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Dark Love von Lia Habel [Rezension]

In jedem Schatten lauerte die Gefahr, in Stücke gerissen zu werden. Das Komische daran war, dass ich mich allmählich daran gewöhnte. Alles nichts Besonderes mehr.

 S 404

Der Inhalt:

Im Jahr 2195:

Nora lebt mit ihrer Tante Gene in den Elysischen Gefilden unter der Erde und besucht eine vornehme Mädchenschule. Ihre Mutter starb vor einigen Jahren und ihr Vater vor genau einem Jahr. Endlich kann sie also ihre schwarze Trauerbekleidung abnehmen, wie ihre Freundin Pamela bemerkt. Doch im Grunde genommen würde Nora diese gerne behalten, denn sie ist noch nicht bereit, den Gedanken an ihren Vater loszulassen.

Eines Abends wird sie auf dem nach Hause weg von einem Fremden angesprochen, der sie bittet mit ihm zu kommen, da sie nicht mehr sicher ist.

Sie ignoriert seinen Rat.

Das bereut sie bitter, als schon kurz darauf wandelnde Leichen ihr Haus überfallen und sie mitnehmen wollen.

Mit einer Schrotflinte bewaffnet flüchtet sie aufs Dach und versucht diese Monster in Schach zu halten, doch wenn sie schießt und trifft, kommen sie einfach weiter auf sie zu, unbeeindruckt von den Kugeln.

Was sind das für Wesen?

– Nora soll es bald herausfinden, als der Fremde von einst ihr mit seinem Trupp zu Hilfe kommt und rettet.

 Ich wusste nicht, dass so viel Grauen in nur ein einziges Buch passt

Ich hegte große Erwartungen für „Dark Love“, weil es sehr angepriesen wurde und sich die Geschichte gut anhörte.

Doch was ich dann las, verschlug mir den Atem. Ich kam aus dem Grauen wirklich nicht mehr heraus.

Lia Habel erzählt ihre Zombie-Untoten-Geschichte aus den Sichtweisen verschiedener Figuren. Normalerweise gefällt mir das sehr gut, da es Abwechslung bietet und man die Ereignisse aus breit gefächerten Perspektiven wahr nimmt. In diesem Fall waren es mir zu viele Perspektiven, die meinen Lesefluss jedes Mal störten.

Der Fokus liegt auf den Mängeln von Zombies, die mich an Lepra-Kranke erinnerten und zu einer wachsenden Übelkeit beitrugen

 Der Inhalt befasst sich detaillierter mit dem Aufbau, der Verwesung und dem Verrotten von Zombies. Könnte spannend oder auch interessant sein, dann aber bitte in einem Sachbuch o.ä. und nicht in einem Versuch das Romantische mit dem Toten zu verknüpfen.

Manche werden zu recht sagen, dass Vampire doch auch nur Tote seien. Das kommt zum einen auf die Darstellung jener Vampire an und zum anderen wird bei diesen nicht beschrieben, wie sie sich abnutzen, verwesen und wie es sich anfühlt Hunger auf Menschenfleisch zu verspüren.

Sicherlich hat die Autorin das sehr authentisch aufgezogen und ihre LeserInnen mit einer erschütternden Wahrheit konfrontiert, aber ich war noch nie der Zombie-Typ.

Mir ist bewusst, dass meine negative Meinung über diese Geschichte hauptsächlich subjektiv eingefärbt ist, aber was soll ich anderes schreiben, wenn ich in meinem Hinterkopf ununterbrochen Bilder von wandelnden Lepra-Kranken vor Augen hatte und mir regelmäßig übel wurde?

Ich gebe zu, dass ich die Geschichte am Liebsten abgebrochen hätte.

Denn neben dieser leidigen Untoten-Affäre gab es noch einige andere Mängel. Die Zukunft wird unsere Vergangenheit sein.

