Buchrezensionen, Favoriten

Das verbotene Eden – David und Juna von Thomas Thiemeyer [Rezension]

Eine Welt, zwei Geschlechter und ein Medikament, das uns alle ohne Rücksicht in den Abgrund hinabreißt.

Inhalt:
Juna und David leben in einer Welt, in der für Liebe kein Platz mehr ist. Alleine schon der Gedanke an die Vergangenheit, in der Männer und Frauen angeblich als Ehepaare miteinander lebten, erfüllt alle mit Abscheu.
Denn jetzt ist alles anders:
Die Männer verbunkern sich in Ruinen und alten Gemäuern und setzen auf die übrig gebliebene Technologie in Form von Feuerwaffen und einigen Autos, während die Frauen im Einklang mit der Natur leben und mit Pferden durch die Wälder streifen. Doch der Frieden zwischen den zwei Geschlechtern von ein und derselben Rasse ist porös. Die kleinste Störung könnte zum Krieg führen, dabei ist die Geburtenrate bereits erheblich zurückgegangen und im Gegensatz zu den Männern, ahnen einige Frauen, dass die Menschheit einen Krieg nicht überdauern würde.
Doch mit der Begegnung zwischen David und Juna keimt eine neue Hoffnung, ganz zart wie eine Blüte und der Verlauf dieser Entwicklung wird darüber entscheiden, ob sich die Blütenblätter öffnen oder die Welt dem Untergang geweiht ist.

Meine Meinung:
Thomas Thiemeyer ist ein Meister im Bereich Inszenierungen. Mit recht einfachen Mitteln legte er auf der ersten Seite die Grundlage für seine gesamte, kommende Geschichte. Die im übrigen extrem köstlich, elegant und fieberhaft spannend anmutet.
Die Zukunft wird in irgendeiner Art und Weise ein Trümmerhaufen sein, darüber sind sich die meisten dystopischen Romane im Großen und Ganzen einig, doch Thomas Thiemeyer war wirklich mal originell. Ich fühlte mich ins Mittelalter zurückversetzt. Nicht nur, dass die technologischen und medizinischen Fortschritte in „Das verbotene Eden“ größtenteils unbedeutend und wie ausgelöscht sind; mit dem Verlust der Technik verlieren die Menschen viele ihrer Ansichten und bekommen ein ganz, ganz anderes Denkmuster. Ein Medikament lässt ihnen keine andere Wahl, als den Hass, doch dieses Medikament ist Jahre her und einige erkennen, dass sie das andere Geschlecht nicht wirklich hassen, sich inzwischen nur so daran gewöhnt oder nie etwas anderes kennenlernten.
Neben dieser höchst interessanten Entwicklung einer zukünftigen Welt, bewegt sich diese Geschichte so atemlos schnell weiter, wie ein Erdbeben und wenn ich nicht schnell genug las, bekam ich das Gefühl, die Erde täte sich unter mir auf und würde mich in den Erdboden ziehen und verschlingen. Furchtbar logisch und absolut wasserdicht vertiefte ich mich in diesem Gesellschaftsmodell und begann im Inneren meines Körpers zu schmelzen, als dieser explosive Autor zusätzlich eine Liebesgeschichte an die Erzählungen anschmiegte. Ohne Unterbrechungen verwischen zwischen diesen verschiedenen Themengebieten die Nähte und ich war gebannt von den glaubwürdigen Charakteren David und Junas. Denn im Prinzip haben sie die ganze Welt gegen sich und können auf gar keine Unterstützung hoffen. Zusätzlich verstehen sie ihre Gefühle nicht einmal richtig und haben Angst vor dem, was der andere in ihnen auslöst. Anfangs dachte ich, dass mich das an „Romeo und Julia“ von William Shakespeare erinnert, denn was sind die Männer und Frauen anderes in „Das verbotene Eden“ als die Capulets und die Montagues? Als Herr Thiemeyer Shakespeares Drama sogar richtig fest in die Handlung integrierte, war mir das ein wenig zu viel. Allerdings ist das ein gutes Beispiel von vielen, wieviele historische Bilder und symbolische Vergleiche aus „Das verbotene Eden“ gezogen werden können. Ich bin mir sicher, nicht einmal alle entdeckt zu haben, doch dieser Roman strotzt nur so vor Parallelen, die mich alle zum Nachdenken anregten. Alleine der Titel bietet viel Interpretationsspielraum und immer noch denke ich gelegentlich darüber nach und versuche die Geschichte in unsere Gegenwart zu übertragen und das erschreckende daran ist, dass mir das sehr häufig gelingt.

Mein Fazit:
Wenn ich den Begriff „dystopischer Roman“ in einem Wörterbuch definieren müsste, würde ich als Beispiel dieses Buch anführen. Thomas Thiemeyer hat genau die Punkte angesprochen, die so offensichtlich, wieder nichtig erscheinen. Seine Sprache ist voller Bilder und lebender Energie, so dass ich mir alles haargenau vorstellen konnte und wenn sich auch nicht alles ausschließlich um Liebe dreht, wie der Titel vermuten lassen könnte, stellt er eine große Herausforderung dar und ist ein ganz hervorragendes Werk, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen möchte.
Die Menschen wachsen mit ihren Aufgaben und nun steht mir beinahe eine riesige Prüfung bevor, indem ich mich in Geduld bis zur Fortsetzung übe. Obwohl der Cliffhanger mich nicht übermäßig hilflos zurückließ, hat es dennoch gerade erst begonnen:
Der Krieg zwischen Mann und Frau.
Ein Krieg, der scharfe Zähne und böse Krallen zeigen wird
und ein Krieg, dem keiner entkommen kann, denn er wartet in der Zukunft auf uns…

Bewertung

Trailer:

Allgemeine Buchinformationen:
Autor Thomas Thiemeyer
Verlag PAN
Seitenzahl 464
Preis EUR (D) 16,99
ISBN 978-3-426-28360-8
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!

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13 thoughts on “Das verbotene Eden – David und Juna von Thomas Thiemeyer [Rezension]”

  1. Hach, dank Dir wächst meine Wunschliste kontinuierlich – aber andererseits brauche ich nach meinem aktuellen Buch auch dringend wieder guten Lesestoff *g* Hach, wunderbare Rezi – wirklich. Jetzt will ich das Buch nicht mehr vllt sondern wirklich haben 🙂 *knuddel Dich*

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    1. Genau! 🙂 Da kam mal ein richtiges „Gefühl“ zwischen diesen beiden herüber…. Wundervoll/toll, ich hätte jetzt gerne die Fortsetzung…!
      Schöne Woche wünsche ich dir,
      Charlousie

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  2. Sehr schöne Rezension zu diesem Buch. Mir hat es auch sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf den Folgeband, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.
    Man darf gespannt sein, wie sich der Krieg zwischen Mann und Frau noch weiterentwickeln wird und ob es für unsere Welt eine Zukunft gibt oder sie dem Untergang geweiht sein wird 🙂

    Liebe Grüße,
    Sanny

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  3. Schön, dass es dir gefallen hat. 🙂 Ich muss nur sagen, dass mir Thomas Thiemeyers andere Bücher besser gefallen. ^^

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      1. Nein, das Buch war gut und solide, wie ich es von Herrn Thiemeyer gewohnt bin. Aber ich bin eben kein großer Fan von Dystopien…ich mag seine anderen Sachen einfach lieber.

        Und ja, es wird definitiv eine Trilogie werden. 😉

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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