Buchrezensionen

Nightshade 01 – Die Wächter von Andrea Cremer [Rezension]

Inhalt:
Calla Tor ist eine Wächterin und das Alphaweibchen der Nightshades. Ihr Leben verläuft perfekt. Sie, ihre Eltern, das ganze Wolfsrudel schützt auf Befehl der Hüter die heiligen Orte vor den Suchern und sie ist dazu auserkoren Ren, das Alphamännchen der Banes zu paaren, um ihre beiden Wolfsrudel zusammenzuführen. Calla hegte nie einen Zweifel an ihrer Bestimmung und fügte sich den manchmal strengen Gesetzen der Hüter und ihren Wünschen für sie und ihre Angehörigen. Doch dann tritt Shay in ihr Leben. Shay ist eigentlich nur ein Mensch und dennoch hat ein Hüter ihn bei sich aufgenommen, ohne Shay in die Existenz der Wölfe, Hüter oder gar Sucher einzuweihen.
Aber zwischen Calla und Shay beginnen Bande zu entstehen, denn Shay hinterfragt alles und denkt kritisch. Er findet ihre Art und Weise zu leben nicht richtig. Also recherchiert er und beginnt auch in Callas Gedanken Zweifel an ihrer Bestimmung zu säen. Ist es wirklich richtig ihr die Wahl ihres Partners vorzuschreiben und ihr ganzes Leben in eine Form zu quetschen, an der sie nichts mitentscheiden kann? Was hüten die Hüter für ein wahres Geheimnis und was hat es mit den Suchern wirklich auf sich?
Calla ist hingerissen zwischen ihrem Pflichtgefühl dem Rudel und Ren gegenüber, den Gefühlen zu Shay und dem, woran sie ihr ganzes Leben lang geglaubt hat.
Ist Shay es wert alles aufzugeben oder ist ein Leben mit Ren nicht doch das richtige? – Denn auch er lässt ihren Puls höher schlagen.

Meine Meinung:

Ich bin sprachlos angesichts dessen, was mir die Autorin hier präsentierte. Eine Geschichte, wie keine andere, die mich vollkommen begeistern konnte und umhaute. Dies ist Andrea Cremers erstes Werk, was ich „Nightshade – Die Wächter“ gar nicht anmerkte.
Andrea Cremer schreibt zwar über die altbekannte Figuren der Werwölfe, jedoch ganz anders, als alle bisherigen Geschichten über diese Rasse zuvor. Sie können sich verwandeln, wann immer sie wollen, ohne an den Mond gebunden zu sein. Das Wesen dieser Tiere und ihr soziales Umfeld, das ganze Gefüge ist komplett anders aufgebaut.
Um das zu verstehen und zu ergründen, muss man diese verstörend gute Geschichte einfach gelesen haben. Die Wächter sind hier ganz normale Menschen, die sich in den menschlichen Alltag integrieren und sich nur in ihrer Wächterfunktion oder zu anderen Anlässen in Wölfe verwandeln. Mich hat entsetzt, wie das Verhältnis der Wächter zu ihren Hütern ist. Es könnte ja auch auf der Basis sein, dass die Wächter ein Mitentscheidungsrecht haben dafür, dass sie eben Wächter sind, beschützen und die gefährliche Arbeit erledigen. Stattdessen werden sie beinahe wie Sklaven im goldenen Käfig gehalten und müssen sich den Befehlen der Hüter widerstandslos unterwerfen. Diese entscheiden, wen sie als Gefährten nehmen, wo sie leben und wie sich ihr Rudel nennt. Aber den Wölfen ist das nicht einmal bewusst.
Wenn dies alles wenigstens im Sinne der Wölfe geschehe und nur nach ihrem besten gehandelt wird, doch die Hüter nutzen ihre Machtstellung gnadenlos aus. Dabei bin ich richtig wütend geworden.
Beide Seiten haben die verdrehte Vorstellung von ehrwürdigen Traditionen, wenn die Wächter wie Sklaven gehorchen und die Hüter befehlen. Ich kann mir vorstellen, dass den Hütern dies alles sehr wohl bewusst ist, sie aber natürlich nichts dagegen tun, um die Macht aus der Hand zu legen, warum auch?
Als Gegenspieler der Wächter und Hüter gibt es die Sucher. Ihre Rolle entblättert sich erst mit der Zeit und manchmal habe ich mich gefragt, ob die Sucher nicht nur ein guter Vorwand für die Hüter sind, um die Wächter für sich vor den Karren zu spannen.
Dies wird in diesem Band noch nicht aufgeklärt, doch die Handlung ist so rasant und mit prickelnden Worten geschrieben worden, die sich direkt unter meine Haut setzten und mich in wunderbare Stimmungen versetzten, dass mich das nicht weiter störte.
Die Charaktere und der ganze sprachliche Stil der Autorin brachten mich beinahe zum Schmelzen. Es kann nie gutgehen, wenn langsam, aber sicher eine Dreiecksbeziehung entsteht, doch hier empfand ich sie als besonders schlimm und dramatisch.
Besonders verzwickt für mich, da ich ausgerechnet die Person bevorzugte, die Callas zweite Wahl ist. Ich weiß nicht, woher Andrea Cremer diese Wortwahl nahm, denn ich habe mich derart in die Figuren einfühlen und in die Geschichte hineinsteigern können, wie es selten der Fall ist.

