Buchrezensionen, Rezensionen

Unsichtbare Blicke von Frank Maria Reifenberg [Rezension]

Der Inhalt:

Er sucht sie. Sein Mädchen. Nicht irgendeines, sondern seines. Er prüft, ob es zu ihm gehört. Zwei Mal glaubte er sich schon am Ziel, aber jedes Mal fiel der Test negativ aus. Dieses Mal aber, das weiß er, ist sie die Richtige. Josie. Deswegen beobachtet er sie. Er steuert ihre WebCam fremd und bekommt dadurch mehr Einblicke in ihr Leben, als Josie ihm jemals freiwillig gegeben hätte.

Tommy berührt es schon gar nicht mehr. Tagelang sitzt er im Bunker. Er versucht nicht zu oft daran zu denken, wie es mit seinen Eltern war, bevor sie zu fliehen versuchten. Denn diese Flucht brachte ihn in das Heim, indem er jetzt lebt. Einem Heim, indem nur die Grausamsten stark sind und überleben.

Josie versucht sich von ihren Eltern abzunabeln. Aber wird es ihr jemals gelingen, wenn ihr Vater sie so streng unter Bewachung hält und sie abends nie weggehen darf? Ein Wunder, dass sie überhaupt eine beste Freundin hat. Aber andererseits hat sie ja auch noch Geronimo. Ihre Chat-Bekanntschaft, der sie als Einziger nie sexuell oder pervers angemacht hat.

Stella weiß, dass sie ihren Sohn vernachlässigt hat. Aber es stehen schließlich auch Menschenleben auf dem Spiel. Zwei Mädchen sind schon tot und eine dritte soll es nicht werden. Manchmal, da fordert das Leben eben Opfer und in diesem Fall ist es ihr Familien- und Privatleben.

Eine Thematik, die auf öffentliches Interesse stößt

In „Unsichtbare Blicke“ behandelt Frank M. Reifenberg ein Thema, das jeden Internetnutzer oder z.T auch nur Computernutzer zu denken geben sollte. Wir glauben, wir wüssten wieviel Kontrolle wir über unsere Daten im Internet haben. Doch was ist alles fremdgesteuert, wer kann alles unbemerkt bei einem „hineinschleichen“ und was genau kann alles ausspioniert werden?

In einer sehr realistisch anmutenden Geschichte setzt sich der Autor mit dieser Thematik näher auseinander, indem er sie aus verschiedenen Sichtweisen in „Kleinteile“ seziert.

Dadurch erhalten LeserInnen einen Überblick sowohl über das Opfer, der/die Täter/in, und noch weitere Blickwinkel, die man sich erst mit fortschreitender Seitenzahl erschließen kann.

Ein Flug durch die Seiten und ein angemessener Anspruch an seine LeserInnen

Die Protagonistin Josie ist ein siebzehnjähriges Mädchen, was etwas zurückgezogen, aber als komplett durchschnittlich zu bezeichnen, einen wahren Alptraum durchlebt. Diesem Alptraum wird durch ihre Figur viel Authentizität und Realistik eingehaucht.

Anfangs flog ich nur so durch die Seiten und fühlte mich angemessen gefordert, indem ich versuchte einzelne Sichtweisen zusammenzubringen, Zusammenhänge zu erstellen und wie es sich für einen guten Thriller gehört, einen möglichen Höhepunkt und Ausweg zu suchen.

Gegliedert ist „Unsichtbare Blicke“ in zwei Teile, von denen mir vor allen Dingen der Erste am Meisten zusagte.

Der Tatort?- „Tatort“!

Ab der zweiten Hälfte erinnerte mich „Unsichtbare Blicke“ leider zu sehr an die Fernseh-Serie „Tatort“ in Buchform. Für viele mag das ansprechend klingen, doch meinen Geschmack trifft so etwas leider nicht. Zudem fehlten mir in der zweiten Hälfte die Spannungen und erkennbaren Handlungsfortschritte. Viellesern könnte es da schnell langweilig werden, denn sobald man als LeserIn einmal die (vermeintlich) richtigen Schlüsse gezogen hat, geht es in den folgenden 200 Seiten nur noch darum, diese bestätigt zu bekommen und das auf recht zähe Art und Weise.

