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Totentöchter – Die dritte Generation von Lauren DeStefano [Rezension]

Wenn der Mensch sich selbst zum größten Feind wird…

„Rhine?“ Zum zweiten Mal in unserer kurzen Ehe sagt er meinen Namen. Ich will ihn ignorieren, ich will vorgeben, noch zu schlafen, bin jedoch überzeugt, dass das panische Klopfen meines Herzens quer durch den Raum zu hören sein muss. Es ist absurd, aber für mich bedeutet eine knarrende Tür immer noch, dass Sammler eindringen, die mir in den Kopf schießen oder mich rauben wollen.

S.65

Inhalt:
Rhine lebt mit ihrem Zwillingsbruder Rowan zusammen in New York. Ihre Eltern sind schon seit einer Weile tot. Die Geschwister passen aufeinander auf und können sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten. Doch ständig müssen sie vor den Sammlern aufpassen und sich wie in einem Bunker verschanzen. Denn die Sammler suchen Mädchen, die sie an reiche Männer zum Heiraten verkaufen können. Denn die Menschen der dritten Generation leben nur noch 20, höchstens 25 Jahre. Die Ursache dafür ist ungeklärt und nach einem Heilmittel wird geforscht, bisher erfolglos. Da begeht Rhine einen folgenschweren Fehler und wird von Sammlern gefangen genommen.
Sie findet sich in der Obhut des Hauswalter Linden Ashby wieder, der sie und zwei andere Frauen heiratet. Schnell freunden sich die in diese Lage gezwungenen drei Mädchen an. Während die beiden anderen irgendwie mit ihrem Schicksal zurechtkommen, pocht in Rhines Herz die Freiheit und sie sucht nach einem Fluchtweg. Denn da ist außerdem der Diener Gabriel, der ihr einziger Freund zu werden scheint. Rhine weiß, dass sie nur noch vier Jahre zu leben hat und sie weiß ebenso gut, dass sie diese nicht auf diesem Anwesen mit dem sanften und rücksichtsvollen, sowie naiven Linden verbringen kann.

Meine Meinung:

Präimplantationsdiagnostik, besser bekannt als Babys aus dem Reagenzglas. Genforschung, Genmanipulation und daraus resultierende Genmutationen… Wie weit dürfen die Menschen gehen?
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, fragte ich mich, was genau mich so an Lauren DeStefanos Werk berührte. Ich meine, es gab vieles, was ich sofort benennen konnte, doch eines schwamm durchsichtig vor meinen Augen und ich probierte es zu erfassen. Was war an ihrem dystopischen Roman anders, als an all den anderen, die von einer zerstörten Welt sprachen, von Klimaerwärmung, Epidemien, Seuchen, CO2 Ausstößen…
Nach einigen Minuten habe ich meine Antwort gefunden.

Superschöne Innengestaltung

„Totentöchter – Die dritte Generation“ lenkt das Augenmerk auf einen weiteren Punkt. Unsere Forschungen, unseren unermüdlichen Wissensdurst und die Begierde, alles noch neuer, noch besser, noch effizienter und ausgefeilter zu gestalten. Doch zu welchem Preis?
In diesem Buch wird auf gefühlvolle Art und Weise aus der Ich-Perspektive eines intelligenten, 16-jährigen Mädchens namens Rhine geschildert, was der Fortschritt uns bringen kann, welches Resultat wir am Ende durch ihn erzielen.
Zunächst wird durch die Babys aus dem Reagenzglas selektiert. Ähnlich wie in dem Film „Gattaca“ haben wir irgendwann, wenn wir alle vorherigen Zweifel und ethisch-moralischen Bedenken hinter uns gelassen haben, die perfekten Menschen. Mit den besten Fähigkeiten und Supergenen. Die Krankheit Krebs ist besiegt und kann geheilt werden.
Doch plötzlich haben die Generationen nach dieser ersten, perfekten Generation unerklärliche „Fehler“. Rhine gehört zur dritten Generation und niemand weiß, warum, doch sie alle sterben jung. Die Mädchen mit 20 und die Jungen mit 25 und es gibt nichts, was man dagegen tun kann.
Abgesehen von der wirklich fesselnden und spannenden Geschichte, die ich das Glück bekam lesen zu dürfen, musste ich am Ende wirklich über die makabere und utopische Ironie lachen, die die Autorin mir aufzeigte. Ein Traum der Menschheit geht in Erfüllung, der Krebs ist besiegt und am Ende haben wir uns das Eigentor geschossen, weil unsere Gene einen undefinierbaren Defekt besitzen, der das unwiderrufliche Todesurteil bedeutet.
Einerseits ist „Totentöchter – Die dritte Generation“ als Jugendbuch recht einfach angelegt. Das beginnt bei der Sprache und wird im Handlungsverlauf fortgeführt. Irgendwann ließ ich eine unsichtbare Grenze hinter mir, an der ich mich plötzlich in einem verschlungenen Urwald befand und ich merkte, dass sämtliche Beziehungen der Personen zueinander ungleich komplexer,

