Buchrezensionen

Die Kaffeemeisterin von Helena Marten [Rezension]

Inhalt:
Johanna ist der Leibeigenschaft entkommen, als sie den Städter und Kaffeebesitzer der „Coffeemühle“ Adam heiratete. Doch nach wenigen Jahren schon ist er verstorben und Johanna muss sich als Witwe und mit seinen beiden, noch relativ jungen Töchtern durchs Leben schlagen. So sehr sie ihren Beruf und ihr Kaffeegschäft liebt, bereitet ihr nichts so viel Kummer, wie die schwarze Bohne. Denn die Konkurrenz schläft nicht und lässt nichts unversucht, um Johanna das Geschäft zu vermiesen und sie aus Frankfurt zu vertreiben. Doch Johanna gibt nicht auf und als sie auf den Geiger Gabriel trifft, der sie nicht nur mit seinen betörenden Tönen einfängt, kann sie diese Sorgen für eine ganz kurze Zeit hinter sich lassen. Bis ihre Feinde Erfolg haben und Johanna fliehen muss. Sie fährt nach Italien, zu einem alten Freund ihres Mannes, gezwungen ihre hoffnungslose Liebe und ihr altes Leben zurückzulassen. Was niemand ahnt, nicht ihre Feinde, nicht ihre Freunde und ihre Familie, ja nicht einmal sie selbst, dass sie die größten Abenteuer ihres Lebens erleben wird und eines Tages nach Frankfurt zurückkehrt, um sich das zurückzuerobern, was rechtmäßig ihr gehört. Vielleicht ja sogar das Herz ihres Geliebten Gabriels?

Meine Meinung:

Ich sollte mich wirklich mal fragen, warum ich unbedingt „Die Kaffeemeisterin“ von den beiden Autorinnen, die unter dem Pseudonym Helena Marten veröffentlichen, lesen wollte. Denn ehrlich gesagt trinke ich keinen Kaffee. Er hat mir noch nie geschmeckt und normalerweise der Gedanke an die aufgebrühte, schwarze Bohne, stimmt meine Gedanken nicht gerade euphorisch.
Doch als ich den Klappentext dieses Werkes las, meinte ich bereits eine kleine Spannung zu spüren und wollte unbedingt in diesem Werk versinken.
Auf den ersten Seiten wurde ich dann recht bitter enttäuscht. Die Geschichte war nicht direkt langweilig, aber auch nicht spannend, eher zäh und klebrig.
Irgendwann nahm das Ganze dann aber lesenswertere Züge an und ich vergaß sogar mein „nichtmögen“ des Kaffees. So wie man einer Gutenachtgeschichte lauschen würde, ehrfürchtig und aufmerksam, so ist sie doch das letzte, was man mit in seine Träume nehmen kann, lauschte ich auch den beiden Autorinnen mit ihrer Johanna, die sich mehr und mehr zu behaupten wusste und teilweise recht wunderliche Abenteuer erlebte.
An einigen Stellen fehlten mir die Feinheiten und ich bin mir sicher, dass vieles für die damaligen Verhältnisse „zu glatt“ ablief, doch darüber kann ich großzügig hinwegsehen, so fühlte ich mich doch extrem verzaubert und exzellent unterhalten.
Die verschiedenen Kulturen, die Johanna oder auch „Belissima“ in Italien und „Yuhanissa“ im Morgenland kennenlernte, sind für mich sehr schön transportiert worden und wie eine hauchzarte Scheibe Seranoschinken herausgearbeitet worden. Im Geschmack locker und luftig, gerade genug, um angefüttert zu werden und nach mehr zu gieren.
Schade nur, dass ich dem Genuss des Kaffees, den einige Figuren in diesem Werk so ausgiebig fröhnten, so gar nicht nachvollziehen konnte. So stellte ich mir statt Kaffebohnen immer Kakaobohnen vor, denn nach denen bin ich süchtig. Während die Menschen im 18 Jahrhundert noch fürchteten, der Kaffee mache süchtig und sei ein verteufeltes Getränk, empfinde ich so dem Kakao gegenüber und habe mich somit dann doch noch gut auf dieses Werk einlassen können.
Die Figuren fielen alle sehr unterschiedlich aus. So auch in den Details ihrer Schilderungen. Toll fand ich Frankfurt als Mittelpunkt des Geschehens. Oft bin ich schon dort gewesen und wohne sogar in der Nähe, so dass ich mir nur allzu lebhaft vorstellen konnte, wie sich einige Szenen abgespielt haben könnten.
Neben dem Kaffee war die Liebe in „Die Kaffeemeisterin“ eigentlich eines der hauptsächlich die Handlung dominierenden Elemente.
So fallen zwei Protagonisten dem „Fluch“, besser bekannt als „Liebe auf den ersten Blick“ anheim.
Daher kommt es, dass sie sich bisher kaum gesehen haben, wenig miteinander reden konnten oder überhaupt Kontakt aufnahmen. Denn ihre noch nicht einmal richtig begonnene Liebe ist wegen der Standesunterschiede verboten.
Doch leider baut auf diesen wenigen Geschehnissen das Sehnen der Protagonistin nach diesem Einen auf. Für mich erschien das ein wenig unrealistisch. Denn die andere Person konnte Johanna gar nicht wirklich kennen und auch wenn Liebe keinen Regeln folgt und „magisch“ ist, war es mir viel zu dürftig, um die ganze Handlung hindurch davon zu erzählen.
Deswegen fand ich das Ende zwar schön, doch da es an diese Ereignisse anknüpft, nicht minder störend oder auch unlogisch. Man mag es zwar nicht gerne lesen, doch ich schätze historische Romane wegen ihrer Ehrlichkeit und trotz der künstlerischen Freiheit, wegen ihrer „Grundwahrheiten“, die die damaligen Zeiten und Lebensverhältnisse so schön widerspiegeln. In „Die Kaffeemeisterin“ habe ich das ein wenig vermisst. Denn „Friede, Freude, Eierkuchen“ finde ich in den meisten Fantasy-Romanen.

