Buchrezensionen

Bluttrinker von Stephen R. Bellem [Rezension]

Inhalt:
Hinter Andrul sind in den Sümpfen die Trolle her. Es gibt keine Zweifel, sie werden ihn töten. Da gibt ihm eine fremde Stimme im Kopf Hoffnung und stellt ihn vor die Wahl. Tod oder Leben. Doch Leben bedeutet, sich selbst aufzugeben und im Sinne der Stimme zu handeln. Andrul überlegt nicht lange und wird zu Karandras, dem Sohn der Dunkelheit.
Throndimar hingegen lebt glücklich und zufrieden mit seiner Frau Nemena im Abseits und sieht eine lange Zukunft für sich und seine Familie. Bis sie von Babaren überfallen werden und sie ihm sein wichtigstes nehmen. Von diesem Moment an sinnt er auf Rache und wird zum Spielball politischer Machtintrigen.
Die Fürstin Iphelia treiben ganz andere Sorgen um. Ihr Mann starb an einer ganz komischen Krankheit und auch sie scheint sie zu haben. Doch war soll ohne sie aus ihrem Sohn werden? In einem Land voller Zerrüttungen und dem Wandel einiger elementarer Dinge? Um seinetwillen klammert sie sich mit allen Mitteln an ihr Leben und macht auch nicht halt, als sie dafür ihre Seele verkaufen muss.
Während der Magier Gordan noch den größten Überblick zu haben scheint, ist auch er vor den Entwicklungen nicht gefeit und versucht sie zu lenken.
Als er von Throndimar und Karandras erfährt, weiß er, dass diese Beiden die Schlacht austragen werden und so begibt er sich mit seinen Gefährten auf die Reise, dieses allerletzte Treffen beider Parteien vorzubereiten.

Meine Meinung:
„Bluttrinker“ von Stephan R. Bellem ist mein zweites Werk von diesem Autor. Ich muss zugeben, dass es mich von der Gestaltung gar nicht anspricht und ich auch dem Klappentext zunächst nicht sonderlich spannend fand. Ich habe es aber unbedingt lesen wollen, weil mich sein Buch „Portal des Vergessens“ dermaßen verzaubern konnte, dass ich hoffte, auch dieser Roman könnte das schaffen.
Wie das oft so ist, bleiben solche Sachen meistens einmalige Geschichten und „Bluttrinker“ hat mich zwar nicht komplett von den Socken gehauen, aber doch positiv überrascht und ich habe feststellen müssen, dass es eine sehr lesenswerte und rasante Geschichte ist.
Jetzt, nachdem ich den Inhalt kenne, ist mir klar, dass die Gestaltung doch sehr gut zu diesem Werk passt. Sehr spartanisch und eher düster und karg: Einsam. Denn das Leben oder vielmehr die komplette Welt, die der Autor hier schuf, spiegelt sich im Kampf ums Überleben, Brutalitäten und feinen Plänen, die davon handeln verschiedene Völker oder sogar Rassen zu einen, wider.
Für meinen Geschmack wurde viel zu viel gekämpft. Obgleich diese Passagen sehr überzeugend und anschaulich bis ins kleinste Detail beschrieben wurden, wollte ich so viel eigentlich gar nicht wissen. Regelmäßig überfielen mich bei den ganzen menschlichen Mageninnereien und der Lust am Töten bei einigen Wesen der Ekel. Gut, andererseits gehörte das wohl dazu, denn ein Krieg ist nun einmal nicht schön, sondern brutal und fordert alles ein, was ein Organismus zu geben hat, dennoch finde ich, hätte man die Härte dieser Welt vielleicht auch in einem anderen „Gefäß“ kanalisieren und darstellen können.
Stephan R. Bellem hat durch verschiedene Handlungsstränge ein weit angelegtes Netz an Ereignissen ausgeworfen, indem die einzelnen Akteure zunächst alleine und für sich spinnen, doch irgendwann werden die Maschen enger, sie begegnen sich und müssen auf einander reagieren, ob gewollt oder nicht.
Für mich war es sehr spannend die verschiedenen, für sich stehenden Entwicklungen zu beobachten, die einem großen und ganzen unterworfen waren.
Die Charaktere bringen alle ihre eigenen Interessen ein, so dass mir als Leserin viel Abwechslung geboten wurde und Gegenpole entstehen. Ein Kräftewirken, welches den Plot bestimmte, ohne dass sie zum Teil davon die Einzelheiten kannten. Sie verfolgten einfach ihre Ziele, die dann ins Gesamtbild passten, um eine Richtung zu bestimmen und das Schicksal dieser Welt zu bestimmen.
Der Schreibstil fesselte mich auch in „Bluttrinker“ und da ich ein Fan von außergewöhnlichen Namen bin, haben mir diese wieder einmal sehr zugesagt und ich konnte viel besser mit den Figuren sympathisieren.

