Buchrezensionen, Favoriten

Die Messertänzerin von Susanne Rauchhaus [Rezension]

Als sie ein paar Bänder löste und sich zum ersten Mal drehte, spürte sie die Luft, die unter die Schleier der Vesséla drang und sie anhob. Die empörten Stimmen der Frauen und das amüsierte Raunen der Männer hörte sie allerdings nur noch wie aus weiter Ferne. Der Rhythmus, der Tanz, der Rausch trugen sie davon und wirbelten in ihrem Kopf weiter wie ein ewiger Disput. […]
Innerhalb eines Herzschlages spürte sie, dass er wusste, wer sie war und wohin dieser Tanz führen musste. Er hatte ihre Bewegung, mit der sie das Messer gegriffen hatte, sicherlich gesehen. Seine Augen schienen sie anzuflehen. Ohne einen weiteren Herzschlag Zeit zu haben für irgendeine Überlegung, schleuderte sie ihr Messer nach vorn.

S. 174-175

Inhalt:
Divya gehört der beinahe untersten Kaste an. Ohne Wurzeln und Heimat arbeitet sie als Dienerin und Sklavin an einer Schule, an der die Mädchen zu Tanas ausgebildet werden. Tanas sollen ihren Ehemann unterhalten und alles tun, um ihm zu gefallen. Dafür genießen sie hohes gesellschaftliches Ansehen und meistens ein Leben in Wohlstand.
Divya sieht den Mädchen beim Unterricht zu und besonders die Tanzstunden faszinieren sie. Doch mit 12 Jahren muss sie erfahren, dass diese Welt, obwohl so nah, so fern ist, wie es für jemanden nur sein kann. Dennoch übt sie all das, was sie beim Arbeiten und Putzen aus den verschiedensten Unterrichtstunden aufschnappen kann.
Eines Tages wird in der Schule eingebrochen und Regent Warkan befiehlt den Schutz durch seine eigenen Truppen. Von diesem Moment an sind um sie herum Männer. So lernt Divya Taran kennen, einen Sujim, der zu Warkans Elitetruppe zählt und den sie mit der Zeit dazu überreden kann, sie in seine Kampfkünste einzuweisen. Bald schon tanzt sie nicht mehr länger mit einem Schleier, sondern mit Messern und wird für die Politik zum wertvollen Spielball, etwas grundlegendes in diesem Land zu verändern; denn Divya ist etwas besonders, sie kann die magischen Lichter sehen, die den Menschen eigentlich helfen sollen, doch inzwischen zu einem gefährlichen Druckmittel wurden.

Meine Meinung:

Wollt ihr einmal in eine andere Welt eintauchen? In eine Welt, die alle Farben des Regenbogens und noch mehr zu enthalten scheint und gleichzeitig doch so trostlos und schwarz wirkt, dass sie dem Tode geweiht ist?
Doch solch eine Reise hat ihren Preis. Nichts ist kostenlos, das versteht sich und welchen Tribut diese Reise von euch fordern wird, müsst ihr selbst und individuell herausfinden.

„Die Messertänzerin“ ist ein Buch, was bei mir Einschlug wie eine Bombe und ein Blitz gleichzeitig. Ein Roman, der bravourös und grazil alles in sich vereinte, was ich mir wünschte und in einer tragisch, packenden Perfektion Spannung säte, die dem Plot Leben einhauchte und den Figuren erlaubte, realistische Gestalten anzulegen.
Kleine Vorgeschichten besitzen die Kraft, etwas sehr spannendes zu beschreiben, nur um mittendrin abzubrechen und die Geschichte dann von vorne zu beginnen. Somit wusste ich einerseits schon ganz schön viel, andererseits wiederum gar nichts, denn außer wilden Spekulationen, hatte Susanne Rauchhaus lediglich geschickte Andeutungen fallen gelassen.
Divya ist eine Protagonistin, die das richtige Maß an Verruchtheit, Intelligenz, Willenskraft und Herkunft an den Tag legt, um sich entweder mit ihr zu identifizieren oder ihr zumindest zu Füßen zu liegen.
Susanne Rauchhaus hat um Divya ein komplexes Gebilde entstehen lassen, was mit jeder Seite schwerer wog und neue Ebenen und Verschachtelungen dazu erhielt.
Jeden Moment glaubte ich es über Divya zusammenbrechen zu sehen. Doch stattdessen schafft sie es, dieses erdrückende Gerüst eigenhändig zu zerstören und den Weg in ihre vermeintliche Freiheit zu finden.
Der Titel beschreibt gut, worauf diese Geschichte hinausläuft, doch auf diesem Weg bestehen so viele Möglichkeiten, dass alle meine Vermutungen nicht zutrafen und „Die Messertänzerin“ viel wunderbarer war, als ich jemals glaubte.
Susanne Rauchhaus hat keine normale Geschichte geschrieben, die so vielen anderen ähneln würde. Sie hat es irgendwie geschafft, dass jedes einzelne Element wichtig wurde und nichts auf der Strecke blieb. Alles findet seinen gerechten Platz. Ein ausgewogenes Verhältnis, was manchmal kippte, um die Spannung nicht zu verlieren.
So hält sich Frau Rauchhaus komplett an die physikalischen Gesetze, dichtet eher unterschwellig und zaghaft etwas fantastisches hinzu. Dadurch entfalten sich einzelne Stränge eher zart und mir kam die Geschwindigkeit einzelner Begebenheit so bedächtig und ehrfürchtig vor, dass ich nicht wagte, beim Lesen auch nur irgendeinen Laut von mir zu geben, da ich sonst Gefahr lief, dieses komplexe, ideale Traumgebilde von mir über diesen Roman zu zerstören. Die Lichter, die immer wieder auftauchen und als einziges nicht durch Rationalität erklärt werden könnten, behalten jedoch soweit ihre Freiheit, dass ich als Leserin für mich selbst entscheiden konnte, welche Bestimmung ich ihnen zugestehe.
Und ich schwöre, dass ich mit jedem Herzschlag, der verging beinahe starb, wenn Divya und Taran zusammen waren und sich nicht das zeigen konnten, was sie vielleicht füreinander empfanden, da sie in feindlichen Lagern standen. Von welcher Seite ich diese Geschichte auch betrachte, sie ist komplett und perfekt. Es gibt nicht eine Ungereimtheit und nichts hat mich gestört.