Mein Fazit:
„Nightshade – Die Wächter“ ist ein Urbanfantasy – Roman, der durch neue Ideen besticht und mit einem grandiosen Schreibstil durch eine packende Handlung und komplizierte Verwicklungen führt.
Historische Fakten, gepaart mit Fantasy und atmosphärisch dichter Romanze legen einen wahnsinnig guten ersten Teil einer neuen Serie vor, ohne kitschig zu sein.
Die Protagonistin und weitere Charaktere sind sehr tiefgründig aufgebaut und obwohl dieses Genre normalerweise nicht sehr viel Anspruch oder tiefsinnigere Gedanken voraussetzt, werden hier neue Machtgefüge gebildet und die Geschichte regt zum Nachdenken an.
„Nightshade“ schlägt alles andere um Längen in sämtlichen Klassen und hat mich maßlos begeistert, eines meiner neuen Highlights, die es wert sind, gelesen zu werden!

Bewertung
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12 thoughts on “Nightshade 01 – Die Wächter von Andrea Cremer [Rezension]”

  1. Kann dir da leider überhaupt nicht zustimmen. Nightshade hat mich maßlos aufgeregt. Ich finde es einfach nicht vertretbar, sowas jungen Mädchen zum Lesen in die Hand zu drücken.
    Aber das kann ja jeder anders sehen ^^

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    1. Das wundert mich ein wenig! Was genau würdest du denn als „NIcht Jugendfrei“ betrachten? Mir fällt da auf den ersten Blick nichts auf, aber vielleicht bin ich auch einfach schon zu abgehärtet? Wer weiß! 😉

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  2. Das mein ich gar nicht. Die machen ja nichts Schlimmes, außer auf jeder zweiten Seite rumzumachen. Was eigentlich ist, was mich gestört hat: diese maßlose Häufung an Rumgeknutsche. Und dann noch Calla selbst. Ihre Unentschlossenheit ist mir total auf die Nerven gegangen und dann immer dieses scheinheilige „Ich darf doch nicht!“, trotzdem schmeißt sie sich innerhalb von 3 Seiten (ich habs nachgeprüft) an zwei Jungs dran. Hormongesteuert hoch irgendwas.
    Ich zumindest hab ihr die „Kriegerin“, die sie ja angeblich sein soll, nicht abgekauft.

    Am meisten hasse ich aber diese eine Szene, in der Callas Mutter vor Rens Vater kuscht. Der Typ hat sie sexuell missbraucht! Und dann erzählt sie ihrer Tochter so Sachen wie: „Auch wenn du Alpha bist, vor einem Mann musst du dich beugen.“ Ich hätte schreien können!
    DAS meinte ich mit: Wie kann man das nur jungen Mädchen zum Lesen geben.
    Überhaupt werden Frauen in dem Buch total runtergemacht. Zuerst ist Calla die Alpha ihres Packs, aber kaum kommt Ren daher, tanzen alle nur noch nach seiner Pfeife und Calla tut nichts dagegen.
    Wenn sie wirklich eine Kämpferin wäre hätte sie außerdem versucht was dagegen zu tun, dass der eine Hüter sich nicht mehr an dem Mädchen aus Rens Pack vergeht.

    Darüber hinaus fand ich diesen Menschenjungen (Name ist mir längst entfallen) sehr uninteressant. Ich hab mich beim Lesen dauernd gefragt: Wozu hat die Autorin den eigentlich eingebracht? Nur um eine Dreiecksgeschichte schreiben zu können? Das hat sich dann am Ende ja ein bisschen aufgeklärt.

    Insgesamt tritt „Nightshade“ das moderne Frauenbild mit Füßen. Und das finde ich nicht vertretbar.

