Buchrezensionen

Ketzerschwestern von Arnulf Zitelmann [Rezension]

„Alles ist so traurig!“, klage ich. „Nur deine Hände sind lieb zu mir, alles sonst ist mir versagt!“
Laurice küsst zögernd meine Lippen, und als ich ihn zurückküsse, schmecke ich das Salz von meinen oder seinen Tränen, ich weiß es nicht. Seine Hände suchen meine Brüste und liebkosen sie. In meinem Leib rollt und rüttelt es. Und plötzlich hebt es mich hoch, dass ich laut aufschreie. Mir ist, als falle ich endlos. Und das Gefühl ist so schön, dass es nie mehr aufhören soll. (Dann sinke ich zusammen, mir ist schwindelig und ich suche nach Luft.

S. 262

Inhalt:
Ina und Kathie sind Zwillingsschwestern und kennen nichts anderes als ihr frommes Leben mit den anderen Schwestern und ihr Dasein ihrem lieben Gott zu widmen. So glaubte Kathie zumindest, die immer gemeinsam mit Effelin im Garten die Ordnung hielt. Denn eines Tages erfährt sie von Ina, dass diese nicht an die kirchlichen Gesetze glaubt, so wie sie gepredigt werden. Sie hat lauter ketzerische Gedanken in ihrem Kopf und ist gemeinsam mit Leuten, die genauso denken wie sie, bereit dazu Taten folgen zu lassen. Während Kathie um das Leben ihrer Schwester bangt und fürchtet, diese könnte den Zorn Gottes auf sich ziehen oder gar im Fegefeuer landen, ist sie auf einmal verschwunden. Kathie begibt sich auf die Suche und gerät selbst in einen Glaubenskonflikt und in lebensbedrohliche Kreise…

Meine Meinung:
Wenn ich dieses Buch anblicke, erwarte ich darin eine spannende, ergreifende und lehrreiche Geschichte über zwei Schwestern vorzufinden, die wegen Anschuldigungen der Ketzerei irgendwie zu Tode kommen oder etwas ähnliches.
Die Thematik stimmte, doch das ergreifende und spannende kann ich getrost streichen.
Ich muss zugeben, dass „Ketzerschwestern“ durchaus schöne Seiten hat und man möge es nicht glauben, doch die letzten 50 Seiten, kamen mir beinahe wie ein Wunder vor, weil ich endlich richtig mitgerissen wurde und sogar mit der Protagonistin mitfieberte.
Doch die 250 Seiten davor kam es mir so vor, als läse ich in einem Geschichtsbuch und lernte für eine Klausur. Nun gut, dies ist ein wenig übertrieben, doch für mich war kein richtiger Plot erkennbar. Die beiden gegensätzlichen Zwillingsschwestern Kathie und Ina, die gemeinsam Katharina bilden, dümpeln vor sich hin und außer, dass ich Kathie ein wenig nervend und als sehr naiv empfand und Ina definitiv klüger ist und sich weiterbildet und sich somit in ketzerisches Klientel begibt, passiert nichts weiter. Ich hoffte dauernd, dass Dank Inas rebellischem Handeln und Wesenszug endlich der große Knall kommen würde, doch diese Linie blieb viel zu lange unklar und prägte sich erst am Ende der Geschichte aus und der Knall, der kam erst gar nicht.
Einerseits verdeutlicht Arnulf Zitelmann so, dass damals für Schwestern eines gemeinnützigen und kirchlichen Ordens tatsächlich nichts passierte, außer ihren täglichen Pflichten und Aufgaben, somit wäre „Ketzerschwestern“ als authentisch zu bezeichnen andererseits hätte das als Jugendbuch spannender verpackt werden müssen. Denn wenn ich etwas über die Bewegung der Beginen in Erfahrung bringen möchte, recherchiere ich im Internet oder schaue in mein Geschichtsbuch. Ein Buch wie Ketzerschwestern, welches eigentlich für Jugendliche als Zielgruppe gedacht ist, sollte mehr Emotionen vermitteln können und wenigstens ein wenig Spannung aufbauen, damit man einen Höhepunkt erlebt und eventuell auch noch einen Wendepunkt finden kann.

Wunderschöne Gestaltung

Auch da kann man sagen, dass die Protagonistin Kathie vielleicht einfach so einfältig war, dass die Geschichte ihr gleichzog, doch dies macht für mich kein gutes Buch aus.
Sehr anstrengend für mich war der recht trockene und zu sachlich gehaltene Schreibstil, sowie die langen Kapitel. Wenn ich die 300 Seiten durch die Anzahl der 8 Kapitel teile (das 9. zählte für mich nicht. Die fünf Seiten wirkten im Vergleich der anderen eher wie ein Epilog) haben wir cirka alle 35 Seiten ein neues Kapitel und das ist viel zu lang und ermüdend.
Dennoch habe ich einige löbliche Aspekte gefunden. Sehr spärlich zwar, erscheinen sie mir nur umso wertvoller.
So trocken der Schreibstil auch ist, die historischen Aspekte und das Leben damals im Hochmittelalter vermittelt Herr Zitelmann sehr gut und Jugendliche können nebenher somit einiges lernen, ohne dass es ihnen so recht bewusst ist. Dazu gehören auch die theologischen Elemente, die sehr Raumgreifend aufgebaut sind und nahezu die ganze Handlung bestimmen. Die Zwillinge als Charaktere sagten mir zwar in ihren Eigenschaften und ihrem Verhalten nicht zu, doch die Idee von diesem Autor hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, weil es etwas besonderes ist. Zum Einen mag ich Zwillingsgeschichten und zum Anderen griff er das Dasein von zwei Individuen, die ein Ganzes ergaben immer wieder auf, so dass dort zumindest etwas sinnvolles und rundes entstand.

