Buchrezensionen, Rezensionen

Virtuosity – Liebe um jeden Preis von Jessica Martinez [Rezension]

Wie würdest du dich entscheiden?

Was für ein Ton! […] Die Noten flogen aus Jeremys Instrument über uns hinweg und es war, als wären wir hypnotisiert. Er erschuf eine Geschichte, die über die pure Musik hinausging und uns verzauberte. […] Er glitt über die Seiten und verwob uns mit dem Stück, bis wir nicht mehr sicher waren, wo wir aufhörten und die Musik begann.
S. 70 & 71

Der Inhalt:


Wann hat die Leichtigkeit während ihres Spielens aufgehört? Wann begann sie zur Beruhigung, um die Auftritte zu überstehen und ihre Karriere voranzutreiben diese Betablocker einwerfen? Warum kann sie damit nicht mehr aufhören? Und warum stellt sie plötzlich ihre gesamten Bemühungen für diesen einen großen Preis in Frage?
Weil man das Leben und die Liebe nicht planen kann und Prioritäten sich verschieben. Dennoch hätte Carmen niemals gedacht, dass sie ernsthaft darüber nachdenken müsste, sich zwischen ihrer Liebe – dem noch fremden Jeremy Kind, Wunderkind und ein ernstzunehmender Konkurrent an der Geige – oder ihrer eigenen Karriere, ihrem eigenen Leben, ihrem Traum und Daseinsgrund entscheiden zu müssen. Aber vielleicht war es Schicksal, dass sie in Jeremy nicht nur ihren größten Gegner, sondern auch engsten Vertrauten finden könnte. So oder so wird sie sich entscheiden müssen und dass das Schicksal manchmal unvorhersehbare Pfade entlang wandelt, hat selbst Carmen nicht kommen sehen…



Musik – Ein Höhenflug mit Abgründen

„Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ wirkt auf einer anderen, spezielleren Ebene als andere Jugendbücher. Obgleich ich mich nicht mit der gesamten Handlung identifizieren konnte und ich teilweise das Gefühl hatte, ich würde mich beim Lesen vom Inhalt abstoßen, ist es doch eine wunderschön tiefsinnige Reise in die Höhenflüge, aber auch Abgründe der Musik. Verdeutlicht wird dies an der Protagonistin Carmen, die benannt nach der berühmten Oper Carmen einem Traum und Leistungsdruck standhalten muss, der ursprünglich einmal ihrer, inzwischen mehr von ihrer Mutter als von Carmen selbst fokussiert wird.

Einige Makel zerstören z.T die Atmosphäre dieser qualitativ hochwertigen Geschichte

Carmen muss sich durch so manche Klischees kämpfen und im Laufe der Geschichte herausfinden, wie sie ihre eigenen Bedürfnisse von denen ihrer überergeizigen Mutter Diana trennt.
Der Aufbau dieser musischen Handlung ist einerseits sehr gelungen, da man als LeserIn im Prolog direkt ins kalte Wasser geworfen wird und sich in einem Absturzmoment Carmens befindet. Stichpunkt: Spannung wird erzeugt. In Kapitel 1 wird dann die ursprüngliche Geschichte aufgenommen, bis man sich irgendwann am Punkt des Prologs befindet. Andererseits habe ich durch diesen Aufbau auch die Qualitätsunterschiede im Stil und der Geschichte selbst wahrgenommen. Es gibt einige Szenen, hauptsächlich die, in denen die Autorin vermutlich ihr Herz sprechen lassen konnte, die mich packten und begeisterten. In diesen Szenen geht es auschließlich um die Musik, weil entweder Carmen oder jemand anderes Geige spielt. Das Meiste habe ich allerdings mit viel, viel Neutralität gelesen. Es berührte mich kaum. Ich verstand zwar die Hintergründe und konnte nachvollziehen, warum sich die Figuren in diesem oder jenem Konflikt befanden, doch die Emotionen und Gefühle sind mir dabei gänzlich abhanden gekommen.

