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Sehnsucht nach Rinland 01 – Die weiße Möwe von Lena Klassen [Rezension]

„Ich bin nicht wie deine Männer“, sagte Blitz leise. „Du hast sie aus dem Gefängnis geholt und von der Straße. Sie waren wie eingesperrtes Geflügel auf dem Weg zum Schlachter, und nun sind sie dir dankbar und betrachten dich als ihren Herrn. Aber mich hast du aus der Luft gegriffen wie eine Möwe auf ihrem Flug. Ich werde nie im Dreck scharren wie deine Hähne. Ich werde nie im Staub zu deinen Füßen sitzen und auf deine Anweisungen warten wie auf Futter. In meinem Herzen ist das Meer und die Wellen, die gegen die Küste schlagen, und die Schiffe, die zum Horizont segeln. Ich spüre nicht die Erde unter mir, sondern das schwankende Deck eines Bootes auf seiner letzten, gefahrvollen Reise … In mir ist der wilde Schrei, der weithin zu hören ist … In mir ist der Traum von den Glücklichen Inseln.“ Er wusste nicht, ob Zukata ihn noch hörte. „In mir ist die Sehnsucht nach Rinland. Was du auch tust, um mich an dich zu binden, ich bin frei.“

S.164

Inhalt:
Mino und Blitz leben auf den Glücklichen Inseln. Sie sind die besten Freunde. Zumindest glaubt Blitz das. Er ahnt nicht, dass Mino ihn schon lange liebt. Seit Rin die Menschen für ihre Torheit aus dem perfekten Rinland verbannte, konnte er ihnen nichts weiter mitgeben, als die Riesen und die Sehnsucht. Eine Sehnsucht, die der Schlüssel zur Rückkehr sein sollte.
Wenn Mino Blitz nicht aufgehalten hätte nach Rinland zu suchen, wäre er nicht davon gelaufen. Dann wäre Mino nicht ins Meer gestürzt, bereit sich dem Wasser hinzugeben und als namenloses Mädchen ohne Erinnerungen an der Küste wiederaufzuwachen. Mino wäre niemals zu Möwe geworden. Einem furchtlosen, besonderen Mädchen, das selbst die Riesen bezwingt und Blitz wäre niemals der Held geworden, der er werden sollte. Doch das Schicksal verbietet den beiden zueinander zu finden, denn sie sind beide wie eine Möwe über dem Meer. Sie fliegen in einen blauen Himmel hinein; frei und ungebunden. Und genauso muss Rinland sich anfühlen, das Paradies.

Meine Meinung:
Die weiße Möwe fliegt hinauf in den Himmel, getrieben von einer Sehnsucht, die mit nichts gestillt werden kann. Vom Himmel aus kann sie beobachten, welche Abenteuer auf der Erde geschehen. Während sie frei ist und vor sich hin fliegt, wird sich die Welt verändern…
Doch mit einer weißen Möwe ist kein Vogel gemeint. Lena Klassen redet von so vielem, wenn sie auf die weiße Möwe zu sprechen kommt. Da ist Mino, die ihr Gedächtnis verlor und als Albinomädchen den Namen Möwe erhält. Und dann ist da Blitz, ihr bester Freund, der seine Heimat verließ, um die Welt zu sehen und sich gefangen in einer Räuberbande, geführt durch den Riesenprinzen Zukuta, wiederfindet, der ihn zwingt, grausame Taten zu begehen. Doch in seinem Herzen ist er frei, denn er ist wie eine weiße Möwe im Himmel.
Am Liebsten möchte ich weinen vor Glück, wenn ich an die poetische Kraft dieses Romans denke und ich bin so unglaublich dankbar, vom Baum der Erkenntnis gegessen zu haben. „Die weiße Möwe“ ist für mich nichts anderes, wo sie doch als Fantasy-Roman mit biblischen Gleichnissen angesehen wird. Mit der Erkenntnis, beginnen die Zweifel. Die Sehnsucht nach Rinland, welches in unserer Welt das Paradies symbolisiert, befällt nicht nur die Figuren in diesem herausragenden Kunstwerk. Die Sehnsucht lebt in uns allen. Dafür muss dieser Roman von Lena Klassen nicht gelesen werden. Doch um dies zu erkennen vielleicht schon. Die Brillanz, die ich in jeder Seite entdeckte, in jedem Wort spürte und nach jedem Kapitel schmeckte, wird von überaus vielen Faktoren bestimmt. Es beginnt bei den Figuren, die regelrecht lebendig wirkten. Mit ihren geheimen Wünschen, Sehnsüchten, Träumen und Taten in einer Welt, die zugleich so gütig und wunderbar, wie auch abstoßend und kalt sein kann, legte Lena Klassen ihnen Worte in den Mund, die sie atmen ließen.
Der nächste Aspekt betrifft den unvergleichbaren und unvergesslichen Handlungsverlauf.
So wie eine Sternschnuppe sich ihren Weg am dunklen Nachthorizont bahnt, folgen die Figuren scheinbar einem gleißend hellen Pfad. Doch genau wie bei einer Sternschnuppe, wird er nicht von jedem erkannt und gesehen. Manche schauen zufällig im richtigen Moment in den Himmel und sehen den schimmernden Schweif, während andere, blind für die Schönheit um sich herum, nicht einmal ahnen, was ihnen entgeht.
Das spannende an Lena Klassens überirdischem Werk ist, dass sich aus bloßen Zufällen, die tollsten Sachen entwickeln, die ich niemals für möglich gehalten hätte.
Während als dritter Punkt die Fantasie eingeflochten in dieser Geschichte Töne zu weben vermag, die die Welt vorher noch nie gehört hat, scheint sie gleichzeitig missratene Klänge hervorzubringen, denn noch weiß man nicht, wie dieses Abenteuer wohl endet. Noch könnte das feine Gebilde in sich einstürzen wie ein wackeliges Kartenhaus, denn erst am Ende wird sich offenbaren, ob alle Töne wirklich zusammenpassen.

