Buchrezensionen

Meerestochter von Serena David [Rezension]

Loreley“, sagte Ondra ernst, „war ein publicitygeiles Miststück und hat uns allen sehr geschadet. Typisch Süßwasser.“
Sie zog die Stirn kraus. „Und ich sage jetzt nichts gegen Deutsche.“
Als sie Adrians Gesichtsausdruck bemerkte, fügte sie rasch hinzu:
Ein Scherz!“

S. 164

 

Der Inhalt:

Ondra ist eine Meerjungfrau, die sich nach einem Leben als Menschenfrau sehnt, als sie in Vollmondnächten, die ihr eine menschliche Gestalt verschaffen, Adrian kennenlernt.

Adrian aber hat sein Herz bereits verschenkt, doch die außergewöhnliche Schönheit und Anziehungskraft der Meerjungfrau entfachen seine Liebe zu ihr und vergessen ist die Andere. Da wagt Ondra den endgültigen Schritt und tauscht ihren schillernden, prächtigen Fischleib gegen die zwei nutzlosen Stelzen der Menschen. Hätte sie geahnt, dass Adrian, angehender Architekt, nur vorübergehend in dem kleinen Fischerdorf verweilen will und dass ihr auftauchen alte Geheimnisse ans Licht bringt, die eine gefährliche Wahrheit in sich bergen, hätte sie sich vielleicht anders entschieden, denn Ondra setzt etwas in Gang, was niemand mehr aufhalten kann und dem sie als ahnungslose Kreatur, die sich in der komplizierten Welt der Menschen kaum zurecht findet, nicht gewachsen ist.

 „Die kleine Meerjungfrau“ als Orientierungspunkt der Autorin

Der Inhalt klingt gut, oder? – Das habe ich auch gedacht und ich bin zwar nicht maßlos enttäuscht worden, weil es Kapitel gab, die ich wirklich wie ein Meeresstrudel in mich habe einfließen lassen, aber insgesamt gesehen gibt es einige Haken, die mir „Meerestochter“ versalzten.

Serena David hat sich bewusst an dem Märchen von Hans Christian Andersen „Die kleine Meerjungfrau“ orientiert und die Idee finde ich nach wie vor klasse, doch wenn man nicht in der Lage ist, an dieses wunderbare Märchen anzuknüpfen, sollte man seine LeserInnen nicht ständig an diesen Umstand erinnern, indem man immer wieder auf eben jenes Märchen zu sprechen kommt.

Impulsive Figuren, die das Blatt auch nicht mehr wenden konnten

Die Figuren sind teilweise so impulsiv, dass sie schon beinahe nervten. Manchmal sympathisierte ich mit ihnen, manchmal wollte ich sie in den Mülleimer werfen und Verstrickungen sind wirklich, wirklich gut, weil sie Spannungen aufbauen, aber Serena David war irgendwie, so leid mir das tut, diesem Ziele nicht gewachsen. Das Ende ist an Pathetik und viel zu dickem Gänseschmalz nicht mehr zu übertreffen, die Verstrickungen so übertrieben, dass die Autorin ein Netz schuf, in dem sie sich selbst verfing und sich bis zum Schluss nicht mehr befreien konnte.

Ich denke, dass einige diese Art eine Geschichte zu erzählen sehr anspricht, aber auf mich wirkte es zu gewollt und dadurch schlich sich etwas verbissenes, statt die ursprünglich geplante Leichtigkeit ein.

Eine Liebesgeschichte wie das Liebesleiden von unreifen Heranwachsenden

Serena David erzählt eine Liebesgeschichte, die sich durch ein meist nicht nachvollziehbares Wechselbad der Gefühle auszeichnet, das an unreife Teenagerliebeleien erinnert oder Sandkastenfreundschaften, die genauso schnell umschlagen wie ein launisches Aprilwetter. Einige Charaktere verhalten sich, besonders am Anfang und gegen Ende, so dämlich, dass ich mich fragte, wieso eine Autorin ihre Geschichte von solchen, mit nicht mehr zu übertreffenden Brettern vor den Köpfen habenden Figuren erzählen ließ. Dass da eine Rechnung nicht aufgehen kann, ist doch vorprogrammiert.