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    1. Also:
      Das, was du schilderst, habe ich auch gesehen. Zunächst hat es mich ebenfalls gestört, besonders das mit der Mutter, die Calla erstens erzählt, sie MÜSSE sich immer dem AlphaMännchen unterwerfen usw. Dann habe ich mir aber gedacht, dass die Autorin dieses Element bewusst eingesetzt haben könnte, um die richtige Stimmung zu vermitteln und zu unterstreichen, wie hart und grausam diese Gesellschaft ist. Nicht nur die Menschen zu den Wölfen, sondern auch UNTER den Wölfen. Ich denke (hoffe) nicht, dass Andrea Cremer absichtlich ein schlechtes Frauenbild gezeichnet hat. Sie wollte bestimmt lediglich eine düstere Atmosphäre vermitteln und keine Vorbildfunktion schaffen. Aber wenn ich es mir recht überlege, hast du vollkommen recht. Jüngere LeserInnen werden das nicht unbedingt unterscheiden können und sehen das als „richtiges“/“gutes“ was auch immer Frauenbild an…
      Dennoch hat mir diese Geschichte extrem gut gefallen und Shay( den, an den du dich nicht mehr erinnerst), den fand ich auch nicht so toll und dass die dauernd aneinander rummachten? Das waren die animalischen Sex/Tiertriebe, die sie ausleben mussten :P. Ehrlich, mir fiel das gar nicht so auf, dass es SO OFT war und ich hoffe sehr, dass mir im zweiten Band Shays Rolle sympathischer wird. Ich hoffe, mit dieser Antwort werden wir alle leben können. GLG,

      Charlousie

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    1. Hi StefanieEmmy, 🙂

      Wow, was für eine lange Antwort! Zu der ich mich leider erst ein wenig später äußern kann, denn erstens habe ich sie gerade erst entdeckt (bin gar nicht online gewesen! 😉 und habe wenig Zeit, aber bei deinem langen Text (über den ich mich sehr freue) möchte ich mir ein wenig Zeit nehmen! Also, ich gebe dir bescheid, wenn ich dir geantwortet habe! Nur so viel: Ich verstehe was du meinst und aufgefallen ist mir das auch. GLG und gute NAcht!

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  3. Danke für die Antwort. 🙂

    Schon möglich, dass Andrea Cremer dieses Frauenbild nicht bewusst so gezeichnet hat oder dass es wirklich so beabsichtigt war. Nur, dann ist sie in meinen Augen keine gute Autorin.
    Falls sie es unbewusst getan hat: Aber hallo, wenn ich was schreibe, muss ich doch drüber nachdenken, was der Text vermittelt!
    Falls es Absicht war, um die Stimmung düsterer zu gestalten: Dann bitte soll sie Erwachsenenliteratur schreiben und nicht Bücher, die als YA klassifiziert werden – das bekommen zwangsläufig junge Mädchen in die Hände.

    Ja, möglich, dass das nicht jeden so anspringt. Mich hats wie gesagt genervt, deswegen hab ichs wahrscheinlich auch so stark wahrgenommen 😉

    Aja, Shay. Ist mir echt entfallen xD So ein unscheinbarer Charakter. Ihm und Calla fehlt am meisten diese Tiefe, die ich gerne bei Protagoniten habe. Einzig Ren hatte ein wenig Profil, aber naja, auch das fand ich etwas begrenzt.
    Alles in allem einfach nicht mein Lieblingsbuch ^^

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    1. Hmmm, nachdenken, was der eigene Text vermittelt ist natürlich sehr wichtig. Wenn sich ein/e Autor/in bei einem Verlag bewirbt unter einer bestimmten Rubrik, kann es sein, dass sie ihn einfach woanders einordnen. KÖNNTE deswegen nicht das Verschulden der Autorin sein ;).

      Wie man es aber dreht und wendet, junge Mädchen werden es lesen, das stimmt, aber auch „Erwachsenen Bücher“ können theoretisch von jungen Menschen gelesen werden, ohne dass sie selektieren können, was ihnen der Text nun gutes oder schlechtes vermittelt. An sich ist das alles dann doch ein wenig müßig, aber generell ja: Das Frauenbild in „Nightshade“ kann falsch aufgegriffen werden.
      Bin dennoch der Meinung, dass es auch da schlimmeres gibt und auch „härteres“

      Wenn ich das mit den Black Daggern vergleiche, es soll dort zwar nicht schlecht sein, aber das Verhalten zwischen Mann und Frau ist doch sehr tierisch und auf jeden Fall unterwirft es die Frau vor dem Mann (Vampir…)

      Und Shay? Ich hoffe da einfach mal auf die Fortsetzung, denn eigentlich war ich von Anfang an für Reyn. Ungewohnt für mich auf „der falschen“ Seite zu stehen, das Problem hatte ich bisher nie, war immer auf der richtigen Seite!! 🙂
      Ich kann jetzt nicht einmal mehr genau bennen, was es war, aber irgendetwas hatte dieses Buch für mich und es hat mir was gegeben. Demnach IST es mein Fall! 😀

      (Vielleicht war es auch so aufregend es als Druckfahne zu lesen) – Glaube ich eher nicht, war nur ein Spaß.

      Bis dann also und falls du Band 2 liest, bin ich sehr gespannt, was du dazu denkst!

      Schönen Dienstag wünsche ich noch!

      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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