Mein Fazit:
Ich habe mich nach dem Beenden dieses Buches intensiv mit seinen Nachteilen und Vorzügen beschäftigt, da mir trotz der langweiligen Passagen, irgendetwas an diesem ganzen Buch gefiel. Denn ich habe gemerkt, dass Arnulf Zitelmann eine Botschaft weitergeben wollte, die er nach Leibeskräften in seine Worte einhämmerte. Doch irgendwie war das zu gewollt und kam nicht ganz bei mir an und das ist schade. Denn dieses Buch ist nicht nebenher verfasst worden, dass las ich in den Worten von Herrn Zitelmann, allerdings konnte sie mich auch nicht begeistern und von einem Buch wünsche ich mir, selbst von einem ernsten und traurigen Thema, ein wenig Unterhaltung. Denn Unterhaltung muss nicht zwangsläufig bunt und froh sein. Auch zu Tränen rührende Werke sind Unterhaltung. Doch „Ketzerschwestern“ blieb mir viel zu lange „tot“ und die wenigen, lebendigen Momente, konnten das Ruder nicht mehr herumreißen.
Ich werde es weder empfehlen, noch ein „Finger weg!“ aussprechen, denn ob ihr es mögt oder nicht, solltet ihr in diesem Fall selbst herausfinden. Ich werde auch keine Wertung abgeben, da ich mich einfach nicht entscheiden kann, doch 4/5 oder 5/5 Sternen könnt ihr getrost ausschließen.

Allgemeine Buchinformationen:
Gebunden mit Schutzumschlag, mit Folienprägung
336 Seiten
ISBN: 978-3-522-30266-1
Preis: 14,95 €
Österreich: 15,40 €, Schweiz: 23,50 sFr
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!

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4 thoughts on “Ketzerschwestern von Arnulf Zitelmann [Rezension]”

  1. Hey, ist es ok für dich, wenn ich mir dein Bild von der ersten Buchseite für meine Rezension schnappe ? Meine Kamera ist momentan kaputt nd daher kann ich keine Bilder machen. Natürlich gebe ich an, dass das Bild von dir ist und verlinke diesen Post von dir.
    LG, Sandrina

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    1. Hallo Sandrina!

      Klar, gerne! Schön, dass du so lieb fragst! 🙂 Das ist doof, dass deine Kamera kaputt ist, aber ich kenne dieses Problem. Doch neuerdings schieße ich alle Fotos mit meinem Handy und die Qualität ist dieselbe, wie mit der Kamera, manchmal sogar besser! 😀
      Wünsche dir noch einen schönen Abend und viel Spaß beim Rezensieren dieses Buches,
      Charlousie

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  2. Liebe Charlousie, ich glaube du hast den tieferen Sinn, der hinter dem Buch die Ketzerschwestern steht nicht wirklich verstanden, sonst könntest du in solch einer platten weise darüber schreiben. schade. ich habe die tiefe message verstanden und ich bin froh, dass es menschen gibt, die sich mit der thematik der gott in uns das ist nämlich der kern, beschäftigt. leider haben im jahr 2012 die meisten menschen dies immer noch nicht verstanden, sonst hätte die kirche nicht immer noch so viel macht. Es sollte mehr solche autoren geben.
    grüsse von einer göttin

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    1. Hallo Anonym.
      Ich bin zwar der Meinung, dass du nicht wirklich beurteilen kannst, was ich bei „Ketzerschwestern“ verstanden habe und was nicht, finde deinen Standpunkt aber interessant. Dieser Aussage

      leider haben im jahr 2012 die meisten menschen dies immer noch nicht verstanden, sonst hätte die kirche nicht immer noch so viel macht.

      kann ich zumindest in Teilen zustimmen. Nur dass die „tiefere Message“ des Buches nichts damit zu tun haben muss, ob es einem gefällt oder nicht, denn es gibt auch andere Faktoren, die diesen einen überdecken können… In dieser Rezension habe ich lediglich meinen subjektiven Eindruck dieser Lektüre mit den für mich wichtigen Faktoren niedergeschrieben.
      Sei dennoch gegrüßt, vielleicht nimmst du hierzu noch einmal Stellung und zwar so, dass man auch weiß, mit wem man es zu tun hat, liebe Frau Anonym.

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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