Buchrezensionen

Im Land des Voodoo-Mondes von Kathleen Weise [Rezension]

Tam-tam-tam. Tam-tam-tam.

Die Trommeln raubten Éloise den Verstand. Das dumpfe Schlagen drang bis ins Innere und übertrug sich auf ihre Eingeweide, als bestünde die Oberfläche ihres Herzens selbst aus Trommelhaut. Flimmernde Luft, schwarze Leiber und der schwere Duft von Orchideen bildeten einen Kokon, der sie einhüllte und aus dem es kein Entrinnen gab.
Tam-tam-tam.

S. 15

Inhalt:
1789:
Die Trommeln, hörst du sie nicht?
Als Éloise de Bouillé Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrem Vater zur Plantage ihres Onkels in Le Cap übersiedelt, ist sie die Einzige, die von schweren Trommelschlägen und fieberhaften Träumen verfolgt wird.
Nach einiger Zeit findet sie heraus, dass das, was sie wahrnimmt von den Einheimischen Voodoo genannt wird. Eine Kraft, die die Loa, die Geister dieser Menschen anruft und große Macht besitzt. Die französische und auf den Boden der Tatsachen stehende Éloise glaubt nicht daran. Doch dann erkrankt ihr Vater schwer und sie begegnet Gabriel, der dieselbe Münze als Kettenanhänger um den Hals trägt, die sie von ihrer Mutter als Talisman erhielt, als diese starb. Plötzlich erkennt Éloise die Parallelen zwischen ihrer Mutter und den gegenwärtigen Ereignissen und weiß, dass sie schnell handeln muss, denn die Trommeln rufen sie immer lauter und eindringlicher.
Ein Wettlauf gegen einflussreiche und unsichtbare Mächte hat begonnen, denen Éloise nichts entgegenzusetzen hat.

Meine Meinung:
Alles in allem ist „Im Land des Voodoo-Mondes“ ein sehr schöner Roman. Als Leserin erhielt ich einige Einblicke in die Kunst des Voodoo-Zaubers und seine Wirkungsmechanismen. Wie tief diese Einblicke tatsächlich reichten kann ich nicht beurteilen, da ich mich mit diesem Thema nicht weiter auskenne.
Die Figuren dieses Buches sind größtenteils sehr gut ausgearbeitet, doch nicht immer gefiel mir das, was ich über sie las. So erschienen mir einige Handlungen zu schwammig und die Hintergründe ihrer Taten blieben mir manchmal ein Rätsel. Obwohl Kathleen Weise diese erklärte, wirkten sie wie ein nicht passendes Puzzle-Stück.
Die Geschichte selbst verläuft auf mehreren Ebenen. Einmal in so einer Art Traumwelt, die die Protagonistin Éloise warnt. Diese Perspektive birgt einerseits Spannung und andererseits Abwechslung. Die nächste Ebene ist die gesamte Welt des Voodoo-Kultes, wie dieser von den Ureinwohnern in Le Cap ausgelebt wird, wie die Weißen davon denken und so weiter und sofort.
Die letzte Ebene ist die Art und Weise wie Éloise diese ihr völlig fremde Kultur entdeckt.
Sie hat bisher nichts anderes als ihre Heimat Frankreich gekannt und wird trotz ihrer recht konservativen Haltung mit so gar nicht sittlichem Verhalten und dem Ernst des Lebens konfrontiert.
Dabei gefiel mir, wie Kathleen Weise die Authentizität ihrer Figur wahrte. Sie erklärt dies nochmals im Nachwort, was für mich ein wenig überflüssig, jedoch nicht störend war. Éloise hat eine Meinung von den Sklaven, die der Zeit einfach angemessen war. Die ich keineswegs gutheiße und mit der Zeit entwickelt sie ihre Ansichten weiter und ändert sie auch, doch es wäre unglaubwürdig und absolut zerstörerisch für die Atmosphäre dieses Romans gewesen, wenn Éloise sofort heftig gegen die harten Bestrafungen der Sklaven und die schlechten Verhältnisse, in denen diese Leben mussten, aufbegehrt hätte.
Des Weiteren würfelt Kathleen Weise die „Voodoo-Komponente“ zusammen mit einer kleineren bis größeren Liebelei, neuen Lebenserfahrungen und reichlich Spannung zu diesem Jugendbuch der etwas anderen Art.
Ich denke, dass viele diese angedeutete Liebesgeschichte sehr ansprechen wird, da sie mehr auf Zwischentöne und kleinere Feinheiten sowie Akzente setzt. Oft gefällt mir das auch, doch in diesem Roman konnte mich die Autorin mit dieser Methode nicht erreichen.
So ergeht es mir leider auch mit anderen Punkten. Manchmal kam bei mir richtiges Desinteresse auf und ich hätte mir mehr Klarheiten gewünscht, vielleicht auch mehr Atemlosigkeit, die mich alles andere vergessen lässt.
Anfangs war ich noch vom Schreibstil gefesselt, der bis zum Schluss gut bleibt, doch die Handlung und das Feuer in Beidem ließen irgendwie nach.

Mein Fazit:
Somit gebe ich für das immer noch gelungene „Im Land des Voodoo-Mondes“ sehr gerne meine vier Sterne, da ich trotz meiner Kritik-Punkte sehr viel Spaß beim Lesen hatte und einiges wirklich außergewöhnlich gut umgesetzt wurde.
Ich freue mich schon auf weitere Werke von Kathleen Weise, denn nach „Blutrote Lilien“ weiß ich, dass diese Autorin wahre Wunderwerke vollbringen kann und wenn für mich „Im Land des Voodoo-Mondes“ nicht dazu zählt, bedeutet das nicht, dass es anderen zwangsläufig auch so gehen muss. Deswegen empfehle ich es weiter und träume mir die Geschichte von Éloise und Gabriel einfach so zu Ende wie ich sie gerne haben würde, denn die Auflösung war inhaltlich kein Drama, deckte jedoch nicht ganz meine Erwartungen. Ob es euch gefallen könnte? Findet es heraus! 😉

Doch in ihrem Kopf hörte sie noch immer das dröhnende Tam-tam-tam der Trommeln.

S. 23

Bewertung

 Trailer:

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag, mit UV-Spotlackierung
288 Seiten
Ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-50263-4
Preis: 14,95 €
Österreich: 15,40 €, Schweiz: 23,50 sFr
Zum Buch: Klick!

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