Kapitelanfänge

vielfältiger und wichtiger waren, als ich zunächst erwartete.
So wuchs mir nicht nur Rhine ans Herz, die sich mit dem Verlauf ihres Schicksal nicht einverstanden zeigt und das Leben ablehnt, indem sie durch ihren Fehler nun steckt. Dabei stellt Lauren DeStefano innere Spannungen und Gefühlskonflikte her, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Es ist ziemlich schwer die Einzelheiten zu beschreiben und am Ende hoffe ich, dass viele diesen Roman mit derselben Begeisterung lesen können wie ich und zum Nachdenken angeregt werden.

Mein Fazit:
Dieser Roman war nichts zum Lachen. Es war ebenfalls keine Unterhaltungslektüre. Ein hochspannender Plot, der mich mit ernsten Zügen einer möglichen Zukunft konfrontierte, die mich unendlich traurig machte und von der ich hoffe, sie niemals miterleben zu müssen, falls es einmal soweit käme.
Die Gestaltung des Covers finde ich angemessen und außerdem wunderschön. Trotz einiger Stimmen, die den original Titel „The Last Chemical Garden 1- Wither“ bevorzugen, finde ich den Titel „Totentöchter – Die dritte Generation“ wesentlich treffender und zum Inhalt passender.
Die Charaktere kommen trotz der Ich-Perspektive gut zur Geltung und ich bin rasant, extrem begeistert. Ab und zu überkam mich sogar eine Gänsehaut. Eine runde Geschichte, die einen herrlichen Auftakt zu einer Trilogie bildet, von der ich noch großes erwarte, wobei wir niemals vergessen sollten, im Hier und Jetzt zu leben und nicht unermüdlich an eine mögliche Zukunft von vielen zu denken.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Lauren DeStefano
Totentöchter – Die dritte Generation
Originaltitel: The Last Chemical Garden 1- Wither
Originalverlag: Simon & Schuster
Aus dem Amerikanischen von Catrin Frischer
Deutsche Erstausgabe
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 400 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-16128-9
ca. € 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 26,90

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4 Gedanken zu „Totentöchter – Die dritte Generation von Lauren DeStefano [Rezension]“

  1. Ah, ich hab das Buch heute überraschenderweise von cbt bekommen – und wenn ich Deine Rezension so lese, dann kann ich mich ja richtig drauf freuen 🙂

    LG und ein schönes WE ❤
    Monika

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    1. Oh ja, das kannst du und wie! 🙂
      (Hoffentlich magst du es nun auch!)
      Darf ich fragen, ob du es als Leseexemplars-Ausgabe hast oder als normales Buch?
      Schönes Wochenende wünsche ich dir!
      LG,
      Charlousie

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      1. Ich habe es als normales Buch erhalten.

        Werde es nach meinem aktuellen Buch lesen und dann berichten 😉 Aber jetzt muß ich erst mal ein bißchen raus – einkaufen, heute abend ins Kino … aber morgen kann ich bestimmt wieder etwas lesen 🙂

        LG
        Monika

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        1. Cool! Welcher Film war es denn? 🙂 Ich war am Samstag-Abend in der Ballettaufführung meiner Freundin im Staatstheater!
          Viel Spaß bei „Totentöchter“ ich fand es super und bin mal auf deine Rezension gespannt!
          GLG!!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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