 Das viktorianische Zeitalter als Vorbild für die Zukunft

 Sicherlich jeder kennt die Sittsamkeit und vornehmen Gebaren aus bspw. Jane Austen’s Romanen oder hat schon einmal den einen oder anderen Film über Schicklichkeit, Tugend und dergleichen Wertevorstellungen aus den feinen englischen Gesellschaften so im 19. Jhr. gesehen?

-Genau das wird uns laut Lia Habel erwarten, lediglich mit den praktischen Extras unserer Zeit ausgestattet. Auf die wollte die Autorin wohl nicht verzichten! (?) – Wieso auch?- Handys, Computer, Fernseher, Internet und elektrischer Strom sind ja auch viel komfortabler. Auf mich wirkten diese Elemente wie zwei gleich gepolte Magnete, die sich immer voneinander abstoßen werden.

 Zwei Hauptpersonen, die für damalige/Zukünftige Verhältnisse viel zu selbstbewusst und eigenständig auftreten

 Dann gibt es da noch die zwei Figuren Nora und Pamela. Beste Freundinnen und in einer Epoche gefangen, in der Mädchen nur dazu gut sind, in der Ecke zu sitzen, ihren Mund zu halten und gut auszusehen. (Welch Rückschritt). Wenn man jedoch in solch einer Zeit aufwächst, ist es äußerst selten gerade die zwei Exemplare jener Gattung anzutreffen, die rebellische Gedanken hegen, bzw. überhaupt denken und sich nicht in ihr Schicksal fügen. Wie praktisch, dass Pamela und Nora auch noch miteinander befreundet sind und unabhängig voneinander ihren Freigeist entwickeln. Entschuldigung, aber ich habe das den beiden Charakteren nicht abgenommen.

 Zu wenig Tiefe und Ausarbeitung bei dem Hintergrund der Entstehung von Zombies

 Der nächste Aspekt ist das „Zombie-Gen“. Da ich mich privat für Viren, Gene und Molekulargenetik interessiere, habe ich genau verstanden, welchen Prozess Lia Habel dort für Tote, die wieder auferstehen und umherwandeln ausgewählt hat. Leider habe ich so auch die ganzen Lücken bemerkt, die sie bestimmt für sich verstanden und im Hintergrund notiert hat, aber in der Geschichte kamen sie nicht zum Tragen. Mein Vorschlag: Wenn man es anreißt, dann richtig oder man lässt es bitte komplett.

Klar, sie könnte die Gewichtung auf diesem Aspekt als irrelevanter angesehen haben und ich bin mir sicher, dass alle verstanden haben, was sie ausdrücken möchte, aber wenn dieser Aspekt nun einmal die Ursache und Grundlage ihrer ganzen Geschichte ist, wirkt das auf mich viel zu schwach und unausgereift! Da fehlt die Tiefe und das „Gen“, was „Dark Love“ die Substanz verleiht!

Mein endgültiges Urteil:

Wären es nur die Zombies gewesen, die mich so anekelten, hätte ich „Dark Love“ noch drei Sternchen geben können, weil Lia Habel meinen Geschmack nicht getroffen hätte und alles andere „richtig“ gestaltet gewesen wäre.

Da sie aus meiner Sicht nur Logikfehler leistete, unglaubwürdige Charaktere und Szenen inszenierte und eine Handlung präsentierte, die lediglich mein Desinteresse zum Vorschein brachte, bekommt „Dark Love“ 1 Stern und wenn es weniger gäbe, lieber weniger.

Das Cover beispielsweise ist sehr schön, um nicht zu sagen atemberaubend, wenn man „Dark Love“ in der Hand hält, aber weder Titel, noch Covergestaltung haben auch nur irgendeine Funktion oder einen Bezug zum Inhalt. Da wäre man vielleicht lieber den Amerikanern gefolgt und hätte es beim Titel „Dearly, Departed“ belassen sollen oder direkt das ganze Werk dem deutschen Buchmarkt erspart.