Zumal sich vor allen Dingen Ondra in ihren Wesenszügen sehr widerspricht. Einerseits ist sie sehr naiv, da sie die Menschenwelt nicht begreift und keine Ahnung hat, was Autos sind und jede Redewendung für bare Münze nimmt, doch andererseits benutzt sie dann Ausdrücke wie „publicitiygeil“ (siehe Zitat oben), was so gar nicht zusammenpassen will.

Neben der Liebesgeschichte wird in einem Kriminalfall ermittelt, der manchmal Spannung aufbaute und mich manchmal ein wenig anödete, weil mir zu lange in ein und derselben Wassertretstelle verweilt wird.

Überzeugt durch einfallsreiche sprachliche Bilder

 Zu gute halten muss ich der Autorin ihre manchmal brillant anmutenden Beschreibungen, besonders im Bezug auf das Meer. Ich liebe das Meer, weswegen mich „Meerestochter“ sofort so anlachte und manchmal fühlte ich mich wirklich von einer beruhigenden und wogenden Welle umgeben und erfreute mich an schönen sprachlichen Bildern.

Gelegentlich entstand in mir aber auch der Eindruck, dass „Meerestochter“ nicht so viel Sorgfalt beim Entstehungsprozess zuteil wurde wie es das verdient hätte, denn neben vertauschten Namen und Rechtschreibfehlern wirkte die Überarbeitung nicht immer komplett abgeschlossen oder einfach (ich bitte um Verzeihung) schlampig ausgeführt.

Mein endgültiges Urteil:

Wenn das auch anders klingen mag, ich habe mich beim Lesen nie gelangweilt und war auch nicht genervt, eher enttäuscht von einem Abenteuer, was spannender klingt, als die Umsetzung der Autorin.

Wer dem Meer verfallen ist, darf gerne einen Versuch mit „Meerestochter“ wagen, die Erwartungen von Anfang an aber bitte nicht zu hoch schrauben, denn sonst wird einem die Luft aus den Segeln genommen.

Alles in allem ist mir diese Geschichte immer noch 3 Sterne wert, weil es Passagen gab, die mich begeisterten und Beschreibungen, die in meinem Kopf farbenfrohe Bilder explodieren ließen.

Bewertung

Thematik:

Die kleine Meerjungfrau“

Sehnsucht nach dem Meer

Krimi und Liebesgeschichte

Abenteuer

Verlust und Trauer

Schottland

Fantasy

 

Allgemeine Buchinformationen:

rororo
Taschenbuch, 368 S.
01.10.2011
8,99 €
978-3-499-25632-5

Zum Buch: Klick!

Leseprobe

Das Märchen zum Nachlesen!

Advertisements

5 thoughts on “Meerestochter von Serena David [Rezension]”

  1. Oh du sprichst mir aus der Seele, jedenfalls bis zur Seite 90 wo ich immer noch festhänge weil es mich eben nicht so in den Meeresstrudel zieht. Ich hoffe ich kann es diesen Monat noch beenden, aber mehr als drei Sterne bekomme es bei mir auch nicht, nicht wenn ich seite einem Monat keine Muße habe es weiter zu lesen.

    Gefällt mir

  2. Da hat das Buch bei dir trotz allem ja noch gut abgeschnitten. Ich fand’s einfach doof, die Charaktere haben mich nur angenervt…habs dann nicht wie bei „Nacht“ gemacht und mich gequält, sondern es gelassen.

    Gefällt mir

  3. Oha, „Meerestochter“ liegt bei mir noch rum … und ich überlege gerade, ob ich es nicht fix entsorgen soll. Das klingt ja ganz Übel und ich weiß jetzt bereits, dass mich genannte Kritikpunkte auch stören könnten/werden (und die Kommis über mir sind da auch nicht sehr aufbauend). Danke für diese ausführliche Rezi. Ich bin zwar dafür, es trotz negativer Kritik, bei einigen Büchern zu versuchen … doch momentan ist mein SuB so groß, dass ich froh bin, das ein oder andere Buch an das Tausch Ticket abtreten zu können. Ich werde es gleich mal in die Wege leiten. 😉

    LG Reni

    Gefällt mir

    1. Huhu Reni,
      das würde ich dir auch nur empfehlen!!
      „Meerestochter“ kann ganz „Nett“ sein, aber wenn du noch andere, wichtigere Bücher warten hast, dann…
      VERTAUSCH es 😉
      Grüße,
      Charlousie

      Gefällt mir

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s