Buchrezensionen

Sehnsucht nach Rinland 02 – Der Erbe des Riesen von Lena Klassen [Rezension]

„In der Tat, das habe ich. In meinen Träumen, in denen ich mir erlaubt habe, bis zu den Sternen zu gehen und nach allem zu greifen, was funkelt.“ Er sprach zu dem Adler, nicht zu ihr. „Ich habe mir vorgestellt, dass ich eines Tages über ihnen allen stehe, die mich verspotten. Dass ich auf sie herabblicke, irgendwann, in einer Zeit, in der alle Träume wahr werden. Und dass jeder, der mich je ausgelacht hat, es bis an sein Lebensende bereut. Und sich fürchtet, dass ich mich räche, irgendwann. Natürlich würde ich das nicht tun. Aber sie hätten keine ruhige Minute mehr, und jeden Abend, wenn es an ihrer Haustür pocht, würden sie sich fragen, ob ich jemanden geschickt habe, sie zu holen.“ Der Vogel schloss die Augen und gab sich den streichelnden Fingern hin. „Jungenträume. Wer möchte sich nicht zum Herrn der Welt aufschwingen?“

S. 449

Inhalt:
Blitz könnte endlich glücklich sein. Er hat seine Abenteuer lebendig überstanden und Ilinias als seine Frau gefunden. Als sie seinen Sohn zur Welt bringt, könnte ihr Leben perfekt sein, doch etwas an Sorayn, dem Einzigartigen ist anders. Alle ekeln sich vor ihm, denn seine Glieder scheinen merkwürdig verzerrt, verformt und antiproportional.
Auch Möwe legt ihr entschlossenes und kämpferisches Ich ab, wird wieder zu Mino und kehrt zu ihrer Mutter auf die Glücklichen Inseln zurück. Dort fügt sie sich dem Willen ihrer Mutter und heiratet einen Mann, den sie weder mag, noch verabscheut, um ihrer Familie die Schande eines unehelichen Kindes zu ersparen, denn sie ist schwanger. Obwohl die Freunde Blitz und Mino unabhängig voneinander so viel in ihrem Leben erreicht haben, sind sie unglücklich. Zukata macht sich dies zunutze, denn seine Pläne sind finsterer als je zuvor. Er spielt die Menschen wie Schachfiguren gegeneinander aus, um sein Lebensziel zu erreichen. Womit er nicht gerechnet hat, ist Sorayn, denn Sorayn ist, so hässlich er auf andere auch wirken mag, der Besondere und da alles irgendwie miteinander verschlungen ist, schreiten alle ihren Pfad hinab, um am Ende ihrem Schicksal ins Auge zu blicken.

