Buchrezensionen, Rezensionen

Der Eiserne König – Ein Abenteuer von John Henry Eagle [Rezension]

Solche Geschichten sind bedingungslos.

Sie fordern nichts, sie geben nur.

Der Inhalt:

Die Mädchen sitzen an den Spindeln und spinnen Stroh zu Gold. Tag ein und Tag aus. Die ganze Nacht. Das zu Gold gesponnene Stroh ermöglicht allen Menschen ein Leben in Luxus und Komfort. Doch schnell wird aus Komfort Faulheit und aus Luxus Trägheit.
Darauf hat der Eiserne König in seiner Grabkammer gewartet und niemand wundert sich, woher dieser plötzliche Reichtum überhaupt kommt.

Da leider immer dieselben Gestalten ihr Schicksal wegen eines höheren Zwecks opfern müssen, wird Hans auch in diesem Abenteuer vor den Karren gespannt.

Da ist er zusammen mit seiner Schwester den Fängen der Hexe entkommen und plünderte gemeinsam mit Grimms Räuberbande das Land, weil ihm nichts besseres einfiel, da befindet er sich auch schon wider Willen auf der größten Mission seines Lebens.

So trifft es sich gut, dass der schlaue Fuchs den heldenhaften Dachs überlistet und ihn dazu verdonnert den Menschen beim Retten der Welt zu helfen.

Und auch Hans muss nicht allein ausziehen die Welt zu retten. Treue Gefährten werden ihm an die Seite gestellt und ihre erste Mission beginnt damit die Gografen aus der verdornten Festung zu befreien, damit der Zauberschlaf sich löst und der grausame Eiserne König die Weltherrschaft nicht an sich reißen kann.

Die Vielseitigkeit spricht für sich…

 Märchen sind vielseitig. Das zeichnet sich durch ihre unverkennbare Brutalität aus.

– Es gab mindestens zwei Passagen, in denen ich mich richtig ekelte und schockiert den Mund verzog.

Der Heiterkeit mit der ernsten Situationen begegnet wird.

– Die Abenteurer in „Der eiserne König“ versuchen die Welt zu retten und obwohl alles ausweglos scheint, sind sie immer noch zu Scherzen in der Lage.

Den wunderschönen sprachlichen Bildern und moralischen Metaphern, die man auf Alltagssituationen anwenden kann. Das zeigt sich außerdem in den kleinen und großen Weisheiten, die einen teilweise schon überrennen, wenn sie durch implizite Hinweise deutlich werden.

Märchen dienen eigentlich der Unterhaltung von Kindern, so heißt es. Doch in Wahrheit sind Märchen wohl die einzigen Geschichten, die Kinder mit Vorsicht genießen sollten, denn sie bescheren Albträume. Das alles trifft auf „Der eiserne König“ zu. John Henry Eagle entwarf kein komplett neues Märchen, aber im Anbetracht dessen, was er aus bereits Bekanntem zauberte, war das auch nicht nötig.

 Altbewährtes grandios zusammengemischt spricht für sich…

 Es ist schön und gleichzeitig ulkig so ein Buch zu lesen. Denn John Henry Eagle führte mich in seinen Märchenwald hinein, der mir aus vielen Märchenerzählungen aus längst vergessenen Kindertagen vertraut war, jedoch lenkte er den Fokus abseits der Hauptpfade. Aus alt wurde also neu und das auf eine lesenswerte Art und Weise, die mich beeindruckte, denn über 600 Märchenseiten müssen erst einmal koordiniert und so galant zusammengefügt werden!

John Henry Eagle gab mir Stoff für neue Denkrichtungen und ich erhielt die Möglichkeit zu erfahren, wie sich die fabelhaften Geschichten einst wirklich abgespielt haben oder welchen Figurentypen die Charaktere entsprechen.

So bekam ich manchmal das Gefühl eines „Flashbacks“, wenn ich glaubte so eine Erzählung bereits gelesen zu haben und andererseits war es aufregend zu wissen, dass sich auf jeder Seite eine neue Gestalt enthüllen oder eine weitere Parallele gebaut werden könnte. Um einmal ein paar bekannte Figuren zu nennen: Sneewitt(chen), Rumpenstünz, Grimm, Rapunzel, Ha(e)ns(el), Grete(l), uvm.

Diese Charaktere zeichnen sich durch ihre authentische Wiedergabe aus. So leidet Hänsel beispielsweise unter Platzangst und einer Phobie für Hexen, seitdem er von der Hexe im Wald in einem Käfig gefangen gehalten wurde, um von ihr verspeist zu werden.

Die Ereignisse fügten sich ihrem Schicksal und ohne, dass ein Detail unlogisch gewirkt hätte, hatte ich niemals den Drang das zu hinterfragen, was in „Der eiserne König“ passierte, denn bei Geschichten wie diesen kann man sich fallen lassen und einfach mal darauf vertrauen, dass sie einen nicht an der Nase herumführen. Ein weiterer Punkt für die Vielseitigkeit: Märchen sind ehrlich! – Und auch das ist grausam und schön zugleich.

Ein mini, mini, kleines Manko habe ich dennoch. So klein, dass ich es am Liebsten unerwähnt lassen würde. Ich muss zugeben, dass ich es insgesamt gesehen ein bisschen zu lang fand und mir ein bisschen weniger gewünscht hätte.

Märchen sprechen für sich…

Das schöne insbesondere an dieser Geschichte war trotz seiner heftigen Konflikte und der beklemmenden Handlung, dass ich innerlich dabei ausgeglichen und ruhig war. Ich fieberte mit allem mit und war dennoch von der Leichtigkeit beim Lesen befreit. So etwas vermögen nur (gute) Märchen zu vermitteln und mehr muss an dieser Stelle auch nicht gesagt, denn Märchen … sprechen immer für sich!

 Mein endgültiges Urteil:

Der Reiz in „Der eiserne König“ baut sich auf dem Grundgerüst der Märchen auf. Deswegen empfehle ich Märchenfans und denjenigen, denen aus ihren Kindertagen noch ein paar Märchen in Erinnerung geblieben sind, dieses Buch unbedingt zu lesen. Ohne das Vorwissen mag dieses Abenteuer ebenso zu bestechen wissen, denn der Schreibstil ist ebenfalls nicht zu verachten, doch der richtige Spaß liegt beim Wiedererkennungswert.

Wegen des dicken Umfangs rate ich hauptsächlich Genießern zu dieser Lektüre. Ich selbst las sie über mehrere Wochen hinweg und hatte dabei großen Spaß, wer jedoch langsamer liest, könnte schnell die Lust verlieren.

Schlussendlich fallen meine wenigen Kritikpunkte so schwach aus, dass ich 4,5 Sterne vergeben würde, die wieder auf 5 aufgerundet werden und ich denke, auch diese Bewertung spricht für sich…

Bewertung

Thematik:

Märchen

Krieg

Liebe

Märchenadaptionen

Helden

Allgemeine Buchinformationen:

John Henry Eagle

Der Eiserne König

Roman

Hardcover

Preis € (D) 19,95 | € (A) 20,60 | SFR 28,50

ISBN: 978-3-8414-2117-3

Zu „Der Eiserne König“ von John Henry Eagle beim Fischer-Verlag.

 Leseprobe!


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4 thoughts on “Der Eiserne König – Ein Abenteuer von John Henry Eagle [Rezension]”

    1. Ich habe bisher einmal 3 Sterne gesehen, was ja noch nicht schlecht ist, aber ist wohl einfach wirklich Geschmackssache und ich habe echt LANGE daran gelesen, aber irgendwie mochte ich es einfach! 😉

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