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Chronik der Silberelfen – Zeit der Rebellen von Gillian Philip [Rezension]

Conal ist ein lebender Toter, der zu seinem eigenen Todesfeuer humpelt […]

Ich kneife angestrengt die Augen zusammen und öffne sie wieder. Meine Sicht verschwimmt, ich muss mich konzentrieren. Vielleicht entscheide ich mich deshalb um. […] Zuerst ist mein Bruder dran. Er ist schließlich schon tot. Er ist schon tot. Als mein Finger sich um den Abzug krümmt, ist mein Geist ebenso kalt wie mein Herz.

S. 254-255

Der Inhalt:

Sie leben hinter dem Schleier, in einer farbenfrohen und ausgeglichenen Gesellschaft, in der alle gleichviel wert und die Meinungen und Fähigkeiten der Frauen geschätzt sind. Doch egal in welche Welt man geht, Politik ist überall ein heikles Thema und so plant auch die Königin der Silberelfen ein vertracktes Spiel, das sie vielleicht nicht gewinnen kann und das nicht von allen mit Begeisterung aufgenommen wird.

So stellen sich auch die Brüder Conal und Murlainn in ihren Weg. Einen Weg, der vorsieht den Schleier zwischen der Elfen und der Menschenwelt zu vernichten, um die einfältigen Vollsterblichen zu lenken und sich zur Herrscherin über beide Völker aufzuschwingen. Denn die Elfen haben magische Kräfte in sich, die kein Vollsterblicher nachvollziehen kann. Hexen werden bei den Menschen auf dem Scheiterhaufen brennen und da sie den Elfen zahlenmäßig weit überlegen sind, sehen die Brüder die Gefahr hinter dem Unterfangen ihrer Königin. Doch die Königin will davon nichts hören und als Conal verbannt wird, geht Murlainn mit ihm, nicht ahnend, dass er eines Tages eine Armbrust auf seinen auf den Scheiterhaufen gebundenen Bruder richten wird, um ihn einen Gnadentod sterben zu lassen.

Die Autorin spielt mit einem zweischneidigen Schwert

Ich habe „Chronik der Silberelfen – Zeit der Rebellen“ nicht gelesen. Ich habe es verschlungen. Mit einer nicht mehr zu drosselnden Geschwindigkeit flog ich durch die Wörter, saugte mich durch die Kapitel und vergrub mich in einer fantastischen Elfen-Welt, die so schnell nicht mehr getoppt werden kann.

Die Welt der Elfen liegt hinter einem Schleier verborgen, der sie und ihre Magie vor den Menschen schützt, die noch in einem Zeitalter der Hexenverbrennung, Ketzerei und Gotteslästerungen leben.

Ein Konflikt dieser beiden Welten ist vorprogrammiert, doch Gillian Philip wäre keine geniale Autorin, wenn sie nicht in jedes scheinbar „typische“ Abenteuer ein zweischneidiges Schwert legen würde, was mich wirklich immer schnitt, weil ich Wendungen, Schluchten, Klippen, Täler, Berge und einfach nur alles erlebte und in einer Geschichte steckte, die mich erwarten ließ, die Helden gleich vor mir stehen zu sehen.

Ausdrucksstarke Helden, die dem Plot mehr als gerecht werden

Sogar der Aufbau und die Struktur der Handlung sind so perfekt, dass ich diese beiden in Gedanken immer noch loben muss und sehnsüchtig an dieses Lesevergnügen zurückdenke.

Denn eine gute Handlung ist die eine Seite, doch was nutzt sie einem, wenn blasse Figuren in ihr verloren gehen?

Dieses Problem hatte die Autorin glücklicherweise nicht; im Gegenteil, teilweise glaubte ich, dass „Silberelfen“ gleich platzen müsste, da es unmöglich genug Raum für solch schillernde Persönlichkeiten bieten konnte, die dermaßen viel Gefühl, Atmosphäre, Spannung und Tragik vermittelten wie hier Conal und Murlainn.

Ausgehend von der Gestaltung hätte ich „Silberelfen“ auf den ersten Blick nicht unbedingt lesen wollen, weil rot einfach nicht meine Farbe ist. Doch der Klappentext versprach zwischen den Zeilen viel mehr, als „normale“ Worte es normalerweise tun und so entbrannte in mir der Wunsch herauszufinden, ob dieser hält, was er verspricht. Die Antwort lautet nein, er hält es nicht nur, er übertrifft alle meine Erwartungen und Vorstellungen und auch die Gestaltung ergibt inzwischen, nachdem ich in den Genuss dieses wundervollen Buches kommen durfte, viel Sinn und vermittelt sehr gut die in „Silberelfen“ zu Grunde liegende Thematik.

Vielfältige Themenauswahl zum Berauschen

 Liebe ist ein Thema von vielen, das mich regelrecht berauschte. Doch Gillian Philip verwob viele Themen in ihrem Roman, die niemals aufdringlich oder vordergründig wirkten, da sie die perfekte Balance hielt. Die Balance war gespannt wie ein straffes Drahtseil und genauso spannend empfand ich auch die Geschichte.

Eine Fantasy-Idee, die allen würdigen Fantasy-Klassikern und Autoren wahre Konkurrenz macht und beweist, dass es doch noch nicht alles gegeben hat und dass es sich lohnt Bücher aus Genres zu lesen, die man inzwischen in- und auswendig zu kennen glaubt.

Eine Sprache, die ich auf der Zunge schmeckte und eine Muse in jedem Satz, der mich das empfundene Glück beim Lesen dieser Geschichte kaum fassen ließ.

Mein endgültiges Urteil:

Ich würde momentan mein letztes Hemd für die Fortsetzung dieses epischen, unbeschreiblichen, humorvollen, traurigen, spannenden, mein Herz zum Klopfen bringenden Roman geben, der auf mich wirkte wie eine Droge.

Diese Vollkommenheit lässt sich nicht in eine Rezension sperren, denn sie ist frei und rebellisch, gerade so rebellisch wie der Titel „Chronik der Silberelfen – Zeit der Rebellen“ verspricht. Wenn ihr neu in diesem Genre seid, wird euch die Sensibilität dieses Romans sicherlich für alle Zeiten in diesem Genre einfangen und halten und wer bereits ein „alter Hase“ ist, wird über die von der Autorin geschaffene Komplexität und Genialität überrascht sein.

Bewertung

Thematik:

(Silber)Elfen

Rebellion

Rache

Zeitalter der Inquisition

Familienbande, Liebe

Konflikt zwischen zwei Welten

Fantasy

 

Allgemeine Buchinformationen:

Junge Erwachsene

14,3 x 21,5 cm

Gebunden

Philip Gillian

480

17,99 € (D)

18,49 € (A)

Zum Buch: Klick!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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