Mein Fazit:
Mich verbindet mit „Die weiße Möwe“ eine ganz eigene Sehnsucht. Ein ungestilltes Verlangen nach den wunderwirkenden Worten dieser genialen Autorin, die mir niemals mehr genug sein könnten, weil ich einmal einem Rausch dieser wahren Meisterin verfallen bin und der Sehnsucht nach dem Sinn im eigenen Leben. Auch nach der Frage, ob es nicht noch viel mehr auf dieser Erde, in dieser Welt gibt, was wir zu sehen bekommen könnten bzw. sollten. Doch so viel ich auch über diese köstliche Geschichte nachdenke und mit meinen eigenen Fragen beschäftigt bin, eines habe ich am Ende mit der weißen Möwe gemein:
Ich bin frei!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Neufeld Verlag; Auflage: 1 (14. Januar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937896589
ISBN-13: 978-3937896588
Zum Buch: Klick!

Band 1-3:

~Eine der Top 10 Rezensionen des Monats auf Lovelybooks~
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11 Gedanken zu „Sehnsucht nach Rinland 01 – Die weiße Möwe von Lena Klassen [Rezension]“

  1. Das Buch habe ich auch schon länger hier liegen. Jetzt, da ich deine Rezension gelesen habe, freue ich mich gleich nochmal mehr darauf! 🙂

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    1. Huhu Clee!
      Hast du auch die Fortsetzungen davon? Band 1 ist zwar abgeschlossen, doch ich lese gerade den 2. Teil und ich kann nur sagen, dass es sich sooo lohnt weiterzulesen. Unerträglich spannend!!

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  2. Wieder mal eine wunderschöne Rezi 🙂
    Ach das Buch klingt sehr verlockend….Könnte ja was für mich sein….mmmh…die vielen Seiten schrecken mich etwas ab, da mein SuB echt hoch ist…die Cover wiederum sind wunderschön 🙂
    Ich behalt`s mal in meinem Kopf 😉

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    1. Mich haben die Seitenzahlen auch abgeschreckt und ich müsste Lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte es mal „Locker vom Hocker“ 😉 weggelesen. Doch bei dieser coolen Geschichte, waren es mir sogar wieder zu wenig Seiten. Ich habe jetzt den zweiten Teil beendet und bin schon traurig, was ich nach dem 3. Teil (über 600 Seiten!!) um Himmwels willen nur tun soll??
      Merk dir das Buch einfach, irgendwann, in einem späteren Leben kannst du ja drauf zurückgreifen! 😉
      Habe mir bei der Rezension extrem, extrem, extrem viel Mühe gegeben. Das ist war immer der Fall, doch „Die weiße Möwe“ hat mich so fasziniert, dass ich die Sache mal „ehrfürchtiger“ angegangen bin.
      Wünsche noch einen schönen Tag!!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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