Buchrezensionen

Samtschwarz von Sharon Page [Rezension]

Peng!
Der laute Knall ließ sie erstarren. Der Knall eines Gewehrschusses. Dashs Pferd stieg auf die Hinterbeine, hob sich als scharfer schwarzer Umriss vom blau beschatteten Weiß des Schnees ab. Dann stürzte Dash zu Boden!

S. 226

Inhalt:
London, 1819:
Maryanne verlegt heimlich erotische Bücher, um ärmeren Frauen in schlechten, gesellschaftlichen Stellungen unter die Arme zu greifen. Dafür muss sie zwangsläufig mit Huren und dergleichen zusammenarbeiten, denn sie als behütete Dame der Londoner Gesellschaft ist so unschuldig wie eine Kirchenmaus. Da erhält sie einen Brief von ihrer Freundin, Arbeitspartnerin und Kurtisane, dass dringend Maryannes Hilfe benötige. Georgiana, die Kurtisane ruft sie in ein Etablissement, das eine ehrbare Frau lieber niemals betreten sollte und schon gar nicht alleine. Doch Maryanne tut es und ahnt nicht, dass sie dort auf Lord Swansborough treffen wird, von dem sie seit Wochen heimlich träumt und von dem sie weiß, dass er niemals etwas in ihr sehen könnte, außer einem Abenteuer. Mit einer Maske getarnt, ist sie fest entschlossen, wenigstens diese eine Nacht zu genießen und auszukosten. Doch die Folgen treffen beide schwerer, als erwartet…

Meine Meinung:
Wenn man sich erst einmal klar macht, dass sich nicht in jeder Unterhaltungslektüre tiefsinnige Gedanken finden lassen, ist „Samtschwarz“ gar nicht so schlecht.
Es war zwar nicht ganz so gut, wie ich es mir gewünscht hätte, denn dafür war die Handlung zu durchschaubar und noch dazu sehr klischeehaft. Die Charaktere waren extreme Stereotypen, nichts besonderes. Der Protagonist Dash ist der verruchte Kerl mit dem schlimmen Ruf, der in Wahrheit voller tiefgründiger Gefühle ist, die er allerdings wegen einer tragischen Vergangenheit in sich vergraben hat. Maryanne hingegen ist für alle eine graue Maus, die im verborgenen erotische Romane verlegt, um armen Frauen zu helfen. Den Stoff für die Romane bekommt sie von Prostituierten und Kurtisanen. Deswegen ist sie trotz ihrer Jungfräulichkeit ordentlich darüber im Bilde, was in einem Schlafzimmer alles abgeht, weswegen sie das Herz von Dash erobern kann.
Nun gut, der Versuch Sharon Pages eine kleine kriminalistische Geschichte einzuflechten ist geglückt. Zwar verlor sich dieser Faden zwischendurch ein wenig und wurde wie zufällig wieder aufgegriffen, bot mir am Ende aber reichlich Spannung.
Abgesehen von diesen kleinen Macken, war „Samtschwarz“ eine schöne Abwechslung. Der Schreibstil ist nichts hochtrabendes und die Ereignisse, bis auf wenige Ausnahmen vorhersehbar, dennoch tut es manchmal gut die eigene Sehnsucht mit romantischen und hoffnungslos gut endenden Geschichten zu befriedigen.
Dann denke ich mir wieder, dass es doch möglich sein müsste, auch in einem erotischen Roman einmal etwas anderes zu bieten. Denn hier kann ich die Geschichte in wenigen Sätzen beschreiben:
„Lady ist in sündenhaften Lord verliebt, begegnet ihm durch Zufall. Voller Angst, was der andere von ihm denken könnte, denn beide haben (lächerliche) Geheimnisse verschweigen sie sich alles, nur um am Ende alles unter schlimmeren Bedingungen zu gestehen, sich weinend in die Arme zu fallen und knapp dem Tod entronnen zu sein! Happy End!“ Wieviele Sätze waren das? Nun gut, etwas komplizierter ist es schon und ich sollte nicht so fies sein, denn im Grunde genommen mag ich dieses Buch, obwohl es gerade nicht danach klingt.
Die erotischen Parts gefielen mir überwiegend gut. Manchmal erstaunte mich die Kreativität der Autorin, doch manchmal hatte ich das Gefühl, sie handelte leidenschaftliche Szenen schnell ab, eben weil von einem erotischen Roman erwartet wird, dass auch irgendwie Feuer vorkommt. Aber genau das ist der springende Punkt. „Samtschwarz“ bietet eine gute Unterhaltung und ich konnte mich gut in die damalige Londoner Gesellschaft hineinversetzen, doch das Feuer blieb die ganze Zeit aus.
Ich hoffe aber, dass ich das Feuer in einem anderen Roman von Sharon Page noch finden werde. Zuversichtlich bin ich, denn „Samtschwarz“ hat gar keinen so schlechten Eindruck auf mich gemacht.

Mein Fazit:
„Samtschwarz“ ist mein erstes Taschenbuch mit Schutzumschlag und das gefällt mir so gut, dass ich mich frage, warum das nicht alle Taschenbücher besitzen!? 😉
Wer eine Weile versinken will und vielleicht sogar über den eigenen Herzschmerz hinwegkommen möchte, sollte sich an ein paar Seiten dieser Lektüre versuchen.
Das Ende hielt einige Überraschungen für mich bereit und von den Schwächen abgesehen, habe ich mich nie gelangweilt oder aufgeregt. Ein Buch ohne Feuer zwar, doch mit Unterhaltungswert und dafür kann ich sehr gut vier Sterne vergeben.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
SHARON PAGE
Samtschwarz
ISBN 978-3-89941-680-0
8,95 EUR [D]9,20 EUR [AT]13,50 sFr [Ch]
432 Seiten
Zum Buch: Klick!

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1 thought on “Samtschwarz von Sharon Page [Rezension]”

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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