Mein Fazit:
„Bluttrinker“ ist ein Werk, das seine LeserInnen nicht schont, sondern vielmehr ein bestehendes Problem zu lösen versuchte, während sich einzelne Persönlichkeit in diesem riesigen Schauspiel ständig in Bewegung befinden, auf Reisen sind und meistens egoistisch nach ihren eigenen Bestrebungen handeln.
Die Magie, die Stephan R. Bellem dabei ins Rennen warf, baute die Möglichkeiten enorm aus und so hielt ich bis zum Ende die Luft an, wie sich alles auflösen würde und welche Verluste es geben würde.
Ein Buch, das mich durch seine Vielschichtigkeit, die kompliziert verschlungene Handlung und den Schreibstil Stephan R. Bellems überzeugte.
Für die ganzen Grausamkeiten, die leider mehr als einmal mein Missfallen erregten, ziehe ich einen Stern ab. Doch solch eine Spannung und gut durchdachte Geschichte findet sich heute noch selten. Sie ähnelte in ihrer Grundstruktur vielleicht ein ganz, ganz, ganz, ganz, ganz kleines bisschen (und ich vergleiche Bücher wirklich nicht gerne miteinander) J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ und ist dennoch (natürlich) total anders und es mehr als wert, von vielen Menschen gelesen zu werden.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Bluttrinker
Verfasser: Stephan R. Bellem
13,5 x 21,5 cm
440 Seiten
EUR: 16,95 CHF: 25,90
ISBN: 978-3-8000-9515-5
Zum Buch: Klick!
Zur Website des Autors! [Wirklich lustig dort. Die Artikel sind sehr lesenswert und bringen mich regelmäßig zum Schmunzeln bis Lachen!!]

Vielen Dank an den Ueberreuter-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

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4 thoughts on “Bluttrinker von Stephen R. Bellem [Rezension]”

  1. Du schmeichelst mir wieder viel zu sehr 🙂

    Aber wenn dich Kanduras als Welt noch reizt, dann lege ich dir die Chroniken des Paladins ans Herz. Sind mein Erstlingswerk. Und gerade Tharador hat doch einige stilistische Schwächen, aber mit Bluttrinker zusammen erschaffen sie – finde ich – eine doch sehr große Welt und Generationen umspannende Geschichte.

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    1. Nein, finde ich nicht! 😉
      Aber Danke für den Tipp. Hätte beinahe schon nachgefragt, was du ansonsten noch so geschrieben hast und was du empfehlen würdest. Jetzt habe ich ja meine Tipps! 🙂

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      1. Hehe, sonst ist ja auch noch nichts veröffentlicht 😉

        Im September kommt mit den Wächtern das sechste Buch. Übrigens deutlich weniger Gewalt darin.

        Die Chroniken werden von Band zu Band ein wenig weniger gewalttätig, aber insgesamt wohl auf dem Level des Bluttrinkers. Ist sicherlich nicht jedermanns Sache

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        1. Tja, das wusste ich eben nicht. Ich vermute, dann bin ich ja wohl beinahe schon gezwungen zumindestens mal den ersten Teil dieser Chroniken zu lesen, denn den neuen, im Herbst erscheinenden Band, hat man dann ja doch schon wieder sooo schnell ausgelesen, dass man da unbedingt Nachschub braucht! 😛
          Ich muss sagen, ich habe nichts gegen Gewalt in Büchern, aber es ist doch auch mal schön, wenn weniger darin vorkommt. (Vermutlich liegt das wiederum auch im Auge des Betrachters!)
          Lg!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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