Das Finale hat es erneut wie der Anfang in sich und beweist zuletzt doch noch einmal den Scharfsinn und die Doppeldeutigkeit des Inhalts.

Letztlich ist „Unsichtbare Blicke“ aber sehr gut, weil es sich tiefgründig mit der menschlichen Psyche auseinandersetzt, dem/der Täter/in genug Sprachraum gibt, um dessen Motivationen und Gefühle annähernd zu verstehen und sich breit gefächert in verschiedenen Figuren positioniert, so dass eine breitere Masse Zugang (zu zumindest einem) Charakter finden dürfte.

Mein endgültiges Urteil:

Gemessen an dem Cover und dem Titel, die beide perfekt mit dem Inhalt harmonieren und genau den richtigen Eindruck von dem vermitteln, was einem in diesem Thriller erwartet, vergebe ich 3,5 Sterne für „Unsichtbare Blicke“ mit großer Tendenz nach oben.

Leider ging mir im zweiten Teil zu sehr die Luft aus, doch Frank M. Reifenberg hat bewiesen, dass es sich sehr lohnt, ein Werk von ihm zu lesen.

Ebenfalls positiv zu berücksichtigen ist das von Frank M. Reifenberg angeschnittene Thema, was in den nächsten Jahren eher immer präsenter, denn unsichtbarer werden wird und von dem es nie schadet, sich die lauernden „Gefahren“ im Internet zu vergegenwärtigen.

Wer fürchtet, durch so eine Geschichte paranoid oder zu „ängstlich“ zu werden, kann beruhigt zu „Unsichtbare Blicke“ greifen, denn der Autor stellt die Fiktion in seinem Text deutlich genug heraus und eine Trennlinie zwischen Realität und Geschichte ist somit immer gegeben!

Bewertung


Thematik:

Internet(Gefahren)

Verfolger

DDR | Geteiltes Deutschland

Mauer

Kriminalistische Ermittlungen

Mord

Technik(Gefahren)

WebCams

Psychische Erkrankungen

Misshandlungen

Cleverness

Allgemeine Buchinformationen:

rororo, rororo rotfuchs
Paperback, 400 S.
01.03.2012
12,99 €
978-3-499-21617-6
Zu „Unsichtbare Blicke“ bei rororo

Vielen Dank an den Autor Frank M. Reifenberg und Lovelybooks für diese spannende und interessante Leserunde!
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4 thoughts on “Unsichtbare Blicke von Frank Maria Reifenberg [Rezension]”

  1. Unsichtbare Blicke !!!!

    Das Buch ist einfach super … Das Ermittler ist echt cool … und die Story echt spannend …. auch die Tator-Ermittlung ist total mein Ding !!!! Davon würd ich gerne mehr lesen !!!!

    Also von mir krieg dieses Buch mindestens 5 Punkte !!!! ….

    Meine Webcam hab ich als erstes zu geklebt … Grusel !!!

    Deinen Blog find ich ansonsten aber super

    … kann man schön durchstöbern

    … mehr bitte … danke …

    Alles gute aus der Schweiz !!!! 🙂

    Gefällt mir

    1. Hallo Tine!
      Lieben Dank für deinen Besuch! (Schweiz, cool, da war ich noch nicht, nur einmal durchgefahren, auf dem Weg nach Italien)
      Meine Webcam habe ich auch sofort zugeklebt, wusste bis dato nicht einmal, dass dieser „Punkt“ oben auf dem Notebookdeckel WIRKLICH eine ist ;-). Aber so ist es ECHT besser.
      Und dass dir die „Tatort“-Sache gefallen hat, ist schön, ich kenne eine Menge Leute, denen es vermuutlich genauso gehen würde, weil sie TATORT generell mögen, ich eben nicht :). Dann jedenfalls hat man mit diesem Buch einen guten Griff gemacht.

      Danke auch für dein Kompliment, freut mich sehr,
      viele Grüße,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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