Mein Fazit:
Alles in allem ist „Die Kaffeemeisterin“ ein buchiges Ereignis, was Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Besonders KaffeetrinkerInnen sollten in diesem Wälzer versinken, so gehen sie doch den Wurzeln und Ursprüngen ihrer „Koffeinsucht“ auf die Spur und ergründen vielleicht das Geheimnis, welches dahinter steckt?
Ich habe sehr gerne gelesen, wie es Johanna und den anderen erging. Einige Makel störten mein Leseabenteuer zwar gelegentlich, meistens aber ging mein Herz in den Worten um eine kleine, schwarze Bohne, die so große Wirkung besitzt und durch die Jahrhunderte hindurch noch immer riesige Wellen schlägt, auf.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Helena Marten
Die Kaffeemeisterin
Roman
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-29060-0
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 30,90* (empf. VK-Preis)
Verlag: Diana
Zum Buch: Klick!

Advertisements

8 thoughts on “Die Kaffeemeisterin von Helena Marten [Rezension]”

  1. Huhu,
    ich war völlig begeistert von dem Buch. Hab es ja eher nicht so mit historischen Romanen usw. aber die Kaffeemeisterin zog mich sofort durch ihren angenehmen Schreibstil in den Bann.
    LG Ela

    Gefällt mir

    1. Heyi! Ja, bei LB hatte ich gesehen, dass du 5 vergabst. DESWEGEN habe ich es auch sofort lesen müssen, anstatt noch ein wenig zu warten! 😉
      Ich meine, ich fand es auch toll, aber einiges wieder auch nicht und so kamen dann eben 4 Sterne heraus! 🙂

      Gefällt mir

      1. Naja gut, jeder empfindet es halt anders und jeder setzt auch seine Maßstäbe anders. Hast Du mal die „Seelenfotografin“ gelesen? Die gefiel mir auch so gut, allein durch den Schreibstil schon. War auch historisch :O)
        LG Ela

        Gefällt mir

        1. Genau. Ich hätte auch fünf vergeben, wenn sich „die Makel“ nicht so gehäuft hätten! 😉
          Nein, habe ich nicht, aber wenn du es empfehlen kannst (was du ja hiermit tatest :D) schaue ich es mir auf jeden Fall mal an, ob es auch etwas für mich ist!
          Wünsche dir noch einen schönen, schönen Abend!

          Gefällt mir

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s