Meine Meinung:
Der zweite Teil, die zweite Freude und eine unglaubliche innere Zufriedenheit. Irgendetwas ist da, in diesen Worten dieser Autorin. Etwas, dass so weltbewegend scheint und mich unaufhörlich zu Tränen rührt. Die Bücher dieser Trilogie sind trotz ihrer Dicke und kleinen Schrift, wie im Fluge vergangen und ich fürchte mich bereits vor dem finalen Band, denn dann heißt es endgültig Abschied nehmen. Von Charakteren, die ich noch nie als so stark und liebenswert empfunden habe, wie in diesem Moment. Das will ich nicht, ich möchte ewig von diesen Menschen und ihren Lebenswegen weiterlesen, am Liebsten direkt in diese Geschichte hineingesogen werden, denn es gilt so unglaublich viel zu entdecken.
Der zweite Teil knüpft nahtlos an seinen Vorgänger „Die weiße Möwe“ an und die Geschichte wird ungleich komplizierter und komplexer. Denn die Autorin konzentriert sich nicht mehr nur auf ihre alten Helden, die schon lange einen festen Platz in meinem Herzen besitzen. Nun folgt eine neue Generation und die Nachkommen von Blitz und Mino bestimmen hauptsächlich das Geschehen.
Es ist ein Riesenglück dieses Buch zu lesen, so als ob ich das Glück mit den Händen greifen könnte oder über einen Regenbogen zu schreiten vermöge. Die Logik und Tiefe dieser traumhaft schönen Geschichte ist schmerzlich schön und verlockend. Ich kann niemals die Worte finden, die dem angemessen wären und wünsche mir sehnlichst, dass viele Menschen einem ähnlichen Glück in „Der Erbe des Riesen“ begegnen werden, so wie ich.
Die Welt dieses Romans ist vielfältig und komplett schlüssig. Ständig begegnen mir neue Facetten und die vielen Charaktere sind so brillant einzigartig und gut ausgearbeitet, dass ich nie durcheinander kam.
Dabei baut Lena Klassen gewaltige (sprachliche) Symbole ein, die mir immer wieder begegneten, mich inspirierten und mir Freude schenkten und viele Denkanstöße bereithielten.
Im ersten Teil war da beispielsweise die Möwe, die immer wieder in Erscheinung trat und verschiedene Dinge aussagte und in „Der Erbe des Riesen“ wird diese vom Adler abgelöst, der die nötige Stärke hat, den gehänselten und ausgestoßenen Sorayn zu leiten und ihm die Kraft zu geben, die er im Leben so unbedingt braucht.
„Der Erbe des Riesen“ ist wie eine gigantische Reise. Eine Reise in die Winkel meines Kopfes, die ich bis zu diesem Werk noch nicht kannte und die ich am Liebsten ununterbrochen erforschen würde. Doch ohne die richtige Sehnsucht und Anleitung von Lena Klassen, mag es mir nicht so recht gelingen.
Ich könnte ewig so weiterschwärmen und gewaltige Metaphern für das auflisten, was dieses Buch so unglaublich besonders macht. Ich finde, es ist eins der besten Bücher, die jemals geschrieben wurden.
Denn Lena Klassen schwimmt auf keiner trendigen oder hippen Welle mit. Bei ihren Geschichten habe ich den Eindruck, es geht noch um den Menschen an sich, um unsere Gefühle, die Psychologie des Verstehens. Kein Kommerz, kein Konsum, keine Klimakatastrophen im Hintergrund oder was uns noch so alles auf diesem Planeten bewegt, keine weltbewegenden Dinge, die so groß sind, dass die meisten Menschen sie niemals bestimmen dürfen sollten.
In ihren Worten fühle ich mich zu Hause und spüre, dass es noch so etwas wie die Leidenschaft zum Wort um des Wortes willen und der Inspiration gibt und sie in diesen Büchern ausgelebt wird.

Mein Fazit:
Mehr als dieses Buch mit jeder Faser meines Herzens zu lieben und mit brennenden Pfeilen zu empfehlen, kann ich leider nicht tun. Doch seit „Die weiße Möwe“ und „Der Erbe des Riesen“ weiß ich, dass mehr nicht zu tun ist. Einfach ehrlich sein und die Gefühle zulassen, dann kommt alles andere von alleine. Denn das was kommen muss, wird sowieso kommen, da kann man gleich mit der richtigen Einstellung an die Dinge herantreten.
„Der Erbe des Riesen“ ist Fantasy, die den Begriff „Fantasie“ glatt geprägt und definiert haben könnte. Ein Buch mit den schönsten Elementen aller Zeiten, die wie Diamanten funkeln, tiefe Hintergründe besitzen und Quelle vieler meiner Gedankengänge sind. Denn nach solch einem fulminanten Werk tut es gut, die Sehnsucht zu spüren und ein wenig vor sich herzuphilosophieren. Unvergesslich!

Bewertung

Zum Abschluss danke ich dieser Autorin aus tiefster Seele, dass sie ihre Worte in Form dieser Geschichten eine Substanz gegeben hat und dem Neufeld-Verlag dafür, dass er die Bücher verlegt hat und ihnen ein so schönes Cover schneiderte!

Allgemeine Buchinformationen:
Broschiert: 574 Seiten
Verlag: Neufeld Verlag; Auflage: 1 (21. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937896678
ISBN-13: 978-3937896670
Zum Buch: Klick!

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2 Gedanken zu „Sehnsucht nach Rinland 02 – Der Erbe des Riesen von Lena Klassen [Rezension]“

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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