Die Autorin fragte sich, warum bisher niemand eine Liebesgeschichte zwischen einem Untoten und einem Menschen schrieb?- Weil dabei schwerlich etwas gutes herauskommen kann und für mich ist das ein perverser Tabu-Bruch, den ich nicht empfehle und ganz tief aus meinen Gedanken verbanne. Eigentlich würde ich euch in diesem Fall raten, euch eure eigene Meinung zu bilden und uneigentlich sage ich: „Finger weg“, ich war noch nie so froh die letzte Seite eines Buches erreicht zu haben!

Thematik:

Zombies

Zukunft/Vergangenheit

Digitales Zeitalter V.S. Viktorianisches Zeitalter

Krieg

Konflikte

Allgemeine Buchinformationen:

Lia Habel

Dark Love

Roman

Erschienen: November 2011

Aus dem Englischen von Diana Bürgel

Originaltitel: Dearly, Departed

512 Seiten

Klappenbroschur

15,99 [D], € 16,50 [A], sFr 22,90

ISBN: 9783492702195

Zu „Dark Love“ beim Piper-Verlag

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17 thoughts on “Dark Love von Lia Habel [Rezension]”

  1. OHA! …ich hab bisher schon einen Bogen um das Buch gemacht, weil Zombies mich nicht wirklich ansprechen xD Und Deine Rezension zu dem Buch bestätigt mich noch weiter, dass es nichts ist was ich lesen muß 😉 Danke für Deine ehrliche Meinung – eine gut begründete Rezension ist immer viel wert.

    Ich wünsch Dir einen guten Rutsch in ein tolles, gesundes und bücherreiches neues Jahr (hoffentlich dann mit besseren Büchern als dieses).

    LG
    Monika

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    1. Danke liebe Monika!
      Jaaa, ich hätte auch einen Bogen darum machen sollen, aber ich hatte wirklich gedacht…
      Hatte dafür aber dieses Jahr bis auf WENIGE Ausnahmen überwiegend super Bücher ;-).
      Wie auch immer!
      Dir schicke ich ganz liebe Grüße und einen super guten Übergang ins neue Jahr 2012 mit Gesundheit, schönen und gutem Lesestoff! Feier schön,

      Charlousie

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    1. Noch ist nicht Ende aller Tage und wer weiß, vielleicht wird es dir ja doch noch gefallen…
      Aber eigentlich würde ich es nicht mehr lesen, wenn ich noch einmal die Möglichkeit dazu hätte…
      Lg!

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  2. Danke für diese tolle und ehrliche Rezension. Dann werde ich wohl auch lieber einen großen Bogen um dieses Buch machen!

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012 und das dir der Lesestoff nie ausgehen wird!!!

    Ganz liebe Grüsse
    Lena

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    1. Gerne doch. Muss die ahnungslosen Leseliebhaber doch vorwarnen ;-)!
      Dankeschön, dir auch einen lieben, guten, glücklichen und reibungslosen RUTSCH!
      Und das mit dem Lesestoff wünsche ich dir selbstverständlich auch!

      Viele, winterliche Grüße,
      Charlousie

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  3. Ich hab mir jetzt nur die Bewertung angeschaut, da ich das Buch selbst noch im Regal hab….aber der eine Stern ist ja nicht sehr vielversprechend. Ich hab Angst, weil ich normalerweise gar kein Zombie-Fan bin, dass das Buch nichts für mich ist, auch wenn es eigentlich gut klingt…

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    1. Genau genommen hätte ich eig. sogar 0 Sterne vergeben..
      Ich fand auch, dass es richtig gut klingt, bin aber auch kein Zombie-Fan und das war dein mein Fazit fürs Buch.
      Wäre ich du, würde ich „nein“ sagen!
      Würdest du Zombies sonst mögen, hätte ich dir gesagt, versuch mal ein zwei Kapitelchen oder so…

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  4. Schade schade…. Aber dennoch finde ich es gut, dass Du Deine ehrliche Meinung schreibst!

