Beutewelt I – Bürger 1- 564398B-278843 von Alexander Merow [Rezension]

Inhalt:
Im Jahr 2028 ist die Welt anders, als wir sie bisher kannten. Es gibt kein Bargeld mehr, Europa ist unter einer großen Regierung vereint, die Menschen tragen keine Namen mehr, sondern Zahlen und Ziffern und sind einer strengen Kontrolle ausgesetzt. Mittendrin schlängelt sich Frank Kolhaas irgendwie durchs Leben. Abgesehen von seinem spärlichen Kontakt zum Elternhaus und seiner Schwester, geht er jeden Tag in einem Stahlwerk als Leiharbeiter arbeiten. Das ist mehr, als die meisten Menschen haben, denn es gibt keine Sozialstaaten mehr, kein Solidaritätsprinzip oder gar eine staatliche Krankenversorgungen. Das Wirtschaftsnetz ist irgendwann zwischen 2010-2020 unter der Last zusammengebrochen und jeder muss zusehen, wo er bleibt. Doch Frank ist nicht glücklich. Immer dieselben Arbeiten, dasselbe schlechte Essen, die Einsamkeit.
Bis zu jenem verhängnisvollen Tag im Stahlwerk. Frank wird aufällig und eine anfängliche Verwarnung endet für ihn in einer Katastrophe. Er verliert seinen Lebensunterhalt, doch es soll noch viel schlimmer kommen. Was er dabei nicht ahnt ist, dass der Weg zur Freiheit manchmal über die schlimmsten Qualen und Gefahren gehen muss. Doch wird Frank dem standhalten können oder an den Anforderungen zerbrechen?

Meine Meinung:
Mir fiel es anfangs sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um diese Dystopie zu beschreiben. Wer jetzt denkt, er könne keine Dystopien mehr sehen, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Die meisten Dystopien stellen hauptsächlich einen Adressatenbezug zu jugendlichen LeserInnen her, in denen Liebe neben der negativen Gesellschafts – oder Regierungsform den Hauptaspekt darstellt. Nicht so in „Beutewelt“.
Alexander Merow hat seine Handlung auf die zum Greifen nahe Zukunft ausgerichtet und dabei nichts beschönigt oder rosarote Blumen in die Luft gemalt, nach dem Motto: „Während die Welt im Chaos versinkt, haben wir immer noch uns und werden das schon irgendwie zusammen meistern“.
Die Offensive und den harten Ton, den der Autor anschlägt, haben mich anfangs erschrocken und es mir nicht leicht gemacht die Geschichte zu mögen oder einen Einstieg zu finden. Als ich mich jedoch daran gewöhnte und den Sinn dieser Sprache verstand, fühlte ich mich selbst so betäubt wie der Protagonist Frank Kolhaas. Der im Prinzip voller Tatendrang und freien Gedanken steckte, von der Weltregierung darin beschnitten, langsam abstumpft, sowie die gesamte Bevölkerung. Die Gesellschaft ist in ihrer eigenen Bewegungslosigkeit gefangen, während sie sich stärker und stärker überwachen und einkerkern lässt, weil sie größtenteils schon „eingerostet“ sind.
Das allerschlimmste für mich beim Lesen war, dass Alexander Merow nicht eine Schwachstelle in seinem starren, kontrollierenden Zukunftsmodell übrig gelassen hat, an der ich mich hätte aufhängen können, um mir einzureden, dass so etwas nie geschehen könne. Mit komplexen, detaillierten, nachvollziehbaren Strukturen hat er eine Zukunft kreiert, die wir sicherlich nicht mehr erleben wollen, falls es so weit käme. Der Pfad seiner Geschichte folgt nicht stur einem Denkmuster, so dass ich mich stärker angesprochen fühlte.
Die Handlung entfaltet sich in einem angenehmen Tempo. Die LeserInnen werden langsam in diese noch ungewohnte Welt eingeführt. Frank Kolhaas‘ Schicksal nimmt seinen Lauf, wobei nebenher immer mehr Schreckenszenarien dieser Welt offenbart werden.
Während ich mich mit dem in den 20-igern steckenden Frank nicht anfreunden konnte, passte er sehr gut in diese Welt, die ebenfalls abschreckend wirkt. Das hatte etwas. Glücklicherweise verliert sich „Beutewelt“ nicht in seiner unendlich scheinenden Schwärze, sondern gibt Grund zum Hoffen. Diese Hoffnung ist, ohne zu viel zu verraten, ebenso glaubwürdig und realitätsnah beschrieben, wie der gesamte Roman.
Das Lesen wurde mir durch einige Ortswechsel sehr erleichtert und dass ich diesen Roman las, kurz nachdem ich in Paris gewesen bin, hat sehr geholfen, um einige Einzelheiten der pariser Unterwelt nachzuvollziehen und mich dem Geschehen näher zu fühlen.
Der Titel beschreibt sehr gut, was die LeserInnen erwartet, wobei ich die Bürgernr. einer ISBN ähnlich vermutlich weggelassen hätte.