Musik für die Augen und Gefühle fürs Herz

Hauptschauplatz der Handlung ist die Gefühlswelt der Protagonistin, die eine scharfe Wandlung erfährt, wodurch die Geschichte ihren Schwerpunkt auf die Psyche gelegt hat. Was ich in diesem Roman gelesen habe, versetzte mich zum Teil in tiefe Traurigkeit, weil es in „Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ Fiktion sein mag, in ähnlichen Zügen allerdings der Realität entsprechen könnte.
Die Aspekte rund um die Musik sind Jessica Martinez herausragend und authentisch gelungen, da sie selbst Erfahrung im Geigespielen besitzt. Dennoch erwarte ich mehr von einem Roman. Ich bin nicht enttäuscht, da ich so einiges durch diese Lektüre für mich mitnehmen konnte, aber auch nicht so glücklich, weil es meinen Erwartungen gemäß des gelungenen Covers nicht entsprach.
Um einen grundlegenden Kritikpunkt zu nennen: Die Gefühle Carmens für Jeremy, den sie überhaupt nicht kennt, wirken surreal und dass er dasselbe zu empfinden scheint, ist noch unglaubwürdiger. Auch wenn er so etwas wie „den lezten Rettungsanker“ für Carmen symbolisiert.

Mein endgültiges Urteil:

„Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ ist leider nicht in allen Aspekten so virtuos und bedingungslos toll und abgehoben, wie ich es gerne gehabt hätte. Dieses Jugendbuch ist dennoch  zwei Blicke wert und wird viele Fans finden, da es sich mit einer anderen Thematik auseinandersetzt und stellenweise durch Tiefgründigkeit die flacheren Momente stark herausreißt.
Mir hat es gezeigt, dass die Definitionen von „schöner“ Musik weit auseinander liegen können. Für mich sollte Musik nämlich in erster Linie Spaß machen. Denen, die sie spielen und ihren Instrumenten wunderschöne Töne entlocken können und der anderen Seite, die so etwas hören darf. Die Einblicke die Jessica Martinez in ihrem Debüt bot, zeigen jedoch, dass krankhafte Perfektion u.v.m. Ebenso gut mit „brillanter Musik“ verwechselt werden kann.
Musikliebhaber und diejenigen, die gerne Geschichten mit Musik verschmolzen lesen, dürften in „Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ einen erfrischend anderen Roman vorfinden. Wer sich weder für Musik interessiert oder gerne Ausflüge in neue Themen wagt, sollte sich bei Jessica Martinez Debüt lieber zurückhalten! – Schönes Cover hin oder her.

Bewertung


Trailer:


Thematik:

Musik

Leistungsdruck | Wettbewerbe

Erwartungen

Leistungen

Perfektion

Selbstfindung

Liebe

Geige | Klassische Musik

Konkurrenz(Kampf)

Allgemeine Buchinformationen:
EUR 12,99Ab 14 Jahren
Boje Verlag
Hardcover, 253 Seiten
Ersterscheinung: 17.02.2012
ISBN: 978-3-414-82322-9
Zu „Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ bei Bastei Lübbe

Vielen Dank an Bücherkinder.de für die freundliche Unterstützung!
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10 thoughts on “Virtuosity – Liebe um jeden Preis von Jessica Martinez [Rezension]”

  1. Was genau schreckt dich denn da ab?
    – Bist du kein Musik/Geigen-Fan, oder was ist das Problem?
    Als ich das Cover zum ersten Mal sah, bin ich richtig WILD geworden, weil ich es UNBEDINGT lesen wollte/musste!!

    Viele Grüße,
    Charlousie

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    1. Ich weiß es nicht..bei manchen Büchern denke ich mir „Wow! Wie cool, das möchte ich unbedingt lesen!“ und bei manchen „Hmm, ich weiß nicht so recht..“. Und das ist ein „Ich weiß nicht so recht“-Buch, keine Ahnung warum. ;D
      Ja, das Cover ist auf jeden Fall super! 🙂
      Vielleicht ist es ja doch mal einen Versuch wert. Wenn ich irgendwie drankomme, werde ich es sicher mal lesen. Wenns nicht gut sein sollte, kann mans ja immer noch abbrechen, was ich aber sehr schade finde, weil ich es hasse, Bücher abzubrechen. 😉

      LG Jessica

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      1. Ich hasse es ebenfalls Bücher abzubrechen, was ich aus diesem Grunde auch so gut wie nie tue! 🙂
        Aber bei mir war es genau so ein Buch, wie du es beschreibst! Ich war wie gesagt echt WILD darauf und letztlich hat es sich ja (für mich ;-)) gelohnt!!