    Ich habe das Buch verschlungen, freue mich wie bolle auf die Fortsetzung…. Trotz des verstörenden Ekels ob der Romanze Zombie-Mensch. Oder vielleicht grade deswegen? Ich weiß es nicht, was für mich im Endeffekt den Reiz ausgemacht hat, aber ich bin gänzlich anderer Meinung als Du. Aber eins MEINER Lieblingsbücher ist ja auch „Die Zombies“, vielleicht liegts daran 😉

    Liebste Grüße und ein tolles Jahr
    Bine

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    1. Ich glaube, das ist die Erklärung! 🙂
      „DIe Zombies“ habe ich bspw. nicht gelesen (eben das erste Mal von gehört), habe das auch nicht geplant und ich merke mir, dass ich nie wieder etwas lese, was ich sowieso eher abstoßend finde.
      Aber ich hegte die Hoffnung, dieses Buch könnte mich umstimmen. 😉
      War bei Vampiren nämlich ähnlich. Hatte keine Abneigung, fand sie aber auch nicht toll, dann kam Edward (ich meine, ich war so 12) und ich war verliebt in jede mögliche Art von Vorstellung über Unsterbliche und Untote im Sinne von Bluttrinkern und Vampiren ! 🙂

      Liebe Grüße, dir auch ein tolles, neues Jahr!
      Charlousie

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  5. Zombies? Untote? :O
    Oh, dann werde ich das Buch wohl doch nicht lesen…ich finde ja, es hört sich interessant an, was der Klappentext verrät, aber was du da schreibst, schreckt mich total ab…das ist ja überhaupt nichts für mich… und ich hätte das Buch fast ertauscht. 😀 😛
    Naja. Mal sehen. Aber danke für die ehrliche Rezension, kaufen werde ich es mir nach dieser auf keinen Fall. 😉

    LG Jessica

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    1. Pft! Ich frage mich noch, wie ich es loswerden soll. Mein Exemplar meine ich…
      Einerseits würde ich es gerne vertauschen, andererseits bin ich der Meinung, dass ich diesesn „Schotter“ nicht verbreiten möchte, sonst hätte ich es ja auch als Gewinnspiel schon lange verlost oder als Gastrezension angeboten…
      Aber glaube mir, es gibt Leute, die sind begeistert, weil die „Zombies“ etwas so NEUES sind und es ja so SPANNEND und ROmANTISCH ist, wenn der Zombie sogar ihr Fleisch aus der Schulter beisst! 😦 Ich hoffe nur, dass ich dieses traumatische Buch jemals vergessen kann…

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      1. Das habe ich ja noch nie erlebt, dass das jemand sagt… 😉
        Aber gut, wenn du es so schlecht gefunden hast..
        Kannst es ja mir schicken, ich kann ja mal gucken, ob ich’s nicht doch vielleicht gut finde. *g* Ich bezweifle das aber. 😀
        Hmmm, voll romantisch sowas… ich find’s schrecklich.

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        1. Das tut mir leid, aber du bist genau eine Woche zu spät. Habe es vertauscht und exakt letzten Freitag in die Post gegeben. Ist zwar noch nicht angekommen, aber die Post ist irgendwie momentan SO langsam bei mir. Ist schon extrem unnormal.
          Ich könnte mir sogar denken, dass du es ganz nett finden könntest, denn irgendwie fanden es voll viele romantisch und toll usw.

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  6. Also, ich fand das Buch genial und freue mich auf die Fortsetzung 🙂 auch für mich ist es schwer vorstellbar, eine Beziehung mit einem Toten zu haben, aber ich finde, dass Lia Habel es gut dargestellt wie die beiden sich ineinander verlieben…na ja, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden (:

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    1. Eine Fortsetzung? Ich glaube, das hatte ich schon wieder verdrängt ;-)!
      Nein, du hast ja Recht, es ist GUT, dass jede/r etwas anderes gut findet, mich hat dieses Buch nur extrem von den Socken gehauen (im negativen Sinne :)) und mich eher runtergezogen…
      Einen schönen Abend wünsche ich noch,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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