Mein Fazit:
Sicherlich befindet sich auf meinem Gesicht noch immer ein dümmliches Grinsen, wenn ich an Susanne Rauchaus‘ Roman denke, der für viele Altersklassen geeignet ist.
Ihr Roman ist etwas besonderes, denn selbst, wenn er sich dem Mainstream anschließen würde, liegt die Lebendigkeit in dieser sprachlichen und poetischen Schönheit, die untermalt von der gewaltigsten Handlung aller Zeiten auf die Spitze getrieben wird und somit alle anderen Werke in seiner Klasse überholt hat.
Ein Roman, der gelesen werden muss, da Messer eine unwiderstehliche Tödlichkeit besitzen können und Susanne Rauchhau euch beweist, dass nicht immer alles vergebens ist und dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Die Messertänzerin
Verfasser: Susanne Rauchhaus
ab 14 Jahren
12,5 x 20,0 cm
367 Seiten
EUR: 14,95 CHF: 23,50
ISBN: 978-3-8000-5603-3
Zum Buch: Klick!
Leseprobe!

Herzlichen Dank an den Ueberreuter-Verlag für die Zusendung dieses bombastischen Rezensionsexemplars!

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4 thoughts on “Die Messertänzerin von Susanne Rauchhaus [Rezension]”

  1. Ach ja „Die Messertänzerin“. Das Buch fand ich auch recht gut… besser als erwartet. Ich weiß nicht warum, aber bei den Büchern, die ich bisher von Susanne Rauchhaus gelesen habe, fehlte mir immer das gewisse Etwas – obwohl ich auf eine gewisse Weise durchaus begeistert bin. Bei „Die Messertänzerin“ schreibt sie aber wirklich sehr schön und der Prolog war ja wirklich der Hammer. Wie kann man da nicht weiterlesen wollen? Nur zwischendrin war ich dann nicht mehr ganz so kribbelig … Irgendwie waren mir manchmal zu schnelle Sprünge drin (plötzlich hat Divya Geburtstag etc.) und auch das mit Tarans Vater kam mir zu nebenbei… Aber sonst ein sehr schönes Buch mit viel Spannung und einer zauberhaften Liebesgeschichte – da waren wahrlich schöne Momente dabei. 🙂

    LG Reni

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  2. Ja, mich haben deine ganzen Kritikpunkte gar nicht gestört, weil sie mir ja nicht einmal auffielen! 😉
    Ich bin so darin versunken und bin beinahe immer noch im 7. Himmel. Kann gar nicht glauben, dass ich in diesem Jahr schon so viele schöne Bücher gelesen habe, dass ich immer denke: JETZT ist es da! DEIN Favorit für 2011. Doch irgendwie werde ich dauernd immer noch getoppt. Irre.
    Ist aber bisher auch mein einziges Werk von dieser Autorin. Mal schauen, ob ich noch etwas von ihr lese. Wenn es auch so gut sein sollte, sicherlich, doch vielleicht will ich auch die mögliche Illusion aufrecht erhalten, dass diese Autorin eine einzigartige Gabe besitzt! 🙂
    LG!

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  3. Das ist doch toll! Mir ist es halt nun einmal ins Auge gesprungen, was das Lesevergnügen aber keinesfalls trübte (4/5 Punkten)… Von den Büchern, die ich bisher von Susanne Rauchhaus gelesen habe, ist „Die Messertänzerin“ inhaltlich wie schreibtechnisch für mich das Beste! … „Schattenwesen“ und der „Hexenspiegel“ sind aber auch sehr nett für zwischendurch. Ich denke, dass „Schattenwesen“ dich begeistern könnte. Die Hauptprota ist Restauratorin, demgemäß geht es um Kunst und Kreativität, verbunden mit einem spannenden Plot, wenn das nichts für dich ist. 😉

    LG Reni

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    1. Da hast du recht! Könnte was für mich sein! Habe „Schattenwesen“ wegen des Covers früher schon bewundert, doch jetzt fiel mir auf, dass es auch dieselbe Autorin ist. Eigentlich schon ein zwingender Kaufgrund, wenn da nicht so ein riesiger SuB wäre. Mal sehen, mal sehen! 🙂

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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