension]

Der Inhalt:

Die Zeichen in Ethrea stehen auf Krieg. Hekat und Dmitrak haben die Welt überrannt und nur noch die Passatwinde hindern sie daran, bis nach Ethrea zu segeln, auch dort Blut zu vergießen und die Menschen zu versklaven.

Doch Rhian ist nicht umsonst von Gott zur Königin beauftragt worden. Sie ist die Einzige, die an die Bedrohung Mijaks glaubt und muss nun all ihre Kraft aufwenden, die anderen Handelsnationen von der Gefahr zu überzeugen und ein neues Kriegsbündnis gegen den Feind einzugehen. Doch selbst Zandakar, Sohn von Hekat, der Beweis genug sein sollte, überzeugt die Herren nicht und so greift Rhian zu den etwas anderen Mitteln…

Sind Worte wichtiger als Taten?

Politik, Macht und Intrigen. Darum dreht es sich in Karen Millers Trilogie hauptsächlich und natürlich ist es in „Die Tyrannin“ nicht anders. Allerdings bestehen cirka 75% der Handlung aus politischen Besprechungen, flammenden Reden, lodernden Worten und viel taktischem Kalkül. Es wäre eine Lüge, wenn ich behauptete, ich hätte mich nicht gelangweilt. Obgleich Karen Millers Schreibstil nach wie vor unsagbar gut und fesselnd war und ich immer noch bewunderte, wie galant sie die Fäden in der Hand behielt, während man so manches Mal die Übersicht zu verlieren glaubte, ist dies bisher das schlechteste Werk, was ich von ihr las.

Figuren, deren Geschichte man bis zum Ende mitverfolgen muss, egal wie uninteressant die Rahmenbedingungen sind

Ich konnte den trockenen Gesprächen nichts abgewinnen, die doch sowieso alle nur demselben Ziel dienten (Eine Kriegsflotte zusammenzustellen) und das auf 400 Seiten auszudehnen, ist bisweilen sehr mühsam. Wäre das der erste Band der Trilogie gewesen, ich hätte abgebrochen.

Doch ich habe Hekat, Vortka, Rhian, Zandakar und Dmitrak nun schon so lange begleitet, dass ich unbedingt wissen musste, wie es ausgeht und es ist nicht so, dass es nicht auch helle Momente gegeben hätte.

So führte Karen Miller einen weiteren, überaus attraktiven Akteur ins Spiel ein. Attraktiv im Sinne von verführerisch provokativ und spannungsschürend.

Ein kleiner „Durchhaltekampf“

Die Gefühle der Personen wurden in all ihren Facetten durchleuchtet, bis man quasi auf den Grund ihrer Seele blickte. Hätte man ihre Gehirne entfernt und gescannt, mehr hätte man auch nicht erfahren können als das, was Karen Miller präsentierte. Und das ist wiederum die Kunst: Während ellenlanger Dialogführungen und auch inneren Monologen die Gefühlswelt der Charaktere dennoch so getreu herauszuarbeiten, dass man ihretwegen bis zum Schluss durchhält. Denn das war es leider. Ein kleiner Durchhaltekampf, dieses Werk zu beenden. Ständig schielte ich auf die Seitenzahl und hoffte, endlich einen schönen Abschluss lesen zu dürfen.

Einige Gesprächsentwicklungen gab es zuweilen, die mich vergessen ließen, dass ich gerade nur „las“ und dafür Sorge trugen, dass ich mich erneut „wie zu Hause“ fühlte.

Ein flammendes Finale

Das Finale hingegen enttäuschte so gar nicht und Karen Miller ließ ihre Figuren auf den letzten Metern in einem Krieg ordentlich handeln und hat doch noch einen grandiosen Abschluss gefunden, der zwar nicht besonders glücklich, aber realistisch und annehmbar ist.

Positiv erwähnenswert ist, dass Karen Miller strikt ihrer Linie, die sie in „Die Herrscherin“ beginnt und mit „Die Thronerbin“ fortführt, auch in diesem Band folgt. So ist für die LeserInnen ein erkennbares Muster deutlich und die Trilogie als Ganzes ist eine abgerundete Geschichte.

Mein endgültiges Urteil:

Nichts desto Trotz zählt „Die Tyrannin“ immer noch zu einem der größten Fantasy-Werke, die ich kenne. Gerade deshalb fallen die enormen Schwächen so sehr ins Gewicht. Ein eher unwürdiger Abschluss einer ansonsten begeisternden Trilogie.

Wenn einem Buch aber ein göttlicher Funke innewohnt, dann diesem Werk. Denn das Grundgerüst ist gewaltiger, als ich es jemals fassen könnte und die vielen, z.T. verschrobenen Ebenen führen hoch in den Himmel hinein, bis man sich darin verliert.

Für Menschen, die gerne lange Bücher lesen, in denen hauptsächlich über politische Belange debattiert/beraten/geredet/gestritten/gezweifelt/gekämpft wird, die sollten mit „Die Herrscherin“ beginnen, um in „Die Tyrannin“ einen tollen Abschluss vorzufinden. Wer damit so gar nichts anfangen kann, sollte diese 800 Seiten am Besten einfach meiden.

Bewertung

Thematik:

Krieg| Kriegskunst| Grausamkeiten

Taktische Besprechungen (und alle Rede/Besprechungsformen, die man sich nur so vorstellen kann)

Religion| Gottlosigkeit| Heidnische Kults| Im Auge des Gottes|

Gottlosigkeit| Dämonen
Magie| Hexer

Skorpion

Im Auge des Gottes

Sklaven

Hekat (kostbar)

Politik| Macht| Intrigen| Stärken und Schwächen

Allgemeine Buchinformationen:

Karen Miller
Die Tyrannin
Roman
Originaltitel: Godspeaker 03. Hammer of God
Originalverlag: HarperVoyager, Sydney 2008
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
Deutsche Erstausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 800 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-26855-9
€ 15,00 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,90
Zu „Die Tyrannin“ bei blanvalet

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