Buchrezensionen, Rezensionen

Die Gespielin von Fanny Lasalle [Rezension]

Ich verspreche dir, dass du nie allein sein wirst, Kätzchen. Wenn du Hilfe brauchst, werde ich da sein. Wenn du traurig bist, werde ich da sein. Wenn du dich einsam fühlst oder dich langweilst, oder auf jemanden wütend sein willst, werde ich da sein.“

S. 224

Der Inhalt:

Frankreich 1733:

Suzanne d’Aubry hat das Leben im Kloster satt. Als sie ein kleines Mädchen war, wurde ihr Vater als Verräter in die Bastille geworfen und starb und sie hat seitdem einen neuen Vormund, der ihr im Kloster eine Erziehung angedeihen ließ. Jetzt ist sie Volljährig und sehnt sich nach Heirat. Also fädelt sie etwas ein, um dem Kloster zu entkommen und wird wenig später von ihrem Vormund abgeholt.

Was sie zunächst nicht wahrhaben will, er hat weniger ehrenhafte Pläne für sie vorgesehen. Héctor de Gouzon versinkt in Schulden und kann ihr keine angemessene Mitgift für ihre erwünschte Heirat ermöglichen. Also muss sie für das finanzielle Sorgen, indem sie sich in Paris einem reichen Adeligen an den Hals wirft und als Mätresse das Geld einbringt. Sie willigt ein, denn so bekommt sie möglicherweise die Gelegenheit Details über den Verrat ihres Vaters herauszufinden. Wie kann Suzanne ahnen, dass sie auf diesem Weg die dunkelsten Leidenschaften und Begehrlichkeiten der Menschheit kennenlernen wird?

Sie schafft es sogar bis nach ganz oben und plötzlich hat König Louis selbst ein Auge auf sie geworfen und sie könnte die offizielle Favoritin am Versailler Hof werden. Doch wer mächtige Freunde hat, hat umso mächtigere Feinde und die Neider und Intriganten, die sie gestürzt sehen wollen, lassen nicht lange auf sich warten…

Das Reizvolle am Historischen, kombiniert mit Erotischem

Seit jeher habe ich gerne jedwede Lektüre verschlungen, die im 18. Jahrhundert Frankreichs spielt. Ist es der glamouröse Flair, der da aus den Buchseiten herauszuschwappen scheint? Die uns heute fremden Sitten und Gebräuche, das einengende Hochzeremoniell? Oder wirken Liebesgeschichten hinter dieser strengen Kulisse einfach eleganter und dramatischer?

Deswegen dachte ich mir, warum nicht einmal einen erotische Roman in dieser Materie ausprobieren?

So kam ich zu Fanny Lasalles „Die Gespielin“ und wurde nicht enttäuscht. Neben historischen Elementen, die eine untergeordnetere Rolle spielen, versteht die Autorin das Leidenschaftliche mit einer glaubwürdigen und fesselnden Handlung zu verbinden.

Anfangs gab es vielleicht einige Schwierigkeiten, die mich jedoch nicht störten und der Mittelteil war einfach nur atemberaubend.

Fanny Lasalles Roman beginnt schleichend und schwingt sich dann in unermessliche Höhen hinauf

Die Gespielin“ fängt auf einem normalen bis niedrigerem Level an und steigert sich dann in extreme Höhen. Ich vermute, dass diese Höhen durch Perspektivenwechsel entstehen; außerdem durch ein Intrigennetz, das sich immer enger um die Protagonistin Suzanne zieht. Natürlich ist es auch hilfreich, dass es im Mittelteil am französischen Hof sehr viele neue Figuren gibt, die für Fallstricke und unaufgeklärte Fragen verantwortlich sein könnten.

Für mich zeichnet sich der Mittelteil hauptsächlich darin aus, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen und unglaublich gebannt vom Geschehen war.

Fabulöse Figuren in „Die Gespielin“ und ein überzeugender Handlungsaufbau

Die Charaktere besitzen ihren Charme und Fanny Lasalle schafft es selbst der unsympathischsten Person eine Glaubhaftigkeit in ihrem Handeln und ihren Gefühlen anzuhängen.

Auch König Louis erschien mir gut dargestellt. Die Protagonistin Suzanne erfährt eine enorme Entwicklung und vereint die schwachen Wesenszüge, die damals den Frauen angedichtet wurden mit denen, die uns Frauen heute so zu eigen sind. Das heißt, sie lässt sich nicht alles gefallen und hat ihren eigenen Kopf.

Ebenso gelungen waren die Zeitpunkte, in denen Schlüsselfiguren in den Plot eingeführt wurden, was ebenfalls für den Aufbau der Handlung gilt. Denn auf diese Art und Weise entstanden parallel laufende Geschichten, die zum großen und ganzen zu Suzanne passten, aber auch einzeln eine gute Unterhaltung waren.

Der Ausgang trübt den insgesamt positiven Gesamteindruck wieder etwas

Leider sackte das Ende wieder ein wenig ab, weil sich manche Komplikationen zu leicht fügten oder plötzlich für mich etwas unverständlich, bzw. zu rasant abgehandelt wurde.

Nichts desto Trotz hatte ich meinen Spaß beim Lesen und der Aussage Fanny Lasalles, es handele sich bei „Die Gespielin“ um eine niveauvolle erotische Lektüre, kann ich komplett zustimmen.

Zum Schluss muss ich noch auf den wohl wichtigsten Aspekt bei erotischen Romanen eingehen, nämlich die erotischen Passagen selbst. Manche (wenige) entsprachen nicht meinem persönlichen Geschmack, was nicht die Schuld der Autorin ist. Insgesamt fügten sich die Szenen voller Feuer und Herzblut wunderbar in den Rest der Handlung und es wurde nicht wie wild und wie es gerade mal so passte „herumgehurt“. Leidenschaftliche und intensive Gefühle kamen auch bei mir auf und auch in Liebesdingen wusste „Die Gespielin“ mich zu überzeugen.

Mein endgültiges Urteil:

Eine leidenschaftliche Lektüre, die dem erotischen Genre viel Ehre einbringt, mit tollen Charakteren zu überzeugen weiß (Ich habe mich in Alexandre de Bournonville verliebt), einen rasanten Plot besitzt und bis auf einige Anfangsschwierigkeiten und einem etwas unausgereiftem Ende meine vollste Zustimmung genießt.

Wer mal einen kleinen Ausflug in ein anderes Genre wagen möchte oder wirklich gute Unterhaltung sucht, kann mit „Die Gespielin“ wenig falsch machen!

Bewertung

Thematik:

Erotik

Passion

Leidenschaften

Französisches Hofzeremoniell

18. Jahrhundert

Frankreich (Paris, Versailles)

Historik

Adel

Selbstfindung

Allgemeine Buchinformationen:

Fanny Lasalle

Die Gespielin

Erotischer Roman

Deutsche Erstausgabe

Taschenbuch, Broschur,

416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-47580-3

8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50

Verlag: Goldmann

Zu „Die Gespielin“ bei Goldmann

Herzlichen Dank an die Autorin Fanny Lasalle für diese schöne (noch nicht abgeschlossene) Leserunde!

Wer das Buch gerade liest oder bei dem es subbt, der fühle sich eingeladen mitzulesen!

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