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  2. 😀 So ging es mir auch!!! Das Cover ist sooo schön. Als ich es gesehen habe wollte ich es auch UNBEDINGT haben. Bisher ist es allerdings noch nicht dazu gekommen und jetzt nachdem ich deine Rezi gelesen habe will ich es noch mehr 😉

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    1. *Jubel* Du glaubst ja gar nicht, wie sehr mich das freut! (:
      Und ich muss dann nur noch ganz fest hoffen, dass es dir mindestens, wenn nicht sogar noch mehr, so gut gefallen wird wie mir.
      Aber dieses Cover IST auch einfach schön, da gibt es NICHTS gegen zu sagen.

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  3. So jetzt aber! Gestern hing ich an „Dark Canopy“ fest (ein tolles Buch!) und heute musste ich erst einmal den Weg zu dir finden. 🙂

    Eine sehr schöne und gut begründete Rezi! Du weißt ja wie ich das sehe! Sicherlich folgt das Buch einigen Klischees und mitunter wurde mir die Bindung zu Carmen und Jeremy auch nicht ganz klar … zumindest das selbstverständliche Kennenlernen zu Anfang und der erste, sehr rasche Kuss. Dennoch war dieses Buch einfach nur sehr schön und etwas vollkommen anderes als ich ursprünglich erwartet hatte – nämlich einen direkten Fokus auf die Liebesgeschichte. Mich hat eben Carmens Absturz und ihre Zerrissenheit gegenüber der Musik sehr gefallen. Einerseits liebt sie das Geigenspiel ja, nur durch den ganzen Druck von außen wird diese Leidenschaft halt Stück für Stück zerstört. Die Schreibweise hat mich auch fast druchgängig berührt. Wenn es in Büchern um Musik geht bin ich aber auch sehr leicht bestechlich und höre fast nur noch auf die schönen Töne. Für mich also kein perfektes, aber trotzdessen wundervolles Buch! Ich werde es ganz gewiss nicht zum letzten Mal gelesen haben. Aber gute Arbeit! Ich denke nämlich auch, dass sich nicht jeder damit anfreunden dürfte … wie du eben. 😀

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Na, dann komme ich jetzt auch ENDLICH mal zum Antworten!
      Zunächst hat mich (so wie immer) dein Kommentar sehr gefreut und im Einzelnen:
      Ich merke, dass ich in letzter Zeit wesentlich kritischer geworden bin, woran das liegt, weíß ich gar nicht so genau, aber Bücher, denen ich wohl vor ca. einem Jahr noch 5 Sterne gegeben hätte, weil mir diese kleinen „Fehlerchen“ nicht sooooooo schlimm vorgekommen wären, bekommen inzwischen „nur“ noch 4 Sterne. Ist jetzt schwieriger für ein Buch, mich zufriedenzustellen ;-).

      Aber im Grunde genommen kann ich dir auch da nur zustimmen. Mich ködern „Musik“-Bücher auch oft und die Grundzüge waren wirklich zauberhaft dargestellt. Nur die „Basis“, die aus Carmens Liebe zu Jeremy besteht ist mir einfach nie so richtig klar, bzw. zugänglich geworden. Deswegen und wegen „unterwegs“ noch ein paar „Patzern“, musste de Stern dann eben doch rollen…

      Aber das Ende, das hat mich doch positiv überrascht UND das Beste:
      EINZELBAND *Tanz*, das finde ich natürlich super, so wie du vermutlich auch^^

      Ein tolles (fliegendes) Wochenende wünsche ich dir,

      ich lese noch „Dark Angels‘ Summer“ zu Ende, dann folgt noch ein 500 Seiten Manuskript und DANN gehts SOFORT an DARK CANOPY und was ich mich da nicht drauf freue inzwischen!!!

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    1. Hallo Mascha.
      Gerne darfst du hier kommentieren, doch möchte ich nicht, dass Eigenwerbung bei mir gemacht wird. Dafür sind soziale Netzwerke da, ich bin die falsche Plattform. Wenn du andere Blogs besuchst und kommentierst, bekommst du vielleicht Rückbesuche oder ein anderer Besucher klickt dich über deinen Kommentar an, aber bitte keine Links posten. Es sei denn, er bezieht sich auf etwas Aktuelles, was zwischen uns oder auch anderen heiß diskutiert wird ;-)!
      Also: Bitte nicht böse sein, ich habe den Link herausgenommen und würde mich freuen, wenn du mich trotztdem noch besuchen würdest!
      Alles Liebe und eine schöne Vorweihnachtszeit,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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