Mein Fazit:
Alexander Merow hat mit „Beutewelt“ den ersten Teil einer sieben-Bändigen Serie verfasst, der relativ sachlich und neutral gehalten, regelrechte Beklemmungen bei mir auslöste, der ich durch die Lebendigkeit der Charaktere entgegenwirken konnte. Die erste Geschichte ist in sich abgeschlossen, dennoch bleiben einige Fragen offen und das Schicksal von Frank Kolhaas und seinen Freunden ist noch lange nicht erfüllt.
Ich würde mir sehr wünschen, dass viele Menschen diesen Roman lesen werden. Denn mit seinen knapp 250 Seiten ist er sehr auf den Punkt gebracht und wird uns hoffentlich aufschrecken, niemals die Kontrolle und die Freiheit über unsere Leben zu verlieren.
Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, empfinde ich „Beutewelt“ als bedrückender und realistischer, als „1984“ für mich jemals hätte sein können, da dies nicht meine Zeit war, „Beutewelt“ aber schon. Wer „1984“ schon schrecklich fand, wird von diesem Werk tief in seinen schwarzen, farbenfreien Schlund gezogen und in eine emotionslose Welt eingeführt, die es einem schwer macht, noch Hoffnungen zu hegen.
Zunächst leben wir aber noch im „Hier und Jetzt“ und sollten uns noch darauf konzentrieren, den Medien nicht alles zu glauben und uns für uns einzusetzen, solange wir es noch können.
Glücklicherweise rundet Herr Merow seinen fiktiven Roman mit einem Nachwort ab, der meine Spannungen ein wenig lösen konnte und mich glauben macht, dass es niemals so weit kommen wird, wie in „Beutewelt“ eindringlich beschrieben.
Leute, lest einfach dieses Buch!

Bewertung

Allgemeine Buchinformationen:
Alexander Merow
Beutewelt I. Bürger 1-564398B-278843
ISBN-13: 978-3-86901-839-3
1. Auflage 2010
Engelsdorfer Verlag
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Format: 12×19
250 Seiten
Zum Buch: Klick!
Zur Autorenwebsite!
Zur Leseprobe!

Vielen Dank an den Autor für die abwechslungsreiche Lektüre! 🙂

(Es gibt die „Beutewelt“-Romane auch als EBook zu erwerben!)

Advertisements

Über Charlousie

Ich lebe · liebe · lese · Ich schreibe · Ich rezensiere · Ich blogge https://leselustleseliebe.wordpress.com/ Eine verrückte, bloggende, verträumte, Buchliebhaberin, die mit ihren Katzen zwischen den Worten wohnt. Wenn du mehr erfahren willst, folge mir auf Twitter, like me on facebook, teile Bilder mit mir via Instagram oder besuche mich auf LeseLust & LeseLiebe.

Veröffentlicht am 13/06/2011 in Buchrezensionen, Favoriten und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Pingback: Anonymous

Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: